Buchtitel-Buch3-f.-Werbung_thumb1Unsere Webseite war in erster Linie eigentlich für Familie und Freunde gedacht, doch hat sich der Interessentenkreis schnell ausgeweitet. Vielen Dank für das weltweite Interesse! Wir sind inzwischen dabei, Bücher über unsere Reise zu verfassen und haben deshalb die älteren Blogeinträge mit einem Passwort versehen. Das erste Buch über unsere Erlebnisse in Patagonien und unseren Schiffbruch ist bereits verlegt und ist im Buchhandel als Taschenbuch oder e-Book erhältlich (siehe Rubrik Bücher). …..mehr dazu/ganzen Artikel einsehen ….

Di – Mo, 01. – 21. Dez 2015 (Syrakus, Sizilien bis Funtana, Kroatien)

1.12. Zum Monatsanfang mal wieder duschen anstatt Katzenwäsche an Bord. Damit es diesmal endlich mit dem warmen Wasser klappt, wird sogar der Generator an den Duschen angeworfen, damit es auch Strom für den Durchlauferhitzer gibt. Doch lange dauert es nicht, dann ist der Sprit alle, und auch Öl muss nachgefüllt werden. Ich dusche dann trotzdem schon mal, auch wenn das Wasser noch nicht mal lauwarm wird. Immerhin ist es auch nicht mehr so eisig kalt wie die letzten Male.

Dann auf in den Mast! Schon das alte Kabel lässt sich kaum durch die engen Durchführungen entfernen, das neue macht entsprechend die gleichen Probleme beim durchfädeln, obwohl ich die Lampenhalterung extra gelöst habe. So dauert es doch etwas länger da oben, bis ich wieder auf Bodenhöhe herabsteigen kann. Die unterwegs verloren gegangene Schraube an der Windfahne wird auch gleich noch ersetzt, der neue Schalter für die Lautsprecheranbindung der Funkstation im Cockpit bekommt noch einen Gummiüberzieher und das erste der Batteriekabel zwischen backbord und steuerbord wird konfektioniert. Gar nicht so einfach bei 50qmm Durchmesser. Das Durchziehen dieser Kabel durch die Schächte wird noch schwieriger werden, da graust mir schon etwas davor.

Schon Mittwoch, aber die Erkältung ist noch lange nicht weg. Nachts und morgens sind die Hustenanfälle am schlimmsten, wohl wegen der Kälte, Hitzewallungen und Schüttelfrost wechseln einander ab und die Gliedmaßen fühlen sich irgendwie gummiartig an. Ob es wohl klappt, am Freitag abzulegen? Ich muss eben alles langsam angehen und das Beste hoffen.

Der Donnerstag wird nochmal recht betriebsam. Gleich in der Früh wird die Wäsche aufgehängt, was ich gestern nicht mehr geschafft habe. Danach geht es an die Kabel zur Verbindung der Batteriebänke. Die Anbringung der Kabelschuhe fuchst etwas, ebenso das Einziehen der Kabel. Doch schließlich ist alles geschafft und auch Zeit für ein spätes Frühstück hab ich gefunden. Am Nachmittag kommt Chris, einer der Marinerios, vorbei und besorgt mir Diesel von der Tanke in Kanistern, die ich gleich in den Tank fülle. Es hätten doch 40ltr mehr sein dürfen, um ihn voll zu machen, aber bis Dubrovnik reicht es allemal, vielleicht auch viel weiter, wenn mir Segelwind anstatt Flaute präsentiert werden sollte. Die Leerlaufdrehzahl wird noch nachjustiert, jetzt bleibt auch der Batteriealarm still. Also funktioniert doch alles wieder! Das ganze Werkzeug wird noch aufgeräumt, dann ist das Katzenklo dran und schon ist Zeit für die Raubtierfütterung und anschließend soll ich selbst ja auch noch was auf den Tisch kriegen. Die Tage sind einfach zu kurz geworden, bereits um 17:00h ist es zappenduster.

Peter und Ally von der „Tyra“, unsere Nahbarlieger an steuerbord, sind trotz meiner Vorwarnung doch überrascht, dass es bei mir schon losgehen soll. Die beiden haben eine schon ältere Hündin, die auch an Katzen gewohnt ist. Tagsüber lag oder saß sie oft an Deck und hat zu unseren Miezen hinüber geschielt, ob sie sich blicken lassen. Sobald eine von unseren Rackern an Deck war, gab es gegenseitig tiefe Blicke in die Augen, sehnsüchtig und voller Spielfreude in den Hundeaugen, neugierig und fragend in den Katzenaugen. Heute, am Freitag 4.12., legen wir ab in Syrakus, Ally und Peter verabschieden sich noch, dann heißt es Leinen los!

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Nachmittags steht eine große Rauchfahne über dem Ätna und als es dunkel wird, gibt es ein richtiges Schauspiel. Rotglühend wird heißes Gestein in die Luft geschleudert und ergießt sich in einer breiten Schneise den Vulkan herunter. Erst nach einer guten Stunde findet das Spektakel ein Ende. Dafür fahren mir eine Menge Tanker und Frachter über den Weg auf oder von dem Weg nach Augusta oder der Straße von Messina. Auch später bleibt es bei regem Schiffsverkehr aus und in die Adria. Der Wind ist eher flautig, schwankt zwischen 2 und 5Kn. von vorne. Kein Segelwind, die Maschine muss herhalten.

Erst am frühen Morgen des Samstag brist es etwas auf und wir können tagsüber segeln. Als es am Abend wieder stockfinster ist, legt sich der Wind schlafen und ich muss die Genua einrollen. Der Wind pendelt zwischen Nord und Ost, säuselt nur so herum und die Maschine muss schon wieder herhalten. Schließlich möchte ich durch die Straße von Otranto, den Flaschenhals in der Süd-Adria, durch sein, bevor der Gegenwind laut Prognose zu kräftig wird.

Auch am 2.Advent und Nikolaustag bleibt der Wind mau. Das ändert sich erst am Montag, ein paar Stunden bevor es hell wird und wir das Kap Maria de Leuca querab haben. Das musste ja so kommen! Genau für die Durchfahrt des Flaschenhalses legt der Wind weiter zu, erreicht 6Bft mit entsprechendem Seegang und Brechern. Auch die Strömung ist hier stärker und versetzt uns mit 1,5 bis 2Kn südwärts. Naja, es hätte schlimmer kommen können und mit 10Kn mehr blasen, aber dafür bricht kurz vor Einbruch der Dunkelheit eins der Steuerkabel der Windfahnensteuerung. Bei Dunkelheit, dem vielen Wind und den Wellen samt Gischt kein guter Zeitpunkt. Der elektrische Autopilot kann natürlich die Winddrehungen nicht ausgleichen und Bomika kommt zu hoch an den Wind, läuft dann immer wieder aus dem Ruder. Zweimal wird eine Halse notwendig, um das Schiff wieder auf Kurs zu bekommen, einmal muss der Motor helfen und die Genua wird bei den etlichen Wenden oft genug ein- und wieder ausgerollt. Hätte ich geahnt, dass es so viel mehr Wind gibt als vorher gesagt, hätte ich die Kutterfock gesetzt. Mit der geht das Aufkreuzen leichter.

Am Dienstag ist der Spuk vorbei und wir durch die Enge zwischen Italiens Südspitze und Griechenland/Albanien durch. Ab mittags hat das Aufkreuzen ein Ende, der Wind wird zur Flaute. Bis sich auch die Wellen beruhigen, dauert zwar noch lange, aber wir kommen unter Maschine auf direktem Kurs doch besser voran.

9.12., Mittwochnachmittags kurz vor 14:00 h erreichen wir die Polace Bucht auf Mljet und ankern in der hinteren Ecke. Endlich mal wieder Ruhe im Schiff und Zeit fürs Frühstück oder eine ordentliche Brotzeit. Auch die Miezen werden natürlich versorgt, die unsere Ankunft auch genießen und wild übers Deck toben. Für alle Fälle fülle ich schon mal den restlichen Diesel aus den Kanistern in den Tank. Bis Trogir oder Split reicht es damit allemal, aber bis Funtana sicher nicht. Der Wetterbericht ändert sich zwar jeden Tag etwas, aber einen guten Segelwind aus der richtigen Richtung verspricht keiner. Evtl. für Montag/Dienstag, der dann aber am Mittwoch gleich wieder auf NW dreht bei Durchzug des Hochs. Also abwarten und dann mal schauen. Erstmal ist Ausschlafen angesagt und genau das tue ich auch. Die Nacht ist ruhig, abgesehen von ein paar Fall Böen von den Bergen bzw. Hügeln ringsum und ich schlafe seit langer Zeit mal wieder tief und fest.

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Am nächsten Morgen liegen wir anders herum und kommen dem Ufer und den Felsbrocken, die davor im Wasser schimmern, ziemlich nahe. Vorsichtshalber also ein neues Ankermanöver, falls mal stärkere Böen einfallen und die Kette ganz stramm ziehen sollten. Die Windfahnensteuerung montiere ich ab, bei Flaute brauch ich sie eh nicht und bei Hafenmanövern ist sie nur hinderlich. Weit ist es ja auch nicht mehr und ich hab ja auch noch den elädrischen Piloten. Ansonsten wird der Tag vertrödelt, ich kann mich eh nicht zu viel Arbeiten aufraffen.

Schon ist Freitag, die Nacht konnte ich kein Auge zumachen. Der gute Schlaf der letzten Nacht rächt sich jetzt wohl. Immer wieder pfeifen Fall Böen herunter, ruckeln an der Kette, aber unser Anker hält bombig. Heute losfahren oder erst morgen? Ich rudere hinüber ins Dorf für einen kleinen Spaziergang und kaufe frisches Brot. Unsere Flaggen aller Länder binde ich an eine dünnere Leine als in Portugal und bereite alles vor zum Hissen zu unserer Ankunft in Funtana. Laut Wetterbericht wird aus dem kräftigen Rückenwind nichts mehr werden, dafür soll auch der kräftige Gegenwind nur weiter im Süden wehen. Also wird es wohl ein Flauten Trip werden und ein Nachtanken in Trogir unumgänglich. Am Nachmittag fällt die Entscheidung, ich bleibe noch eine Nacht und werde mich am Samstag auf den Weg machen. Sind ja nur etwa 80sm bis Trogir, das sollte kein Problem bereiten.

Ansonsten ist es arschkalt, selbst die Sonne kann in den paar Stunden ihres Erscheinens tagsüber daran nicht viel ändern. Spätestens um 15:00h verschwindet sie hinter den Hügeln, eine Stunde später ist es dunkel. Dazu steht sie sehr niedrig am Horizont und daher ist der Stromzufluss mit Solar eher gering. Es reicht für ein paar Stunden Kühlschrank tagsüber, Beleuchtung, PC/Tablett und Telefon aufladen, aber nicht viel mehr. Für Heizung und warm Wasser muss dann der Motor herhalten und eben 1-2 Std. am Tag laufen. Für den mobilen Generator habe ich weder Sprit noch Lust, ihn aus der Backskiste zu kramen. Am Vormittag klettert das Thermometer im Schiff nur mühsam über die 10°-Marke. Somit kann ich mich morgens trotz warmer Klamotten erstmal warm zittern, bevor es an die tägliche Routine geht.

Am Samstag geht es nachmittags Anker auf, nicht zu früh, damit ich nicht schon in der Nacht in Trogir ankomme, und nicht zu spät, um bei der Ausfahrt aus der Bucht durch die Inselchen noch Tageslicht habe. 15:00h scheint daher perfekt. Der Wind ist ruhig oder schläft, der Diesel tuckert vor sich hin. Nachdem es ja so bleiben soll, setze ich auch kein Segel. Noch vor Mitternacht erreicht der Wind 5-6Kn, aber das ist auch schon das höchste der Gefühle. Nur die See wird recht ruppig durch die Dünung, die draußen in der Adria noch steht. Dadurch verringert sich unsere Fahrt natürlich, aber das macht ja nichts. Ganz im Gegenteil, so habe ich wenigstens schon wieder Tageslicht, als uns der Kurs zwischen den Inseln und Inselchen hindurch ostwärts nach Trogir bringt. Ich bekomme Funkkontakt mit der Marina Trogir und frage nach dem Fuel-Dock. Das wäre aber gegenüber in der Marina Baotic. Irgendwie kommt mir die Uferkulisse sehr fremd vor, ich hatte das anders in Erinnerung. Aber schon bald klärt sich das auf: ich bin etwas zu früh in die Bucht abgebogen und in einer Sackgasse der Insel gelandet, also ein Stückchen zurück und weiter nördlich abbiegen. Dort findet sich nicht nur die ACI Marina, sondern auch die relativ neue Marina Trogir, dazwischen eine geschlossene Tankstelle und gegenüber die Marina Baotic, ebenfalls noch ganz neu, mit einem großen Tank-Pier. Das Bild der Umgegend ist wieder vertraut, der alte Stadtpier mit ein paar Ausflugsbooten gut zu erkennen. Kurz vor Mittag mache ich an der Tankstelle fest und gehe auf Erkundungsgang. Die Tanke ist am Wochenende geschlossen bis Montag 08:00, ebenso die Rezeption der Marina. Kein Mensch weit und breit und auch draußen auf der Straße gibt es im näheren Umkreis keine Tankstelle, an der ich mich mit Kanistern bedienen könnte. Ich richte mich häuslich ein auf die Wartezeit, beaufsichtige unsere Miezen, damit sie nicht stiften gehen. Tita möchte an Land, auch mit Leine, aber weil ich nicht gleich schnell genug bin mitzukommen, verliert sie ebenso schnell das Interesse daran – eingeschnappt eben, etwas zickig das Mädel. Na dann eben nicht und wir bleiben alle zusammen in der Kajüte.

