Mo – So, 09.-15.Jan 2012 (Ushuaia, Puerto Williams)

Damit es eine „saubere“ Woche wird, nehmen wir das Angebot von Dennis und Mike natürlich an und so stehe ich am Morgen mit unserer Wäsche am Steg, Dennis leistet mir bei einem Plausch Gesellschaft während Mike den Mietwagen abholt. Dann kann es losgehen zur Wäscherei. Während die Land Fall Crew ihre weiteren Besorgungen mit dem Auto erledigt, marschiere ich zu Fuss in die Stadt und zur Post. Dort empfängt mich eine Warteschlange bis auf die Strasse hinaus, in die ich mich brav einreihe. So kann ich eine Stunde lang die 3 Schalter beobachten, hinter denen Beamten-Mikado gespielt wird. Aber das ist nicht ganz wahr, denn schließlich haben sie in der Stunde eine recht lange Menschenschlange abgefertigt. Kein Wunder, dass viele Argentinier und Indios so klein sind, wenn sie sich dauernd die Beine in den Bauch stehen müssen. Dafür sind die Briefmarken recht groß, von denen jeweils zwei auf die kleine noch freie Fläche sollen, ein Ding der Unmöglichkeit. Entweder wird die Adresse oder der geschriebene Text zugeklebt. Bis ich am Club zurück bin, ist es bereits 1200h und der Marinero macht Pause bis 1600h. Er setzt mich trotzdem noch über und verspricht auch, gegen 1430h wieder vorbei zukommen, um uns wieder an Land zu bringen. Nachdem wir nicht wissen, wie viel Zeit das Ausklarieren in Anspruch nehmen wird und andererseits unsere Wäsche spätestens um 1730h abgeholt werden muss bevor die Wäscherei schließt, wäre es zur „regulären“ Arbeitszeit des Marinero sicherlich zu spät. In der Prefectura herrscht Hochbetrieb und wir müssen warten, dann geht aber alles recht einfach und schnell. Die Immigration wird gleich mit erledigt und danach noch zum Zoll. Wir brauchen nur eine Kopie des Formulars von der Prefectura dort abgeben, der Beamte wünscht uns eine gute Fahrt und drückt uns die Hand – das war’s. So bleibt uns noch etwas Zeit, um im Internet Emails und Wetterdaten herunter zuladen, dann bin ich mit Mike auch schon wieder unterwegs, um unsere Wäsche wieder abzuholen.

Kaum zurück im Club, wartet Ilona schon mit Lisa auf die Überfahrt zu Bomika. Neben einem sündigen Wein (er nennt sich laut Label tatsächlich so) bekommen wir einen kleinen Plüschpinguin zum Abschied als zusätzliches Crewmitglied. Wir verbringen einen feuchtfröhlichen Abend, bis Paolo mit dem Dingi vorbeikommt und Ilona wieder abholt. Für einen Drink hat er leider keine Zeit.e_P1092293e_P1092294

 

 

 

Am Dienstag nach dem Morgenkaffee wird mal wieder die Machete gezückt, um unsere Ankerkette vom großen Kelp Bündel zu befreien. Der Himmel ist bedeckt, das Baro ziemlich im Keller und leichter Regen tröpfelt von Zeit zu Zeit auf uns hernieder. Wir melden uns über Funk noch mal bei der Prefectura ab und setzen die Genua, die uns bei Rückenwind gut vorwärts treibt. Allerdings hält der Wind nichts von Schlankheitskuren und Diäten sondern nimmt ganz schön zu. Die dazu gehörigen achterlichen Wellen gepaart mit heftigen Böen drücken Bomika immer wieder ganz schön aus dem Kurs und für einige Zeit müssen wir per Hand steuern. Das geht ganz schön in die Arme, wir sind eben bereits viel zu verwöhnt von unserer Windfahnensteuerung „Horst“ oder dem elektrischen Gegenstück „Gustav“. Dafür pendelt unsere Geschwindigkeit zwischen 7 und 8 Knoten Fahrt plus einem Halben Knoten Schiebestrom. Das bleibt aber nicht immer so, zwischendurch geht Äolus auch mal die Puste aus und er säuselt nur noch mit 6-8 Knoten, nicht viel von achtern. So relativiert sich unsere Rauschefahrt, trotzdem schaffen wir die Strecke in nur 5 Stunden.

Wie so oft, war das Ankommen das Schwierigste. Wir haben erst versucht, im Seno Lauta, einem Flüsschen gleich neben der Bucht, in der der südlichste Yachtclub der Welt „Micalvi“ liegt, zu ankern. Beim ersten Mal kamen wir am Ende der Kette zu nah ans Ufer, beim zweiten Mal klappte es besser – zumindest solange der Wind nicht dreht. Doch bei dem kräftigen Wind wird es schwierig, über die Bucht an Land zu kommen, sei es zum Einklarieren oder für Ausflüge. Die nächste Überlegung war, dass für die nächsten Tage ab Donnerstag stürmische Winde vorhergesagt wurden, was es noch schwieriger macht und uns an Bord fesselt, anstatt den Ort kennen zu lernen. Also gehen wir wieder Anker auf und zum Yachtclub. Der Steg besteht aus einem alten Dampfschiff, das hier auf Grund gesetzt wurde und an dem die Segler links und rechts im Päckchen festmachen. Die Deckskabinen des Dampfers beherbergen neben einer heimeligen Bar auch Duschen und Toiletten. Doch es sollte erst noch 3 weitere Anlegemanöver dauern, bis es endlich geklappt hat. Kräftige Windböen haben immer wieder im ungünstigsten Augenblick eingesetzt und unser Heck abgetrieben oder Bomika zu stark auf die Yachten abdriften lassen, so dass eine Karambolage nur mit beherztem Gasgeben und einem Neuversuch verhindert werden konnte.

Nachdem wir als viertes Schiff im Päckchen fest vertäut lagen, kamen wir beim Gang an Land auch über Resolute gestolpert. Peter und Frank haben uns kurz darauf begleitet bis zur Capitaneria del Puerto, die auch die Prefectura beherbergt. Die ersten Formulare werden ausgefüllt, und wir sollen noch eine ½ Stunde bleiben, denn Zoll, Immigration und Gesundheitsamt kommen um 1800h her und wir können uns den Weg sparen. Wir nutzen die kurze Wartezeit für einen kleinen Spaziergang und stiften in der Kirche die längst fällige Kerze, die wir als Dank für die gute Fahrt durch die stürmischen Regionen versprochen haben. In der Kirche hängen neben gebastelten Pappengeln auch eine große Tafel, auf der der alte Herr im Himmel mit der Welt telefoniert, doch die Datenleitung wird von einer Friedenstaube mit dem Schnabel gekappt. Was auch immer das hier bedeuten mag, wir denken an Aloisius, der durch seinen verlängerten Aufenthalt im Hofbräuhaus die Bayerische Regierung immer noch auf die göttliche Eingebung warten lässt. Der Kreuzweg an den Wänden besteht aus handgeschnitzten Holzreliefs, die die Hingabe des Künstlers verraten.    e_P1102297e_P1102301

Zurück in der Prefectura werden alle weiteren Formulare der übrigen Behörden schnell erledigt und wir bekommen jede Menge Anstecker, Anhänger und Schreiber als Werbematerial geschenkt. Dank Internet – wenn auch wackelig – wird ein 5-seitiges Formular auf Spanisch ausgefüllt, das wir am nächsten Tag noch abgeben müssen. Ansonsten sind wir froh, nach einem einfachen Abendessen in die Kojen zu kriechen.

Den Mittwochvormittag vertrödeln wir mit Hafenkino vom Feinsten: die große fette Yacht „Santa Maria Australis“ will auslaufen, an ihr hängen noch zwei weitere Yachten und eine dritte läuft gerade ein und will sich dazu hängen. Es wird umgeparkt und ausgeparkt, ein Ballett der Segelyachten im engen Hafenbereich, aber alles läuft soweit glatt. Ebenso will sich die „Resolute“, die fast ganz innen im zweiten Päckchen liegt, schon mal nach außen verlegen, damit sie am Nachmittag problemlos abdampfen kann. Dazu verlegen wir uns zusammen mit den Franzosen, die außen an uns festgemacht haben, an das Päckchen weiter vorne. Am Abend wird dann unser Päckchen noch mal reduziert, da unser innerer Nachbar ausläuft. Also ziemlich viel Bewegung im Hafen!

Zwischendurch liefern wir unseren Fragebogen bei der Prefectura ab und machen noch einen Spaziergang durch einen Teil der Ortschaft und hintenherum durch die Hügel zurück zum Hafen. Dabei passieren wir die Plaza de la Virgen, ein kleiner umzäunter Park mit einer übergroßen Muttergottes und ein paar Sitzbänken. Auf der Halbinsel dem Yachtclub gegenüber befindet sich die alte Missionsstation, bei der nachmittags eine Pferdeherde herantrabt, die Fohlen werden gesäugt und tollen herum. Die ganze Herde scheint sich recht wohl zu fühlen, ebenso wie die Gänsefamilie. Weitere Yachten laufen ein und es wird recht voll, die Päckchen immer länger. Auch „Land Fall“ mit Dennis und Mike sind dabei sowie eine Italienische Yacht mit kunterbunter Besetzung: ein junger Israeli, ein Mädel aus Surinam und zwei Asiatinnen sind neben den drei italienischen Herren an Bord. Wir wundern uns, wo und wie all die Yachten doch noch einen Platz finden. Nachdem die Tage meist bedeckt sind und der Windgenerator an unserem recht geschützten Platz nicht viel Strom produziert, legen wir eine Stromleitung zum Dock an die letzte freie Steckdose. Doch der Strom bleibt aus, erst muss „Victor“ von der Prefectura kontaktiert werden und dafür ist es heute bereits zu spät.

Als wir uns am nächsten Tag mit Mike auf den Weg nach Villa Ukika machen, legen wir einen Stopp bei der Prefectura ein. Die noch fehlenden Daten unseres Epirb werden abgegeben und die Beamten telefonieren herum nach Victor, der für Stromleitungen am Pier zuständig ist. Der nimmt mich gleich mit zum Club, erklärt dass die von mir gewählte Steckdose nicht funktioniert und schaltet dafür eine andere frei, die allerdings auf der anderen Seite des Dampfers liegt und weitere 20m Kabel erfordert. Die weitere Verkabelung verschieben wir auf den Abend, erstmal ist Sightseeing angesagt. Ich schließe zu Lisa und Mike auf und wir erreichen Villa Ukika am Ost-Ende von Puerto Williams. Als sich die Chilenische Armada hier niedergelassen hat, wurden die Indios, Yahgans genannt, an den Ortsrand gedrängt und umgesiedelt. Es gibt nur noch wenige dieser ursprünglichen Bevölkerung aus Feuerland, die neben Spanisch ihre eigene Sprache Yahgana aufrecht erhalten und zumindest überwiegend Indianisches Blut besitzen. In einer Hütte werden einige Antiquate ausgestellt und indianische Handarbeiten oder alte Schwarz-Weiß Fotos zum Verkauf angeboten. Der Erlös hilft dem verbliebenen Volk zum Lebensunterhalt, für den die mickrige Sozialleistung des Staates bei weitem nicht ausreicht. Daneben bleibt nur noch ein bisschen Fischfang, entweder mit einem der alten, zusammengeflickten, kleinen Fischerboote oder mit Reusenkörben, die vor den Häusern oder auf der Strasse aufgestapelt sind. Den Verkauf erledigen zwei junge Mädels von etwa 11 Jahren, begleitet von einem kleinen, netten Rotzbengel, der auf die Beiden aufpasst – oder umgekehrt. Die angebotenen Handarbeiten sind Miniaturen der ursprünglichen Boote der Indios, hergestellt aus Baumrinde und Zweigen, mit denen sie in den rauen Gewässern rund um Feuerland und der Insel Navarino zum Fischen und Jagen unterwegs waren. Daneben auch aus Gräsern geflochtene Körbchen verschiedener Größe und aus Schaf oder Alpaka Wolle gestrickte Strümpfe und Mützen.

Nach einem kurzen Besuch im kleinen Supermarkt, der eher an einen Tante-Emma-Laden denken lässt, besuchen wir das Martin Gusinde Museum. Im Garten liegen alte Walknochen, im Inneren wird neben Ausstellungsstücken zur Historie von Indios und Besiedelung eine Bibliothek mit Leseraum sowie Internet kostenlos zur Verfügung gestellt. Nach der Rückkehr an Bord werden wir von Land Fall mit Tee, Bier, Käse und Pickels bewirtet, bevor wir uns nach 2200h alle aufmachen, um der „Micalvi-Bar“ unseren Antrittsbesuch abzustatten und unseren ersten Chilenischen Pisco Sour, das chilenische Nationalgetränk, zu genießen. Die Zeit vergeht beim Tratsch wie im Flug und bis wir alle wieder auf unsere Schiffe geklettert sind, ist es fast 0300h morgens. Klettern kann man dabei wörtlich nehmen, denn es gilt die Reling der unterschiedlich hohen Schiffe zu übersteigen und über etliche meist voll bepackte Decks zu klettern. Dabei werden viele unterschiedliche Hoheitsgebiete und somit Länder durchquert: Niederlande, Türkei (das erste türkische Schiff, dem wir begegnen, mit Sibel und Osman aus Istanbul), Australien, England, Norwegen, Frankreich, Italien, USA und viele mehr. Eine wirklich internationale Gemeinschaft!

Den Freitag verbummeln wir an Bord, es pfeift heftig, zwischendurch etwas Regen. Wir erledigen PC-Arbeiten und anderes, und an den beiden Duschen, die für den großen Andrang bei so vielen Yachten natürlich nicht ausgelegt sind, bilden sich Schlangen. Dafür gehen wir Abends mit Dennis und Mike in ein Restaurant in der Nähe, wir wollen unsere ersten Chilenischen „Completos“ (Hotdog mit verschiedenen Soßen und Sauerkraut) genießen. Frischer Fisch steht ansonsten auf dem Menü, aber frisch heißt in diesem Fall frisch angeliefert von der Fähre aus Punta Arenas und tiefgekühlt. Das stattdessen gewählte Fleisch ist auch nicht so dick wie vom Wirt angepriesen, aber auch die dünnen Lappen schmecken, vor allem Dank der scharfen Tomatensoße, die uns auf den Tisch gestellt wird.

e_P1132375Als wir zum Club zurückkommen, stehen dort zwei junge Offiziersanwärter in schmucker Uniform mit Säbeln und lassen sich gerne von uns fotografieren. Wir lernen, dass der Kapitän des Patroullienbootes, das zwischen Ushuaia, Puerto Williams und Kap Hoorn Einsätze fährt, heute abgelöst worden ist. Die restliche Gesellschaft mitsamt dem Kapitän kommt kurz darauf auf die Micalvi geschwankt, offensichtlich wurde schon gut gefeiert. Doch bevor der Kapitän seinen Fuss von der letzten Segelyacht auf die Micalvi setzt, fragt er mich um Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen, die ich ihm natürlich gewähre.

e_P1142379Auch die Crew der Deutschen Yacht „Alkyone“ finden sich ein und es stellt sich heraus, dass der Haupteigner Hans nicht nur derselbe Jahrgang ist wie ich, sondern ebenfalls in Pasing aufwuchs und wir zusammen die Grundausbildung beim Heer in der Münchner Bayernkaserne absolviert haben. Und nun treffen wir uns hier in Puerto Williams in Patagonien wieder! Das muss natürlich begossen werden und so werden noch ein paar Pisco Sour gekippt, der Flottenkapitän und seine Offiziere sind ebenfalls beim Feiern in der Micalvi Bar. Die Atmosphäre ist locker, entspannt und recht fröhlich, die Chilenen sind an den Geschichten der Segler sehr interessiert und mischen sich unters Volk, bis sich am frühen Morgen der Kapitän doch noch verabschiedet und relativ gerade, wenn auch leicht schwankend, die Bar verlässt.

Mit Ausschlafen wird es allerdings nichts. Um 0700h klopft unser Nachbar Ian sanft aufs Deck, weil er auslaufen will. Aber erstmal hat er für uns ein Haferl Kaffee bereit zum wach werden. Die Landleine ans andere Ufer holen wir mit unserem Bommelchen ein, unsere Leinen werden gelöst und die Vorleine hinten herum verlegt, so dass wir uns danach wieder leicht heranziehen können. Danach vertäuen wir uns wieder, diesmal an der Uzaklar, verkürzen die Stromleitung und alles ist paletti. Etliche andere Yachten laufen auch noch aus, dann folgen die niederländische „Danser“, die Norweger und auch „Landfall“ auf dem Weg in die Antarktis. Am Schluss trennt uns nur noch die „Uzaklar“ (übersetzt: weit entfernt) vom Dock der Micalvi, also wird es viel einfacher für unsere Miezen, an Land bzw. auf das Dock zu kommen. Insgesamt sind 11 Yachten ausgelaufen, 2 weitere sind neu dazu gekommen. Nun herrscht wieder Ruhe im Päckchenverband, der Tag ist derweil allerdings auch schon weit fortgeschritten. Dafür hat sich der Wind für heute beruhigt, der Himmel ist bewölkt und zwischendurch sprenkeln Regentropfen unser Deck. e_P1141988e_P1141990

Im Ausgleich vertrödeln wir den Sonntag, arbeiten an unserer nächsten DVD und schauen uns selbst ein paar Filme an. Für morgen haben wir einen Landausflug ins Landesinnere geplant, um die raue Wildnis etwas genauer zu inspizieren, wenn nichts dazwischen kommt.

So – So, 01.-08.Jan 2012 (Ushuaia)

Nach dem für uns doch langen Abend bleiben wir entsprechend lange in der Koje. Wir vertrödeln den halben Tag und beschäftigen uns mit Kleinarbeiten der Bordroutine, bis uns am Nachmittag Hans, Barbara und Peter von der Resolute sowie auch Ilona besuchen. Am Abend kommt Dennis von der „Land Fall“ noch vorbei auf ein Gläschen. Von Ilona erfahren wir auch, wieso es kein richtiges Feuerwerk gab: da es sehr viele Holzhäuser gibt und auch der Wald in unmittelbarer Umgebung ist, ist es verboten, mit Feuerwerksraketen und anderem offenen Feuer zu hantieren, denn ein Funke könnte hier eine wahre Feuersbrunst auslösen, noch dazu, weil der Wind hier meistens kräftig bläst.

Nachdem wir die „Resolute“ Crew mit Tee, Kaffee und dem hier sehr guten Panetone bewirtet und wir diverse Infos ausgetauscht haben, verabschieden sich die Drei. Ilona bleibt noch, um mit uns zu Essen. Wir haben viel Spaß und übersehen natürlich die Zeit, um 20.00 Uhr wird der Taxiservice der Marina eingestellt. Das heißt, entweder Charly rudert mit Ilona an Land, oder sie bleibt auf der Bomika. Dennis löst das Problemchen, nachdem er einen Drink bei uns bekommen hat, fährt er Ilona an den Steg und wir gehen auf der Stelle ins Bett, da es natürlich bereits wieder kurz vor Mitternacht ist.

Entsprechend spät kommen wir am Montag wieder aus den Federn. Wir machen einen Stadtausflug, gehen erst zum Shipshop wegen eines Außenborders (ohne Erfolg), dann in das Stadtzentrum. Unterwegs klappern wir noch ein paar Reparatur und Zubehörläden ab wegen eines Impeller, dann marschieren wir bergauf zur Hydraulikfirma. Dort erstehen wir einen Kühlwasserschlauch, Seeventile und Schlauchmuffen. Wir treffen Ilona in der Pizzeria Azul und Lisa kommt dort endlich zu ihren Centollas (Seespinnen) als reichhaltigem Belag. Bevor der Yachtclub um 20.00h den Dingiservice einstellt, sind wir zurück und lassen uns an Bord kutschieren. Die Liste der Kanäle, die wir befahren wollen und der Buchten, die wir evtl. dabei ansteuern wird weiter bearbeitet. So wird es schon wieder mal nach Mitternacht und plötzlich streikt die Toilette. Die Ursache ist mittels Schraubenzieher zum Öffnen der Pumpe schnell gefunden. Dabei ist das nicht gerade unsere Lieblingsbeschäftigung kurz vor dem Zubettgehen. Eine Garnele hat sich in den Ansaugstutzen verirrt, wobei wir nicht wissen, ob sie nur kostenlos Aufzug fahren oder Selbstmord begehen wollte. Panzer, Eingeweide, gepresstes Krebsfleisch samt Beinlinge werden entfernt, alles wieder zusammen gebaut und schon funktioniert es wieder.

Obwohl es wieder eine kurze Nacht wird, schaffen wir es uns am Dienstag früh aus dem Bett zu schälen. Die „Resolute“ läuft aus nach Puerto Williams und wir hoffen sie dort wieder zu treffen. Zu kurz war die Zeit und zuwenig unsere Fahrten an Land, um uns etwas näher kennen zu lernen. Für Lisa steht ein Ausflug mit Ilona an zur Casa del Te mit Spaziergang in Richtung Gletscher, also brav bergan. Die meisten Fotos werden zwar leider unscharf, aber die einmalige Gegend und das Laufen über weiches, nasses Moos hat sie doch sehr genossen.

Ich begebe mich derweil zur östlichen Stadtgrenze von Ushuaia mit 3 Gasflaschen im Gepäck zum Ausfüllen. Für die weite Rückfahrt ist aber leider kein Taxi zu bekommen, dafür gibt es einen Bus zurück in die Stadt. Der klappert erstmal alle Randdistrikte ab, schießt über mein Ziel – dem Centro – hinaus und beschert mir eine Rundreise durch das westliche Ushuaia. Jedes Mal, wenn er Richtung Zentrum und Hafenbucht fährt, denke ich, die nächste Station steige ich aus, doch dann biegt er vorher ab und fährt wieder ins Hinterland. Schließlich steige ich einfach oben am Berg aus und laufe bergab durch die Stadt und zum Yachtclub. Die vollen Gasflaschen drücken dabei ganz schön. Zurück an Bord ist der Warmwasser Boiler an der Reihe. Die Demontage sorgt dabei für eine Überschwemmung in der Motorbilge. Nach wenigen Stunden ist es geschafft und der Boiler ausgebaut. Das Leck ist nun schnell identifiziert – eine Schlauchmuffe zeigt einen Riss über die gesamte Länge. Eine passende Ersatzmuffe befindet sich noch im Fundus, alle Anschlüsse werden brav mit Teflonband neu abgedichtet und es kann wieder an die Montage gehen. Nur den Motorkühlkreislauf schließen wir noch nicht an, denn dann werden noch ein paar Liter Kühlflüssigkeit fällig und das passende Frostschutzmittel müssen wir erst besorgen. Spät am Abend ist alles geschafft, der test verläuft erfolgreich und vielversprechend. Der Motor darf nun wieder laufen, um die Batterien zu füllen. Die letzten Tage zehren an den Substanzen der Stromspeicher: keine Sonne, keine Arbeit für die Kollektoren und kein oder nur wenig Wind. Auf die Kühlbox können wir zwar gut verzichten, aber ab und an die Heizung anwerfen ist ja doch angesagt, von warmem Wasser zum Waschen gar nicht zu reden. Unsere „Notlösung“, den Boiler über den Stromwandler zu betreiben, hat sich als nicht ganz einfach herausgestellt. Auch wenn der Motor zum Laden mitläuft, zieht der Warmwasserbereiter zuviel Strom aus den Akkus und lutscht sie in kürzester Zeit bis zum Ende aus. Daher wird es Zeit, dass wir wieder Wasser auch direkt über die Maschine heiß machen können.

Allerdings gibt es gegen Mitternacht beim Zähneputzen die nächste Überraschung: die Wasserpumpe läuft heiß und fördert kein Wasser mehr aus den Tanks. Wir müssen sie erstmal abschalten und haben somit erstmal keine Möglichkeit mehr, das Wasser aus den fast vollen Tanks ins Wasch- oder Spülbecken zu bekommen.

Am Mittwoch zeigt sich nach etlichen Tagen endlich mal wieder die Sonne, aber das bleibt nicht lange. Dicke Wolken ziehen auf und bringen Starkwind, der uns mal wieder ans Schiff fesselt. Also brauchen wir uns auch keine Gedanken machen, uns ungewaschen unter die Leute zu mischen. Eine gute Gelegenheit, sich gleich um die Wasserpumpe zu kümmern, die ja eigentlich noch neu ist. Die „alte“ Wasserpumpe, die wir als Reserve aufgehoben haben, wird zerlegt – alles in Ordnung. Der Vorfilter, der Zulaufregler, die diversen Wasseranschlüsse werden ausgebaut und überprüft – kein Fehler, keine Undichtigkeit zu finden. Die Wasserpumpe wird ausgebaut, ebenfalls zerlegt und durch die andere ersetzt, immer noch kein Erfolg. Anstatt des Druckausgleichsbehälters schließen wir einfach ein Stück Schlauch an, das wir in einen Kanister hängen und siehe da, es funktioniert! Also den Ausgleichsbehälter ausbauen und die Leitung mit dem T-Stück inspizieren – alles in Ordnung, kein Dreck oder sonstiges blockiert den Durchfluss. Als Alles wieder ordnungsgemäß verschraubt, verbunden und abgedichtet ist, ein neuer Versuch. Und auf einmal geht’s! Woran es nun gelegen hat, ist uns ein Rätsel. Allerdings haben wir bei der ganzen Werkerei und dem Ausdenken möglicher Notlösungen festgestellt, dass wir unbedingt noch ein paar spezielle Schlauchanschlüsse brauchen, um im Falle des Falles gerüstet zu sein.

Bevor der Motorraum wieder sauber gewischt und das restliche schwappende Wasser aufgesaugt wird, schließen wir doch noch den Boiler an den Kühlkreislauf des Motors an. Die große Frage ist nur, welches ist der Zu- und welches der Abfluss? Am Boiler ist das zwar gut markiert, aber nicht am Motor. Auch in den ganzen Handbüchern findet sich dazu kein Hinweis. Bleibt nur das Ausprobieren mit Testlauf. Danach haben wir irgendwie das Gefühl, dass ein Schlauch vom Motor wärmer wird als der andere und wir die Anschlüsse vertauschen müssen. Sobald das getan ist, der nächste Testlauf, aber beide Schläuche scheinen etwa gleich warm zu werden. Immerhin wird das Wasser warm, also kann es nicht ganz verkehrt sein! Der Wind rüttelt immer noch am Schiff und lässt unsere Mägen leicht unwohl fühlen. Der Wind ist eisig, der Sommer hier erinnert eher an einen Winter in Deutschland.

e_P1052288Der nächste Morgen zeigt uns wider mehr Schnee auf den Bergen bis runter knapp oberhalb der Stadtgrenze. Für eine Weile ist es relativ ruhig, wir genießen unser warmes Wasser zum Waschen und ich mache mich auf den Weg zum Club. Nach einer halben Stunde Internet für Wetterbericht und Emails ist ein Besuch bei der Bank angesagt. Kaum auf der Strasse, pfeifen mir starke Böen um die Ohren und es regnet heftig. Die Schwerwetterjacke hält zwar schön warm, aber Jeans und Hände sind nach wenigen Minuten gut durchnässt. Nach einer guten halben Stunde ist die Bank erreicht, deren Automat auch meine Visacard akzeptiert und bald darauf kommt die Sonne durch, der Regen hört auf. Ganz trocken werde ich nicht mehr, bevor ich am Yachtclub zurück bin. Dennis und Mike sind gerade dabei, ihr Kielschwert einzubauen und ich biete meine Hilfe an. Dabei kehrt nicht nur der Wind, sondern auch der Regen zurück und vermischt sich mit Graupel. So komme ich letztlich doch wieder durchnässt auf der Bomika an.

Der Freitag könnte ein 13ter sein, ist aber eigentlich ein ganz normaler Tag im Alltagsleben eines Blauwasserseglers. Am Morgen verlegen wir uns an die Pier, damit die Groß-Besorgungen von Segel, Diesel und Verproviantieren einfacher sind. Der erste Weg sollte zum Segelmacher führen, wo unsere Segel seit gestern Nachmittag auf unsere Abholung warten sollen. Doch vorsichtshalber bitte ich im Office Kathi dort erstmal anzurufen. Prompt sind die Segel noch nicht fertig und werden für den Abend bzw. Nachmittag versprochen. Nach dem Durchrechnen der noch zu erwartenden Ausgaben steht noch ein weiterer Besuch bei der Bank an, vor allem da der Maximalbetrag zum Abheben bereits mit 1.000 ARS (etwa 170€) erreicht ist und man mit diesem Betrag nicht allzu weit kommt. Ein paar Mitbringsel und Postkarten werden noch erstanden und zurück im Club beginnt der frustige Teil des Tages. Die leeren Dieselkanister werden an Land gebracht und am Parkplatz bereitgestellt – 13 von uns, weitere 7 von „Land Fall“. Der Transportservice ist für 1600h bestellt und so warten wir brav. Es vergeht eine Stunde, dann 90 Minuten. Kathi vom Club hatte alles in die Wege geleitet, ist aber inzwischen längst weg und dummerweise habe ich nicht nach dem Namen und Telefonnr. des Transporteurs gefragt. Roxanne, die den Transporteur kennen müsste, ist auch nicht erreichbar. Nach 2 Stunden werden die 20 Kanister auf ein Wägelchen geladen und den Steg entlang zur Bomika gebracht, danach mache ich mich mit Mike auf zum Segelmacher. Nach einer halben Stunde Fußweg sehen wir ihn an seiner Nähmaschine sitzen und fleißig an unserem Großsegel arbeiten. Er vertröstet uns auf ein paar weitere Stunden, doch das macht keinen Sinn und er wird bestimmt nicht mehr fertig werden. Also vereinbaren wir den Termin für Samstagabend. Unverrichteter Dinge kehren wir gegen 2000h zurück. Inzwischen war der Transporteur da, einmal kurz nachdem wir zum Segelmacher aufgebrochen sind, dann noch mal kurz vor unserer Rückkehr. Er will am Samstag um 0800h morgens die Fuhre erledigen, da er nach 1000h keine Zeit mehr hat.

e_P1061918Dennis und Mike bekommen das allerdings nicht mehr mit. „Land Fall“ sitzt nämlich weiterhin hoch auf dem Trockenen. Der Traveller-Schlitten wurde zwar ins Wasser gelassen, hängt aber in seinen Schienen auf halber Strecke fest und will weder vorwärts noch rückwärts. Als diese Hürde einen Tag später geschafft ist, reißt auch noch das Zugseil für den Schlitten. Nun soll zwischen Mitternacht und 0400h morgens die Wasserung erfolgen, klappt aber wieder nicht, da das Wasser nicht hoch genug steigt.

e_P1061922e_P1062289

Auch der Folgetag ist normaler Segelalltag, wenn auch mit besseren Resultaten. Am Samstagmorgen um 0800h bin ich erstmal alleine beim Unternehmen „Dieselkanne“. Alle 20 Dieselkanister über die Pier zum Parkplatz schleppen, diesmal nur kurz auf den Transporteur warten und dann ab zur nächsten Tankstelle. Die Nächste ist ja nicht weit (15 Min. zu Fuss), aber dort bekomme ich aber nur 3 der Kanister gefüllt, mehr ist laut Vorschrift nicht erlaubt, was auch unseren Transporteur in Erstaunen versetzt. Aber diskutieren hilft nicht und so geht es eben weiter an eine andere Tankstelle weit im Osten der Stadt. Dort werden anstandslos alle restlichen Kanister befüllt, solange nicht alle gleichzeitig neben der Zapfsäule stehen. Schon sind wir wieder auf der Strasse und bald mit vollen Kanistern zurück beim Club. Von dort steht ein Handwagen für den Transport über den Steg zur Bomika zur Verfügung, Mike hilft beim Schieben über die Holzplanken. Als Nächstes wird der Tank gefüllt mit 180 Litern, damit bleiben 2 Kanister zum Nachfüllen übrig. Landfall hatte netter weise vorgeschlagen, ihre Dieselkanister auch für Bomika zu benutzen, da sie sich am Montag ein Mietauto nehmen und damit die ganzen Besorgungen machen werden.

Der folgende Weg führt uns zum Supermarkt am Shopping Center, der besonders groß und zum Verproviantieren geeignet sein soll. Einmal dort, wollen wir auch einen kurzen Blick ins Shopping Center riskieren. Lauter Läden mit Klamotten zeigen uns ihre Schaufenster, aber im ersten Stock ein Stand mit Handwerkskunst, an dem wir nicht einfach vorbei gehen können. Ein Indianer aus dem nördlichen Argentinien, der nun mit seiner Familie hier in Ushuaia wohnt, schnitzt zusammen mit seinem Vater alle möglichen Figuren und Gegenstände aus Palisander und anderen Hölzern, mit Einlegearbeiten aus Tierknochen. Wir kommen ins Reden und er zeigt uns einige tolle Foto-Aufnahmen von Kondoren, die er am Stadtrand von Ushuaia aufgenommen hat. Nachdem uns die Boutiquen nicht interessieren, schenken wir uns die weitere Besichtigung des Shopping Centers und starten mit dem Einkaufen. Drei Einkaufswägen werden rappelvoll, anstatt eines Taxis werden wir einer Remise zugewiesen. Das sind Privat-Taxis im Dienste des Supermarkts. Die Rückfahrt zum Yachtclub muss mit zwei Remisen (der erste Fahrer meinte sogar es müssen drei Fuhren sein), von denen wir aber nur eine bezahlen müssen. Der anschließende Transport mit dem Handwagen – der wegen der umfangreichen Ladung und halbvoller Pneus ziemlich in die Knie geht – über den Steg, aber auch das an Bord hieven der wackligen Kartons und leicht reißender Tüten strengt noch mal richtig an. Es folgt das Auspacken und Verstauen an Bord, keine leichte Aufgabe angesichts der Menge gegenüber dem begrenzten Stauraum.

Während Lisa noch mit dem Verstauen unseres Einkaufs beschäftigt ist, steht bei mir ein Besuch beim Segelmacher an. Zusammen mit Dennis mache ich mich auf den Weg. Wir begutachten die Arbeit und packen danach die Segel wieder in ihre Säcke. Nur Dennis ist nicht ganz so happy, die Sprachbarriere bei Auftragserteilung war wohl daran Schuld. Also wird eine neue Reparaturanweisung für die Genua von „Land Fall“ gegeben und solange wiederholt und erklärt, bis alles verstanden ist. Im Club holen wir Mike und Lisa ab zu einem Abend Spaziergang durch die Stadt zu einer Churasco-Bar. Dort gibt es Sandwiches in Unterarmlänge belegt mit Steak, selbiges groß wie ein Teller und garniert mit Salat, Spiegelei, Schinken und Käse. Für Lisa steht eine Rindsbratwurst und eine Hähnchenkeule auf dem Wunschzettel. Dort treffen wir auch Thomas von „Selma Expeditions“, der sich hier ein letztes Mahl vor dem Auslaufen in die Antarktis gönnt. Zuletzt kommt auch noch Richard aus Seattle durch die Tür geschneit, der mit seiner „Abrazzo“ in diesen südlichen Gefilden unterwegs ist und dem Bildnis des waschechten, alten Seebären alle Ehre macht und dabei meist verschmitzt lächelt. In der Nacht soll es endlich mit der Wasserung von „Land Fall“ klappen, deshalb wollen wir es nicht zu spät werden lassen. Dennis und Mike wollen nach der Wasserung evtl. bei uns längsseits gehen oder erstmal vor Anker, um den Wassermacher laufen zu lassen.

e_P1071923e_P1071924e_P1071925e_P1071928

Am Sonntag hat es wohl auch geklappt und das Wasser ist weit genug gestiegen, „Land Fall“ schwimmt wieder; zumindest ist der Traveller-Schlitten leer und steht wieder an Land. Von Dennis und Mike oder ihrem Schiff fehlt jedoch jede Spur. Funkrufe bleiben unbeantwortet, auch der Yachtclub fängt an, sich Sorgen zu machen. Am Vormittag mache ich mich zu Fuss auf den Weg zur Tankstelle, um die restlichen 2 Kanister mit Diesel füllen. Der Hinweg dauerte mit schnellen, beschwingten Schritten nur 15 Minuten, der Rückweg wird allerdings ohne Trolley oder Taxi enorm lang, ebenso die Arme, die eine so dauerhafte Belastung mit Hängegewichten nicht gewohnt sind. Alle paar Minuten ist eine Pause angesagt und aus dem kurzen Hinweg werden lange 45 Minuten Rückweg. Danach tauschen wir den Platz am Pier wieder gegen einen Ankerplatz. Die Relingskleider werden Dank der Ösen vom Segelmacher fertig gestellt und zieren endlich wieder unsere Heckreling. Ohne sah das doch sehr nackt aus, es fehlte einfach der gewohnte Anblick. Landfall taucht auch wieder auf, sie hatten zwischen den Inselchen geankert und ihren Schönheitsschlaf nachgeholt. Wir verabreden uns für Montag früh, denn die Beiden haben angeboten, mich mit dem Mietwagen zur Wäscherei zu bringen.

e_P1071935e_P1081937

Mo – Sa, 26.-31.Dez 2011 (Ushuaia)

Nach 4 Tagen im Hafen vor Anker ist es endlich soweit, die Winde haben sich beruhigt und ebenso die Wellen. Mit dem „Taxi-Service“ des Yachtclubs können wir endlich an Land, um uns die Stadt anzusehen. Auch den Müll können wir endlich entsorgen. In den Letzten vier Wochen seit Mar del Plata hat sich ja doch einiges angesammelt.

Der Club liegt gleich neben dem Fliegerverein mit Sportflugplatz, davor eine alte Propellermaschine. Auf der Schotterstrasse zwischen Hafenbucht und See sind es nur etwa 10 Minuten bis in die Stadt. Um den See herum stehen Holzhäuser, die mit den Bergen im Hintergrund an die Schweiz erinnern. Ansonsten erinnert die Architektur der Gebäude in der Stadt sehr an die Nordischen Länder – Schweden, Norwegen, Finnland. Manche Häuschen sind so klein, dass man unweigerlich nach der Achse und den Rädern unter den Bodenbrettern sucht. Viele Fenster sind liebevoll dekoriert mit einem bunten Sammelsurium, die meist sehr kleinen Gärten voller Blütenpracht. Überhaupt scheint hier eine Liebe zum Detail weit verbreitet. Wir schlendern die Hauptstrasse entlang, besehen auch verschiedene Querstrassen und begutachten einige Läden. Vieles ist auf die Pinguine ausgerichtet, sei es die hiesigen Magellan Pinguine oder die „King-Pins“ von Südgeorgien. Nicht nur als Souvenirs in den Schaufenstern, sondern auch als Mannequins in den Bekleidungsläden oder als lustige Wegweiser. Selbst die Bierkrüge aus Porzellan im Restaurant haben eine Pinguinform. Zum Mittagessen treffen wir Ilona wieder und lassen es uns im urig und gemütlich eingerichteten „Almacen“ ein gutes Essen schmecken. Das Etablissement ist Restaurant, Bar, Konditorei, Bäckerei und Cafe in einem. Hier haben wir endlich auch mal Internet, wenn auch nur für eine gute Stunde, die natürlich zu kurz ist, um alles der letzten 4 Wochen hoch- oder herunter zu laden. Gemeinsam wandern wir noch zum Maritim Museum im alten Gefängnis, werden aber von den Eintrittspreisen wieder verscheucht. Rund €15 pro Person erscheint uns etwas happig, auch wenn wir nicht recht wissen, was uns da erwartet. Im Hinterhof des Museums können wir eine alte Dampfmaschine bewundern, die zum Antrieb einer Baumsäge verwendet wurde und zu diesem Zweck mit Ochsen an den Ort des Geschehens, nämlich in den Wald, verbracht wurde. Daneben noch eine alte Schmalspurdampfeisenbahn, die nicht so aussieht, als wäre sie schon lange außer Betrieb. Über eine höher gelegene Strasse besuchen wir das oben am Berg gelegene Hostel, in dem Ilona wohnt, und genehmigen uns ein Bierchen bevor wir wieder zurück wandern und noch den Supermarkt besuchen. Wir besorgen eigentlich nur das „Nötigste“, aber es sammelt sich doch etliches im Einkaufswagen und entsprechend schwer bepackt geht es zurück zum Yachtclub.

Nachdem es ja lange hell ist, fangen wir schon mal an, das Großsegel abzuschlagen, also Reffleinen und Segelköpfe zu lösen. Den Rest wollen wir morgen machen, da wieder Wind aufkommt und wir außerdem vom vielen ungewohnten Laufen müde sind.