Kaum ist es finster, also kurz nach 17:00h, kommt der Wachmann vorbei und möchte die Bootspapiere mitnehmen, um sie zur Rezeption zu bringen. Morgen früh könnte ich sie dann wieder abholen, gegen Bezahlung für die Übernachtung. Wieviel das kostet? Keine Ahnung – vielleicht 50-60€, kann aber auch etwas weniger sein wegen der Nebensaison, das weiß er nicht so genau. Nein Danke – kein Strom, kein Wasser, kein WiFi, keine Dusche und somit kommt dann der Sprit fast doppelt so teuer – das muss ich nicht haben. Dann lieber ankern. Motor an, der Wachmann trollt sich und ich löse die Leinen. Ein paar hundert Meter weiter versenke ich das Eisen auf 2,5-2,8m Tiefe, guter Haltegrund in Schlamm, und hier in der Bucht ist es sowieso recht geschützt und ruhig. So können wenigstens auch die Miezen ungehindert an Deck rumlaufen, ohne auf große Entdeckungstour auszubüchsen.

Am Montagmorgen hole ich kurz vor 08:00 den Anker hoch und verlege mich wieder an die Tank-Pier, mache gerade die Leinen fest, als die Angestellten Tankwärter auftauchen. Nach 15min. ist alles erledigt, 80ltr. Gebunkert, so dass es ggf. auch bis Funtana reicht, bezahlt und wieder abgelegt. Weiter geht die Reise, mal sehen, ob der Wind tatsächlich so flautig bleibt und ich bereits weit genug nordwärts bin, bis er etwas zulegt und stärker auf die Nase weht. Der Frachter Verkehr hat stark nachgelassen, dafür schwirren Unmengen von Fischtrawlern herum. Bis zu 20 davon, wie an einem Schnürlvorhang aufgereiht, dümpeln oder fahren langsam mit ihren Schleppnetzen durch die Gegend vor der Küste.

Egal, ob es als gut oder schlecht gewertet wird, der Wind bleibt flautig und zu wenig, um die Segel zu füllen. Erst am Nachmittag brist es auf, aber auch nur für ca. 2 Stunden und natürlich von vorne. Danach wird es wieder flautig und nur in den frühen Morgenstunden wiederholt sich die Brise. Dafür gibt es dichten Nebel, wie schon über Funk von Radio Split durchgesagt. Im Laufe des Tages bzw. Nachmittags lichtet sich der Nebel etwas, zumindest erweitert sich der Sichtbereich. Die Briuni Inseln bei Pula sind bereits passiert und es liegt nur noch ein kurzes Stückchen vor uns. Die Leine mit den Flaggen aller von uns besuchten Länder wird entlang des Achterstag gehisst, Fender und Leinen vorbereitet, und schon kommt Funtana in Sicht. Die der Bucht vorgelagerte Insel und der „Vogelfelsen“ kommen mir sehr bekannt vor und erinnern an unsere Jahre vor der Abfahrt in 2008.

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Kurz vor 15:00h laufen wir in die Marina Funtana ein, der Marinero zeigt uns den Liegeplatz und schon liegen wir fest vertäut am Steg. Thomas von der Yachtcharter ist noch da und bastelt in seinem Laden, ansonsten ist alles verwaist. Keine besondere Begrüßung, still und heimlich sind wir am Ausgangspunkt und Zielhafen angekommen. Vor 7 ½ Jahren haben wir unsere Mietwohnung gegen unsere Bomika getauscht und waren seit dem 19. Sept. 2008 unterwegs. Rund 48.000sm liegen in unserem Kielwasser, etwas mehr als 2x am Äquator um die Weltkugel. Schöne Plätze haben wir viele gefunden, auch viele neue Freunde und nette, liebe Menschen.

Wo es uns am besten gefallen hat? Das ist schwer zu beantworten, denn überall ist es anders, und das fängt ja schon beim Klima an. Israel hat uns sehr gut gefallen, aber es fehlen vorgelagerte Inseln und Buchten zum Ankern. Madeira war super – aber dort leben? Ähnlich ist es mit den Kanaren und Kap Verden. Die Karibik? – zu viele Charterer sind dort unterwegs, man merkt die Ursprünglichkeit schwinden zu Gunsten des Kommerz. Es gibt viele Paradise, aber jedes hat auch seine negativen Seiten, je nachdem wie die persönlichen Präferenzen gesetzt werden und die persönlichen Vorstellungen und Wünsche ffür ein Paradis aussehen. Wie ein kluger Mann schon mal gesagt hat, das Paradies können wir nur in uns selbst finden. Auf unserer Top-Liste stehen auf jeden Fall Suriname, Ilha Grande und Umgebung in Brasilien, Patagonien von Pto. Williams bis Valdivia, aber auch die Algarve in Portugal.

Und unsere schlimmsten Erlebnisse? Nun, wir sind nicht so sicher, ob da unsere Strandung auf der Isla Londonderry am Westende des Beagle Kanals wirklich an erster Stelle steht. Es war zwar ein einschneidendes Erlebnis, aber hat uns auch eine sehr schöne Zeit in Pto. Williams und die Aufnahme in die Dorfgemeinschaft beschert. Im Nachhinein als schlimm würde ich unseren Törn von Französisch Guyana nach Salvador bzw. Maceio bezeichnen. Über 3 Wochen gegen 3Kn Strom und Aufkreuzen bei Windstärken von mindestens 40Kn bis zu 55Kn, also permanente Schräglage vom Feinsten und recht extrem. Nicht umsonst wird diese Strecke von Seglern als „unmöglich“ bezeichnet. Eine weitere Situation war der Sturm, in den wir im Südatlantik auf der Höhe von Pto. Madryn geraten sind. Die Windstärken waren eigentlich gar nicht so extrem, aber die Wellen haben sich bis zu 10m aufgetürmt und machten ein Segeln selbst mit Sturmfock und leicht achterlichem Wind unmöglich. Laufend drohte das Schiff quer zu schlagen und dann von der nächsten Welle überrollt zu werden, war nicht mehr zu steuern, der Ruderdruck zu groß. Beigedreht alles kein Problem, unsere Bomika tanzte wie ein Korken recht ruhig auf den Wellen und wir konnten gemütlich in der Kajüte abwarten, bis sich das Wetter und die See beruhigt hatte.

Ansonsten hatten wir zwar öfters aufregende Momente und waren meist weit entfernt vom Kaffee-Segeln, aber es war alles in Allem auch eine schöne Zeit, ein anderes Leben und viele neue Erfahrungen, denen wir immer offen gegenüberstanden. Oft haben wir geflucht oder uns gefragt, warum wir uns das eigentlich antun? Aber ebenso oft haben wir alle Unbill schnell vergessen und durch wunderbare Erlebnisse ersetzt. Sei es auf dem Wasser oder an Land, mit Tieren, Einheimischen oder anderen Seglern, oder einfach beim Bestaunen der vorüberziehenden Landschaft, insbesondere in den Kanälen Patagoniens.

Aber zurück zum hier und jetzt: Am Mittwoch, den 16.12. sind gleich in der Früh unsere Miezen ganz wild drauf, einen weiteren Erkundungsgang zu machen, während ich einen Kaffee schlürfe. Auf einmal kommt Feivel zurück, pitschnass und demoralisiert. Ich rubble ihn trocken und pack ihn in eine Decke, Tita folgt auch gleich und demonstriert ihr Mitleid und schleckt ihm den Kopf ab. Keine Ahnung, wie und wo ihm das Malheur passiert ist und wie er wieder an Bord kam. Das wird wohl sein Geheimnis bleiben, aber Hauptsache, er ist wieder da.

Ein Versäumnis muss ich natürlich auch noch nachholen: da Funtana ja kein Einklarierungshafen mit Zoll und Capitania ist, hätte ich eigentlich erst nach Porec an die Zollpier segeln müssen. So mache ich mich mit dem Taxi auf, um das persönlich nachzuholen. Die Hafenpolizei hat ein Einsehen und spricht auch gleich mit der Dame vom Zoll, um die Wogen zu glätten, bevor sie hoch schlagen. So klappt alles wunderbar, ich bekomme auch keine Strafe aufgebrummt und unterhalte mich noch ein bisschen mit dem Hafenkapitän, bevor es zurück nach Funtana geht.

Vorbereitungen zum Kranen stehen an, wie z.B. die Achterstag Antenne abmontieren, die Flaggenparade einholen, Leinen, Wasserschlauch und Strom abklemmen und aufräumen. Reinhard vom Boat-Service kommt kurz vorbei, nachdem er aus Monfalcone eingetroffen ist. Morgen fährt er schon wieder nach Hause, lädt mich aber zum Abendessen ein, um meine Rückkehr zu feiern.

Der Appetit von Feivel hält sich dagegen noch in Grenzen, aber er geht schon wieder spazieren. Der schlimmste Schock scheint überwunden. Noch am Freitag werden wir gekrant und an Land gestellt, dann ist auch mit den Ausflügen der Miezen Schluss, da sie nicht mehr auf Nachbarboote springen können und die Leiter ihnen zu suspekt ist. Und für mich wird es Zeit, mich nach einer Heimreise-Möglichkeit umzusehen, bei der ich die Miezen und möglichst viel Gepäck mitnehmen kann und die obendrein nicht zu teuer wird. Als am günstigsten stellt sich ein Mietwagen heraus, aber es sollte einer mit Winterreifen sein, was die Sache etwas verkompliziert. Aber auch das klappt letztendlich und einer Wiedervereinigung mit Lisa steht nichts mehr im Weg. Noch am Montagabend mache ich mich auf den Weg Richtung München, vollgepackt bis unters Dach mit unseren Klamotten und komme 6 ½ Std. später mitten in der Nacht an. Für Besorgungen und Organisieren ist es natürlich ein ungünstiger Zeitpunkt wegen der vielen Feiertage oder Betriebsferien. Aber dafür stehen den Familientreffen an Weihnachten und einigen Besuchen bei Freunden nichts im Wege. Natürlich vergeht die Zeit viel zu schnell, bevor ich wieder nach Kroatien fahren muss und mit dem Besorgen eines eigenen fahrbaren Untersatzes hat es auch noch nicht geklappt, aber das kommt das nächste Mal dran. Um den Hausstand der „Bomika“ aufzulösen, wird es eh noch einiger Fahrten bedürfen.

So – Mo, 01. – 30. Nov 2015 (Portimão bis Syrakus, Sizilien)

Am Sonntag schüttet es wie aus Eimern, Lisa wird immer nervöser und will eher zu früh als zu spät losmarschieren. Bis zum Tivoli Hotel, an dem uns der Shuttlebus abholt, ist es nicht weit, unsere Seglerjacken halten uns dabei warm und trocken. Pünktlich um 14:00h stehen wir bereit und warten auf den Bus, der noch eine halbe Stunde auf sich warten lässt. Die Fahrt zum Flughafen in Faro geht recht zügig und bereits nach einer guten Stunde sind wir am Ziel – viel zu früh für den Flieger. Unterwegs sehen wir die Folgen des kräftigen Regens: Gebiete sind überschwemmt, Autos stehen bis zu den Fenstern im braun-schlammigen Wasser, auch an der Autobahn gab es einen Erdrutsch. Die Polizei hat deshalb auf eine Spur verengt und leitet den Verkehr, denn der Schlamm auf dem Asphalt sorgt für schlechte Traktion und Rutschgefahr, wenn nicht ganz langsam gefahren wird.

Gemeinsam vertreiben wir uns die Zeit, bis der Check-in Schalter geöffnet wird. An der Sicherheitsschleuse muss ich dann zurück bleiben und warte noch, bis Lisa die Warteschlange vorrückt und schließlich durch ist. Erst jetzt wird mir bewusst, dass es eigentlich ein Blödsinn war, die Rückfahrt für mich auch gleich zu buchen. Mit dem Linienbus zum Bahnhof wäre es auch gegangen, ich hätte unterwegs noch einkaufen können und mit dem Bummelzug zurückfahren, anstatt nun stundenlang auf den Shuttlebus zu warten. Ein weiterer Fahrgast wird erwartet, und kurz vor 20:00h geht es endlich los. Die nette pensionierte Dame, der einzige andere Fahrgast, drängt mir ein von ihrer Schwester liebevoll gestrichenes Wurstbrot auf, das sie noch übrig hat, und wir unterhalten uns auf der ganzen Fahrt angeregt. Sie war mit ihrem Mann, mit dem sie nun in Portugal lebt, auch viel auf Reisen mit einem WoMo oder per Flieger und hat auch einige Anekdoten auf Lager.