Am Dienstag stehen wir viel zu spät auf, wir haben so fest geschlafen, dass wir erst kurz vor Mittag die Äuglein wieder aufkriegen. Jetzt wird es Zeit, das Großsegel auch aus der Mastschiene zu nehmen und möglichst handlich zusammenzulegen. Die Inspektion zeigt ein paar Löcher, die geflickt werden müssen, eine fehlende Segellatte und eine offene Naht vom Achterliek bis zum Vorliek. Die Verstärkung am Achterliek ist natürlich auch durchgerissen und zu erneuern, das Vorliek weist ebenfalls etliche Risse auf. Als nächstes dann noch die Genua. Das Zusammenrollen wird hier etwas schwieriger, da die freie Fläche hierfür fehlt. Stage, Wanten, Kanister, Lüfterhutzen – alles ist im Weg. Noch dazu fängt es entgegen der Vorhersage doch wieder kräftig zum Blasen an. Wir rollen das Segel mehr schlecht als recht zusammen und schaffen es nach hinten, um es im Windschutz in Cockpit und Achterdeck noch mal besser zu einem handlichen Paket zu schnüren, damit es auch in einen Segelsack passt. Irgendwann ist auch das geschafft und wir leicht genervt. In Anbetracht des kalten Windes werden eben noch Weihnachtsmails beantwortet und an der Route durch das Chilenische Patagonien gebastelt. Vom Wetter in Ushuaia heißt es ja, dass man jeden Tag bis zu 4 Jahreszeiten erleben kann. Sommer, wenn die Sonne scheint und es richtig warm wird, Frühjahr und Herbst, wenn es bedeckt ist und windet, und schließlich Winter, wenn es schneit. Das kann auch im hiesigen Sommer leicht passieren, denn wie wir erfahren haben, gab es den letzten Schneefall nur wenige Tage vor unserer Ankunft.

Für Mittwoch ist Starkwind mit 40 Knoten und mehr angesagt, doch am Vormittag bleibt es erstmal noch relativ ruhig. Ich nutze die Zeit, um kurz an Land zu gehen und ein paar dumme Fragen im Club Büro zu stellen, insbesondere wegen Segelmacher und Gasflaschenfüllung. Dabei wird auch gleich die Liegegebühr entrichtet, die i.d.R. im Vorhinein zu entrichten ist. Ich komme auch gerade rechtzeitig zurück auf die Bomika, bevor es richtig zu pfeifen anfängt. Wir unterhalten uns noch mit unserem Nachbarn Dennis von der „Land Fall“, der auch zum Segelmacher muss, und vereinbaren für morgen einen gemeinsame Fahrt, sowohl mit dem Dingi-Service als auch mit dem Taxi. Danach kommt auch der Starkwind und hält uns an Bord. Zu tun gibt es ja immer genug. Nur schade, dass ab 30 Knoten der Windgenerator nicht mehr lädt und die Solarpaneele ohne Sonne auch nichts arbeiten. So muss eben zwischendurch der Motor laufen, um etwas Saft in die Batterien zu pressen.

Unser Funkanruf beim Yachtclub bleibt heute ausnahmsweise unbeantwortet, bis sich nach über einen ½ Stunde wenigstens das Office meldet und uns den Dingiservice schickt. Doch der braucht noch etliches länger und erst auf unsere nachfrage hin kommt die Erklärung: Probleme mit dem Motor, das Starterseil ist gerissen. Aber nun klappt es doch und zusammen mit Dennis geht’s im Taxi zum Segelmacher. Einen großen Seesack Schmutzwäsche haben wir auch gleich mitgenommen, die Wäscherei soll unser nächster Anlaufpunkt sein. Beim Segelmacher stehen wir aber erst auf verlorenem Posten, die Werkstatt ist zu, keiner da. Die Türklingel ist wohl kaputt, immerhin meldet sich seine Frau, nachdem wir kräftig gegen die Wohnungstür geklopft haben. Hector, der Segelmacher, ist wohl gerade beim Arzt, ob wir wohl morgen wieder kommen können? Wir sehen uns betreten an, vor uns 4 schwere Säcke, das Taxi längst weg. In holprigem Spanisch versuchen wir uns zu verständigen, als ein Taxi am Straßenrand hält und Hector aussteigt. So klappt es doch noch, die Segel werden ausgepackt und aufgerollt, die Schäden und notwendigen Reparaturen besprochen. Das dauert seine Zeit, insbesondere wegen des Vorlieks unseres Großsegels, das an vielen Stellen gerissen ist und komplett zu erneuern ist. Nur, die passenden Mastrutscher sind nicht vorrätig und die Alten können nach dem Öffnen nicht wiederverwendet werden. Eine Notlösung wird gesucht und auch gefunden, statt durch Metallösen werden die Mastrutscher mit Gurtband festgenäht, in der Hoffnung, dass unser Baum die paar zusätzlichen Zentimeter zum Strecken des Unterlieks zulässt. Am 5.Januar soll alles fertig sein.

Vom Segelmacher aus schultern wir unseren großen Seesack und marschieren bergauf bis zur Wäscherei. Auf Wunsch wird dort auch mit warmen Wasser gewaschen und dadurch das Ergebnis sauberer. Weiter geht es wieder bergab in die Stadt, die leeren Seesäcke füllen wir beim Supermarkt auf, um für die Feiertage gut gerüstet zu sein. Bis wir zurück im Club sind, schmerzen die Füße und der vom Tragen gekrümmte Buckel. Wir besuchen kurz Hans und Barbara von der Resolute, dann treffen wir Ilona am Steg, die uns für den Abend an Bord der Bomika Gesellschaft leistet. Bis wir den angenehmen Abend beschließen, ist es bereits fast 0100h morgens und beim Club meldet sich niemand mehr, um Ilona abzuholen. Also wird Bommelchen hergerichtet und ich zum Rudern abkommandiert. Auf halber Strecke kommt und Dennis von der „Land Fall“ mit seinem motorisierten Schlaucherl entgegen und nimmt uns in Schlepp. Das schont zwar meine Armmuskeln, dafür fehlt aber auch die wärmende Bewegung in der eiskalten Luft. Man kann eben nicht alles haben!

Am Freitag ist es mal wieder recht bedeckt, aber einigermaßen ruhig. Ausgerüstet mit dem großen Seesack lasse ich mich an Land chauffieren, laufe in die Stadt um etwas Geld abzuheben. Leider sind die Bankomaten am anderen Ende und so wird es ein langer Spaziergang. Dann zurück und den Berg rauf, die Wäsche abholen. Bepackt und mit dem zarten Duft frischer Wäsche im Schlepp geht es weiter zum einzigen Schiffsausrüster der Stadt, wobei es eher ein kleiner Baumarkt ist, der eben auch einige Bootsteile und vor allem Außenborder und Generatoren verkauft. Aber einen Impeller bekomme ich dort leider auch nicht. So kleine Impeller wie den von unserem Kaufhauskläffer haben sie nicht. Sie bemühen sich sehr und suchen nach einer Lösung, aber letztendlich werde ich weiter geschickt. Eine Werkstatt für Autos, Motorräder und Außenborder soll ja alle Fabrikate behandeln, dort habe ich bestimmt mehr Glück. Doch auch dort schüttelt man nur die Köpfe und schickt mich zum anderen laden zurück. Weitere Optionen sind nirgendwo bekannt. Also trotte ich eben unverrichteter Dinge wieder zurück und wir machen uns einen gemütlichen Abend an Bord.

An Sylvester hat sich der Wind endgültig beruhigt. Ich rudere diesmal mit dem Dingi zum Club, versuche einiges im Internet zu erledigen, aber bereits nach kurzer Zeit schwächelt die Verbindung, bricht ab und regeneriert sich nicht mehr recht. Dafür treffe ich neben Hans und Barbara von der Resolute auch Jutta von der Polarwind, eine weitere Deutsche Yacht, die viel Zeit im Beagle Kanal, Antarktis und Patagonien verbringt. Vom Club AfaSyn aus rudere ich hinüber zum Club Nautico, um mir den Fußweg in die Stadt zu ersparen. Allerdings ist das Rudern mindestens genauso anstrengend, wenn auch weniger staubig als auf der Schotterstrasse.

Um Sylvester zu verbringen bekommen wir genügend Angebote, doch wir beschließen, selbigen an Bord zu feiern. Von dort sollten wir auch das Feuerwerk am besten beobachten können, was wie und wo das auch stattfindet. Schließlich stellt sich ansonsten auch die Frage, wie wir danach wieder an Bord kommen, ob das Wetter hält oder ob es in der Nacht wieder zum Pfeifen anfängt und ein Rudern unmöglich macht. Wie wird es hier sein? Viel Feuerwerk, Leute auf den Strassen, laute Musik? Als die Uhr endlich die entscheidende Stunde schlägt, wissen wir es: nichts von Alledem! Die Feuerwerksraketen lassen sich an einer Hand abzählen und davon die Hälfte versteckt sich hinter Häusern, da sie kaum in den Himmel steigen. Ausgenommen sind die von den Seglern abgeschossenen, abgelaufenen Seenotraketen, die rot am Himmel funkeln und langsam herab sinken. Ansonsten besteht das „Spektakel“ aus einem Hupkonzert der unterschiedlich tönenden Schiffssirenen von Frachtern und Cruisern, deren Signalhörner hustend, bellend und lachend sogar zwischendurch einen einigermaßen passablen Dreiklang produzieren. Dann ist es auch schon vorüber, wir trinken unseren Sekt aus und ab geht’s in die Heia.

e_P1011879e_P1011882e_PC281871e_PC311876

Mo – So, 19.-25.Dez 2011 (unterwegs in Patagonien, Isla Estados, Ushuaia)

Ein aktueller Wetterbericht wird eingeholt und die Bedingungen für die Weiterfahrt eingehend geprüft, soweit das möglich ist. Die Wetter- und Strömungsvoraussetzungen scheinen nicht 100% ideal für die LeMair-Strasse, aber annehmbar und weit besser als in den darauf folgenden Tagen.

e_PC191713

Obwohl immer wieder mal ein paar starke Böen durch die Bucht fegen, ist es meist ruhig. Ansonsten enden alle für heute vorgenommenen Arbeiten unerledigt, denn der interne Kühlkreislauf des Motors leckt. Genau besehen ist es die Verbindung zwischen Schlauchanschluss und Muffe am Boiler, die Ecke, an der man am wenigsten Glück hat mit Werkzeug dranzukommen ohne sämtliche Wasserleitungen zu demontieren. Den Anfang der ungeplanten Arbeit macht das Einsammeln der ausgelaufenen Kühlflüssigkeit (zum Filtern und Wiederverwenden) und das Auffüllen. Dann folgt die Lecksuche, neue Schlauchbefestigung. Hilft aber nicht, es tropft weiterhin munter vor sich hin. Motorraum ausräumen, Boiler aus der Verankerung schrauben, Muffen anziehen – wieder umsonst. Vorschiff ausräumen und Dichtmasse suchen, die nicht nur resistent gegen Öle und Kühlflüssigkeit ist, sondern auch im Nassen aushärtet. Dann wird die Masse rings um die lecke Stelle schön beknetet und festgedrückt, die Heizung angeschaltet und auf das Aushärten gewartet. Derweil ist die Kühlflüssigkeit, zumindest rund 8ltr. davon, wieder ausgelaufen und kann wieder aufgewischt werden. Was für eine Sauerei! Und das alles auch noch kurz vor unserer Abreise in den Beagle Kanal, wo wir den Motor unbedingt brauchen. Nur gut, dass wir die Maschine heute laufen ließen für den Wassermacher und für warmes Wasser zum Duschen. Sonst hätten wir die Bescherung erst unterwegs gehabt und womöglich im ungünstigsten Augenblick in der LeMair Strasse. Bleibt nur zu hoffen, dass die Notreparatur auch hält.

Zwischendurch pfeifen ein paar Böen über die Bucht, aber es gibt keine Wellen und ansonsten liegen wir ziemlich ruhig und sicher. Allerdings bekommen wir auch kaum mit, welche Wind und Wetterverhältnisse draußen vor der Bucht herrschen, dafür sind wir zu gut abgeschirmt.

Am nächsten Morgen tropft zwar nichts mehr nach, aber nur, weil kaum noch Kühlflüssigkeit im Kreislauf ist. Sobald die Luftzufuhr geöffnet wird, hört man den Unterdruck aus der undichten Stelle entweichen. Also Werkzeug raus und im Fundus nach passenden Schlauchtüllen und Verbindungsstücken kramen. Die Leitungen zwischen Boiler und Motorkühlung werden einfach abgeklemmt und miteinander verbunden. So ist wenigstens die Motorkühlung gesichert, auch wenn es beim Motoren nun kein heißes Wasser mehr gibt. Wenigstens ist alles rechtzeitig fertig und unserer Abreise heute steht nichts mehr im Weg, wir müssen nur noch auf Hochwasser warten.

Aber das Warten dauert nicht lange, und nachdem die erste Landleine gelöst ist, kommt auch Wind auf, der uns gleich dreht und den Rest des Ablegemanövers erschwert. Um die Kette hat sich dickes Bündel Kelp gewickelt, das es zu beseitigen gilt, damit die Ankerwinsch nicht überfordert wird. Die Durchfahrt durch die Bienentaille zur inneren Bucht schaffen wir kurz vor Stillwasser mit Bravour und klopfenden Herzen, dann durch die äußere Bucht und wieder hinaus aufs offene Meer. Der Wind ist ziemlich wechselhaft, sowohl in Bezug auf Richtung als auch auf Stärke, die zwischen 2 und 6 Bft. schwankt. Dazu gesellt sich die Strömung, die nach jedem Kap ihre Richtung etwas ändert, der Kurs muss laufend angepasst werden. Die gefürchtete LeMair Strasse erwischen wir unter optimalen Bedingungen: leichter Wind und Ebbstrom, der die Gegenströmung verringert und stellenweise sogar mitschiebt. Die Wellen sind dabei recht konfus und prallen aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander, die Gischt spritzt senkrecht hoch und befeuchtet unser Deck. Es lässt erahnen, was hier los ist bei ungünstigen Bedingungen, wenn die Strömung bis 8 Knoten erreichen kann und der Wind evtl. noch kräftig gegen die Strömung steht. Dann ist eine Passage mit kleinem Schiff unmöglich.

e_PC201717Wir haben mal wieder richtig Glück – da wird in Ushuaia eine Kerze fällig! Als die Isla Grande de Terra del Fuego mit Wolken gekrönt am Horizont auftaucht, schauen wir uns an und denken: wir sind da, wir haben es tatsächlich geschafft!

Am Abend gegen 2200h haben wir die Meeresstrasse hinter uns, allerdings auch nicht ganz ohne Schrecken. Denn beim Queren gab es einmal einen fürchterlichen Schlag, die Schraube drehte fast nicht mehr und wenn wir nicht schnell genug gewesen wären, den Propeller auszukuppeln, wäre der recht kräftige Motor abgewürgt worden. Und von was? Von einem Büschel Kelp, das einsam umher trieb und das wir übersehen hatten. Die Dinger können ja mehrere hundert Meter lang werden und haben entsprechend recht dicke Stängel und riesige Blätter. Da wird so ein Propeller wie unserer nicht mit fertig, sondern einfach eingewickelt. Mit vorsichtig Rückwärts, Vorwärts und Drehen kriegen wir den Schlamassel wieder weg und sehen, wie der braune Haufen achteraus treibt. Das wäre vielleicht was für Kleingärtner als Komposthügel, doch wir gehören nicht in diese Kategorie und verzichten lieber.

Da ist der Geleitschutz, den wir den ganzen restlichen Tag bekommen, schon viel mehr nach unserem Geschmack: eine Armada Delphine begleitet uns und zeigt uns ihre Sprungkünste. Sie schnellen aus dem Wasser und fliegen über den Wellen dahin, mit dem ganzen Körper aus dem Wasser, um mit einem Bauchklatscher wieder einzutauchen. Oder springen senkrecht hoch und lassen sich hintenüber ins Wasser kippen, präsentieren Seitwärtsrollen beim Springen und zeigen ihre weißen Unterbäuche. Wir können uns kaum satt sehen, auch wenn es nach einigen Stunden schon anstrengend wird. Schließlich sind die Tage hier unten inzwischen so lang, dass für die Nächte nur noch 3 Stunden übrig bleiben.

e_PC201723e_PC201724

Auch am Morgen gesellen sich unsere Flipperfreunde wieder zu uns – „the show must go on“, wie es heißt. Allerdings ist es seit letzter Nacht regnerisch, dunstig und trüb, die Sonne schafft es nicht, durch den dicken Vorhang zu blinzeln. Die feuchte Kälte kriecht unter die Klamotten und lässt uns nach ein paar Stunden im Cockpit frösteln. Dazu gesellt sich ein kräftiger Südostwind – für diese Gegend äußerst ungewöhnlich. Mal sehen, wie lange er anhält, denn eigentlich sind West und Südwest angesagt.

An ein Wunder grenzt es, dass wir nicht nur in den letzten Wochen unserer Reise ein so gutes Wetter gehabt haben, sondern auch dass wir keinem einzigen Wal begegnet sind. Aber die Unzahl an Tieren, die wir dafür aus nächster Nähe betrachten konnten, macht das wieder wett. Noch auf dem Weg zum Beagle Kanal erwischen wir ein weiteres Mal ein großes Kelpbündel, das sich diesmal um unser Ruder gelegt hat. Wir hatten uns schon gewundert, warum sich das Schiff auf einmal nicht mehr richtig steuern lässt. Auf auch diesen schwimmenden Stängel- und Blätterwald werden wir ohne Blessuren wieder los. Mit 55º05’ Breite haben wir den voraussichtlich südlichsten Punkt unserer ganzen Reise erreicht, kurz bevor wir in den Beagle Kanal einfahren. Selbst Puerto Williams liegt etwas nördlicher. Bis zur Antarktis sind es nur noch etwas 500sm nach Süden, etwa die Entfernung München-Hamburg, aber uns reicht es so schon. Noch mehr Kälte wäre nix für unseren Teint, da ziehen wir warme Sonne vor.e_PC211725e_PC211731

Im Kanal überholt uns gemächlich ein alter Dampfer der Küstenwache, nicht ohne uns vorher anzurufen und um Erlaubnis zu fragen, ob es okay ist, uns an Backbord zu passieren. Schließlich haben wir ja unsere Segel oben, doch trotzdem passiert so was eigentlich nur zwischen großen Frachtern in engen Fahrwassern. Kurz darauf sehen wir die schneebedeckten Gipfel der Ausläufer der Darwin Kordilleren südlich von uns in den Himmel ragen. Mitten im Kanal tummeln sich Scharen von Pinguinen im Wasser, offensichtlich sind sie gerade beim Gemeindetratsch, strecken ihre Köpfe in die Luft und Schnattern wild durcheinander. Nach den vielen Wochen ohne wesentliche Schiffsbegegnungen wird es nun recht rege, das gilt entsprechend auch für den Funkverkehr, denn an jeder Ecke gibt es eine Küstenwachstation die alle Schiffe in der Nähe anruft und die Daten wie Position, Kurs, Geschwindigkeit, letzter und nächster Hafen, usw. abfragt. Kreuzfahrer, Frachter und eine Menge Segler sind unterwegs, etliche wie wir mit Kurs auf Ushuaia, manche unterwegs von oder zur Antarktis.