Zurück an Bord warte ich auf Lisa’s Ankunft in München und die entsprechende Nachricht per Telefon oder Skype. So wird es spät und dauert noch länger, bis ich endlich in Schlummer falle.

Der Regen will auch am Montag nicht aufhören. In der Früh gleich ein Gang in die Stadt, um Klebeband für das Paket zu besorgen. In Panama hatten wir den defekten Elektro-Außenborder der „Mupfel“ mitgenommen, der wegen der Batterien ja als Gefahrengut gilt, um ihn in München abzuliefern. Nachdem es bei uns nun doch länger dauert als geplant, schicken wir das Teil per Post/LKW an den Bestimmungsort und ich freue mich schon, den sperrigen Antrieb endlich wieder los zu sein. Zu oft war er im Weg, nahm Platz weg und versperrte den Zugang zu Werkzeug und Ersatzmaterial. Das Ding ordentlich zu verpacken und verkleben dauert etliche Zeit, danach ist eine Brotzeit fällig. Martina kommt gerade rechtzeitig vorbei, um mir dabei Gesellschaft zu leisten, danach nimmt sie mich mit zur Post. Somit ist das Paket endlich von Bord und geht nicht mehr im Weg um.

Am nächsten Tag ist der Himmel zwar immer noch dunkel bewölkt, aber es bleibt zur Abwechslung mal einigermaßen trocken. So kann ich die Wäsche wieder aufhängen, um die Restfeuchte zu vertreiben. Nebenbei wird noch ein angeknabbertes Kabel repariert, Schapps sauber gemacht und neu einsortiert, und weitere Vorbereitungen für die Weiterreise getroffen. Der Wetterbericht sieht für die Fahrt allerdings nicht gut aus. Bei Gibraltar und in der Alboran See erwartet mich starker Gegenwind bis 30Kn, nicht unbedingt die besten Bedingungen, da erfahrungsgemäß die tatsächlichen Windstärken immer darüber liegen. Ich beschließe daher, noch zu bleiben und ggf. erst nächste Woche zu starten. Das gibt mir auch Zeit für die letzten Vorbereitungen und Arbeiten sowie etwas Ruhe und Rast vor dem Törn.

Mittwoch, 4.11. Eine schwarze Katze läuft auf dem Steg entlang zur Bomika. Doch die hat wohl ihre Rechnung ohne unsere Tiger gemacht. Tita wirft einen übergroßen Buckel, ihr Schwanz plustert sich auf dreifachen Umfang auf. Feivel eilt ihr gleich zu Hilfe, hält sich aber anfangs noch zurück. Ein Kriegsgeheul wird angestimmt, Tita weicht etwas zurück und überlässt Feivel den Vortritt. Der setzt auch gleich der Schwarzen nach, auf den Steg Richtung Ausgang entlang, bis ich ihn zurückrufe. Es klappt zwar nicht immer, aber immer öfters folgt er doch meinen Wünschen.

Die nächsten Tage vergehen mit Wäsche waschen, Vorbereitungen, noch verschiedenes einkaufen, usw. Für Ausruhen bleibt wenig Zeit, nur einmal gehe ich abends mit Caroline und Bruce von der „Flirtie“ essen, da ich zum selber kochen viel zu müde und geschafft bin. Die vermaledeite Ratte hat eben doch mehr Arbeit hinterlassen, als wir uns vorstellen konnten.

Am Sonntag den 8.11. will ich den Wassermacher schon mal wieder betriebsbereit machen. Erst sprudelt das Süßwasser, als ich den Hahn aufdrehe. Noch eine gelochte Leitung. Dann die nächste, direkt an einer Verbindungsstelle. Die entsprechenden Maßnahmen – Auswechseln der Schläuche und Anschlüsse – werden sofort erledigt, danach kann es losgehen, die Storage-pampe durchzuspülen. Alles läuft wunderbar, bis ich ein seltsames Rauschen höre und in die Bilgen schaue: salziges Wasser steht drin, im Heck, vor der Küche und dem Kühlschrank sowie unter der Treppe. Mal wieder die übliche Prozedur: Ausräumen, Wasser schöpfen, sauber machen, Ursache suchen. Es muss die Zuleitung für Meerwasser sein. Dafür habe ich noch ein Schlauchstück an Bord. Die Verlegung gestaltet sich zunächst schwierig, eine Schranktür und der Abfalleimer müssen abgebaut werden, damit man wenigstens mit Verrenkungen hinkommt. Danach gleich noch den Vorfilter und den ersten Feinfilter ausbauen und reinigen. Da hat sich einiges an braunem Schlamm eingefangen. Die anderen beiden Feinfilter kommen morgen dran, denn es ist schon fast 05:00h morgens, als ich die Arbeit einstelle und mich in die Koje werfe.

Am nächsten Tag geht die Reinigungsaktion weiter, aber wenigstens sieht alles in Ordnung aus. Wäscheleine abnehmen, Backskiste einräumen, alles Überflüssige noch verstauen. Der Wasserschlauch wird auch gleich aufgeräumt und sonst alles schaukelfest in den Schränken verstaut, damit so wenig wie möglich für morgen bleibt. Die Filter, wegen denen ich gestern Abend noch per Internet nachgefragt habe, bekomme ich heute abends noch geliefert. Ich hoffe zwar, dass es mit dem Auswaschen gut geklappt hat, aber sicher ist sicher. Vorher laufe ich noch zur Rezeption, um mich zu verabschieden und die Rechnung zu bezahlen. Wurde ja doch noch ein viel längerer Aufenthalt als gedacht. Nur mit den Grib-files über Email klappt es auf einmal nicht mehr. Ich bekomme immer die Meldung, dass mein Code abgelaufen ist, dabei habe ich doch extra einen neuen generiert. Das wiederhole ich noch dreimal, dann melde ich mich eben als neues Mitglied an. Das funktioniert wenigstens.

Dienstag, 10.11. Die letzten Vorbereitungen kurz vor dem Auslaufen, zum Ausschlafen bleibt da keine Zeit. Ein paar letzte Tests und ich muss feststellen, dass mein Laptop bzw. das SSB Funkgerät den richtigen Anschluss nicht findet und daher nicht miteinander kommunizieren. Wichtig ist das nur, um ggf. über Funk emails zu senden/empfangen und die Positionsmeldungen zu machen, sowie als Backup, falls es mit dem Iridium-Telefon nicht klappt. Ich stelle alles nochmal neu ein, überlege fieberhaft, wo ich denn die Kennung vom Funk aufgeschrieben habe. Brauche ich die Seriennr. Vom Funkgerät oder vom Pactor-Modem? Irgendwie passt es mit beidem nicht, bis ich den PC neu starte und die letzten Updates mit installiert werden. Ein letzter Test, alles paletti! Ein letztes Telefonat mit Lisa, dann Strom und Wifi-Antenne abzwicken und aufräumen. Caroline und Bruce warten schon auf mich, um mir beim Ablegen mit den Leinen zu helfen. Ein paar bange Momente, als das Heck zum nächsten Fingersteg driftet, aber ich komme gut aus der Box. Ein bisschen hin und her, da mich der Wind doch zu sehr auf die nächste Stegreihe drückt, dann geht es zur Ausfahrt.

Es bläst natürlich mit moderaten 10-15Kn genau auf die Nase, aber erst werden Fender und Leinen aufgeräumt, während ab und zu Wasser über den Bug spritzt. Danach das Großsegel hoch. Doch nachdem ich das Groß Fall ein geschäkelt habe, schlenkert es sich um die obere Saling bevor ich das Cockpit erreiche. Andere Versuche helfen nichts, ich muss rauf in den Mast. Von dort oben ist es schnell klariert und ich kann das Segel hissen. Doch irgendwie steht es nicht richtig, müsste auch weiter hoch gehen – was ist da los? Ganz einfach: in meiner Dusseligkeit habe ich nach den Wartungsarbeiten am Baum die Reffleine des 2ten Reffs beim dritten eingeschäkelt. Irrtum erkannt – Problem gebannt! Nun läuft es einwandfrei.

Am nächsten Morgen lässt der Wind erstmal etwas nach, das Baro bleibt einigermaßen stabil. Bei Sonnenuntergang fehlen noch 60sm bis ins Mittelmeer, der Wind verschwindet für kurze Zeit ganz und kommt dafür umso kräftiger zurück. Aus den 4Bft werden bald 6 und 7Bft genau aus Ost und noch vor Mitternacht berge ich das Großsegel. Mit dem wenigen Wind vorher war ich zu langsam, geplant war Gibraltar bis zum Abend zu erreichen. So wird es früher Morgen am Donnerstag, bis Gibraltar und Alcancira querab liegen. Kaum im Mittelmeer, wird der Wind wieder schwächer, bleibt aber auf Gegenkurs. Viel zu schwach zum Aufkreuzen oder überhaupt zum Vorwärtskommen, so bleibt nichts übrig als die neue Maschine laufen zu lassen. Immerhin ist es auch ruhig genug, dass ich die letzten Bilgen noch reinigen kann. Bei der Dirk hat sich der Takling gelöst und das lange lose Ende schwingt munter um den Mast. Einfangen und wieder an der Baum Nock befestigen ist wenigstens kein Problem. Ansonsten gilt es während der ganzen Fahrt, tags wie nachts, gut Ausschau zu halten. Das Verkehrsaufkommen an Frachtern und Tankern ist enorm und der AIS-Alarm piepst fast ununterbrochen, um mich vor möglichen Kollisionen zu warnen. Aber alles geht ja gut, die meisten halten genug Abstand, wenn sie rechts und links an mir vorüber ziehen oder vor/hinter mir das Fahrwasser queren. Dabei sieht aber eine halbe Seemeile Abstand schon recht bedrohlich nahe aus, einige kommen mir bis auf 200m nahe, immerhin weniger, als ihre Länge betrifft.

Am Freitagmorgen laufe ich in Almerimar an der spanischen Südküste ein. Zum einen um Diesel nachzubunkern, vor allem aber, da der Wetterbericht für die nächsten zwei Tage Starkwind aus Ost prophezeit. Gegenwind ist ja okay, aber nicht wenn er zu kräftig wird. Das schlaucht nur fürchterlich und geht aufs Material.

Meine geplante Haupttätigkeit hätte sich eigentlich auf Ausschlafen und Schlaf nachholen beschränkt, doch irgendwie will sich eben der nicht so recht einstellen. Kaum döse ich ein bisschen ein, schrecke ich schon wieder putzmunter (naja, mehr oder weniger) hoch und denke, ich muss Ausschau halten, Kurs und Wind beobachten, etc. Nur gut, dass es an Bord eines Segelschiffs immer was zu tun gibt. So vertreibe ich mir die Zeit mit Wäsche waschen und diversen Kleinarbeiten und dem Wetterstudium für die nächsten 8-10 Tage, welche Abweichungen sich täglich in den Prognosen ergeben und die Zugbahnen der Tiefs und Hochs.

Hier in Almerimar lerne ich auch Ursula und Manfred aus München mit ihrer „KimKim“ kennen, ebenfalls eine Bavaria Ocean, wenn auch mit 44ft unwesentlich größer. Wir verstehen uns auf Anhieb und setzen uns ab und an auf einen Plausch in Münchner Mundart zusammen.

Wie geplant, geht es am Sonntag, 15.11. wieder los. Uschi und Manfred kommen für das Ablege Manöver mit an Bord, bedienen die Leinen und passen auf, dass ich an den Nachbarbooten nicht anecke. Alles geht glatt, das Wetter ist ja auch ruhig, und ich setzte die Beiden in der Nähe des Gästepiers über den Bugspriet wieder an Land ab. Schon bald darf ich die Genua wieder einrollen, der Wind ist einfach zu schwach und säuselt nur noch mit wenigen Knoten. Das bleibt auch so bis zum nächsten Tag. Gegen Mittag kann ich dann den Blister setzen. Der Wind bleibt zwar zu schwach für die Windfahnensteuerung, aber es geht vorwärts! Am Nachmittag kommen Delphine vorbei, einer davon stellt sich sogar auf die Schwanzflosse, doch als sie mich wieder verlassen, macht der Wind das gleiche. 3-4Kn Wind sind auch für den Blister zu wenig und der Motor muss wieder ran.

Am nächsten Tag, den 17.11. gibt es sozusagen das aufgewärmte Wetter, das gleiche wie gestern. In der Früh etwas mehr Wind, mit 7-10Kn gerade genug für den Blister, und noch vor der Dämmerung sackt er wieder in den Keller. Kaum ist der Blister oben, lässt er nach und unsere Fahrt recht langsam werden. Zu langsam, finden die Delphine und ziehen bis auf wenige Ausnahmen weiter. Der Himmel bedeckt sich immer mehr und bei der langsamen Fahrt macht sich auch die Strömung zusehends bemerkbar. Kurz nach 17:00h ist es bereits stockdunkel und bei der Wolkendecke sendet auch der Mond kein Licht auf uns herunter.

Am Mittwoch ein paar sonnige Stunden am Vormittag bei totaler Flaute, ansonsten bedeckt und viel Schaukelei durch eine kräftige Dünung aus NW. Das verheißt nichts Gutes und deutet auf Sturm im Golf du Lion hin. Mal sehen, was uns noch erwartet. Der Strom an Frachtern und Tankern entlang der afrikanischen Küste bleibt dafür eine Konstante, aber die großen Pötte scheren sich auch nicht viel ums Wetter.

Noch vor Sonnenaufgang gibt es wieder Wind, die Leinen und Schoten für den Blister habe ich schon vorsorglich aufgeräumt und jetzt rolle ich die Genua aus, die Maschine kann wieder schweigen. Mit gutem Wind von schräg achtern läuft es ganz gut, der Wind nimmt immer mehr zu und ich reffe die Genua am Abend vorsichtshalber etwas. Mittlerweile bläst es mit 6-7Bft, meine Vorahnung und Vermutung waren gar nicht so daneben. Ab Mitternacht beginnt auch das Barometer stetig zu fallen, die Wolken reißen kaum noch auf. Noch in der Nacht legt der Wind weiter zu, schraubt sich hoch bis auf 50Kn aus West, ein paar Böen gehen sogar auf fast 55Kn. Wir machen gute Fahrt allein mit der gerefften Genua, aber die hohen steilen Wellen sind nicht zu verachten. Alle paar Minuten kommen ein paar Kawenzmänner im Dreierpack vorbei und lassen uns gut überlegen, knallen gegen die Bordwand oder übers Deck. Inzwischen ist es Freitag der 20ste. Nach Einbruch der Dunkelheit darf ich die Genua schiften und auf neuen Kurs gehen – 120° anstatt direkt ostwärts. Unsere Positionslaterne im Mast Topp fällt aus, aber bei dem Wetter wäre es Wahnsinn, in den Mast zu klettern und dort das Schrauben an Kabeln anzufangen. So schalte ich eben auf Ankerlicht um, damit wenigstens eine Beleuchtung aus den Wellentälern schaut. Jetzt heißt es erst recht, Ausschau halten und Aufpassen auf die Großen.

Am nächsten Morgen passieren wir noch vor Sonnenaufgang Pantelleria und sehen natürlich nichts von dem schönen Eiland. Der Wind scheint sich etwas zu beruhigen und geht zurück auf 25-30Kn. Nur eine Verschnaufpause? Das Baro fällt nach wie vor und erreicht seinen Tiefstand erst 24Std. später. Immerhin, als am Vormittag die Sonne mal kurz durchblinzelt, scheint die Gelegenheit günstig, um etwas durch zu lüften und vielleicht eine halbe Stunde dösen. Ich öffne die Oberluke im Heck nur einen kleinen Spalt, doch noch bevor ich auf die Polster zurück sinke, ergießt sich ein Schwall Wasser über mich und das Bett. Über Funk laufen stündlich der Wetterbericht fürs Mittelmeer von Italien mit „gale warnings“, Sturmwarnungen für die meisten Gebiete. Überall soll es mit Stärke 7-9 wehen, die stündliche Wiederholung macht es nicht besser. Diese Berichte sind gewöhnungsbedürftig und manchmal schwer zu verstehen, denn die Sprecherin spricht abgehackt, ohne Punkt und Komma, und mit seltsamer Betonung, so dass oft kaum ersichtlich ist, ob die Prognose nun das zuvor genannte Gebiet oder das nächste betrifft, oder für welchen Zeitraum es gilt. Als mir am Nachmittag ein Tanker recht nahe kommt, rufe ich ihn über Funk an, um mir von ihm ebenfalls die Wetterprognose einzuholen. Für die nächsten zwei Tage Sturmwarnung und lokal Gewittersturm, danach langsame Besserung. Bevor es dunkel wird, rolle ich die Genua ein und setze vorsichtshalber die Sturmfock. So bin ich jedenfalls gewappnet, notfalls auch zum Beidrehen. Kaum ist es zappenduster, nimmt der Wind auch tatsächlich wieder zu, bleibt aber für einen Sturm eher moderat bei 30-35Kn mit Böen bis 40Kn. Die Sturmfock hätte ich mir also sparen können, aber wer weiß? In dem Fall wäre es sicher dicker gekommen. Aber das passt auch in anderer Beziehung recht gut. Der Druckwasserbehälter ist geplatzt, die Wasserpumpe läuft deshalb im Dauerbetrieb und pumpt Frischwasser aus dem Tank in Motorraum und Bilgen. Also nebenbei Wasser schöpfen und Bilgen reinigen und trocknen. Um den Druckbehälter zu überbrücken, fehlt mir ein Stückchen Schlauch mit dem passenden Durchmesser oder ein passendes Verbindungsstück. Somit gibt es kein Trinkwasser für Kaffee, Tee, zum Kochen, Waschen oder sonst was. Viel Mineralwasser hab ich nicht mehr an Bord als Ersatz, es reicht gerade für ein paar Tassen Kaffee. Die Dirk ist auch gebrochen, d.h. der Mantel ist an wenigstens zwei Stellen durchgewetzt und der Kern der Leine zu dünn, um von der Leinenklemme gehalten zu werden. Damit bleibt eben die Winsch fürs Groß Fall belegt, bis ich sie anderweitig brauche.

Nach den 3 stürmischen Tagen und einer Woche Fahrt kann ich sowieso eine Erholungspause gebrauchen. Malta kommt nicht in Frage wegen der Einreisebestimmungen für Haustiere. Das hat zwar das letzte Mal mit Hängen und Würgen geklappt, aber nun muss ich damit rechnen, gleich wieder aus dem Hafen gewiesen zu werden. Bleibt Syrakus am Südzipfel Siziliens oder ein anderer italienischer Hafen auf dem weiteren Weg.

Sonntag, 22.11. Das erste Mal seit Almerimar kommt wieder Land in Sicht. Ich war zwar kaum mehr als 25 bis 50sm von Land entfernt, aber sehen konnte man eben keins, dank der Erdkrümmung bzw. des diesigen oder schlechten Wetters. Die letzten Tage konnte ich ja kaum über die Wellenberge sehen. Nachdem ich die Straße von Sizilien schon fast verlassen habe, fängt auch das Baro wieder an, ganz langsam nach oben zu klettern. Der Wind beruhigt sich auf 15-20Kn und wird in der nächsten Nacht sogar zur Flaute. Nachdem ich nicht mitten in der dunklen Nacht ankommen will, drehe ich für 7 Stunden bei und lasse Bomika treiben. Noch vor der Morgendämmerung mache ich mich wieder auf den Weg, die Sturmfock wird geborgen und festgebunden, der Wind säuselt eh nur leise vor sich hin. Gute 4 Stunden später erreiche ich den Hafen von Syrakus, 2 Marinarios helfen mit den Leinen, die alle am Steg bereit sind. Eigene Leinen braucht man gar nicht.

Meine erste Aktion in Syrakus: die Suche nach einem neuen Druckausgleichsbehälter. D.h. eigentlich war die erste Aktion eine Dusche, wenn auch leider nur mit kaltem Wasser. Schließlich will man ja keinem die eigene Müffelei zumuten nach 4 oder 5 Tagen mit stark eingeschränkter Hygiene. Dafür hab ich Glück und erstehe im Nautic Shop einen neuen Druckbehälter, der dem alten ziemlich ähnlich ist, sowie ein Stückchen passenden Schlauch zum Anschluss und ebenso 32m einer neuen Leine für die Dirk. Den ganzen Nachmittag wird also gleich gewerkelt, bis wenigstens die Wasserversorgung wieder klappt. Tita macht einen Spaziergang am Steg, bis der Marinario mit einem großen Hund vorbei kommt. Der Schwanz wird aufgeplustert und im Eiltempo läuft sie zurück in die Sicherheit auf der Bomika. Ist wohl doch sicherer, nur die beiden Yachten neben uns zu besuchen.

Am nächsten Tag wird Bomika erst mal abgespritzt und von dem roten Sand befreit, der sich unterwegs überall festgesetzt hat. Dann die Dirk auswechseln und anschließend geht es ein paar Mal den Mast rauf und runter. Das Dampferlicht ist einfach repariert – die Birne ist durchgebrannt. Beim Topplicht wird es schwieriger. Die Ankerlaterne geht, aber das Positionslicht nicht. Es kommt gar kein Strom oben an, denn Anschlüsse und Kabel am Mast Topp sind in Ordnung. Also muss es irgendwo zwischen dort und den Sicherungen in der Navi-Ecke ein Problem geben. Aber auch das Dampferlicht macht noch Probleme, der Schalter im Paneel ist hinüber, zu sehr ist der Kontakt auf der Wippe abgewetzt. Ich probiere verschiedenes aus, zerlege den Schalter ein ums andere Mal, aber der Schalter ist endgültig hinüber. Entweder das Licht brennt gar nicht oder immer, egal, wie man den Schalter betätigt.

Abends quetscht sich ein dickes Motorboot auf den Platz neben mir mit 4 deutschen Männern auf dem Weg nach Malta. Tita ist sofort neugierig und als keiner hinschaut, springt sie über unsere Reling hoch auf deren Deck, das ja doch etwa 1m höher liegt als unseres. Lange dauert der Ausflug nicht, denn die Leute sind ja an Bord und schon bald merkt auch Tita das und hechtet mit einem Spruch zurück auf die Bomika.

Mittwoch, 25.11. In der Nacht gab es einen heftigen Gewittersturm mit viel Regen. Auch tagsüber fallen immer wieder heftige Windböen ein und lassen Bomika an ihren Leinen zerren. Sicherheitshalber lege ich am Bug doch noch 2 Extra-Leinen, damit die seitliche Bewegung eingeschränkt wird und wir nicht mit dem Nachbarboot engen Kontakt schließen. In einem Elektroladen finde ich schließlich einen neuen Schalter, noch dazu der Letzte dieser Art. Der Einbau gestaltet sich nicht ganz so einfach, weil die Polung/die Kontakte genau anders herum und die Kabel dafür etwas zu kurz geraten sind.

Bei der Suche nach der defekten Kabelstelle der Positionslaterne finde ich einen angefangenen Nestbau unserer Ratte und 2 angeknabberte Kabel. Das eine ist die Erdung der Ankerwinsch und halb so wild, das andere für den Datenfluss der Navigation, muss also den Windmesser betreffen. Seltsam, dass ausgerechnet bei dem filigranen, vielädrigen Kabel trotzdem noch alles funktioniert. Alles weitere muss bis morgen warten, es wird schon zu dunkel und Katzenklo, Futterstunde sowie auch mein Abendessen stehen noch an.

Die nächsten Tage versuche ich den Defekt im Kabel der Positionslaterne zu finden, doch bis zum Decksdurchbruch ist alles bestens bis auf eine Verbindungsstelle, die aber schnell erneuert ist. Geholfen hat es allerdings nichts, die Laterne geht nach wie vor nicht. Da muss noch was anderes los sein. Ansonsten versuche ich erst mal, das Datenkabel zu reparieren. Aber das gestaltet sich langwieriger als gedacht. Die 8 Äderchen sind so filigran, dass sie laufend abbrechen, sobald man die Isolierung beseitigt oder eine Quetschverbindung anbringt. Auch mit kleinen Lüsterklemmen funktioniert es nicht. Dabei zittere ich immer wilder und kann die Drähtchen kaum halten. Irgendwie hab ich mir wohl eine saftige Erkältung oder Grippe eingefangen. Leichtes Fieber, Schüttelfrost, Hals- und Gliederschmerzen, Bröckerl-husten und Schnieferei. Das erfordert immer wieder Ruhepausen zwischendurch, dem Schlaf ist es auch nicht förderlich, wenn dauernd ein Hustenanfall und eine verstopfte, triefende Nase Aufmerksamkeit erfordern und nach einem Taschentuch schreien. Nach ein paar Tagen ohne Besserung frage ich mich schon, ob es vielleicht wieder Dengue-Fieber sein könnte? Aber das ist ja eigentlich nicht möglich. Moskitos beißen mich hier zwar auch am laufenden Band, aber die gefährlichen gibt es ja nicht in Europa. Oder haben sich unterwegs welche aus Afrika an Bord eingeschmuggelt? Blödsinn!

Schon wieder Sonntag und der November fast zu Ende. Feivel macht seinen Morgenspaziergang, klettert von einem Boot aufs nächste und wandert schließlich bis zum Anfang des Pontons. Doch dort wird der altdeutsche Schäferhund, der zusammen mit 2 Katzen auf die Marina aufpasst, auf ihn aufmerksam und jagt ihn den Ponton entlang. Mit dickem Plüschschwanz und abgehetzt rettet er sich mit einem Sprung auf Bomika und der Hund trollt sich wieder – Job erledigt. Für eine kurze Zeit beschränkt er nun seine Runden auf den näheren Bereich, was mir ganz recht ist. Bei Tita ist das allerdings anders, die erste Schreck-Erfahrung ist längst vergessen und die Entdeckerfreude ungebrochen.