Nachdem wir Ushuaia voraussichtlich nicht mehr bei Tageslicht erreichen können, verbringen wir eine Nacht vor Anker in der Bahia Packewaia. Dort liegen wir geschützt in ruhigem Wasser und schlafen schon bald ein, während uns ein schönes Panorama mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund umringt. Immer wieder ziehen ein paar dunkle Regenwolken durch und besprenkeln uns. e_PC211734e_PC211743e_PC221751e_PC221752

Morgens um 0730h geht es weiter, durch die Mackinlay Passage. Gleich darauf schwingt sich der Wind zu neuen Höhen auf, bläst mit 5-6 Bft und baut eine schöne kurze Hacksee auf, die und ganz schön ausbremst.

e_PC221753Auf Höhe von Puerto Williams zeigt sich ein schöner Regenbogen, der Chile und Argentinien über den Beagle Kanal hinweg verbindet. Nach ein paar Stunden normalisiert sich das wieder und die weitere Fahrt geht etwas ruhiger vonstatten bei 1 bis 2 Knoten Gegenstrom. Doch die Ruhe bleibt nicht lange, der Wind frischt wieder auf mit 5-6 Bft auf die Nase, in Böen auch mal mehr. Gischt spritzt immer wieder übers Deck wenn Bomika ihre Nase in die Wellen taucht, und das Rigg erzittert nachdem ein paar besonders steile Wellen wieder mal durchziehen und Bomika stark abbremsen. Ushuaia und die umgebenden, schneebedeckten Berggipfel kommen in Sicht und langsam näher. e_PC221769e_PC221778

Am Nachmittag ist es geschafft, kurz nach 1500h erreichen wir Ushuaia. Wir versuchen, uns ene Boje zu schnappen, aber der kräftige Wind drückt uns immer gleich wieder quer und weg von der Boje, dabei heißt es „Aufpassen“, damit wir nicht auf einen anderen Bojenlieger driften. Schließlich erwischen wir eine Boje, doch bevor wir den Festmacher einfädeln können, drückt uns der Wind weg und wir können den Bootshaken nicht mehr rechtzeitig befreien. Der Wind ist einfach zu kräftig, um die 11 oder mehr Tonnen mit dem Bootshaken festhalten zu können und so bleibt er im Wasser zurück. Es folgen mehrere Anläufe und Versuche, bei „Mann-über-Bord“ Manövern den hölzernen Bootshaken wieder aufzugabeln. Immer wieder drückt der Wind Bomika weg, sobald man die fahrt aus dem Schiff verringert. Am Schluss klappt es doch und wir entscheiden uns, die Spielchen aufzugeben und einfach zu ankern. Das klappt immerhin beim ersten Mal, aber nun sind wir etwas exponierter und die Strecke zum Pier mit dem Dingi wird bei soviel Seegang zu weit zum Rudern. Ruhige See ist allerdings die nächsten Tage nur für ein paar Stunden in der Nacht zu erhoffen. Nicht gerade die richtige Zeit zum Einklarieren oder das Sekretariat des Yachtclubs aufzusuchen. Wir melden uns noch bei der Prefectura und lassen es erstmal gut sein. Immerhin, wir sind angekommen! Wie oft dachten wir unterwegs ans umkehren, wie oft haben wir an uns selbst gezweifelt? Doch wir haben es durchgezogen, unterwegs viel Glück mit dem Wetter gehabt und wir sind da!

In der Nacht und auch den ganzen Freitag werden wir am Anker arg gebeutelt. Der Wind pfeift uns mit 30 bis 40 Knoten um die Ohren und es ist erfrischend kalt. Immerhin konnten wir den Boiler für etwas heißes Wasser über den Stromwandler in Betrieb setzen, mussten allerdings auch die Maschine dazu laufen lassen, da er sonst zuviel Strom aus den Batterien saugt. Der Windgenerator hilft uns momentan nicht viel beim Aufladen, denn bei über 30Knoten Wind schaltet er sicherheitshalber ab, um keinen Drehwurm zu kriegen oder gar abzuheben. Eine Anfrage über Funk beim Yachtclub bleibt erfolglos, sie wurden uns zwar gerne mit einem Taxi-Service zwischen Boot und Pier helfen, aber die Bedingungen sind zu heftig, auch für ein größeres und gut motorisiertes Schlauchboot. Die Küstenwache hat inzwischen sogar den Hafen gesperrt, gleiches für Puerto Williams. Also müssen wir eben abwarten und auf Wetterbesserung hoffen. Nur schade, dass es mit dem Internet noch nicht klappt. Die Signale sind gut, aber eine Verbindung bekommen wir trotzdem nicht.

e_PC241780e_PC241782e_PC241785e_PC241786

Doch kaum haben wir uns am Nachmittag für ein Nickerchen hingelegt, klopft es an der Bordwand. Der Wind hat etwas nachgelassen und unser Taxi-Service vom Yachtclub kam gleich vorbei. In aller Eile warm anziehen, Bootspapier und PC eingepackt und ab. In ein paar Minuten schließt das Office, also ist das der erste Weg. Anfrage wegen freier Boje (keine ist frei, die übrigen sind privat und müssen erst von Tauchern überprüft werden, da teilweise die Leinen der Verankerung verrottet sind), Hafengebühren, und anderes. Dann zur Prefectura, wobei mich der Marinero unterwegs aufgabelt und im Auto mitnimmt. Damit ist das auch erledigt und auf dem Rückweg besorge ich in einer Bäckerei frische Baguette und Hörnchen zum Frühstück an Weihnachten. Zurück im Yachtclub probiere ich die Internetverbindung, doch anscheinend funktioniert der Router nicht. Natürlich ist das Büro längst geschlossen und keiner da, der sich darum kümmern könnte. Direkt vor dem Clubhaus hoppeln ein paar Kaninchen über die Wiese, eine Entenmama führt ihre Kinderschar spazieren schwimmen. Ich treffe auf „Pegase III“, die wir aus Nuevo Palmira kennen, doch Dominique und Marie sind derzeit auf Heimaturlaub in Frankreich. Ansonsten befinden wir uns in guter Gesellschaft. All die Yachten, die Exkursionen in die Antarktis machen und die wir in Piriapolis schon getroffen haben, liegen am Steg: Dawnbraker, Grey Perl, Pelagic, Pelagic Australis, Spirit of Sydney und ein paar andere.

Die Rückfahrt zur Bomika wird wieder etwas rau, die heftigen Böen sind zurück. Wir planen für morgen einen gemeinsamen Landausflug, wenn das Wetter nicht zu heftig ist. Denn wenn der Hafen gesperrt wird, sind eigentlich auch keine Taxifahrten erlaubt. Nachdem wir uns dem Schlummer hingegeben haben, lässt der Wind nach und die See wird ruhig, aber bereits um 0600h morgens ist die kräftige Puste zurück, der Hafen wird erneut gesperrt und wir sitzen wieder fest. So verbringen wir den Heiligen Abend eben an Bord und machen es uns gemütlich, mit Weihnachtsbeleuchtung, kleinem Tannenbaum und Chilenischen Krippenarrangement, während die anderen Segler, die am Pier liegen, im Club ihre Weihnachtsparty feiern. Die meisten von Ihnen sind Antarktis-Segler, die regelmäßige Charter-Törns zum Kap Hoorn und der Antarktis unternehmen. Ein etwas anderer Schlag Segler und auch entsprechend andere Yachten – groß, stark, aus Stahl oder Aluminium und für Schwerwetter ausgerüstet. Aber die werden wir schon noch kennen lernen.

In der Nacht wird es wieder ruhig, aber auch am Sonntag bläst es kräftig, wenn diesmal auch die 30Kn nicht so oft überschritten werden. Nun sind wir schon 3 Tage hier, ohne eine Gelegenheit an Land zu gehen, wenn man von dem kurzen Besuch bei der Prefectura absieht. Die Kormorane sind recht zahlreich, die mit ihrem schwarz-weißen Federkleid aussehen wie Enten, die sich als Pinguine verkleidet haben.

Wir erstellen derweil eine Liste der verschiedenen Buchten und Ankerplätze mit den Entfernungen, Schutz vor Winden, Positionen und Ausweichmöglichkeiten. Das erweist sich als aufwendiger als gedacht, alle verfügbaren Informationen dazu müssen durchgesehen und gelesen werden, und derer sind es viele. Das verschafft uns noch ein paar Tage Beschäftigung, wenn das Wetter mal wieder keinen Landgang zulässt.

Ansonsten gibt es heute unser Weihnachtsessen: Rindsrouladen mit Rotkraut und Reis. Damit sind dann unsere eingekochten Fleischreserven auch aufgebraucht. Ansonsten ist unser Salon weihnachtlich geschmückt mit Tannenbäumchen, bunter Lichterkette, Muschelkette und allerlei Kleinoden und Erinnerungsstücken. Die Chilenischen Krippenfiguren sind in einem Flechtkorb arrangiert und unser Weihnachtsmann hat passender weise einen Globus dabei. Schnee gibt es ringsum auf den Bergen, die Temperaturen sind auch weihnachtlich – was will man denn mehr? Allerdings sorgt die Wetterlage und der südliche Sommer auch hier dafür, dass der Schnee auf den Gipfeln schnell weniger wird. Aber wir werden in den nächsten Monaten noch genug Gletscher sehen, die bis ans Meer reichen.

e_PC251800e_PC251803e_PC252278e_PC252279

Mo – So, 05.-11.Dez 2011 (Caleta Hornos, unterwegs in Patagonien)

Die neue Woche beginnen wir mit dem Prüfen des Ankers, aber er scheint weiterhin fest eingegraben und wir holen ihn etwas ein. Schließlich reichen 30m Kette bei der geringen Tiefe auch vollkommen. Der Dieseltank wird aus den Kanistern an Deck aufgefüllt, wobei das „Entfesseln“ und hinterher wieder verschnüren der Kanister am meisten Zeit in Anspruch nimmt. Auch die verhasste PC-Arbeit kommt an die Reihe, eine Datensicherungen ist längst überfällig, will aber nicht so recht funktionieren. Erst ist die externe Festplatte zu voll, dann steigt der Laptop immer wieder aus, bevor die Sicherung fertig ist. So was nervt vielleicht! Ansonsten genießen wir die Ruhe und Lesen.

Zwischendurch ist es komplett ruhig, nicht nur windstill, sondern auch kein Vogelgezwitscher, keine planschenden Tauchenten, bis mit einem Mal wieder alle gewohnten Hintergrundgeräusche einsetzen und alles wieder normal ist. Lisa bäckt Brot und Semmeln während ich den Außenborder mit einem Einlauf aus Süßwasser zu beglücken versuche. Aber auch das hilft nix, weiterhin kein Wasserdurchlauf und damit keine Kühlung. Also ist es wohl doch der Impeller, der die Wasserzufuhr unterbindet. Doch dafür muss der komplette Schaft zerlegt werden, eine etwas größere Aktion, vor allem der Zusammenbau und die Pfriemelei mit dem Gestänge, das praktisch blind und ohne Führung in die richtigen Buchsen eingeführt werden soll.

Der Dienstag Nachmittag bringt etwas Ablenkung in Form von stürmischem Wind aus NE, die Böen fegen über die Bucht und stürzen sich von den Felsen ringsum. Dazwischen immer wieder eine Verschnaufpause unheilvoller Stille – was kommt als nächstes? Halten unsere Festmacherleinen oder werden sie doch noch durchgescheuert? Wenn es draußen ungemütlich ist, wird eben innen die Zeit mehr oder weniger sinnvoll verbracht. Das Verbindungskabel VHF-Radio-PC-GPS hat eine Macke, jedenfalls kommen keine GPS Daten mehr an der Funke an. Die Kabelverbindung nach ausführlichem Studieren der Anleitungen prüfen und neu anschließen, aber leider ist diese Arbeit nicht von Erfolg gekrönt.

Am Mittwoch machen wir dafür noch einen Landausflug den Flusslauf hinauf. Wir wollen schließlich wissen, wo und wie der Fluss weiter verläuft, nachdem er um die Ecke der Felsen verschwindet. Also wird zur Erhaltung der Fitness mal richtig gerudert. Nach ein paar Biegungen endet der mit dem Dingi schiffbare Fluss in einer weiten Ebene. Wir binden unser Bommelchen an einer Felskante an und machen uns auf den Weg, eine Anhöhe hinauf und dann wieder Richtung Fluss, der immer mehr zu einem Rinnsal wird. Das Fluss- bzw. Bachufer zeigt stellenweise, dass der Wasserlauf bei Hochwasser und evtl. Schneeschmelze ganz schöne Kraft haben muss, um das Ufer kantig abzuschneiden und auszugraben. Weite Teile der Ebene werden wohl auch bei Hochwasser überschwemmt, der der Boden ist leicht feucht. Dazu auch gut gedüngt von Guanacos und Schafen. Wir stolpern nicht nur über die Hinterlassenschaften, sondern auch ein entsprechendes Gerippe und entdecken die Hufspuren im Boden. Tatsächlich zeigt sich auch eines der für diese Gegend typischen Tiere, beäugt uns vorsichtig vom nächsten Hügel aus und trabt dann langsam davon. Obwohl die Kämme der Hügel sicher knappe 100m über dem Meeresspiegel liegen, finden sich hier auch noch jede Menge Muschelreste, die in zerbrochenen Stücken herum liegen. Wie lange es wohl her ist, dass hier alles unter Wasser war? Ob die Felshöhlen weiter oben von Wasser oder von Wind ausgewaschen wurden, können wir natürlich auch nicht sagen. Auf jeden Fall eine aufregende Landschaft voller Hügel, durchzogen von Tälern und Schluchten, wie wir sie auch schon bei unserem ersten Ausflug auf der anderen Seite der Caleta Hornos bewundert haben. In Bereich des Flüsschens streuen sich immer wieder weite Ebenen ein, ansonsten alles menschenleere Wildnis. Bevor uns die Füße weh tun von der Bergziegentätigkeit (und nein, wiederkäuen haben wir nicht angefangen), stolpern wir zurück zu unserem Bommelchen und legen uns in die Riemen, bis nach der letzten Biegung wieder unsere Bomika auftaucht.

Wetterberichte werden abgerufen, eventuelle Ausweichbuchten zum Schutz vor Südwind ausgesucht und alles wieder fest verstaut, denn am Freitag wollen wir weiter. Es scheint ein prima Wetterfenster für die nächsten paar Tage zu geben, mit dem wir Starkwind vermeiden können. Wenn denn die Wetterfrösche Recht behalten und sich nicht alles wieder unterwegs ändert – eine normale Geschichte vor allem in diesen Breiten.

Das Ablegen samt Einsammeln der Leinen, das festzurren des Dingis und der Remontage der Windfahnensteuerung dauert nicht ganz so lange wie beim Ankommen, aber zwei Stunden vergehen doch. Wir motoren aus der Bucht, umfahren das Riff großzügig und setzen dann unsere Segel bei leichtem Wind. Ein paar Pinguine begleiten uns und strecken immer wieder ihren Kopf neugierig aus dem Wasser. Leichter Wind und Flaute wechseln sich ab, bis am Abend der Wind kräftig zulegt und wir bei 6-7 Bft gute fahrt machen. Doch das Vergnügen währt nicht lange, nach zwei Stunden flaut es wieder ab. In der Nacht müssen wir für ein paar Stunden den Motor anwerfen, denn die Dünung lässt uns fürchterlich schaukeln und die Segel schlagen.

e_PC102180e_PC102182

e_PC102148

 

Am Samstag haben wir ab 0100h morgens wieder Segelwind, der nach ein paar Stunden wieder kräftig zulegt und uns gut voran bringt. Das Barometer fällt stetig bis auf 998 hPa am Nachmittag und dann kehrt Ruhe ein.

e_PC102150Allerdings nur, was den Wind betrifft. Bomika wird von den noch hohen Wellen und der Dünung arg herum geschaukelt während der Wind von NNW auf SW dreht und dabei immer mehr einschläft. Dafür bekommen wir fast den ganzen Tag Begleitung von Delphinen, und das gleich von zwei Gattungen. Zum einen die „normalen“, die denen im Mittelmeer sehr ähneln mit ihrer schnauze und der grau-braunen Decke und schmutzig-weißem Bauch, aber auch „Schokospitzelchen“ oder „Mini-Orcas“, in strahlenden weiß mit schwarzer runder Schnauze und schwarzen Flossen. Beide Arten genießen das Spiel und Surfen in den Wellen und erfreuen uns mit ihrem Anblick. Insgeheim hoffen wir, dass uns ihre Begleitung nicht Sturm ankündigt wie das letzte Mal, nachdem wir Mar del Plata verlassen hatten. Aber diese Befürchtungen sollen sich nicht bewahrheiten.e_PC102172e_PC102177

 

 

 

 

 

Am Sonntag stehen dafür Segelmanöver auf dem Programm. Der Wind schwankt zwischen leicht, Flaute und guter Brise, wir setzen die Genua, Genua runter, Motor an, Motor aus, Genua hoch, Genua runter, Blister hoch, Blister runter, Genua hoch usw. Das hält zwar fit, nervt aber auch. Tagsüber ist es ja schön sonnig und einigermaßen warm, aber Abends oder Nachts wird es doch ganz schön zapfig. Wenigstens werden die Nächte immer kürzer, die Sonne verschwindet erst weit nach 2100h am Horizont und ab 0400h Morgens zeigen sich schon wieder die ersten rötlich-gelben Strahlen.

 

Mo – So, 12.-18.Dez 2011 (unterwegs in Patagonien, Isla de los Estados)

e_PC122190Pünktlich zum Sonnenaufgang gegen 0430 Uhr haben wir den 50sten Breitengrad überquert. Jetzt sind wir in den „Screaming Fifties“, den „Kreischenden Fünfzigern“! Nur kreischt uns niemand in den Ohren, vielmehr wiederholt sich das Spielchen vom Vortag und der Wechsel zwischen leichtem Wind und Flaute. Die Flautenlöcher werden immer größer und wir vertuckern viel mehr Diesel als je geplant war.

Immerhin beruhigt sich am Dienstag auch die Dünung und es wird etwas angenehmer, uns mit 0,5 bis 2 Knoten Fahrt und flappendem Blister vorantreiben zu lassen.

e_PC112186Der Blister wird zu unserem Hauptsegel und soll es bis zu unserer Ankunft auf der Isla de los Estados auch bleiben. Denn auch die folgenden Tage gibt es im besten Fall 4 Bft. Wind, meist wechselnd zwischen Flaute, ohne eine Spur von Kräuselung auf dem Meer und 10 bis 12 Knoten Wind. Vorherrschend aus nördlicher Richtung mit westlicher Komponente, zwischendurch auch mal auf Süd drehend, aber so schwach, dass an ein Aufkreuzen nicht zu denken ist. Je weiter südlich wir kommen, desto gröber wird die Dünung und desto flauer der Wind. e_PC141645Immer wieder treiben Felder von Kelp vorbei, großblättrige Wasserpflanzen, die mit langen Strängen miteinander verbunden sind und ohne weiteres auch mal eine kleine Schiffsschraube lahm legen können. Wir erleben schöne Sonnenauf- und Untergänge in leuchtendem Rot während die Tage immer länger und die Nächte immer kürzer werden. Allerdings wärmen die Sonnenstrahlen auch immer weniger, es wird schnell zapfig und Nachts recht eisig kalt. Wir sind froh um die warm gefütterten Öljacken und Ölhosen, die wir uns in Piriapolis bei Alejandro besorgt haben. Wegen der Schaukelei, Winddrehungen und der sich ändernden Strömungen ist an Schlaf nicht zu denken. Kaum ist man soweit, dass man endlich vom Dahindösen in den Schlaf gleitet, heißt es „auf an Deck“ zum nächsten Manöver. Die letzte Nacht auf See von Mittwoch auf Donnerstag schläft der Wind mal wieder komplett ein und wir lassen uns treiben, bergen schließlich den Blister, der sonst nur an den Vorstags schleift und sich hängen lässt.

e_PC142196e_PC152208

Am Morgen des Donnerstag trennen uns noch etwa 10sm von unserem Ziel, die Bergkulisse hebt sich drohend und abweisend vor dem Sonnenaufgang hervor. Sollen wir uns weiter treiben lassen oder für die letzten Meilen doch noch die Maschine anwerfen? Nachdem man die Einfahrt in die innere Bucht bei Hochwasser passieren sollte, um genug Wasser unterm Kiel zu haben, aber auch um die starke Gezeitenströmung von 5 Knoten zu vermeiden, hätten wir eigentlich noch jede Menge Zeit. Trotzdem entschließen wir uns zum Motoren, wir sind müde, die Dümpelei geht auf die Nerven, man weiß in diesen Breiten auch nie, wann und wie schnell ein Wettersturz kommt, also suchen wir den Ankerplatz in der Nordwestecke der großen Bucht auf. Nach dem Ausloten lassen wir uns treiben oder drehen kleine Kreise während wir das Dingi einsatzbereit machen. Danach kann der Anker fallen, ich rudere an den groben Kiesstrand mit einer Festmacherleine und Kettenvorläufer im Gepäck. Doch dazwischen liegt ein ausgedehntes Kelp Feld. Die Ruder verfangen sich beim Pullen laufend in den langen Stielen und den großen Blättern, also eben mit einem Ruder paddeln. Das Vorwärtskommen wird trotzdem schwierig, denn unser Dingi sitzt regelrecht auf! Das Kelp wirkt wie eine Schlammbank und es gestaltet sich gar nicht so einfach, da drüber zu rutschen. Nach einer guten Stunde ist es geschafft, wir sind an einem umgestürzten Baumstamm vertäut und der Anker hält uns nach vorne. Bomika liegt direkt am Rand eines Kelp Feldes, das leicht in der Tidenströmung um uns herum wogt. Eine Entenfamilie am Ufer beäugt uns, lässt sich aber nicht stören. Wir uns auch nicht und verschwinden erstmal – nach einem erfolglosen Anruf bei der Prefectura Naval – für ein paar Stunden in der Koje.

Ringsum zeigt sich uns eine grandiose, wilde Landschaft, die Berge zeigen ein paar letzte kleine Schneeflecken. Zwischendurch hört man einen Adler hoch am Himmel schreien, doch was uns am meisten irritiert, ist ein lautes Brüllen und Grunzen, das von den Bergen widerhallt. Ein Seelöwenbulle kann es eigentlich nicht sein, die leben ja nicht in Wäldern, aus denen die Laute kommen. Eher erinnert es an das Brunftgeschrei eines ausgewachsenen Hirsches, das Grunzen zwischendurch an eine aufgebrachte Wildsau. Oder ist es ein Bär? Was gibt es hier auf der Insel denn überhaupt für Tiere? Andenhirsche wären eine Möglichkeit, ansonsten müssen wir erstmal passen. Unsere schlauen Bücher geben da leider auch keine Hinweise.

Ansonsten klarieren wir unsere Leinen und verräumen den Blister, nachdem er in der kalten Sonne etwas getrocknet ist. Alles andere morgen, heute ist Ruhe angesagt.

Der Schlaf tut uns gut und war nötig! Der Nachholbedarf ist zwar noch nicht ganz getilgt, aber wir fühlen uns schon viel kräftiger. Also wird auch gleich nach dem Morgenkaffee das Windfahnenruder abgebaut, die letzten Dieselkanister ausgepackt und in den Tank gefüllt und unser Dingi vom Regenwasser der Nacht befreit. Es herrscht dichter Nebel, die Sonne kann sich nicht recht durchsetzen. Da die Einfahrt in die innere Bucht etwas trickreich ist und außerdem auf die Tide abgestimmt werden muss, verschieben wir das um einen weiteren Tag, bevor wir im Nebel einen der Felsen übersehen, die dicht an der Wasseroberfläche lauern. Am Nachmittag pfeift der Wind über unsere kleine Bucht. Der Windmesser im Masttopp schwankt zwischen 15 und 25 Knoten, aber direkt über dem Wasser scheinen die Böen viel kräftiger zu sein. Bomika kränkt und zerrt an Anker und Landleine, wird von dem Südostwind seitwärts gedrückt soweit es Kette und Leine erlauben. Beide sind lang aber gerade kurz genug, Bomika auf ein paar Meter Abstand von den Uferfelsen zu halten. Alternativen gibt es nicht viele, wir sind praktisch in der Bucht gefangen. Wir könnten nur die Landleine um weitere 100m verlängern und dann den Anker neu ausbringen, doch ob er dann genauso gut hält? Immerhin fällt der Grund steil ab und bei mehr als 20m Tiefe bringt es auch nichts. Aber nach ein paar Stunden Bangen und überlegen lässt der Wind auch langsam nach, die Schaumkämme verschwinden von den Wellen und der Wind dreht auf seine „normale“ Richtung von West bis Südwest zurück. Inzwischen ist es 2300h vorbei, immer noch hell aber Zeit zum Schlafen.

e_PC171680Am Samstag Morgen schauen wir aus dem Fenster und wundern uns: ein Eisfeld in der Bucht! Eigentlich sollte die Eisgrenze um diese Jahreszeit doch viel weiter südlich sein? Kein Wunder, dass es so kalt ist, denken wir noch. Wir machen ein paar Bilder und beobachten den weißen Teppich, der immer weiter in unsere kleine Bucht driftet. Als sich die Eisfläche zerteilt und näher an Bomika rückt, entpuppt sich das vermeintliche Eis als dicker Schaum, der sich langsam auflöst.

Als Hochwasser fast erreicht ist, holen wir die Landleine mit dem Dingi ein und starten den Motor, der ob der Kälte erstmal fürchterlich hustet und sich gleich nach den ersten Umdrehungen wieder schlafen legt, bevor er sich bequemt doch noch anzuspringen. Die Starterbatterie von 75Ah war zwar in den Tropen ausreichend, aber hier in der Kälte wird die Kapazität doch recht beansprucht durch Vorglühen und die ersten Husterer. Wir holen die Kette ein und den Anker auf und steuern auf die Durchfahrt ins innere Bassin zu. Die Durchfahrt wird zu recht als „tricky“ beschrieben, denn zwischen den Felsen bleiben nur ein paar Meter Platz übrig und wir können nur erahnen, wie hier das Wasser bei Flut oder Ebbstrom durchgepresst wird. Obwohl wir im Ausbringen der Landleinen nun schon geübt sind, dauert es doch eine Stunde bis Alles passt. Auch ohne Kletterpartie am Ufer ist die Arbeit doch recht anstrengend. Dafür liegen wir hier ruhig wie auf einem Ententeich, die Umgebung mit den Berggipfeln, an deren Hängen noch einzelne Schneepfützen liegen, ist einfach atemberaubend und grandios. Für kurze Zeit kommt sogar die Sonne durch und schickt uns ein paar Strahlen zum Aufwärmen bevor sich die nächste Wolkenbank dazwischen schiebt und die Temperatur gleich wieder einige Grad fällt.

Am Sonntag werfen wir unsere Pläne eines Landausflugs erstmal wieder um. Lisa hat keine rechte Lust und bäckt erst wieder Brot, das Ufer scheint auch nicht gerade einfach für eine Anlandung und zeigt überall eine steile, dicht bewachsene Böschung, durch die es schwierig sein dürfte hindurch zu kommen. So mache ich mich am Nachmittag erstmal alleine auf zu einer Erkundungstour. Ich rudere um die nächste Ecke und am Ufer entlang, kämpfe mich durch den Kelp, der unser „Bommelchen“ zum Stillstand bringt und mich nur ungern aus seinen Fängen entlässt. Ich finde eine Stelle, die geeignet erscheint, das Ufer weiter zu erklimmen und einen nicht zu steilen Weg erahnen lässt, auf dem man zum Kamm des Hügels kommen könnte. Ein Stückchen weiter kann ich vom felsigen Ufer zum moosigen Hügel hinauf steigen und suche mir einen Weg durch das hier nicht ganz so eng stehende Gestrüpp aus Bäumchen, Pflanzen und Grasbüscheln, die hier so lang, dick und fest sind wie Stricknadeln. Der Boden ist überall mit weichem Moos bedeckt, das mit Wasser vollgesogen ist. Teilweise sinke ich bis zu den Knöcheln ein und treffe auch auf weitere Spuren, die sich in den Weichen Boden gedrückt haben. Einige lassen deutlich eine Pfote mit 5 „Zehen“ erkennen, keinen Huf oder Hornschuh. Also stammte das Gebrüll, das wir neulich gehört hatten, wohl doch von einem kleinen Bären?! Mühsam klettere ich weiter nach oben, entdecke Margeriten-ähnliche Sträucher, wilde Orchideen und Blümchen, die ein bisschen an Edelweiß erinnern. Schnell komme ich außer Puste, obwohl mir sonst solche „Kraxeleien“ oder Landausflüge wenig ausmachen. Nach einer halben Stunde genieße ich die herrliche Aussicht, sehe jedoch keinen rechten Pfad weiter nach oben zum Hügelgrad. Für Lisa dürfte so eine Kletterpartie jedenfalls etwas zu anstrengend sein und so kehre ich um. Das Wasser ist am Niedrigstand angelangt, unser Dingi liegt auf Felsen im Trockenen. Eine rechte Arbeit, es wieder ins Wasser zu bekommen, ohne dass dabei Wasser in meine Wanderschuhe schwappt. Dann wieder durch das widerspenstige Kelp und bald bin ich zurück an Bord, um zu berichten und die Bilder zu begutachten.

Mo – So, 21.-27.Nov 2011 (Mar del Plata, unterwegs in Patagonien)

Das Wochenende ist vorbei, die Läden wieder offen. Also gleich morgens die Buskarte aufladen, zur Bank für Bares und dann in die Stadt wegen der Reparatur unseres Stromwandlers. Der nette ältere Herr hinter der kleinen Ladentheke macht mit erst wenig Hoffnung, denn er rechnet mit wenigstens 1 Woche, bis er sich um unser defektes Teil kümmern kann. In holprigem Spanisch erkläre ich ihm, dass wir mit einem Segelboot nach Patagonien unterwegs sind und spätestens am Samstag auslaufen wollen. Er verspricht mir, sich noch vorher unseres Konverters anzunehmen und uns per Email zu benachrichtigen und bis Freitag die Reparatur fertig zu haben. Auf dem Heimweg steige ich vorzeitig aus dem Bus und komme auf dem Weg zum Hafen an einem weiteren Toledo Supermarkt vorbei, der noch größer aussieht und auch zu Fuss vom Hafen aus erreichbar ist. Also rein und mal durchschauen, wie das Sortiment hier bestückt ist. Das Angebot an Katzenstreu wird gleich ausgenutzt und zusammen mit Dosenfutter eingekauft, zumindest soviel, wie in meinen Rucksack passt. Am frühen Nachmittag rudere ich mit dem Dingi zu Oliver am Ankerplatz, denn wenn er unsere Dieselkanister zum Auftanken braucht, sollten wir das bald erledigen. Gemeinsam tuckern wir in seinem großen Beiboot zurück und nach einem Mittagsessen im Clubrestaurant werden unsere beiden Dingis mit Kanistern und Trolley beladen. Dann ab zur nächsten Tankstelle und erstmal für Oliver über 300l Diesel bunkern und häppchenweise zum Hafen bringen. Die Trolley vertragen nicht mehr als 4 Kanister auf einmal, also sind 4 Wege zwischen Tanke und Yachtclub notwendig. Dann werden alle 16 Kanister ins Dingi geladen und auf seinem Kat in die Tanks gefüllt. Danach folgt der zweite Durchgang mit 295l Diesel und 13l Benzin für Bomika. Bis wir alles zurück an Bord haben, ist es bereits dunkel. Wir gönnen uns nach der ganzen Anstrengung und den lang gewordenen Armen ein letztes Bierchen an Bord und dann wird es Zeit für die Koje.

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug mit Laufereien und Besorgungen, Shambala und auch Inspirity laufen aus in Richtung Süden und wir sind die einzige ausländische Yacht im Club. Mit einem neuen Generator klappt es nicht. Ein 2,5kW Generator wird zwar wie versprochen verfügbar, aber die Abmessungen sind die gleichen wie ein 6,5kW Generator und einfach zu groß für unsere Backskiste. Weitere Läden werden abgeklappert, aber ohne Erfolg. In einer Holzhandlung erstehe ich zwei Bretter zur Befestigung an der Reling, um die zusätzlichen Dieselkanister zu befestigen und zu verschnüren. Natürlich müssen erst noch die Kanten gebrochen und Löcher gebohrt werden, dann 6 mal lackieren. Während der Lack trocknet wird die Ankerkette zersäbelt und die vom zu warmen Salzwasser der Tropen angefressenen Glieder herausgeschnitten. Die beiden längsten Kettenstücke werden wieder verbunden und so kommen wir wenigstens auf etwa 75 bis 80m Kette. Der Rest bleibt außen vor, um die Kette nicht zu schwächen und verschwindet vorerst zuunterst im Kettenkasten. Vielleicht lässt sich das ja später schweißen oder anderweitig einer sinnvollen Verwendung zuführen. Zum Ende der Woche erfolgen noch weitere Einkäufe beim Supermarkt und in einer Tierhandlung, denn vor allem bei Katzenstreu und Katzenfutter wird es oft schwierig, Nachschub zu bekommen. Und man weiß ja nie so genau, wie lange man unterwegs sein wird bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit und wie das Angebot dort beschaffen ist. Sand vom Strand wäre zwar immer verfügbar, ist aber ungeeignet. Sand absorbiert nicht so gut, verteilt sich dafür in jeder Ritze auf dem Schiff und damit in alle Bilgen und Ecken und obendrein holt man sich damit ggf. noch Sandflöhe oder sonstige kleinen Viecher an Bord, die man bestimmt nicht haben will. Zuletzt wird auch noch Frischobst und Gemüse gebunkert sowie ein Gang zur Wäscherei erledigt. Lisa wollte ja selbst Waschen, aber im Hafen staubt alles dermaßen schnell ein, dass ein Aufhängen von Wäsche der Sauberkeit eher abträglich ist. Der Wind trägt meist soviel Sand und Staub mit sich, sei es von der Werft oder dem Frachthafen, dass auch Bomika jeden Tag neu eingestaubt ist. Leider hilft da auch die Wäscherei nicht viel. Die Wasche duftet zwar frisch, aber Schmutz und Schweißränder bleiben erhalten.

Ein Anruf bei unserer Versicherung wegen des anstehenden Fahrtgebietswechsels zeigt, dass unsere Emails gar nicht angekommen sind und wir eigentlich einen Nachweis benötigen, dass Rigg und Motor inspiziert wurden und keine Mängel aufweisen. Und das so kurz vor dem Auslaufen, in Piriapolis wäre das viel einfacher gewesen. Aber letztendlich dient der Nachweis nur uns, damit im Falle des Falles die Versicherung keinen Aufhänger hat, um die Auszahlung zu reduzieren. So erfahren wir schließlich auch, dass unsere Emails zwar verschickt, aber vom Server des Providers brav gesammelt wurden ohne eine Rückmeldung an uns oder sonst wen. Später finden wir heraus, dass es schon seit 6 oder 7 Wochen so geht, aber Dank Satellitenverbindung und schneller Unterstützung des Providers konnte das Problem von unterwegs gelöst werden. Für die Motorinspektion treiben wir auch noch einen Volvoservice auf, der sich am Freitag Abend vor unserer Abreise noch Unserer annimmt und noch am selben Tag eine Bestätigung über sein Inspektionsurteil schreibt. Eine Bestätigung für unser intaktes Rigg müssen wir erst mal bis Ushuaia aufschieben.

Am Samstag wird noch die Hafengebühr bezahlt, bei der Prefectura haben wir uns schon am Vortag abgemeldet. Wir verabschieden uns überall, bedanken uns beim Club Centro Nautico für die gewährte WiFi-Verbindung, erledigen die letzten Handgriffe und laufen mittags bei strahlendem Sonneschein aus. Knapp 200sm trennen uns noch vom vierzigsten Breitengrad, der magischen Grenze in den rauen Süden. Wir fühlen uns gewappnet, der Wetterbericht verspricht nichts Böses und wir sind froh, wieder unterwegs zu sein. Bei mäßigem Wind mit 3, später 4 Bft. segelt es sich angenehm dahin, unsere Windfahnensteuerung kommt endlich wieder zum Einsatz und steuert uns brav auf Vorwindkurs.

In den frühen Morgenstunden des Sonntag, noch vor Sonnenaufgang, schläft unser natürlicher Antrieb ein und wir werfen die Maschine an, bis Äolus 3 Stunden später wieder aufwacht. Dafür dauert es nicht lange und wir bekommen einen leichten Vorgeschmack auf die kräftigeren Windzustände des Südens: kontinuierlich klettert der Windmesser bis auf 8 Bft und wir kommen flott voran. Zumindest während des Vormittags, denn am Nachmittag geht Äolus langsam die Puste aus, der Wind dreht auf alle Richtungen und wir müssen schon wieder mal kurzzeitig den eisernen Gustav bemühen, Bomika voran zu schieben. Denn schon am Nachmittag, als uns nur noch wenige Seemeilen von den „brüllenden Vierzigern“ trennen, macht unser Barometer einen Sprung und fällt innerhalb weniger Minuten um 8 mbar. Gleichzeitig springt auch der Wind, von angenehmen 3-4 Bft auf 8, dann 9 Bft. Die Wellen erreichen Monstergröße und Bomika windet sich, mal nach rechts, mal nach links, die Berge rauf und runter. Trotz der Reffs wird ein Kurshalten unmöglich, die Windfahne schwankt von einem Anschlag zum Nächsten und kommt nicht mehr mit und auch der elädrische Autopilot gibt bei so viel Gegenkraft auf. Wir versuchen unser Glück manuell, aber selbst wir müssen kapitulieren. Bei 9 Windstärken mit durchgehend 45 bis 50 Knoten, in Böen darüber, bergen wir die Segel. Das notdürftig aufgetuchte Großsegel wird zusammengebunden, aber schon bald auch wieder vom Wind heraus gerissen. Eine der Nähte im Segel ist nunmehr komplett durchgerissen, von hinten bis vorne. Aber das können wir nun auch nicht ändern. Wir treiben vor Topp und Takel ohne Segel und quer zu den Wellen, schaukeln dabei nach rechts und links, ansonsten aber recht behütet, während draußen der Sturm heult und durch die Takelage kreischt. So hatten wir uns die Begrüßung in den „Roaring Forties“, den brüllenden Vierzigern, eigentlich nicht vorgestellt. So war das auch nicht vorher gesagt und kam für uns nicht nur minutenschnell, sondern auch aus heiterem Himmel. Die Wetterfrösche sind eben überall gleich unzuverlässig, nur hier kann das fatale Folgen haben.

Mo – So, 28.Nov-04.Dez 2011 (unterwegs in Patagonien, Isla Leones, Caleta Hornos)

e_PB291376e_PB291377Zum Sonnenaufgang gegen 0500h ist der Spuk nach 12 Stunden endlich vorbei. Das Meer ist noch aufgewühlt, aber der Wind bis auf 3-4 Bft geschrumpft. Wir sind nicht nur seekrank, sondern auch recht müde und fühlen uns erschlagen und ausgelaugt. So werfen wir die Maschine an anstatt die Segel zu hissen, um uns noch ein paar Stunden Erholung zu gönnen und Kräfte zu sammeln, bevor wir das Großsegel gezwungener Massen mit 3 Reffs setzen. So verkleinert verschiebt sich natürlich unser Segeldruckpunkt weit nach Vorne und erschwert das Aufkreuzen, aber es geht gut vorwärts. Dabei stellen wir auch fest, dass das Achterliek unserer neuen Genua ebenfalls gelitten hat. Der aufgenähte UV-Schutz hat sich stellenweise aufgerieben und ist ausgerissen, doch das Segel selbst scheint soweit in Ordnung und zieht uns brav südwärts. Der Wind schwankt zwischen schwach und guter Brise. In den Zeiten, wenn der Wind uns keine rechte Vorwärtsbewegung mehr verschafft und die Segel zu sehr flappen und schlagen, nutzen wir Motorunterstützung und versuchen, unserer Seekrankheit wieder Herr zu werden.

e_PB292060e_PC011385

 

 

 

 

 

Tita auf Nachtwache                         ein Albatros gleitet über die Wellen

So geht es dahin bis sich am vierten Tag unterwegs der Wind von einer Minute auf die nächste um 180 Grad dreht und dabei ordentlich Puste aus seinen vollen Backen bläst. Von Fastflaute auf 25 Knoten in Nullkommanix, dann werden es schnell 7 Bft und mehr. Nun müssen wir bei durchgehend 35 bis 40 Knoten Wind gegenan, in den Böen oder wenn mal wieder eine Dreiergruppe „Kawenzmänner“ daher kommt, legt sich Bomika über, Deck und Kajütdach werden überspült und der obere Relingsdraht schleift durch die Wasseroberfläche. Dabei auch noch was kochen, Katzenklo säubern und Navigation machen ist keine einfache Aufgabe, unsere Seekrankheit nutzt die Gelegenheit sich zu etablieren. Auch das Lauschen in die statischen Knackgeräusche des Kurzwellenempfängers für die dreimal tägliche Kontaktaufnahme mit der Argentinischen Küstenwache hilft, etwaigen Mageninhalt wieder nach oben zu befördern. Was haben wir uns da nur angetan? Was machen wir hier überhaupt? Es ist lausig kalt, wie angenehm war es dagegen in der Karibik oder in Brasilien? Sollten wir nicht umkehren? Gedanken an Umkehr, den Verkauf von Bomika und an Landleben regen sich in uns immer mehr. Nach 25 Stunden hinterlässt uns der Sturm am Mittwoch eine fürchterliche Dünung aus südlichen Richtungen, die teilweise von neuen Wellen aus Norden überlagert werden. Bomika schaukelt entsprechend und wir versuchen, unsere Mägen mit Süppchen und Zwieback wieder an die Nahrungsaufnahme ohne Inhaltsrückgabe zu gewöhnen. Sonst führt der noch irgendwann Pfandgebühren ein und will nur noch kassieren anstatt das Essen in die richtige Richtung zu transportieren. Immerhin wird uns ein schöner Sonnenaufgang in tiefen Rottönen beschert.