Nach dem Morgentee, wegen der Grippe schmeckt mir der Kaffee nicht mehr – geht es wieder ab in die Heja, schlafen, schwitzen und von Mücken zerstechen lassen. Am Nachmittag dann endlich Aufstehen, frisch machen und einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft durch das alte Syrakus auf der Halbinsel. Aber schon nach einer guten Stunde wird es Zeit zum Umkehren. Glieder- und Gelenkschmerzen, Kopfweh usw. drohen mit Streik. Dabei hätte ich mir gerne die Leonardo da Vinci-Ausstellung angesehen, die zur Zeit im technischen Museum gezeigt wird. Zurück an Bord geht es gleich wieder in die Koje, warm eingepackt, bis der Schüttelfrost nachlässt. Viel tun kann ich in der Lage nicht, allein Katzenklo und Raubtierfütterung, was ja eigentlich keine Aktion ist, nehmen mich zu sehr mit. Dabei muss ich doch nochmal in den Mast, wie soll das gehen? Auch Grippe oder Bronchitis müssen eben einigermaßen auskuriert werden. Die Abfahrt werde ich wohl ein paar Tage verschieben müssen.

Am letzten Novembertag fühle ich mich immer noch recht angeschlagen, steige aber ein paar Mal in den Mast wegen der Topp-Laterne. Schließlich ist der Fehler gefunden, das Kabel ist genau beim Masteintritt gebrochen, keine gute Stelle zum Flicken. Also ziehe ich gleich ein neues Kabel ein und mache zunächst den Anschluß an Deck fertig. Oben im Mast wird es sicher einige Zeit in Anspruch nehmen, dafür fehlt mir heute nach den bisherigen Aktionen die Kraft. Von Süppchen, Brot und Müsli hab ich inzwischen auch genug, am Abend ist mal eine richtige Mahlzeit angesagt nach den Tagen des Krankenfutters. Nudelpfanne mit geröstetem Speck, Knoblauch, Gemüse und Ei. Das klingt doch nicht übel, oder? Auf jeden Fall schmeckt es wieder und nach dem Abwasch geht es ab in die Koje, um die Grippe weiter auszuschwitzen und zu schlafen.

Do – Sa, 01. – 31. Okt 2015 (Portimão, Portugal)

Lisa ist noch im Krankenhaus in Faro. Dafür hat sich allem Anschein nach ein ungebetener Gast an Bord eingenistet. Eine Maus oder gar eine Ratte? Ein Rückenpolster im Salon ist an einer Ecke ziemlich angeknabbert, in einem der Schapps sind zwei Curver-Boxen zerbissen, die fehlenden Stücke liegen als Krümel im Schapp. Eine Mehlpackung sowie eine Packung Nudeln und eine Tüte Müsli sind ebenfalls angeknabbert. Doch wo steckt das Vieh? Man hört und sieht nichts davon. Durch die hohlen Stringer und die Löcher für die Kabeldurchführung kann es überall sein. Wofür haben wir eigentlich zwei Tiger an Bord? Doch momentan stehen noch andere, wichtigere Dinge an: erstens Lisa’s Gesundheit und zweitens das Schiff für den bereits verschobenen Krantermin fertig bekommen.

Die Kosten für den Krankenhaus Aufenthalt machen uns noch etwas Sorgen. Die Verwaltung will nicht glauben, dass wir keine Versicherung haben und aus dem Sozialnetz Deutschlands gestrichen sind. Sie warten noch auf das Formular E111, das für die Verrechnung zwischen den Ländern benötigt wird. So führe ich etliche Telefonate mit den Krankenkassen und dem Sozialamt in Deutschland. Aber die lachen mich bestenfalls aus. Erst nach einer Rückkehr nach DE, einer Anmeldung mit Wohnsitz und den entsprechenden Behördengängen bei Nichtbeschäftigung ist eine neue Mitgliedschaft bei der Krankenkasse wieder möglich. Eine Deckung und Kostenübernahme ist erst danach möglich, aber das auch nur für zukünftige Kosten und nicht etwa für jetzige Behandlung im Ausland. Ob wir wohl erst nach Syrien segeln sollten und dann in München Asyl beantragen? Das wäre wohl eine Möglichkeit, kommt aber wegen der eingeschränkten Reisefähigkeit von Lisa wohl nicht in Frage. Mein Bruder bietet uns einen Kredit an, um ggf. die KH Kosten tragen zu können. So brauchen wir wenigstens nicht befürchten, dass unser Schiff an die Kette gelegt wird und der Zoll uns eine Zusatzrechnung für die Einfuhr der Yacht überreicht.

Beim nächsten Besuch in der Krankenhausverwaltung von Faro erläutere ich die Situation. Die Sekretärin telefoniert kurz mit ihrem Boss und will uns gar nicht erst sagen, was es kosten wird. Noch nicht mal eine grobe Hausnummer. Wir sollen uns keine Sorgen machen, das wird schon geregelt. Wir sollen eben das Formular besorgen, nachdem in Deutschland wieder alles geregelt ist, auch wenn das noch dauert. Dass es keine rückwärtige Deckung gibt, macht nichts. Das geht schon in Ordnung. – Wird da etwa zwischen den Ländern gemauschelt und geschummelt? Oder merken die das gar nicht? Vermutlich werden wir eben durch das Portugiesische Sozialnetz gedeckt. Wir sind jedenfalls erst mal von den Kosten entbunden und damit sehr zufrieden.

e_PA054114Am Dienstag, den 06.10. wird uns vom Arzt mitgeteilt, dass Lisa voraussichtlich am Freitag entlassen wird, wenn die Werte sich weiter stabilisieren. Das wird am Mittwoch auch nochmal bestätigt. Dass wir einen Tag Vorlaufzeit benötigen, um den Heimtransport und eine Unterbringung zu organisieren, haben wir oft genug und ausreichend dargelegt.

Am Donnerstag bleibe ich deshalb in Portimao auf dem Werftgelände und versuche die verbleibenden Arbeiten aufzuholen. Doch nach der Morgenvisite ist Lisa bereits entlassen, die elektronischen Nippel der Messinstrumente werden entfernt und Hektik kommt auf, das Bett wird benötigt. Hat das evtl. mit meinem Gespräch wegen der Kosten zu tun? Warum auf einmal so unfreundlich und übereilt?

Mit Eduardo hatte ich natürlich den Freitag vereinbart, um sein Auto ab mittags auszuleihen. Bis mich der Anruf erreicht, ist es bereits 14:00h vorbei. Heute ist Eduardo erst spät in die Mittagspause gegangen und kommt deshalb erst später zurück in die Firma. Tjago aus dem Laden hat ihn über Handy informiert und er kommt so schnell wie möglich, drückt mir die Schlüssel in die Hand und ich düse los über die Autobahn. Der Pfleger übergibt mir die ganzen Papiere zur Behandlung und eine Liste mit Medikamenten, die wir auf dem Rückweg in einer Apotheke besorgen. In weniger als einer Stunde ist alles erledigt und geklärt und wir haben das KH gemeinsam verlassen. Für Lisa ist es der größte Spaziergang seit 2 Wochen, bis zum Eingang des KH ist es viel weiter als nur durch den kurzen Stationsflur, und strengt natürlich an. Martina und Jörg sind natürlich auch nicht da, sondern in Lissabon und können Lisa erst am Samstag in ihr Haus bringen. So verbringt Lisa 2 Nächte an Bord und es zeigt sich, wie anstrengend das Bordleben für sie geworden ist. Natürlich würde sie am liebsten gleich mit Hand anlegen und diverses erledigen, wird aber gleich ausgebremst. Das ist jetzt alles meine Sache, auch wenn ich gerade mit anderen Arbeiten beschäftigt bin. Als Toilette muss eben ein Eimer herhalten, damit Lisa nicht so oft die Leiter runter und rauf steigen muss. Immerhin schmeckt ihr das Essen wieder, was aber nicht unbedingt an meinen Kochkünsten liegt. Gegen die fade und abwechslungslose Krankenhausküche kann jeder konkurrieren und gewinnen, solange man es schafft, Wasser in einem Topf nicht anbrennen zu lassen.

Unser Extra-Gast ist noch an Bord. Manchmal hört man ihn Nachts umher tapsen, ohne ihn genau lokalisieren zu können. Zudem ist weiterer Proviant und Tüten angeknabbert. Rotwein in Tüten scheint er/sie zu mögen, die Plastikkappen der Saftflaschen sind dagegen nicht ganz durchgebissen. Tofu wurde ein Opfermahl, das Katzenfutter bleibt unangetastet. Kümmern sich unsere Tiger vielleicht deshalb nicht um den Rauswurf oder die Jagd? Hinterlassenschaften finden sich fast überall, vom Bug bis zu den Backs Kisten. Wann wohl die Kabel an der Reihe sind? Derer verlaufen viele durch das Schiff – vom dicken Verbindungskabel der Batteriebänke bis zu feinen Drähten für die Bordelektronik und Funk. Natürlich auch alle „normalen“ Kabel für Beleuchtung, Pumpen, Autopilot und anderes. Was können wir tun, ohne unsere Katzen (oder auch uns wegen der Lebensmittellagerung in den Bilgen) durch Giftstoffe zu gefährden oder am Ende einen verwesenden Kadaver im Schiff zu haben, an den man nicht ran kommt? Wie Trapper John Fallen aufstellen – doch mit welchem Köder, oder mit einem Ultrasonic Gerät aufscheuchen und vertreiben, das für uns unhörbare hohe Frequenzen abgibt, die Ratten den Verstand rauben? Kann man so was hier überhaupt kaufen und wo? Das Internet gibt einige Anhaltspunkte, aber viele sind an Bord eines Schiffes nicht durchführbar oder geeignet.

13.10., schon fast Mitte Oktober und es wird Zeit zum Kranen. Der Kran kommt statt um 10:00h schon kurz nach 09:00h, lässt mit aber Zeit, die von den Stützen belegten Stellen nach zu pinseln. Mit Sergio von OndaNautica geht es los zur Probefahrt, nachdem alles auf Dichtigkeit geprüft ist. Der Motor läuft prima, alle Drehzahlbereiche werden getestet, vorwärts und rückwärts. Wir laufen in die Marina ein zum Tanken und es gelingt mir ein super Wende- und Anlegemanöver. Sergio ist beeindruckt (ich selbst auch und froh, dass nur wenig Wind herrscht). Kurz daraus wird Sergio von einem Kollegen mit dem Dinghy abgeholt. Ich bunkere derweil Diesel und lege alleine ab, nachdem alles bezahlt und ein Liegeplatz ab Freitag reserviert ist. Bei der Ausfahrt aus der Marina nach dem Tanken laufen 2 Leute auf dem Besuchersteg vorbei – die kennen wir doch! Und das Schiff am Ende des Besucherstegs auch. Natürlich, Gabi und Rolf von der „Nirwana“. Da ich nun allein an Bord und schon unter Fahrt bin, erfolgt eben nur ein kurzer Zuruf und dann geht es ab auf den Ankerplatz.

Aller Hoffnungen zum Trotz ist die Ratte noch an Bord. Ich probiere als erstes verschiedene Fallen aus mit Schinkenspeck und Käse als Köder. Ein Erfolg stellt sich nicht ein, aber sie meidet jetzt die vorderen Bilgen – wenigstens für kurze Zeit. Dafür sind jetzt die Kabel des neuen Motors dran bzw. die Kabelschläuche. Kabel selbst sind ihr wohl eher zuwider. An den wenigen Stellen, an denen nicht nur die Ummantelung, sondern auch die Isolierung der Kabel mitgeknabbert wurde, wird Abhilfe geschaffen, damit es keinen Kurzschluss geben kann und der ganze Kabelstrang wird zum Schutz neu umwickelt und abgedeckt. Immer wieder kontrolliere ich alle Schapps, Stauräume und Bilgen auf neue Knabbereien und Hinterlassenschaften, um wenigstens ihre Wege nachvollziehen zu können und eventuelle weitere Schäden schnell zu entdecken. Natürlich ist alles voll geräumt und muss erst ausgeräumt, dann ggf. gesäubert und wieder verstaut werden. Denn so ein Vieh hinterlässt ja nicht nur Zerstörung, sondern auch Köttel und übelriechenden Urin. Eine ganz schön mühsame und zeitraubende Arbeit. Das nervt auch ziemlich, macht wütend und fördert die Galleproduktion. Aber das hilft natürlich nichts und ist eher kontraproduktiv. Also einen kühlen Kopf bewahren und systematisch vorgehen, eins nach dem anderen ausprobieren. Darüber vergesse ich meistens, meinen Magen ausreichend zu versorgen.

Umso besser, als mich Axel von der „Papagei“ am Mittwochabend zum Essen auf seinem Schiff einlädt. Er hat prima gekocht und mich verpflegt, dazu ratschen wir lange und ausgiebig über Gott und die Welt und natürlich auch über unsere Segelabenteuer.