In der Nacht schwankt der Wind mal wieder zwischen Säuseln und Blasen. In seinen schwachen Minuten nehmen wir eben den Motor zu Hilfe, um die Schaukelei etwas einzudämmen und die langsam schwindende Seekrankheit nicht wieder aufblühen zu lassen. Am Donnerstag hat sich dann alles erstmal normalisiert, der Wind pustet kräftig mit 4-5 Bft aus Ost und Nordost und trägt uns zügig unserem Ziel entgegen. Eigentlich zu schnell, denn wenn es so bleibt, werden wir mitten in der Nacht ankommen. Wir setzen einen Kurs mit längerer Strecke, doch der Wind gleicht das mit etwas mehr Geschwindigkeit beim Segeln wieder aus. Immerhin bessert sich unser Gesundheits- und Gemütszustand langsam aber sicher, wir freuen uns über die erste feste Mahlzeit, die ihren gewohnten Gang geht. Die Gedanken an Umkehr und Landleben verblassen, wir sind doch schon so weit! „DEN“ Weg jetzt wieder zurück? Da können wir genauso gut weiter segeln, wo wir doch schon mal hier sind. Und Patagonien soll doch noch so viele schöne Plätze haben, wilde Natur, die verschiedenen Tierarten ohne Scheu vor Menschen, die Gletscher und romantischen Landschaften, Fjorde und Buchten!

Als der Wind in der Nacht etwas nachlässt, bergen wir die Segel und lassen unseren Motor auf langsamen Touren dahintuckern, um die Reisegeschwindigkeit mit der Ankunftszeit besser zu koordinieren. So kommen wir pünktlich zum Sonnenaufgang im Süden der Isla Leones an. Beim großzügigen Umrunden in etwa 1,5 bis 2sm Abstand wird es auf einmal flach, Brandung rauscht und die See gebärt sich wie wild, spritzt senkrecht nach oben weil Wellen aus allen Richtungen aufeinander treffen. Ein Riff liegt direkt vor uns! Wir drehen am Steuerrad und umrunden auch dieses Riff großzügig, bis wir in der Südwestbucht der Isla Leones ankommen. Beim Einlaufen in die Bucht schwimmen Pinguine neben uns, planschen im Wasser und Tauchen ab, aber viel zu schnell und flink, um dieses Erlebnis mit dem Foto einzufangen. In den Buchten erkennen wir bereits die Seelöwenkolonien und auch die Pinguine, die in Völkergruppen beieinander stehen und lauthals durcheinander quatschen und schreien.e_PC021399e_PC021403

Nachdem unser Anker fest sitzt, haben wir noch eine kurze Pause und schauen uns um, bevor der nächste Report per Funk an die Küstenwache fällig ist. Wir bereiten das Dingi samt Außenborder vor und sammeln unsere Kameras zusammen für einen Landausflug. Obwohl wir in der Nacht nicht geschlafen haben – wegen der Strömungen waren immer wieder Kursänderungen nötig und die verschiedenen Inseln und Untiefen wollten wir auch vermeiden – fühlen wir uns kein bisschen mehr müde.

Gleich kurz nach 0800h machen wir uns auf den Weg, beim Übersteigen ins Dingi erwischt es diesmal mich: das Dingi kippt weg und ich lande mit einem Bein im eiskalten Wasser, finde aber auch gleich wieder das Gleichgewicht. Nach diesem kurzen Zwischenfall geht alles glatt und wir landen am Strand an. Wir ziehen das Dingi weit hoch über den Kiesstrand und erschrecken dabei ein paar Pinguine durch das ungewohnte Geräusch, wegen der einlaufenden Flut mit 5m Höhenunterschied setzten wir den Anker weit oben in den Kies und sichern zusätzlich noch mit einer Leine um einen Stein. Ob das im Fall des Falles wirklich hält, vor allem wenn der Wind auffrischt? Vorsichtshalber setzen wir uns eine Frist von 2 Stunden für den Ausflug. Aus der riesigen Anzahl von Muscheln und vom kalten Wasser rund und weich geschliffenen Steinen aller Couleur suchen wir uns ein paar zum Einsammeln aus und gehen langsam auf die Pinguine zu. In dem Kies Halt zu finden und möglichst leise zu sein, gestaltet sich schwierig. Eine gebückte Haltung soll helfen, den Größenunterschied zwischen uns und den Frackträgern zu minimieren. So können wir uns langsam den Versammlungen im Smoking nähern, die in Gruppen beieinander stehen, sich unterhalten – mal flüsternd ins Ohr, mal lauthals schreiend und lachend – oder zwischendurch ein Bad nehmen. Gleich hinter dem Strand sieht das Land öde und verlassen aus, durchwachsen mit niedrigen Büschen und Gestrüpp. Doch unter jedem Strauch ist eine Mulde gegraben und wird von einem oder zwei der Magellanpinguine besetzt, die uns vorsichtig beäugen. Dazwischen schreiten adlerähnliche Chimangos und Caranchos, nachdem sie elegant gelandet und ihre weißen Flügelspitzen gezeigt haben. Auf einmal wuselt ein leibhaftiges Gürteltier durchs Gebüsch und nimmt im Laufschritt Reißaus, was bei den kurzen Beinchen eher lustig wirkt und den Panzer wie einen Minirock hin und her schwingen lässt. Wir gehen noch ein Stückchen weiter, stellen aber bald fest, dass es bis zum Leuchtturm viel zu lange dauern wird, denn Wege oder Pfade gibt es in dieser Wildnis keine sichtbaren. So machen wir uns zurück auf den Weg zum Strand, vorbei an Pinguinen und Bommelchen zu den Seelöwen. Ein weißer seiner Gattung liegt faul auf seiner Haut, leise schnarchend und vor sich hin träumend. Weiter hinten dann ein ganzes Rudel, vom alten Bullen bis zu Jungspunden. Sie machen zwar einen plumpen und wenig beweglichen Eindruck, sind aber trotzdem nicht nur imposant, sondern auch schnell. Das wird deutlich, als ein paar der Tiere den Strand hinunter robben und sich ins Wasser stürzen. Derweil kreisen in der Bucht und über den Hügeln weitere Vögel, Albatrosse, Alke, Flugenten, Sturmvögel und auch Seeschwalben und andere Arten.

Bereits gegen 1000h sind wir auf dem Rückweg zur Bomika, holen den Anker samt einem Buket aus Kelp aus dem Wasser und suchen die Einfahrt in die Caleta Hornos. e_PC021486Diese ist erst auszumachen, wenn man schon davor ist und das Riff in der Bucht sicher passiert hat. Die Durchfahrt zwischen Riff und Festland ist zwar sehr breit, trotzdem wirkt es imposant, wie sich die Flut und die Wellen an den fast ganz von Wasser überspülten Felsen bricht und hoch gischtet.

 

Entsprechend unserem Timing ist Hochwasser, wir müssen also nicht so weit hoch klettern um die Landleinen um Felsen zu legen. Die Bucht ist ringsum in alle Richtungen geschützt, trotzdem fegt der Wind mitunter kräftig durch, aber man ist vor Wellengang sicher. Nach einigen Überlegungen zum Ablauf des Festmachens ankern wir erstmal und fahren mit dem Heck, also arschling, Richtung Land. Dann mit dem Dingi und einer 100m langen Leine an Land, das Dingi auf die Felsen heben und festbinden, dann mit dem Festmacher weiter rauf. Es langt aber nicht! Kein Wunder, der Wind hat gedreht und somit dreht sich auch Bomika am Anker in die entgegen gesetzte Richtung und zieht Festmacher samt Dingi mit sich. Ich hechte noch rechtzeitig mit und fahre eben zurück. Der Festmacher wird eingeholt, danach der Anker und neu überlegt. Neues Ankermanöver, diesmal nah am Buchtende. Die Achterleine für steuerbord wird an backbord befestigt, damit wir später Bomika daran herumziehen können. Diesmal klappt es mit der Leine, dafür streikt der Außenborder. Die Seewasserkühlung ist ausgefallen oder verstopft, der Motor jault entsprechend, läuft heiß und streikt. Die letzten Meter muss ich paddeln. Dann kommt die nächste Heckleine dran, die wir erstmal mittschiffs befestigen. Hier muss ich etwas höher klettern und habe auch einen Kettenvorläufer dabei, damit sich die Leine nicht durchscheuert. Nächster Schritt: Bomika wird mittels der beiden Heckleinen umgedreht, so dass unser Bug wieder auf den Ausgang der Bucht zeigt, die Festmacher dann umgelegt von backbord nach steuerbord und von mittschiffs nach achtern. Als nächstes holen wir den Anker hoch und laden ihn ins Dingi, die Kette gleich hinterher. Aber allein die Kette ist so schwer, dass ich samt Dingi zurückgezogen werde. Also Kette und Anker wieder an Bord einholen. Mit maximaler Leinenlänge versuchen wir so weit wie möglich nach vorne zu kommen, um den Anker effektiv auf Grund zu bringen. Dann wieder zurück und die Heckleinen wieder dicht holen. Eine ganz schön kräftezehrende Beschäftigung. Zuletzt noch die dritte Landleine, vom Bug quer über die Bucht an einen Felsen. Mit Paddeln gegen den Wind und den Ebbstrom wird die Tätigkeit trotz Wiederholungscharakter auch nicht einfacher, aber schließlich ist es geschafft. Gerade rechtzeitig, um die Prefectura entsprechend deren Anweisung um 1400h anzufunken. Drei Stunden schweißtreibende Arbeit hat uns das Anlegemanöver gekostet, aber jetzt liegen wir sicher vertäut. e_PC021497Während unserer Festmachaktivität erscheint oben auf dem Hügelkamm ein Guanaco und schaut in die Bucht herunter. Sicher wundert es sich, wer da mit einer seltsamen Arche ankommt. Anscheinend macht unsere Bomika aber einen nicht genug geräumigen Eindruck, um ein Mitfahren im Falle einer Sintflut erstrebenswert erscheinen zu lassen, denn es trottet nach 15 Minuten langsam von dannen und verschwindet hinter dem Bergrücken.

e_PC021509Dafür können wir am Nachmittag ein paar „Jesusenten“ beobachten, die in der Bucht schwimmen und dann Flügelschlagend übers Wasser laufen. Ihre Beine bewegen sich dabei wie die Räder eines Schaufelraddampfers, daher wohl auch ihr Name: Magellansche Dampfschiffente. Die Erpel sind farblich hübsch gestaltet und von kräftiger Statur, während die weiblichen Artgenossen eher an Gänse erinnern und in weißem oder cremefarbenen Gefieder auf die Kleinen aufpassen und Schwimmunterricht erteilen. e_PC021514Als am späteren Nachmittag die Ebbe erreicht ist, sehen wir erst, wie weit das Wasser gefallen ist und wie weit oben unsere Landleinen nun festgemacht sind. Den Stand der Flut kann man an den Felsen ringsum gut an den dunklen Rändern erkennen, der etwa 5m über dem derzeitigen Wasserstand liegt.

 

 

Nun kommt auch bald „Inspirity“ um die Ecke und Oliver mit Ilona und Sohnemann Yann legt sich bei uns längsseits. Passend zur Begrüßung bläst es mal wieder kräftig und das Manöver braucht ein paar Anläufe, bis es klappt. e_wale (6)Ich helfe Oliver noch mit einer Landleine, dafür werden wir zum Abendessen von Ilona bekocht. So groß die Wiedersehensfreude auch ist, die Müdigkeit stellt sich nun doch endlich ein und schreit nach einem frühen Bett. Ringsum ziehen sich die Wolken zusammen und jagen in schmutzigem gelb über den Himmel, bringen etwas Nieselregen und Gewitterleuchten. Immerhin haben wir nun den 45sten Breitengrad erreicht, noch 10 weitere Breitengrade stehen uns bevor bis zum Beagle Kanal, die mindestens ebenso viel Abenteuer erwarten lassen.

Am Samstag lassen wir es langsam angehen und genießen nicht nur die momentane Ruhe in der Bucht, sondern auch das frisch gebackene Sauerteigbrot, das noch ofenwarm mit Butter oder Käse besonders gut schmeckt. Unser Reisebericht wird auf den neuen Stand gebracht, unsere Bilder von gestern begutachtet und Emails geschrieben und beantwortet. So weit wir auch von der Zivilisation entfernt sind, dank Iridium- und Satellitenkommunikation sind wir auch hier nicht ganz abgeschnitten. Oliver klettert in den Mast und macht nebenbei ein paar Bilder der Bucht und von Bomika aus der Vogelperspektive. Eine unserer Landleinen ist mittig im Bild zu erkennen.calahorno_Panorama2Am Nachmittag ist es mit sonnig vorbei, es zieht sich zu und starker Nordwind weht durch die Bucht, wenn auch nicht so kräftig wie draußen auf offener See. Der nächste Südsturm ist für Dienstag/Mittwoch angesagt, also werden wir uns hier auf jeden Fall bis Donnerstag aufhalten und erholen und nebenbei ein paar Arbeiten am Schiff erledigen.

Heute am Sonntag ist Ausflugstag! Zumindest wollen wir mit der Crew der Inspirity – Oliver, Sohnemann Yann und Ilona – einen Landausflug machen. Nachdem wir schon ein paar Stunden früher auf sind, besehen wir uns vorher unseren Kaufhauskläffer. Die Seewasserkühlung funktioniert nicht weil entweder die Leitung irgendwo verstopft ist oder der Impeller nicht läuft. Oliver bekommt das mit und überreicht uns ein Fläschchen hochprozentiges – nicht zum Frust ertränken, sonder Phosphorsäure zum Reinigen. Mit ein paar Hilfsmitteln träufeln wir das Antirostgetränk von oben und unten in die Kühlwasserleitung, aber es hilft nix. Der Außenborder wird auf Morgen verschoben und wir packen unsere Kameras und Wanderstiefel für den Ausflug. Mit Olivers großem Dingi landen wir in einem kleinen Ausläufer der Bucht an und klettern die Felsen hoch. Kaum genießen wir den Ausblick und knipsen in die Gegend, winken auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht zwei Männer, die verdächtig nach Uniform und Behörden aussehen. Ihr Quad lassen sie oben am Berg stehen und klettern nach unten in die Bucht und wollen offensichtlich mit uns reden. Oliver opfert sich und tuckert langsam mit dem Dingi hinüber. Die Behördenträger steigen mit ein und fahren mit Oliver zum Kat. Wie wir etwas später erfahren, wollen sie nur wissen woher, wohin, wie lange wir bleiben wollen und ob wir das mit der Prefectura Naval abgesprochen haben. Natürlich wollen sie auch gern den Kat besichtigen, denn so was sieht man selten in diesen Regionen. Als Oliver die Beiden wieder abgesetzt hat und zurückkommt, geht unsere Wanderung weiter. Vom Plateau schauen wir auf die Caleta hinab, zur Einfahrt in die Bucht, auf das Riff und das nächste Kapp. Die Küste ist recht zerklüftet und die Hügel von Tälern durchzogen. Den Namen hat die Bucht von „Horno“ – Ofen, da alles braun gebacken ist. Trotzdem findet sich Vegetation, die sich hier trotz starken Winden und wenig Regen hält. Neben kleinen Sträuchern und Buschwerk, das teilweise an vertrockneten Brokkoli erinnert oder an struppige Bonsaibäumchen, tragen sie Beeren. Dazu finden sich neben Gräsern und Moosen auch Blumen, gelb leuchtend wie Löwenzahn aber auch farbenprächtig wie eine Kaktusfeige. Auf einem anderen Hügelkamm blickt ein Guanaco zu uns herüber und trottet dann, uns das Hinterteil zeigend, den Hügel hinab. Ein ausgewachsenes Langohr hoppelt in Riesensätzen durch die Pampa und dann zieht eine wilde Schafherde über den Hügel. In den vielen Höhlen und Felsüberhängen finden sie guten Schutz und das Steppengras scheint gerade richtig für sie zu sein. Die Sonne scheint am blauen Himmel, der Wind hält sich in Grenzen und wir müssen unsere Pullover ausziehen, im T-Shirt ist es gerade angenehm.

Nach einer Rundtour über die Hügel und durch die Täler kommen wir 3 Stunden später zurück zum Dingi. „Inspirity“ will heute noch den erwarteten Nordwind nutzen und aufbrechen, um vor dem nächsten Südwind in Puerto Deseado anzukommen. Ich helfe Oliver noch, die Landleinen einzusammeln, die Yann gleich wieder aufschießt und verräumt, und nach ein paar weiteren Vorbereitungen gehen die Drei Anker auf und verlassen die schöne Bucht. Wir lassen derweil unsere Seele etwas baumeln, versuchen eine Datensicherung hinzubekommen, die ewige Stunden dauert und lauschen den Rufen der Natur, insbesondere der vielen Vögel und Tauchenten um uns herum.

e_PC041603

Mo – So, 14.-20.Nov 2011 (Mar del Plata)

Am frühen Morgen haben wir die halbe Strecke bereits hinter uns, das Segeln mit achterlichem und halbem Wind und den neuen Segeln hat uns schnell vorwärts gebracht. Im Laufe des Vormittags lässt der Wind aber immer mehr nach, unsere Fahrt reduziert sich immer mehr bis wir nur mit 1-2 Knoten voran dümpeln. Da der Wassermacher sowieso wieder in Betrieb genommen und die „Einmachlösung“ hinausgespült werden muss, bevor die Wassertanks gefüllt werden, lassen wir den Motor mitlaufen für ausreichenden Strom und Fahrt. Am Abend kehrt der Wind zurück, wir setzten wieder unsere Segel und lassen uns weiter nach Süden tragen und rauschen durch unsere letzte Nacht auf See vor der Ankunft. Auch in der zweiten Nacht will sich trotz Müdigkeit der Schlaf in den Freiwachen nicht so recht einstellen und je näher wir unserem Ziel kommen, desto aufgekratzter werden auch wir.e_PB131322e_PB142014

 

 

 

 

 

 

Am Dienstag erreichen wir den Hafen schon viel eher als geplant und melden uns über Funk bei der Prefectura. Als wir bereits kurz vor der Hafeneinfahrt stehen und die Segel bergen wollen, springt der Motor nicht mehr an. Die Starterbatterie ist leer gelutscht, da ich am Vortag vergessen habe, das Motorpaneel abzuschalten. Eigentlich sollte das ja nicht passieren, aber eine der Anzeigen zieht wohl kräftig Strom, obwohl (oder weil) sie nicht funktioniert. Der Fehler konnte bisher aber nicht entdeckt werden und entzieht sich weiterhin beharrlich seiner Entdeckung. Mit Überbrückung klappt es, die Maschine läuft, die Segel werden geborgen und wir hängen uns an eine Boje direkt vor dem Hafenabteil der Yachtclubs, von denen es hier wenigstens 5 gibt.e_PB152023e_PB162025

 