Schon bald ist es Freitag, ich hole den Anker auf und Axel kommt mit seinem Dinghy rüber, um mich in die Marina zu begleiten und beim Anlegen zu helfen. Nachdem Bomika gut vertäut am Steg liegt hole ich Stromkabel und Wasserschlauch aus der Backskiste. Das Stromkabel ist in Ordnung, aber der Wasserschlauch dafür total zerfressen. Schnell (wenn man von 2Std Fußweg absieht) besorge ich in der Stadt beim Baumarkt Ersatz, damit ich das Schiff nochmal sauber machen kann und die Wassertanks auffüllen, bevor Lisa an Bord kommt. Doch in der Nacht werden auch die Süßwasserleitungen angeknabbert. Ich werde wach, als die Trinkwasserpumpe nicht mehr aufhört, leer zu laufen, begebe mich gleich auf die Suche, bis ich eine Knabberstelle nach der anderen finde und erst mal notdürftig mit Klebeband flicke. Die Druckwasseranlage wird vorsichtshalber abgestellt. So kann man auch seine Nächte verbringen. Aber für Lisa soll ja an Bord alles soweit funktionieren. Die Leitungen werde ich später wechseln, damit nicht auch die neuen Leitungen gleich wieder gelöchert werden.

e_P1050201e_P1050206Als Martina mittags kommt, gehen wir erst mal Mittagessen in einer guten Pizzeria, Martina ist natürlich eingeladen. Es stürmt etwas, aber wenigstens ist es (noch) trocken. An Bord beim Kaffee bekommt sie unser Geschenk von uns für ihre Fürsorge, Unterbringung und die ganzen Dienste, die sie Lisa angedeihen ließ. Das hat sie natürlich nicht erwartet und umso grösser ist die beidseitige Freude, als sich herausstellt, dass wir genau das richtige ausgewählt haben.

Sonntag die nächste Überraschung: die Trinkwasserleitungen sind an noch mehr Stellen durch- bzw. angeknabbert, ebenso die Abflussleitung des Spülbeckens. Der vordere Tank ist leer gelaufen, das Wasser schwappt gemächlich in den Bilgen. Kein Händewaschen, Abspülen oder Zähneputzen mehr an Bord. Soll man gleich reparieren bis das Material ausgeht oder lieber warten, bis das Untier von Bord oder gefangen ist? Zu allem Überfluss bekomme ich auch noch Zahnschmerzen, die nicht aufhören und sich einen Dreck um die Wirksamkeit von Medikamenten und Schmerzmittel scheren.

Heute am Montag sind auch die Vorräte weiter angeknurpst. Das Mistvieh lässt es sich gutgehen und zeigt uns den Stinkefinger! Hoffentlich kommen die Ultrasonic Rattenvertreiber bald an, die ich über Internet bestellt habe. In der Marina Rezeption bekomme ich eine Zahnarzt Adresse, bei dem ich gleich für den selben Tag noch einen Termin vereinbare. Abends ist es soweit, ich finde erst die richtige Adresse nicht, aber dafür geht der Rest recht schnell. Eine Stunde später habe ich eine Brücke und zwei Zähne weniger in der Goschen und bin somit ein paar Zähne und 100 Euro ärmer. Wenn das so weiter geht, sind bald nicht mehr genug da zum Kauen. Aber auch der Zahnarzt hat schon gesagt, am besten noch etwas warten und dann gleich ein neues Gebiss für den Nachttisch. Das Wetter ist passenderweise regnerisch und für unsere Verhältnisse auch recht kühl geworden. Temperaturen unter 20°C sind wir eben gar nicht mehr gewohnt.

Die nächsten Tage bin ich mit der Reparatur der Wasserleitungen beschäftigt. Die Arbeitspositionen erinnern an Situps – in halbaufgerichteter Position, der Oberkörper zur Seite neigen, dann mit beiden Armen durch die Schranktür langen, die Hände verdrehen und dann mit dem Schraubenzieher die Schlauchschellen lösen, mit der anderen Hand die Schlauchschelle festhalten. Das ganze mehrfach wiederholen in der Küche und im Bad. Erst ist die Zuleitung zur Toilette dran, damit wir wieder Spülen können. Danach die Abflüsse an den Waschbecken, damit das Abwasser nicht in den Schapps herumschwappt. Zum Schluss noch die ganzen Druckwasserleitungen von den Tanks, zum Boiler, zur Druckwasserpumpe und zum Verteiler. Beim Test nach fast 4 Tagen Arbeit die Enttäuschung: da stimmt noch was nicht. Die Verbindungsleitung zwischen den Tanks sowie zwei weitere Druckleitungen beim Verteiler am hinteren Tank sind durchgebissen. Ersatzschläuche sind nur noch kurze Stücke da, zusätzliche Verbindungsteile fehlen mir für die weitere Reparatur. Also noch schnell eine Bestellung über Internet aufgeben und für alle Fälle gleich mehr bestellen, damit es ggf. für eine neue Komplettreparatur reicht. Noch wissen wir nicht, ob die Ratte auf Wolke 7 schwebt oder noch unter uns weilt.

Für den Abend des Freitag haben wir eine Einladung zum Essen auf der „Nirvana“, hier kocht der Chef anstatt Gabi, und Rolf kocht meisterhaft – Ente al Orange mit Bratkartoffeln und mediterranem Salat, dazu einen guten Tropfen und Obstsalat als Nachtisch. Was will der Mensch mehr? So gut verköstigt sind wir schon lange nicht mehr worden, noch dazu mit einem so extraordinären Mahl!

Zwischendurch muss auch Wäsche gewaschen werden, 2 große Eimer sind fällig und eine weitere Wäscheleine muss gespannt werden, damit alles Platz hat. Doch Regen macht immer wieder einen Strich durch die Rechnung und die Wäsche wird eben etwas länger eingeweicht und durchgespült.

Erst am Sonntag, den 25.10. passt das Wetter endlich, um die Wäsche fertig zu machen. Ein letzter Spülgang mit Weichspüler und auf die Leine damit. Der Himmel ist zwar durchgehend bedeckt und es windet, aber zumindest ist es trocken zum Aufhängen der Wäsche. Abends kommen Gabi und Rolf noch vorbei und offerieren, dass Rolf mich auf der letzten Etappe begleiten könnte, nachdem Gabi am 3.11. nach Hause fliegt. Nicht dass er Interesse an dem Törn hätte, aber um mir zu helfen und Gesellschaft zu leisten, wäre er dazu bereit. Als es bereits dunkel ist, wird noch schnell die Wäsche abgenommen, keinen Moment zu früh, denn der Regen fängt wieder an.

Um die Restfeuchte aus der Wäsche zu vertreiben, wird sie eben am nächsten Tag nochmal aufgehängt. Der ist wenigstens sonnig mit leichtem Wind – genau richtig zum Trocknen. Unsere Miezen genießen es derweil, über den Steg auf Erkundungstour zu gehen und das eine oder andere verlassene Boot zu inspizieren – zumindest Deck und Cockpit. Die Runden unserer beiden Tiger weiten sich dabei immer weiter aus, die Furcht weicht der Entdeckerfreude.

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Selbst Feivel traut sich nun von Bord zu springen, die Erkundungstouren machen unsere Miezen teilweise getrennt, teilweise gemeinsam und jagen sich zwischendurch über den Steg. Am Montagabend verschwindet Tita für etliche Stunden, obwohl sie sonst nie so lange ausblieb. Ist ihr etwas passiert oder nur der Regen zu nass? Alles Suchen bleibt erfolglos und Lisa kann es schließlich nicht lassen, selbst auf die Suche zu gehen. Es regnet mal heftig, mal weniger und erst nach Mitternacht, als der Regen kurz aufhört, spaziert Tita wieder auf die Bomika, als wäre nichts gewesen. Natürlich hat sie sich während dem Regen einen Unterschlupf gesucht und sich auf unser Rufen nicht gerührt, muss aber ganz in der Nähe gewesen sein. Lisa ist ärgerlich-glücklich, aber auch erschöpft vom Gehen. Natürlich hätte sie an Bord bleiben müssen, aber wegen der Sorge um Tita war sie nicht zu halten. Dementsprechend folgt ein Ruhetag für Lisa, während ich versuche, ganz leise zu arbeiten.

Heinz von der „Kikam“ kommt vorbei und bittet um Hilfe, denn mit knapp 75 kommt er mit dem PC nicht ganz klar, besonders bei email, Seekarten- und Wetterprogrammen. Er will einhand nach Patagonien segeln und wir versuchen ihm zu helfen und Tipps aus eigener Erfahrung zu geben.

Inzwischen ist es Mittwoch, der 28.Oktober. Der Flug für Lisa ist für Sonntag gebucht, ebenso der Shuttleservice zum Flughafen. Unser Päckchen mit den Ersatzteilen ist noch nicht da, sollte aber heute nachmittags ankommen. Dann können die Reparaturen am Druckwassersystem endlich abgeschlossen werden und wir hätten wieder fließendes Wasser an Bord, nicht nur aus dem Gartenschlauch.

Unser Päckchen kam erst kurz vor dem Schließen der Rezeption an und so bekommen wir es eben am Donnerstagmorgen. Mit den Ersatzteilen kann endlich auch der Rest repariert werden. Endlich sind wir nicht mehr vom Gartenschlauch abhängig, warmes Wasser kommt wieder aus dem Boiler anstatt vom Kessel auf dem Ofen und abwaschen ist wieder viel einfacher. Dabei finden wir auch den Übeltäter unter dem Bett in der Tasche für den Windsack der Oberluke, leblos und kräftig riechend. Ab mit dem ganzen Teil in die Mülltonne und wir haben nun auch Gewissheit, den ungebetenen Gast endgültig los zu sein.

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Martina kommt mit ihrer Tochter Lisa vorbei, deren Zimmer meine Lisa während der Abwesenheit der Tochter für 1 Woche genutzt hat und dabei von Martina so gut verpflegt und gehegt worden ist.

 

Am Freitag machen wir eine Tour mit dem Dinghy den Fluss hinauf zum Werftgelände, um uns bei Eduardo zu verabschieden und noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt zu besorgen. Eduardos Angebot, sein Auto zu nutzen nehmen wir gerne an, so kann Lisa mitkommen und muss nicht auf mich warten. Für Lisa wird es für lange Zeit der letzte Ausflug per Dinghy, und Lisa träumt schon davon, Weihnachten wieder auf Bomika zu verbringen. Aber bis dahin kann noch viel passieren oder sich meine Ankunft in Kroatien verzögern, wer weiß das schon?

Lisa‘s Abreise rückt näher, der Koffer wird gepackt und alles bereit gelegt, ein Abschiedskaffee an Bord der „Flirtie“ bei Caroline und Bruce steht auch an. Abends kommt auch noch Alex von der „Papagei“ vorbei und leistet uns Gesellschaft und zuletzt schaut auch Martina noch vorbei. Dabei wird es draußen schon dunkel und kälter, die Luftfeuchtigkeit fängt an, sich niederzuschlagen. Höchste Zeit, den letzten Eimer Wäsche von der Leine zu nehmen, auch wenn sie noch nicht ganz trocken ist. So geht unser letzter gemeinsamer Tag vorbei.

Fr – Mi, 01. Aug- 30. Sep 2015 (Portimão, Portugal)

Es folgt ein weiterer Einkauf, und wir bringen einen Teil unserer Schmutzwäsche weg zum Waschen. Damit sich das Wassertaxi bei Einkäufen rechnet, kaufen wir so viel an Proviant wie möglich und schleppen uns dann mit Rucksäcken und Tüten ab. Erfreulich dabei ist, dass bei jedem Einkauf nicht einige Hundert Euro über den Kassentresen wandern, sondern sich die Preise hier in Portugal bei besserer Qualität und größerer Auswahl an Produkten in Grenzen halten. Irgendwie haben wir den Eindruck, dass es im Vergleich zu Karibik oder auch Südamerika hier viel billiger ist. Bruce und Caroline von der „Flirtie“ kommen ab und zu vorbei auf einen Tratsch bei Kaffee und Keksen, wir genießen die Zeit mit den Beiden, die uns sehr sympathisch sind. Natürlich gibt es auch immer genug Arbeit. Die Schränke müssen ausgeräumt und mit Essigwasser gegen Schimmelbildung behandelt werden. Klamotten kommen zum Lüften nach draußen und auch eine (oder zwei) Klettertouren in den Mast stehen an. Unser Außenlautsprecher unter dem Radar ist weg, abgebrochen und das Kabel gerissen. Die alte UKW-Antenne wird demontiert. Demnächst werden wir eine neue bekommen samt Kabel. Das wird auch noch ein Stückchen Arbeit. Vor allem mit schlappen Füßen und einschlafenden Fingern an Gurten baumelnd.

e_P1050143Für ein paar Tage hissen wir alle Fahnen der Länder, die wir besucht haben. Die Leine mit den Fahnen reicht gerade von der Baumnock bis zum Masttop. Als ich dann auch noch mit dem Dingi unter Segeln unterwegs bin, anstatt mit Außenborder (der ja noch kaputt ist), bekommen wir ein paar hochgereckte Daumen von den umliegenden Seglern.

Zu den Nachbarn auf dem Ankerplatz gehören auch „Flirtie“ und „Papagei“. Ebenso ein Segler mit einem unkonventionellen Rigg: der Mast ist unverstagt und drehbar gelagert, Fockbaum und Großbaum drehen sich zusammen mit dem Mast. Das soll bessere Windnutzung ermöglichen und einfacher zu handhaben sein. Dieses Design gibt es zwar schon lange, aber durchgesetzt hat es sich nicht. Die Skepsis war wohl zu groß für eine solch einschneidende Änderung. Die meisten Blauwasser-Segler sind ja eher konservativ und dem Altbewerten zugetan.

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e_P1050147e_P1050152e_P1050141Unsere Werkbank im Vorschiff sieht noch schön aufgeräumt aus, doch das soll sich bald ändern, denn für die nächsten 2-3 Monate kommt sie voll zum Einsatz und das verstaute Werkzeug wird bis in den Salon hinein verteilt. Zu viele Werkzeuge, Schrauben und Materialien werden bei den ganzen Arbeiten am Schiff immer wieder benötigt.

Der Montag überrascht uns mit dickem, träge waberndem Nebel. Selbst unsere Nachbarlieger, nur etwa 20m entfernt, sind kaum noch im Dunst zu erkennen. Alles andere ist in dichtes, diffuses Weiß gehüllt und unsichtbar geworden. Für die Algarve ein höchst ungewöhnliches Wetter. Aber dafür ist der Spuk auch nach ungefähr 5 Std. wieder vorbei und bleibt ein seltenes Ereignis.

Dienstag soll die Wäsche fertig sein, dann folgt eine weitere Einkaufstour. Wir besuchen die Supermärkte Continente, Aldi und Lidl, eine etwas weitere Strecke zum Gehen, vor allem auf dem Rückweg mit 3 schweren Rucksäcken, einer Reisetasche und 3 vollen Tragetaschen. Nachts gibt es mal wieder laute Musik vom Strand am anderen Flussufer bis spät in die Nacht hinein bzw. bis zum frühen Morgen. Manchmal ist es besonders laut und man hat den Eindruck, die ganze Algarve-Küste soll damit beschallt werden. Hochsaison eben und die Touristen wollen unterhalten werden. Ballermann auf Portugiesisch?

Wir korrespondieren brav mit der Versicherung und dem Gutachter, der uns kurzfristig besuchen soll. Bevor wir die Genehmigung der Versicherung haben, unser Schiff zu kranen und den Motor schon mal auszubauen, sitzen wir in Warteposition. Für den Gutachter macht es natürlich wenig Sinn, den eingebauten Motor zu besichtigen, er hofft allerdings noch darauf, dass unsere Bomika dann nicht an Land gestellt werden muss. Doch die Bootswerften sind auf der anderen Fluss-Seite als die Marina und es gibt dort keine Anlegemöglichkeiten, nur die Einfahrtrinne für den Kran. Ohne den Standplatz an Land müssten wir wieder an den Ankerplatz geschleppt werden, und dort für 1 Monat ohne Maschine liegen, was bei dem regen Verkehr, der wechselnden Tide und den manchmal stürmischen Böen auf die Dauer gefährlich sein könnte. Kein Problem, solange man einen funktionierenden Antrieb hat, der auch für genug Strom für die Ankerwinsch sorgt und schnelle Manöver ermöglicht. Aber so gehandikapt? Das muss ja nicht sein. Abgesehen davon kostet das Schleppen wahrscheinlich mehr als der Landliegeplatz, an dem wir auch in Ruhe ein paar andere Arbeiten erledigen könnten. Im Gegensatz zur Reede gibt es dort ja auch Strom- und Wasseranschluss.

Inzwischen ist es Donnerstag der 06.08. Nach vielem Herumfragen und Laden-/ Reparaturwerkstatt-Besuchen ist klar: es gibt nur einen Laden, der evtl. E-Ringe passend für unseren Außenborder verkauft. Wenn es der nicht hat, bleibt nur eine teure Bestellung im Ausland. Das Ausland wäre Spanien, die Lieferkosten mindestens €15 für ein Kleinteil im Wert von wenigen Cents. Deshalb unternehme ich nachmittags eine Einkaufstour wegen dem E-Ring, der Laden liegt im Industriepark bei der Shopping Mall Aqua Portimao, in dem sich auch der Jumbo-Supermarkt befindet. Wenn man schon so weit durch die Stadt läuft, dann sollte das auch für weitere Einkäufe im Jumbo genutzt werden und so wird eben schwer zurück geschleppt. Abends sind wir Beide geschafft, ein Ehekrach oder –Krise bahnt sich an, verliert sich aber auch schnell wieder im Nichts. Genauso wie der Anlass: nichtig und Nichts. Ein Zeichen, dass der Stress und die Belastung zu viel werden.

Am nächsten Tag geht es trotzdem weiter. Wir telefonieren mit dem Gutachter und diskutieren über die Wetterlage, die Möglichkeiten für Schleppen und Kranen, ist auch alles versucht worden um den Motor zu starten ohne einen Ausbau? Der Montag wäre zum Kranen am besten, eine Vorbestellung des Krans aber heute am Freitag notwendig. Ab Dienstag wird wieder mehr bzw. zu viel Wind erwartet und alles würde sich entsprechend verschieben. Wir greifen dem OK der Versicherung etwas vor, beauftragen das Kranen und den Motorausbau für Montag, bekommen etwas später die Rückbestätigung, dass es terminlich auch mit der Marina klappt. Auch wenn der Gutachter das nicht entscheiden kann, ist er sich recht sicher, dass die Versicherung die Kosten ggf. als Vorkosten zur Schadenserhebung erstatten wird.

Der Samstag zeigt sich ziemlich bedeckt, der Sonntag bringt etwas Regen und ansonsten dichte Bewölkung. Viel Strom gibt es nicht in die Batterien, es reicht kaum für den Kühlschrank, den wir auch erst Mittags für ein paar Stunden einschalten. Fender und Leinen werden hergerichtet, einige der Schrauben der Dodger-Befestigung schon mal gelöst und das Sonnensegel abgebaut. Zum Abschleppen und Kranen sind wir wenigstens vorbereitet.

Gleich am Montag in der Früh am 10.08. werden wir mit dem großen Schlauchboot der Marina abgeschleppt und in den Kranplatz bugsiert. Dabei wird es einmal kurz aufregend, als Schlauchboot und Bomika zwischen die Betonpfosten gequetscht werden, bevor sich das Schlauchboot doch noch herausquetschen kann. Das Kranen selbst läuft problemlos mit dem großen Travellift und wir werden zu unserem Standplatz für die nächsten Wochen transportiert und aufgebockt. Die Landliegeplätze sind recht großzügig gestaltet mit ausreichend Platz zu den Schiffsnachbarn, nur die Länge ist begrenzt, um ausreichend Platz für die Krantrasse zu lassen. Noch am Vormittag tritt die Crew von Onda-Marine an, um den Ausbau des Motors zu organisieren und zu planen. Immerhin werden wir den großen und teuren Marina-Travellift nicht benötigen, der firmeneigene Gabelstapler reicht in der Höhe aus, Dank unserem Kurz-Kiel. Noch am Nachmittag desselben Tages ist der Motor von 4 Leuten ausgebaut, ebenso der Saildrive, um die Gummimanschette zu wechseln. Danach wird sofort begonnen, den Motor zu zerlegen, um den Schadens- und notwendigen Reparaturumfang ermessen zu können.

Am Dienstag kommt der Gutachter der Versicherung an, um den Schaden zu besehen. Danach wird der Motor weiter zerlegt, ebenso die Kupplung und das Getriebe. Die Aussichten werden immer düsterer, immer mehr ist zu reparieren. Auch wenn offensichtlich von der Strandung her kein Wasser in die Brennkammern gelaufen ist, bzw. nicht auf lange Dauer, zeigen doch die Antriebsscheibe und die Kupplung ein recht rostiges Bild – bis auf einen kleinen Rand, der wirklich oberhalb des Wassers lag. Daher ist auch klar, dass damals bei der Strandung Wasser durch den Luftfilter eingedrungen sein muss. Nur gut, dass wir damals die Hilfe von Manni, dem Mechaniker der „Santa Maria“, hatten, der uns den Motor so schnell wie möglich und mit etlichen Tricks wieder zum Laufen gebracht hatte. Dadurch wurde das in die Brennkammern eingedrungene Wasser eliminiert, wenn auch sicher mit einiger Rußbildung in den Abgasleitungen, wie wir jetzt sehen können.e_P1050159e_P1050173

Eduardo, der Firmenchef – und Werkstattleiter, kümmert sich um eine Schätzung, listet alle benötigten Ersatzteile auf, sucht nach Alternativen bis hin zu einer Ersatzmaschine und Nachfragen zu Kompatibilität, denn unser Modell ist inzwischen auch etwas weiterentwickelt und von der Endung „A“ bis auf „F“ gekommen. Daher werden viele Teile unseres Modells gar nicht mehr gefertigt und ob die Teile eines neuen Modells auch beim alten passen, ist keinesfalls sicher. Dazu kommen Anfragen wegen einem Glaser für unsere kaputte Scheibe, Angebote für Antifouling und Epoxy-Farbe und etliches andere. Auch beim Saildrive steht mehr an als nur die Manschette. Das Getriebeöl ist mit Seewasser durchsetzt, die Wellen weisen Einkerbungen auf, die nicht sein dürfen und für den Wassereintritt verantwortlich sind. Da ist auch mehr zu reparieren als gedacht.

Unser Dodger steht derweil auf dem Boden und kann auch ein paar Nachbesserungen vertragen, Lisa wäscht fleißig – nicht nur unsere Wäsche, sondern auch die Leinen, um sie wieder zu entsalzen und geschmeidiger zu bekommen. Wir versuchen auch, etliche Wartungsarbeiten, die wir für Kroatien geplant hatten, eben schon hier zu erledigen, auch wenn es z.T. doppelte Arbeit sein wird, die an der Endstation Funtana zu wiederholen ist. Mittlerweile ist mein rechter Fuß stark geschwollen und schmerzt wie verrückt, der linke ist von den Flip-Flops zwischen den Zehen blutig gerieben, die rechte Hand, vor allem Mittelfinger und Gelenk, sind kaum zu gebrauchen, da die Finger immer wieder einknicken und Kraft sowie Gefühl in den Fingern fehlt. Alle Arbeiten werden dadurch noch besonders erschwert, dauern länger und erfordern immer wieder Ruhepausen dazwischen. Hoffentlich wird das bald besser mit Rheuma-Creme, Bandagen und Dr. Bachs Rescue-Tropfen.

Am Wochenende lernen wir noch ein dänisches Pärchen kennen, Lena und Jan, die ebenfalls mit einer Bavaria Ocean unterwegs sind und erst einmal das Mittelmeer in halbjährlichen Törns besegeln wollen. Leider steht für die Beiden schon bald der Rückflug an, zurück nach Dänemark und zur Arbeit.

Die Zeit vergeht wie im Flug, die Tage sind angefüllt mit Arbeiten, Organisieren und Besorgungen. Inzwischen ist klar, ein neuer Motor ist die einzig sinnvolle Alternative. Beim Saildrive sieht es nicht besser aus. Die Undichtigkeit im Getriebe, in dem sich laufend Seewasser ins Öl gemischt hat, rührt von Einkerbungen am Schaft und der Welle her. Diese müssen bei der Notreparatur in Pto. Williams entstanden sein, da dort das richtige Fachwerkzeug zum Umbau der Zahnkränze und Lager nicht vorhanden oder beizubringen war. Die Ersatzteile und die Arbeitszeit für die Reparatur kommen in diesem Fall teurer als ein Neuer kompletter Saildrive. Somit wird auch die die Entscheidung einfach: alles neu mach der Mai – nein, der September.

Am 28.08. erhalten wir die Freigabe durch die Versicherung sowohl für den Motor als auch den Saildrive, nur die Selbstbeteiligung wird uns verbleiben sowie die anderen Kosten für Material und Arbeit, die nicht direkt die Maschine betreffen. Doch bevor der neue Motor bestellt werden kann, sind 75% Anzahlung fällig. Die Versicherung ist derzeit überlastet und braucht mehrere Tage für eine Überweisung. Eduardo hat Vertrauen zu mir und will die Bestellung bereits machen, wenn ich selbst in Vorleistung gehe und schon mal 4T€ überweise und den Rest, sobald das Geld von der Versicherung eintrifft. Kein Problem! Denke ich erst. Wofür gibt’s denn Online-Banking? Innerhalb Europa mit den SEPA-Daten wie Iban und BIC sollte das ein Klacks sein. Doch weit gefehlt! Für „Auslandsüberweisungen“ online fehlt die Freischaltung, die Filiale verweist dafür an die Hotline in Frankfurt, die das per Telefon auch am Wochenende machen kann. Ansonsten wird ein schriftlicher Antrag im Original benötigt. Aber alle Telefonate mit Frankfurt helfen nicht weiter, die Freischaltung kann nur von der Filiale erfolgen. Also doch per Post, die aber selbst mit „Express“ einige Tage dauert. So vergeht fast eine Woche, bis es endlich klappt. Inzwischen hat Volvo die Preise um fast 10% erhöht, doch Eduardo schafft es, noch den alten Preis zu bekommen, wenn bis Freitag die Zahlung nach Schweden und damit die Bestellung erfolgt. Immerhin, es klappt auf den letzten Drücker, und wir können ein bisschen aufatmen. Auch die erste Überweisung der Versicherung trifft ein und wir können das Geld gleich weiter transferieren nach Portugal.