Nach einer schnellen Tasse Kaffee machen wir das Dingi klar und rudern an Land. Der Yachtclub öffnet erst später, wie wir vom Brückenwart erfahren, also wollen wir schon mal bei den Behörden einklarieren. Die Prefectura ist unser erster Anlaufpunkt, aber dort erklärt man uns die vorgeschriebene Reihenfolge: erst Migration (Immigration) und Gesundheitsarzt, dann Aduana (Zoll) und erst am Schluss die Prefectura (Küstenwache). Also weiter zur nächsten Behörde, doch die Migration ist geschlossen. Als wir einen Wachmann um die Ecke fragen erfahren wir, dass in Argentinien keine Sommerzeitumstellung stattgefunden hat und unsere Wecker deshalb eine Stunde vorgehen. Außerdem sollte erst um 0900h anstatt 0800h laut Öffnungszeiten an der Tür der Betrieb beginnen. Nach erfolglosem Warten bis 0930h gehen wir derweil zur Aduana. Im Hauptgebäude des Zolls gleich neben der Prefectura fragen wir uns durch und werden zur ausgelagerten Abteilung am Schifffahrtsterminal verwiesen. Dort heißt es aber auch, wir müssen zuerst zur Migration und Prefectura, der Zoll kommt zuletzt an die Reihe. Falls die Migration noch geschlossen sein sollte, sollen wir die an den Eingang geklebte Tel.Nr aufschreiben und zurückkommen, dann rufen die Beamten für uns an. Dafür zeigt man uns noch das Haus des Doktors für das Gesundheitszertifikat. Dort werden wir mit Handschlag und Wangenbussi begrüßt, ein Formular wird in zweifacher Ausfertigung ausgefüllt und schon haben wir unser Gesundheitszeugnis – gegen eine Gebühr von 200ARS, etwa €35. Also wieder zur Migration zurück, die ist aber immer noch geschlossen ist. Anstatt bis zur Aduana gehen wir zurück zur Prefectura, die ist näher dran. Der Officer telefoniert für uns und bringt in Erfahrung, dass die Migration gegen 11:00 Uhr besetzt sein soll. Außerdem erfahren wir jetzt, dass wir das Formular für die „Rolle“ brauchen, das wir im Yachtclub bekommen, und zwar in 4-facher Ausfertigung, denn jede Behörde will davon eine Kopie behalten. Na, dann eben zurück auf „Los“. Anscheinend haben wir die Ereigniskarte gezogen mit „einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars einholen“. Immerhin ist das Office des Yachtclubs nun geöffnet und im Club Nautico, dem auch die Boje gehört an der wir liegen, spricht man oder besser gesagt eine nette Dame namens Marta, Englisch. Das Formular ist bekannt, wir bekommen es fünffach und freuen uns schon, dass für uns auch eine Kopie abfällt. Aber man soll sich eben nicht zu früh freuen! Bis wir wieder bei der Migration sind, ist es gerade kurz nach 11:00h Ortszeit, perfektes Timing, aber immer noch geschlossen. Eine weitere halbe Stunde Warten wird belohnt, der Officer kommt und nimmt sich unser an. Wir bekommen nun endlich unsere Stempel, ein weiteres Formular bzw. eines pro Person und können damit weiter ziehen. An der Prefectura vorbei zur Aduana, doch erst müssen die Stempel und Unterschriften der Prefectura drauf sein, obwohl man uns dort genau das Gegenteil mitgeteilt hatte. Aber auf einmal hat die Prefectura wohl ihre Meinung angepasst und zwei weitere Kopien unserer Rolle werden einbehalten. Dann noch mal zur Aduana, die nun endlich glücklich ist und die Formulare weiter bearbeitet sowie ein paar neue hinzufügt. Wieder wird eine Kopie der Rolle einbehalten und es bleibt nur eine übrig, die wir im Yachtclub abliefern müssen. Ich bitte den Officer mir noch eine Kopie zu machen, ebenso vom Formular des Health Officers, auf dem auf der Rückseite unsere Quittung für die Zahlung vermerkt ist. Endlich ist alles erledigt und wir können gehen. 6 Stunden sind vergangen und wir haben unseren Schuhsohlen etliche Kilometer in der inzwischen herrschenden sommerlichen Hitze aufgebrummt. Unser Magen hängt in den Kniekehlen, der Hals ist ausgetrocknet, und so suchen wir uns einen kleinen Laden, in dem wir Brot, ein paar Empenadas und eine Flasche Fanta gegen den Durst erstehen. Das Haltbarkeitsdatum ist extrem kurz und übersteht den Rückweg nicht bis zum Yachthafen. Bis auf das Brot wird alles auf einer Verkehrsinsel auf einem Stein sitzend umgepackt – von der Tüte in unsere Mägen. Danach spazieren wir zurück zum Yachtclub und liefern unseren Zettel ab bevor wir mit dem Dingi zurück zur Bomika rudern. Der Preis im Club Nautico beläuft sich auf 120 ARS / 20 €ur pro Tag, egal ob an der Boje oder am Steg, dafür sind die ersten beiden Tage frei. Wir sind erstmal müde und erschöpft nach 2 schlafarmen Nächten unterwegs, können aber auch nicht gleich abschalten. e_PB151324Der Adrenalinpegel muss sich erst wieder auf Normalnull senken, ein Rumpunsch soll bei der Entspannung helfen. Zur Ablenkung unserer Gedanken kommt ein prächtiges Exemplar von Seelöwe vorbei, verströmt seinen fischigen Mundgeruch und lässt sich langsam achteraus treiben.

 

 

 

Am folgenden Tag ziehen wir erstmal Erkundigungen im Yachtclub ein bzgl. Supermarkt und andere nützliche Dinge, die einen Segler interessieren. Es folgt ein Besuch beim Yate Club Argentina, dessen Contramajestro wir schöne Grüsse von Giorgio und Mariolina ausrichten sollen. Laufereien wegen diverser Geschäfte schließen sich an, wir suchen nach einem neuen, billigen Generator, Dieselkanister, Supermärkte, Tierläden, Elektronikläden. Die Geschäfte machen mittags zu für eine lange Siesta, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten – schließen zwischen 1200h und 1400h, öffnen wieder zwischen 1500h und 1700h, und entsprechend Ladenschluss zwischen 1800h und 2000h. Solange man nicht weiß, welcher Laden wann öffnet, ist dies ein ziemliches Hindernis und beschert unnötige Fußmeilen ohne Erfolgsgarantie.

Am Donnerstag verlegen wir Bomika von der Boje in den YCA, aber die Starterbatterie ist mal wieder leer und muss noch mal überbrückt werden. Das Anlegen mit Heckleinen an hohe Dalben gestaltet sich schwierig und während wir noch mit den Vorleinen beschäftigt sind, klemmt sich unser Heck an den Dalben. Mal gerät Bommelchen, mal der Windgenerator in Gefahr, am Dalben gequetscht zu werden. Bis alle leinen sitzen und in richtiger Länge an Ort und Stelle sind, vergehen fast 2 Stunden. Zur Belohnung probieren wir das nette Club-Restaurant aus für ein spätes Mittagessen. Die Bedienung erinnert uns sehr an „Dinner for One“. Dieselbe schlottrige Dienerkluft, die gebückte Haltung und der schlurfende stolpernde Gang, das passende Alter und die grauen Haare – wenn auch etwas länger und dafür etwas weniger, aber auch das Gesicht und die Mimik weisen Ähnlichkeit auf, wenn der Schädel auch etwas schmäler erscheint und irgendwie eine Ähnlichkeit zu David Caradine im Alter von 70 hat. Selbst das Stolpern über die Schwelle fehlt nicht beim Schritt auf die Sonnenterrasse. Wohl gesättigt besuchen wir den YC Centro Naval wegen Internetzugang, den wir prima von Bord aus empfangen können. 50ARS pro Monat soll er kosten, für eine Wochen entsprechend anteilig. Diese gebühr wird uns aber vom Kommodore erlassen, anscheinend haben wir einen guten Eindruck gemacht trotz der Radebrecherei in Spanisch. Es folgt ein Stadtbummel, diesmal mit Lisa zusammen. Verschiedene Läden werden abgeklappert wegen eines Generators, wegen Dieselkanistern, Motoröl und Starterbatterie. Mit den Kanistern sieht’s schlecht aus, wenn dann nur sehr teuer mit 35€ pro Stück, aber ein 2,5kW Generator sollte morgen Abend verfügbar sein. Na immerhin, lassen wir uns überraschen. Motoröl ist auch kein Problem, aber 8L kosten genauso viel wie eine 20L Tonne, da brauchen wir jedoch den Trolley für den Transport.

Dementsprechend holen wir das Motoröl im 20l Eimer und eine neue Starterbatterie am nächsten Tag ab. Nebenbei gleich noch Brot und Fleisch einkaufen. Auf dem Rückweg werde ich wegen der 20L Kanister für Diesel zu einem annehmbaren Preis doch noch fündig und befülle selbige gleich an der Tanke mit Diesel. Nach einer kurzen Pause an Bord wollen wir wieder los zum Supermarkt, da fällt uns auf, dass der Kühlschrank nicht mehr läuft. Der Stromschalter lässt sich nicht mehr betätigen und wird zerlegt und gereinigt, hilft aber nix. Also wird ein anderer ausgebaut und für den Kühlschrank verwendet. Schließlich sollen ja unsere Frischsachen nicht verderben und die Bilge ist (noch nicht) nicht kühl genug. Dann aber endlich los und im Supermarkt des Hafenviertels den ersten Schwung Softdrinks auf den Trolley gepackt. Auf dem Rückweg habe ich Glück und bekomme Ersatzschalter, allerdings nur runde anstatt rechteckige. Die Hoffnung, dass es auch runde tun, stirbt schnell beim versuchten Einbau, also wird eben einer zerlegt und die Innereien an den eckigen angepasst. Die fummelige Operation ist geglückt, der Schalter funktioniert wieder. Die Ferreteria mit dem Generator hat allerdings bereits um halb sechs schon geschlossen und unser besuch muss noch mal verschoben werden. Dafür bekommen wir neue Nachbarn am Steg, die „Land Fall“ von Dennis(?) mit Barbara als Crew läuft ein und benötigt Dingihilfe mit den Heckleinen. Die Beiden sind ebenfalls nach Patagonien unterwegs, auch wenn in Puerto Madryn ein Crewwechsel ansteht, da Barbara wieder zur Arbeit zurück muss.

Samstag in der früh läuft die „Shambala“ ein mir ihrer Österreicher Crew. Wir haben sie bisher nur kurz in Brasilien getroffen und sie sind zu viert direkt von Parati nach Mar del Plata gesegelt. Wir helfen kurz beim Anlegen und machen uns dann auf den Weg in die Stadt. In einem Süßwarenladen erstehen wir eine elektronische Buskarte, die wir mit 20ARS aufladen lassen. Anstatt mit passendem Kleingeld, wie früher üblich, kann man den Bus nur elektronisch bezahlen. Durch die im Gitternetz angelegten Strassen geht es kreuz und quer Richtung Strände und Casino zum Zentrum. Die Häuser sind meist aneinandergereiht Wand an Wand gebaut, aber jedes in seinem eigenen Stil. Landhaus, Bungalow, Fachwerkhäuschen, kleine Villa oder auch mal ein 3-stöckiges Apartmenthaus dazwischen. Der Elektronik-Service Shop in der Nähe von Plaza Evita Peron, der evtl. unseren Stromwandler reparieren kann, hat natürlich Samstag geschlossen. Nur gut, dass wir das Teil noch nicht mitgeschleppt haben! Wir machen einen Spaziergang Richtung Plaza San Martin und besuchen die gotische Kathedrale de los Santos Pedro y Cecilia, deren Grundsteinlegung 1893 und Fertigstellung 1905 erfolgte. Zwischen 1912 und 1920 gab es noch weitere Umbauten. Von außen wirkt sie zwar imposant, aber gar nicht so groß wie sie sich dann von innen darstellt. Innen ist alles durch die mit Motiven verzierten Buntglasfenster strahlend hell, die Heiligenfiguren sind sehr kunstvoll und wirken realistisch im Gegensatz zu den an Kitsch grenzenden Geschnitzten und Bemalten in anderen Kirchen. Wir erkunden weitere Supermärkte, stärken uns mit einer Mahlzeit in einem netten Kaffee und schlendern an bunten, alten Kinderkarussells und Parkanlagen vorbei. Zu guter letzt kaufen wir fleißig im Toledo ein und lassen uns mit dem Taxi zurück chauffieren.

Mit einer Schubkarre verfrachten wir den Einkauf ans Wasser zur Dingirampe und mit Bommelchen wird alles an Bord gebracht, um die steile Verbindungsplanke zum Steg und den wackligen, schiefen Schwimmsteg zu vermeiden. Beim auspacken fällt uns auf: die Tüte mit Käse und Wurst fehlt! Aber das Taxi haben wir nach dem Entladen zweimal durchgesehen, am Steg oder am Eingang zum Yachtclub blieb auch nichts liegen. Also müssen wir die Tüte wohl an der Kasse liegen gelassen haben. Ich mache eine Busfahrt zurück, doch auch dort findet sich keine zurückgelassene Tüte, weder der Kassiererin noch der Kassenaufsicht ist etwas aufgefallen. Damit die zweite Busfahrt nicht ganz umsonst war, werden Ersatzprodukte in den Einkaufswagen gelegt und eben noch mal eingekauft. Inzwischen regnet es in Strömen, Sturzbäche fließen die Bordsteine entlang. Durchnässt komme ich spät Abend zurück an Bord.

In der Nacht haben wir schlecht geschlafen, entsprechend müde in den Knochen kriechen wir aus den Federn. Duschen, ein Nachbarschaftsbesuch auf der Shambala und noch mehr Kaffee, was aber auch nicht wirklich weiter hilft. Oliver ist dafür angekommen, er hatte mit seinem Kat eine schnelle Überfahrt mit 8-10Knoten Fahrt im Durchschnitt, von so was können wir nur träumen. e_PB222041e_PB222048e_PB222050Sobald die Sonne scheint, legt sich ein alter Seelöwe auf die Rampe zum sonnen. Steht mal eine Wasserung oder das herausholen eines kleinen Bootes an, macht er brav Platz und bewegt sich weiter ins Wasser und auf die Seite, allerdings auch nicht weiter als unbedingt nötig. Nach erfolgter Aktion nimmt er auch sofort wieder seinen Stammplatz ein.

Mo – So, 07.-13.Nov 2011 (Piriapolis, Punta del Este)

Lisa’s Zahnarzttermin nehmen wir zwar wahr, aber er platzt nach einer halben Stunde Warten wegen einem Notfall. Da nicht absehbar ist, wie lange es sich verzögert, verschieben wir es einfach auf den nächsten Tag und besuchen dafür den Busterminal. Mit „Copsa“ geht die Fahrt nach Punta del Este, ein reiner Sommer- und Touristenort geprägt von Ferienappartements. Wir schlendern erst am Atlantikstrand entlang, dann an der Flussseite wieder zurück. An Sehenswürdigkeiten entdecken wir dabei eine Fingerhand, die aus einer Sanddüne ragt, und ein Totem, das an die Ureinwohner erinnern soll. Die Strände mit feinstem Sand erstrecken sich links und rechts der Halbinsel, je nachdem, ob man Ozean oder Fluss bevorzugt. Nach unserem ausgiebigen Spaziergang besuchen wir noch das Punta Shoppingcenter, in dem wir endlich einen Topfersatz finden und danach auch den Supermarkt Devoto, der allerdings zum Vergleich in Piriapolis um einiges günstiger ist. Obwohl sehr gut sortiert, ziehen wir hier den „Inglesa“ im Shoppingcenter oder die Supermärkte in Piriapolis vor. Ansonsten ist Punta del Este eher nichtssagend für uns, ein typischer Sommerort für Badegäste ohne besonderes Flair, auch wenn die Leute sehr freundlich sind wie überall in Uruguay.

Am nächsten Tag ist die Fensterwartung dran – 240 Schrauben und teilweise eine ganz schöne Fummelei, dabei geht es „nur“ um die Seitenfenster ohne die Dachluken. Bei dieser Gelegenheit werden auch gleich die Vorhänge gewechselt. Ein Telefonat mit dem Tierarzt bleibt recht erfolglos, denn für einen Hausbesuch an Bord sollten wir doch vorher persönlich vorsprechen. Vielleicht hätte ich am Telefon das Gesundheitszeugnis nicht zur Sprache bringen sollen, für das ein Ministerium in Montevideo mitverantwortlich ist? Die 100m Ankerkette werden noch mal aus dem Kasten geholt, abgespritzt und gebürstet und auf Lochfraß untersucht. Die ersten 65m sind okay, doch danach sind einige Kettenglieder „angefressen“ und sollten herausgeschnitten oder geschweißt werden. Die Längenmarkierungen werden erneuert und die schadhaften Glieder markiert, die weiteren Schritte werden wir uns noch überlegen. Jedenfalls reichen auch die 65m Kette, ggf. in Verbindung mit einer unserer Ankerleinen.

Neben anderen Kleinarbeiten wollen wir heute am Mittwoch unbedingt den Tierarzt absolvieren. Nachdem selbiger am anderen Ortsende logiert, macht es wenig Sinn, erst per Pedes hinzuwandern und ggf. dann doch noch mal mit den Miezen, also haben wir uns überlegt ein Taxi zu nehmen, die ja hier nicht viel kosten. Als ich Alejandro nach einer Telefonnummer für ein Taxi frage, bietet er mir an, uns sein Auto zu leihen und so wird es noch einfacher. Doch die Tierarztpraxis, die ab 1600h geöffnet sein sollte, bekommt gerade eine Lieferung und der Doktor wimmelt uns ab, Sprechstunde erst ab 1700h. Er ist auch zu keinem Gespräch wegen Hausbesuch oder sonstigem bereit und so fahren wir eben zu einem anderen Veterinär. Nach ein paar Verständigungsschwierigkeiten werden die jährlichen Impfungen absolviert und mit einem Untersuchungsvermerk und Stempel im Katzenpass eingetragen – Mission erfolgreich beendet. Unsere Rettungsinsel ist natürlich noch nicht fertig, die Firma vertröstet uns mal wieder auf den nächsten Tag. Ob es wohl noch vor unserer Abreise klappt? Dafür bekommen wir noch zusätzliche Dieselkanister von Bill, der sein Schiff verkaufen will und nun ausräumt und entrümpelt, wobei er eine Fuhre nach der anderen von Bord schleppt und mit seinem Motorroller abtransportiert. Bill ist aus Seattle und hat seine eigene obskure Geschichte zu erzählen. Nach seiner Abreise mit dem Schiff von Equador hatte er einen schweren Riggschaden im Sturm erlitten. Da aber in Südamerika bei Defekten am Schiff die Behörden schnell bei der Hand sind mit Vorschriften für Inspektionen auf Seetüchtigkeit, die nicht nur langwierig sondern auch extrem teuer sein können und da er ein behördliches Weiterfahrverbot befürchten musste, ist er eben mit Notrigg durchgesegelt und hat Kap Hoorn umrundet. Das hat natürlich viel länger gedauert als normal und als er bei seiner Ankunft auf den Falklands Geld aus dem Automaten holen wollte, waren alle Ersparnisse weg und das Konto abgeräumt. Darauf folgende Nachforschungen haben dann ergeben, dass seine Familie bzw. Kinder ihn für tot erkläre ließen mangels Lebenszeichen und entsprechend seine Habe einschließlich der Konten aufgelöst hatten. Am Abend stehen noch PC-Arbeiten bei Werner an, die sich viel mehr als geplant in die Länge ziehen.

Die nächsten beiden Tage vergeht mit Wäscherei, Besuch beim Supermarkt und Auf- und Umräumarbeiten in den Staufächern unserer Bomika, während ein netter Pampero pfeift und für Hochwasser sorgt. Immerhin ist das Wetterleuchten und Gewitter von letzter Nacht vorüber und die Sonne strahlt am hellblauen Himmel. Leider wird die Wärme des Planeten durch den frischen Wind kräftig reduziert, der Chill-Faktor macht sich entsprechend bemerkbar und lässt uns frösteln.

Für Samstag Abend erhalten wir noch eine Einladung von Alejandro zum Abendessen mit Georgio und Mariolina von der „Saudade“, die den umfangreichen Segelführer und jeden Seglers Bibel für Patagonien geschrieben haben. Vorher findet aber noch am Freitagabend ein Seglertreffen am Pier statt, denn 2 oder 3 Schiffe von uns wollen am Wochenende auslaufen. Kaum stehen und sitzen wir zusammen, läuft die „Iron Lady“ mit Natalie und Michael ein, die wir schon in Riachuello kennen gelernt haben.

Am Samstag, unserem letzten Tag in Piriapolis, wird es noch mal etwas hektisch. Unsere gewartete Rettungsinsel ist endlich fertig und wird abgeholt, die Hafenrechnung wird beglichen, dann auf zum Markt und die letzten Peso bis auf einen kleinen Notgroschen ausgeben. Nachmittags fahre ich mit Hans, Daniel, und Michael zur Immigration am Flughafen Maldonado. Dort wird die sog. Rolle benötigt, die aber bei der Prefectura in Verwahrung liegt und erst zum Auslaufen herausgerückt wird. Michael spricht perfekt Spanisch und unterhält sich mit der Beamtin über Familie und Kinder und nach ein bisschen Flirten ruft die Beamtin in Piriapolis an und lässt das Dokument für unsere Schiffe von der Prefectura durchfaxen. Für die Gebühr von 260 URP reicht die Reserve an Pesos gerade noch. Wieder zurück im Hafen führt der nächste Gang zum Zoll, dann noch mal zum Supermarkt für die Leergutrückgabe, das letzte Kleingeld an Pesos wird in Oliven und Haribo angelegt, und auf dem Rückweg dann auch gleich noch zur Prefectura zum Abmelden. Die wollen jetzt aber noch eine Kopie der von der Immigration abgestempelten Faxkopie, aber die Läden haben zu und ich kein Geld mehr um eine Kopie zu bezahlen. Also muss ich Sonntag morgen noch mal mit einer Kopie antanzen. Abends um 2100h finden wir uns zum Essen bei Alejandro ein. Mit von der Partie sind nicht nur Mariolina und Georgio, sondern auch der Amerikaner Bill, der Südafrikaner Geerd, der Schwede Lennard und die Amerikanerin Delilah sowie Alejandros Mutter. Also eine internationale Gesellschaft. Wir unterhalten uns viel mit Mariolina und Georgio, die ja jede menge Erfahrung in Patagonien gesammelt haben und erfahren noch einige wertvolle Tipps, die uns auf der Fahrt im Süden sicherlich helfen werden.

Am Sonntag morgen noch den neuesten Wetterbericht aus dem Internet holen, die benötigte Kopie bei Alejandro machen lassen, zur Prefectura, die jetzt endlich zufrieden ist und dann kann es losgehen. Ein letztes Verabschieden von Gräfin V, Setna, Afundavu und Iron Lady am Steg. Setna läuft zuerst aus unter großem Gejohle, dann sind wir an der Reihe, mit Tuten und Blasen aus dem Hafen gepfiffen und gewunken zu werden. Auch ein Seelöwe tummelt sich zwischen den Yachten und winkt uns zu.e_PB121315e_PB121316

Obwohl es im Hafen nach stärkerem Wind aussah, flaut er außerhalb der Hafenmauern erstmal kräftig ab. Der erste Test unseres neuen Blisters fällt daher sehr kurz aus und wird wenige Stunden später wiederholt, als der Wind wenigstens auf 3 Bft auffrischt.

e_PB131320Obwohl unsere neue Blase eigentlich knallgelb ist, wirkt sie bei Sonneneinstrahlung eher grünlich. Aber das Logo passt und das Segel zieht gut, selbst noch bei halbem Wind. Am späten Nachmittag bergen wir unseren Blister und setzen Groß- und Genuasegel. Gegenüber der alten, ausgebeulten Genua ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die Neue zieht wunderbar und steht natürlich viel besser, fällt auch nicht so leicht in sich zusammen. Das Tuch ist kräftig und kann auch was vertragen. Für die Nacht binden wir vorsorglich ein Reff ein, aber der Wind lässt eher etwas nach und verringert sich von 5 Bft auf 3-4 Bft. Bomika zieht dabei in aller Ruhe ihre Bahn südwärts, Mar del Plata entgegen.

Mo – So, 17.-23.Okt 2011 (Piriapolis)

Die Woche ist geprägt von Arbeiten und Vorbereitungen am Schiff. Die Arbeitsliste ist lang und vor unserer Abfahrt sollte alles erledigt sein. Ölwechsel und Kühlwasserwechsel, Evtl. den Impeller der Wasserpumpe erneuern, Ruder des Beiboots abschleifen, mit Harz einlassen und mehrfach lackieren, Leinenstopper reparieren oder Austauschen, Dichtgummi des Ofens erneuern, Außenborder reparieren, die Lattentaschen des Großsegels nachnähen, bei allen Fenstern die Verschraubungen und Scharniere nachstellen, Generator reparieren und vor allem die passenden Ersatzteile finden, Stromwandler reparieren und für Ersatz sorgen, die neuen Segel bei günstiger Bedingung aufziehen (nachdem sie angekommen sind, voraussichtlich zum Ende der Woche), die Rettungsinsel warten lassen, Installationen und Backups auf dem Notebook für elektronische Navigation, weitere Routenplanung im Beaglekanal, Katzenimpfungen und Gesundheitszeugnisse besorgen, Vorräte einkaufen, Bilgen putzen, Fleisch einkochen, alles neu verstauen, und so einiges mehr.

Vor allem Besorgungen, Ersatzteilsuche oder die Organisation von „wo bekomme ich was, wer kann was reparieren“ (abgesehen von Lebensmitteln) nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Uruguayer sind ja immer sehr hilfsbereit, aber bis man zuletzt etwas findet was man sucht, steht einem ein Gang zu Pontius und Pilatus bevor. Denn es gibt eben nicht alles und das was es gibt ist nicht immer vorrätig. Also macht man sich auf die Suche, stellt dabei fest was es gibt, prüft nach, ob das dann passt oder sich mit Klimmzügen oder Nacharbeiten verwenden lässt und marschiert dann wieder los in der Hoffnung, dass es noch verfügbar ist. Sonst geht der ganze Zirkus wieder von vorne los oder es dauert Wochen, bis eine Nachlieferung eintrifft. Fast täglich stehen wir bei Alejandro im Laden, der uns bei Koordination und Anrufen hilft und wertvolle Tipps gibt. Sein Hund Bowie legt sich derweil gerne auf den Rücken, während er Lisa angrinst – oder ist das nur sein Lächeln für die Kamera?e_PA312001e_PA312004

Natürlich sind all diese Arbeiten nicht in einer Woche zu schaffen, eher ist mit 2 bis 3 Wochen zu rechnen. Am Montag kommt Oliver erst spät nachts aus der Schweiz zurück, nachdem er in Buenos Aires 12 Stunden auf den Anschlussflug warten musste, etwa 50% aller Flüge wurden storniert und der Rest entsprechend verspätet. Dafür kommt er am Dienstag zum Abendessen vorbei – Semmelnknödeln mit Schwammerlsoße, die uns allen mundet. So was gibt’s hier ja nicht alle Tage und mit den getrockneten Pilzen klappt es wunderbar. Frische sind leider nicht zu bekommen und die Pilze aus der Dose lassen den Geschmack vermissen.

Wir lernen auch die Österreichische Fraktion kennen, deren Schiffe bei unserem letzten Piriapolis Aufenthalt verweist waren: Anne und Franz von der „Scorpio“, Anneliese und Hans von der „Setna“ und Susanne und Elmar von der „Susanne“. Auch mit Thomas und Claudia gibt es ein Wiedersehen und James mit Frederika und Kindern von der „Cocolo“ veranstalten wöchentlich ein BBQ.

Da darf auch das „Socializing“, der nachbarschaftliche Kontakt nicht zu kurz kommen. So bekommen wir für Freitag eine Einladung zum Abendessen von Alejandro mit Oliver, Jaque und Juliet, am Samstag steht ein Grillnachmittag bei James im Garten an mit ziemlich vielen Gästen aus der Seglerszene. Am Sonntag kommt dann noch Delilah bei uns vorbei, bevor sie am nächsten Tag nach B.A. (Buenos Aires) aufbricht, um ihre Tochter am Flughafen abzuholen und eine Sightseeing Tour zu starten. Ich bin mitten im Ölwechsel und im Cockpit liegen die frisch gestrichenen Ruder unseres Bommelchens. Nicht unbedingt ein glücklich gewählter Moment, hilft aber nix. Kaum nehme ich die Arbeit wieder auf, stehen Anneliese und Hans an der Tür zum Filmetausch. Unsere Arbeiten ziehen sich auch deshalb weiter in die Länge, aber man hat ja Zeit, solange die richtige Saison für den Süden nicht davon läuft und man sowieso auf Lieferungen oder passendes Wetter warten muss.

Apropos Wetter: der Sommer schickt immer öfter seine Vorboten mit warmen e_PA211252Sonnenstrahlen. Das genießen auch die Seelöwen, von denen sich einer gerne zum Sonnen auf das Deck der Segeljolle an der Mooringboje legt. Allerdings wird es abends auch schnell wieder kühl, ebenso sorgt häufig ein kalter Wind nicht nur für Abkühlung, sondern für Frösteln und warme Kleidung. Die Pamperos werden auch weniger stark und häufig, schlagen aber alle 10 bis 14 Tage mal zu, wenn auch nicht so heftig wie kurz nach unserer ersten Ankunft in Piriapolis.

 

Mo – So, 24.-30.Okt 2011 (Piriapolis)

Wie schon in der letzten Woche, vergehen viele Tage mit Spaziergängen in die Stadt, um etwas zu besorgen mit viel Nachfragen, hierhin und dorthin, bis man endlich den richtigen Laden findet, der das, was man braucht, aber gerade nicht da hat. Aus Morgen werden einige mañanas, und mit etwas Glück geht man irgendwann nach etlichen Kilometern Lauferei, viel Zeitaufwand und nach einigen Tagen mit dem gewünschten Teil zurück an Bord. Auch mit Ersatzteilbestellungen oder Reparaturaufträgen ist es nicht anders. Aus 2-3 Tagen werden 7 Tage, dann 10. Aber irgendwann klappt es dann doch. So dauern auch kleine Arbeiten ewig lang, die Tage gehen dahin und man hat das Gefühl, es geht nicht vorwärts, doch Geduld wird belohnt.

Zum Wochenbeginn starten wir einen Grosseinkauf im Supermarkt um die Bilge wieder aufzufüllen, die inzwischen doch recht leer geworden ist. Ein paar Konserven aus Kroatien und Malta finden sich noch, aber die sind auch bald zu verbrauchen und gewähren keinen Grundstock für die Verproviantierung für Patagonien. Oliver begleitet uns und wir lassen alles für ein Trinkgeld zum Hafen liefern.

e_PA291993Damit die Geselligkeit nicht zu kurz kommt, sind wir am Dienstagabend zum Pilzrisotto bei Oliver und Ilona eingeladen. Ilona ist sein neues Crewmitglied aus Südafrika mit viel Südamerika Erfahrung und lebt schon einige Zeit in Buenos Aires. Sie hat sich auf Olivers Annonce wegen Mitsegelcrew nach Patagonien gemeldet und war hartnäckig genug, Olivers „nein“ nicht gelten zu lassen. Beim persönlichen Kennenlernen sind die letzten Bedenken über Bord gesprungen und die Beiden scheinen sich prächtig zu verstehen.

Unsere Arbeitsliste wird brav weiter abgearbeitet, so ist z.B. am Mittwoch der Außenborder dran. Vergaser und Benzinleitung werden zerlegt und gereinigt, danach läuft er wieder, aber die Freude währt nur kurz. Unser Kaufhauskläffer rattert recht wechselhaft und nicht wirklich befriedigend, deswegen hört er wohl auch schon bald wieder auf und hüllt sich in Schweigen, der beleidigte Gockel! Also Benzingemisch ablassen und noch mal säubern. Später besorgen wir frischen Sprit und mit dem läuft er auch einwandfrei. Die restlichen 10l aus Brasilien können wir wohl getrost entsorgen, die Qualität ist dermaßen miserabel, dass dem Benzin mindestens 40%-60% Alkohol beigefügt wird, der aber bei längerer Lagerzeit verdunstet und somit das Benzin unbrauchbar macht.

Zwischendurch verbringen wir einen Nachmittag bei Anneliese und Hans und einmal gönnen wir uns ein günstiges Mittagessen zusammen mit Ilona und Oliver. Am Freitag Abend ist es dann endlich soweit, unsere Segel werden vom Zollagenten angeliefert und nachdem noch die restlichen Formulare unterschrieben wurden feiern wir Weihnachten und öffnen neugierig unser Päckchen. Die Genua wird als erstes ausgepackt, die Alte – aus der Form geraten aber frisch geflickt – wird ausgerollt, abgenommen und auf dem Steg zusammengelegt. Sodann wird die Neue gehisst und eingerollt. Unser Katzenlogo ist etwas weit oben angebracht, aber dafür gut sichtbar. Allerdings befinden sich ein paar Seilwicklungen zuviel auf der Trommel der Rollanlage, das neue Tuch ist etwas fester und schwerer und die Rollreffleine klemmt. Also wieder ausrollen, runterholen, wieder setzen und wegrollen. Um den neuen Spi auch noch auszupacken, ist es bereits zu spät und hinsichtlich der fortgeschrittenen Stunde von 22:00h zu dunkel. Unsere Neugier muss diesbezüglich gezügelt werden bis selbige dann morgen befriedigt wird.

Doch am Samstag ist erst der Zahnarzt bzw. die Zahnärztin an der Reihe. Paola, die Freundin von Alejandro, ist noch recht jung und arbeitet außer in der Klinik auch zuhause. Der Zahnarztstuhl ebenso wie der kleine Kompressor für die Geräte wirkt antiquiert, erfüllt aber seinen Zweck bestens und summt recht leise vor sich hin. Paola spart auf einen neuen Stuhl, aber die sind eben recht teuer. Nachdem sich ihre Behandlungsgebühren im angenehmen Rahmen bewegen, wird es wohl einige Zeit dauern. Lisa benötigt eine dauerhafte Zahnreparatur nach der Wurzelbehandlung in Brasilien, zwei weitere Termine werden noch folgen für Abdrücke und Finale nach den Laborarbeiten. Ich nutze die Gelegenheit für einen Grundcheck und Zahnsteinentfernung. Danach besuchen wir noch den Markt, der jeden Samstag Vormittag Unmengen frisches Obst und Gemüse sowie auch frischen Käse, Wurst, Brot und verschiedene Bekleidung oder Bastelkram feil bietet. Der Verkauf erfolgt vom Hersteller oder Grosshändler, die Preise sind entsprechend günstig. Auf dem Rückweg treffen wir bei Alejandro auf Igor von der „Paraty“, der bereits 3x zu Fuss zum Südpol marschiert ist, einmal auf dem Rückweg seinen Freund tragen musste, da der sich die Füße erfroren hatte. Er ist regelmäßig in der Antarktis unterwegs – Falklands, Feuerland, Georgien und die Antarktis selbst und zeigt uns tolle Bilder und Filmsequenzen mit Pinguinen und Robben als auch Unterwasseraufnahmen beim Tauchen am Fuss eines Eisbergs. Zurück im Hafen läuft die „Afundavu“ (zu hochdeutsch: „Auf und davon“) aus Regensburg ein mit Werner und Emmy an Bord. Später wird uns der Stromwandler gebracht zum Ausprobieren, aber nach dem Anschließen brennt nun neben dem grünen auch das rote Warnlicht, das erst blinkt und dann mit einer verbrannten Duftfahne wieder erlischt. Der gewechselte Kondensator war wohl für das ausgefallene Warnlämpchen, aber der eigentliche Fehler ist noch nicht behoben. So zieht der Elektriker wieder mit unserem Gerät von dannen und will sich morgen oder übermorgen wieder melden.

Dann endlich ist es soweit, unser neuer Spinnaker – in knalligem Leuchtgelb und mit Katzenlogo in Schwarz – wird ausgepackt. Der Bergesack wird an Deck ausgelegt und von Verdrehungen befreit, dann zum einschäkeln des Segels zusammengezogen. Wir hissen beides hoch und ziehen damit den Bergeschlauch über unsere neue Blase. Sie ist etwas kürzer, dafür aber auch breiter als die Alte, aber der Stoff bzw. das Material ist schon fester und sieht besser verarbeitet aus, soweit wir das auf den ersten Blick erkennen können. Um ihn genauer zu betrachten, ist der Wind heute leider etwas zu kräftig. e_PA291995Abends kommen Anneliese und Hans, später auch noch Ilona und Oliver zu uns an Bord der Bomika zu einer lustigen Trinkgesellschaft. Abschied muss eben auch gefeiert werden, denn „Inspirity“ läuft morgen aus mit Ziel B.A. Wenn alles klappt, werden wir uns später in Mar del Plata und in Patagonien wiedersehen.

 

Sonntags pfeift es uns recht kalt um die Ohren als wir Oliver beim Ablegen helfen. Da sein Kat nur eine funktionstüchtige maschine hat und dafür sehr Seitenwindempfindlich ist, zieht sich die Prozedur ziemlich in die Länge. Nachdem die Inspirity hinter der Hafenmole verschwindet versuchen wir noch einiges am Schiff zu machen. Bald kommen Werner und Emmy vorbei, dann Thomas und Claudia und auch Anneliese und Hans reihen sich ein. Viel Arbeit haben wir so nicht geschafft, aber dafür sind wir zum Nachtmahl geladen und Emmy kocht üppig für uns auf als Dankeschön für die Ersatzrotorblätter, die wir an „Afundavu“ abtreten.

Mo – So, 31.Okt-06.Nov 2011 (Piriapolis)

Wie die letzte Woche beendet, so beginnt die Neue. Nachdem der morgendliche Zahnarzttermin für den Gebissabdruck hinter uns liegt, helfen wir Setna aus dem engen Parkplatz heraus zu kommen und beim Verlegen an den Kranpier. Gleich darauf läuft „Anico“ mit Michael und Regina ein und wir helfen beim Anlegen, dann beim Ablegen von „Lorbas“, denn Claudia und Thomas gehen auf einen kurzen Törn um das Schiff mal wieder zu bewegen. Werner zeigt mir am verbliebenen Nachmittag noch einiges an seinem Laptop zum Thema Internet und elektronische Navigation, zum Basteln in eigener Sache bleibt mal wieder wenig Zeit. Abends bekochen wir uns gegenseitig, mal Emmy auf der „Afundavu“, mal Lisa auf der „Bomika“. Dabei wird es meist saumassig spät bzw. früh am Morgen. Wenn das so weiter geht, kommen wir morgens immer später aus der Koje und schaffen immer weniger am Tag, werden dafür immer müder.

Zwischen Nachbarschaftshilfe, Besorgungen, Einkaufen usw. wird auch der Powerball-Ankerwirbel gereinigt und gewartet. Dabei stellt sich heraus, dass die beiden Stifte, die den aufgeschraubten Kopf des Wirbels sichern, komplett fehlen. Glücklicherweise passt der (Ersatz-)Scherstift aus Edelstahl für den Außenborder genau in die Aussparungen und so wird selbiger auf die richtige Länge abgesägt und mit Locktite Kleber versehen in die Aussparungen geklopft. Deck abspritzen und Wassertanks füllen fällt auch wöchentlich an, denn der Wind oder auch der gelegentliche Regen hinterlassen eine ganze Menge Staub auf dem Deck. Das Nähen der Lattentaschen bereitet natürlich etwas Mühe, da der Segelstoff durch Aufdoppelungen und Verstärkungen dort mehrere Lagen Dick ist und die Nadel kaum durchzustoßen ist. Mit unserem Trolley füllen wir 4 Kanister an der Tankstelle mit knapp 100l Diesel für die Überfahrt nach Mar del Plata, den Rest des Tanks und der Kanister wollen wir dort auffüllen, denn in Argentinien ist der Sprit deutlich billiger. Ansonsten haben wir unsere Arbeitsliste trotz aller Widrigkeiten gut abgearbeitet. Übrig sind noch das Prüfen der Ankerkette, die Verschraubung der Fenster, der letzte Zahnarzttermin von Lisa und der Tierarztbesuch. Der portable Generator ist zwar nicht repariert worden, da wir für die Kosten bereits einen Neuen kaufen könnten, aber immerhin zurück aus Montevideo. Die Rettungsinsel soll nach langem Hin- und Her am Dienstag geliefert werden, das Schicksal unseres Stromwandlers ist noch ungewiss. Auch ein letzter größerer Einkauf sowie ein paar Kleinarbeiten stehen noch an, stellen aber kein Problem in der Zeitplanung dar.

Ansonsten erhalten wir über Eliza, der Freundin des Marine-Ingenieurs, eine Einladung vom Kommodore des Yachtklubs zum BBQ am Freitag Abend, und zusammen mit den Crews von „Setna“ und „Afundavu“ machen wir uns beladen mit ein paar Bier- und Weinflaschen auf den Weg. Die wage, aber einfache Wegbeschreibung hilft uns allerdings nichts, es gibt nur einen Yacht- und Fischereiklub, der ist allerdings geschlossen. Auch die Einheimischen, die wir unterwegs fragen, bestätigen uns, dass es keinen anderen Club gibt. Schließlich machen wir es uns auf einer Parkbank an der Seepromenade bequem und erleichtern unser Marschgepäck, bevor wir uns unverrichteter Dinge auf den Heimweg begeben.

Ein Erfolg wird dafür das erste TO-Treffen und Grillabend bei den frisch gebackenen TO-Stützpunktleiter Claudia und Thomas in deren haus hinter dem Hügel. Die Wegbeschreibung mit Stadtplan und Bildern stellt sicher, dass wir am Samstag Nachmittag gut ankommen. Thomas hat den großen Uruguayanischen Grill schon angeworfen, das Brennholz produziert schon eine schöne Glut. Er hat uns zwar vorgewarnt, dass es in seinem Garten Taranteln gibt, die zwar handtellergroß aber harmlos sind, doch lässt sich von denen keine blicken. Dafür gesellt sich ein Iguana zu uns, der ganz frech seinen Anteil am Essen fordert und nach ein paar Häppchen und ein paar Runden um den Tisch wieder verschwindet. Wir unterhalten uns alle prächtig und die Zeit vergeht wie im Flug. Bis wir aufbrechen und zurück im Hafen sind, ist es bereits 0200 Uhr morgens.

e_PB051254e_PB051255

Das Haus von Claudia und Thomas mit neuer “TO” Plakette

e_PB051258e_PB051264

Grillstation (v.l. Anneliese, Thomas, Hermann) und der gedeckte Tisch im Garten

e_PB051278e_PB051279

v.l. Werner, Hans, Anneliese, Thomas, Monika, Herrmann – rechts: Werner und Hans

e_PB051281e_PB051283

Monika und Herrmann                                                               Emmy und Lisa

e_PB051270e_PB051273

unser “Mitesser”, der Iguana. Da hilft kein Klerasil

e_PB052010

e_PB052011

Die Gastgeber: Claudia                                          und Thomas

5.11.2011

Route Uruguay

chart Bomika route Uruguay

Kategorien