Somit ist der August vorbei und der September angebrochen. Eduardo leiht uns seinen Firmen-Pickup für größere Einkäufe. Die dafür geplanten 2-3 Std. sind schnell überschritten und wir bringen ihm sein Auto zurück, damit er von der Arbeit wieder nach Hause kommt. Natürlich hätte er gerade an diesem Tag dann doch das Auto für Kundenbesuche gebraucht, sich dann aber anders beholfen. Versprochen ist eben versprochen. Aber das erfahren wir erst im Nachhinein.

Zur Feier der erfolgten Bestellung lädt uns Eduardo am Sonntag zum Mittagessen mit seiner Frau Cecilia und den Söhnen David und Tjago ein. Wir fahren zu einer guten und preiswerten Pizzeria (Bulli und Pupa) an der Atlantikküste mit Blick aufs Meer und nach Lagos, die wir getrost auch anderen Seglern empfehlen können. Ambiente und Bedienung sowie natürlich auch das Essen sind hervorragend und nicht zu teuer. Der ansonsten weite Blick wird heute nur durch Dunst getrübt, der heute über dem Meer hängt und sich trotz Sonne nicht verziehen will.

Wer sagt, dass Montage schlecht sind, weil die Tretmühle der Arbeit wieder beginnt? So was wie ein arbeitsfreies, „heiliges“ Wochenende gibt es bei Blauwasserseglern sowieso nicht. Aber diesen Montag bekommen wir unser neues Fenster eingebaut! Die beiden Arbeiter schwitzen kräftig beim Montieren. Nicht nur wegen der Hitze, sondern auch wegen der Befürchtung, dass das Glas jederzeit zerspringen könnte. Denn natürlich gibt es auf einem Schiff keine geraden Linien, alles optische Täuschung und tatsächlich ist auch der Fensterrahmen leicht gekrümmt. Ob das mit Verbundglas auch so gut hinhaut? Aber es geht alles gut, obwohl die leichte Krümmung dem planen Glas zunächst Widerstand leistet.

Wer denkt, dass wir in den zwei Monaten an Land ja alles von der Werkstatt erledigt bekommen und nur entspannt zuschauen müssen – weit gefehlt. Natürlich wird genau auf die Finger geschaut, auch wenn Eduardos Leute gut gedrillt, erfahren und vertrauenswürdig sind, das nächste Mal auf See müssen wir die Handgriffe evtl. selbst machen und jedenfalls wissen, wie ist was verkabelt, verbunden, angeschlossen, etc.

Daneben haben wir eine ganze Liste an Arbeiten selbst und in Eigenregie zu erledigen. Hier einen Auszug aus den Arbeiten, die wir während des August, September und Oktober bewältigt haben:

Unterwasserschiff abschleifen, vor allem das zähe Weichantifouling aus Polynesien entfernen und das darunter liegende Hartantifouling anschleifen

Deck und Rumpf schrubben und putzen, danach polieren

Mast und Beschläge säubern und polieren, sowie prüfen aller Rigg-Teile auf mögliche Haar-Risse, Beschädigungen oder Bruchstellen – aber alles ist in Ordnung. Die Ausstattung mit stärkeren Stagen hat sich auf jeden Fall gelohnt

Deckshaus schleifen, an ein paar Stellen harzen/reparieren und schließlich neu streichen

Windfahnenruder zerlegen, schleifen und lackieren, Rost entfernen (hauptsächlich von den Beschlägen, die ja ständig von Seewasser umspült werden)

Neue Relings-Halterung für den Außenborder basteln und lackieren

Entrosten von Beschlägen, Schrauben und Kleinteilen überall an Deck

Säubern, Flugrost entfernen und Polieren von Edelstahlteilen wie Reling, Geräteträger, Windfahnenmast, Püttings usw.

Leinen waschen und entsalzen

Neue Leinen für die Lazyjacks besorgen und einziehen

Neue Genua Schoten

Das Schnell-Reff-System im Baum bekommt eine Wartung, die Führungs-Schlitten für die Reff Leinen im Baum in Ordnung bringen für bessere Leichtgängigkeit, die Leinen für das erste Reff, das wir nie gebraucht und deshalb herausgezogen haben, wieder neu einfädeln

Unser Sonnensegel waschen und versucht, die Nähte nachzunähen. Das klappt aber nicht mit der Haushaltsmaschine, der Stoff mit den Gurten zur Verstärkung ist zu dick, die Fläche zu groß und für die Hand lohnt sich die Mühe nicht, vor allem nicht mit schmerzenden und unbeweglichen Fingern.

Das Teak-Deck ausbessern, altes Silikon entfernen und neu kalfatern, danach neu einlassen mit Teak-Sealer

Rumpf gründlich reinigen, Schlieren entfernen, und am Schluss polieren

neues Antifouling für das Unterwasserschiff aufbringen

Außenborder reparieren. Es war zwar nichts gebrochen, aber der Klemmring hatte sich gelöst und die Startvorrichtung mit dem Zugseil hatte sich in Einzelteile zerlegt.

Das Waschbecken im Bad neu lackieren

und noch etliche andere “Kleinarbeiten”, die unsere Zeit in Anspruch nehmen

Alles im Schiff hat seinen Platz für Unterwegs, aber bei Arbeiten wird viel verschiedenes Werkzeug und Material benötigt, so dass Salon Bänke, Vorschiff und andere Flächen davon belegt sind. Die Bewegungsfreiheit an Bord wie auch die Sitzgelegenheiten sind daher für Wochen und Monate stark eingeschränkt. Dazu staubt es auch noch kräftig, denn auch ringsum wird gearbeitet, geschliffen und gemacht, der Wind verteilt alles brav durch die Luft.

Zwischendurch machen wir uns auf die Suche nach der „Mindedahl“, denen wir herzliche Grüße von anderen Seglerfreunden ausrichten sollen. Die Yacht soll ebenfalls auf dem Werftgelände stehen und schließlich werden wir auf einem der anderen Werftgelände ganz hinten fündig. Die ersten Male war aber niemand an Bord anzutreffen, dafür werden wir von einer Burmakatze begrüßt, die unter dem Schiffsrumpf döst und uns zutraulich begrüßt. Vorsichtshalber bringen wir ihr einige Tage etwas Futter mit, bis wir Manni und Gini von der „Mindedahl“ antreffen. Wir erinnern uns an ihr Schiff, das vor 6 Jahren wie auch wir auf dem Ankerplatz von Portimao lag. Damals hatten wir die Beiden nicht angetroffen, jetzt klappt es. Ihre stämmige Colin-Archer Yacht verbringt eine lange Zeit an Land, denn eine Osmose Behandlung dauert sehr lange, wenn es richtig gemacht wird.

Mitte September steht auch die Tankreinigung und Entsorgung des restlichen Altdiesel an. Dazu muss natürlich unser großes Doppelbett frei gemacht werden, um an den darunter liegenden Dieseltank zu kommen. In den Folgetagen beginnen wir schon mal mit dem Polieren des Rumpfes, kommen aber nicht sehr weit. Unser neuer Motor soll in den nächsten Tagen kommen und gleich eingebaut werden. In Lissabon ist er bereits eingetroffen und wartet auf die weitere Verfrachtung nach Portimao. Das ging also doch viel schneller als gedacht – gerade 10 Tage anstatt 3 Wochen ab Bestellung. Das restliche Polieren wird eben auf später verschoben.

Inzwischen ist der 19. September – vor genau 7 Jahren sind wir aus Funtana in Kroatien ausgelaufen. Wäre die Motorgeschichte nicht passiert, würden wir um diese Zeit wieder in Funtana einlaufen. Aber eine kleine Verspätung macht ja nix, uns geht es gut und solange wir vor dem Winter mit seinen üblichen Stürmen durchs Mittelmeer durch sind, kein Problem. Wir feiern den Tag in aller Stille und ruhiger Zweisamkeit.

Zwischendurch wird auch das Wetter mal schlecht, es wird kalt und windig mit Regen, Arbeiten müssen an solchen Tagen umdisponiert werden. Man merkt langsam, dass der Winter Einzug hält. Wir treffen auch Karl-Heinz und Janette von der „AMA ME“, die in unserer Nähe an Land steht zur Überholung. Natürlich macht es Spaß, mal wieder Bayerisch zu reden und das machen wir auch ausgiebig bei einem gemeinsamen Abendessen.

Am 22.09. kommt unser neuer Motor mit Saildrive an und noch am gleichen Tag erfolgt der Einbau. 2 weitere Tage werden benötigt für die Installation inklusive erstem Probelauf und Erneuerung der Bedienpaneele. Ein paar Einzelheiten sind eben doch anders als bei der alten Maschine.

Auch sonst sind wir schon „fast fertig“, der Rumpf wird noch fertig poliert, das Teak Deck etwas abgeschliffen und Teak-Sealer geordert. Unsere Tage sind gezählt, wir freuen uns schon, bald wieder im Wasser zu schwimmen.

Nachdem der Motor fertig installiert ist, bekommen wir am 25.09. den Firmenwagen von Eduardo für einen letzten Großeinkauf geliehen. Wir wollen uns für die Weiterreise noch verproviantieren, bevor wir am Ankerplatz sind. An Land stehend ist es doch einfacher, alles an Bord zu schaffen. Die Einkaufstour geht schneller als gedacht, wir besuchen 3 verschiedene große Supermärkte und kehren mit dem Inhalt von 3 Einkaufswagen zurück. Alles über die steile Leiter an Bord schleppen und gleich beginnt die Stauung an Bord. Eine Kiste bleibt noch übrig zum Verstauen, die heben wir uns für morgen auf.

Am nächsten Tag erwarten wir für den Abend 5 Gäste zum Essen an Bord: Eduardo mit Familie haben wir eingeladen, um uns damit bei den Beiden zu Bedanken und um unseren neuen Antrieb zu feiern. Bereits am Morgen, die Sonne entfaltet gerade ihre volle Wärme und lässt die Temperatur etliche Grade ansteigen, ist Lisa mit Säuberungsaktionen am Schiff beschäftigt. Auf einmal bekommt Lisa Beschwerden, ihr wird schwummrig, etwas atemlos legt sie sich hin und hofft, dass die Kreislaufschwäche vorbei geht. Ich versuche unsere Freunde zu erreichen, damit sie uns einen Doktor empfehlen oder hinfahren, aber ohne Erfolg. Später stellt sich heraus, ihr Telefon war kaputt gegangen. So bitte ich 2 Portugiesen, die wir auf dem Werftgelände kennen gelernt haben, um Hilfe. Sie fahren uns gerne gleich ins Krankenhaus in Portimao. Immerhin stimmt auch Lisa dem KH-Besuch zu, was ein schlimmes und besorgniserregendes Zeichen ist. In der Notaufnahme müssen wir Gott sei Dank nicht zu lange warten, ein paar Untersuchungen und Herzinfarkt wird diagnostiziert. Mit dem Sanka wird sie nach Faro gebracht, wo es eine kardiologische Station gibt mit der entsprechenden Ausrüstung samt Fachwissen. Ich darf nicht mit, gehe kurz zum Schiff zurück, um unsere Miezen zu versorgen und das Schiff abzuschließen, dann zum Bahnhof, um Lisa nach zu fahren. Aber der nächste Zug geht erst am Abend, der letzte ist schon 1 Std. weg. Also muss ein Taxi her, auch wenn der laut Taxameter knapp €80 verlangt. Inzwischen bekam Lisa 2 Stents gesetzt und liegt auf der Intensiv Station, wenigstens für 24h, danach sollen 2-3 Tage in einem normalen Zimmer folgen, bevor sie wieder entlassen wird.

Zurück fahre ich mit dem Bummelzug und bin inkl. Fußwege und Wartezeiten fast 3 Std. unterwegs. Das wird mir die nächsten Tage viel Zeit stehlen, aber ich muss täglich sehen, wie es ihr geht und was sie evtl. noch braucht. Die Besuchszeit beschränkt sich meist auf 2 bis 2,5 Std., nicht wegen einer KH Regelung, sondern weil es für Lisa sonst zu viel und zu anstrengend wird. Ansonsten sind die Besuchsregelungen eher undurchsichtig und sorgen für Überraschungen. Will man den Doktor sprechen, heißt es am besten am Vormittag anrufen. Vormittags aber sind die Visiten und die Doctores nicht erreichbar. Erwischt man endlich einen, wird nur mitgeteilt, man soll vormittags kommen, Auskünfte gibt es nur persönlich. Das nächste Mal wird man an der Rezeption abgewiesen, Besuchszeit für die Kardiologie erst ab 13:00h, kommen sie später wieder. Bringt man Freunde mit, darf immer nur einer auf die Station, später ab 16:00h dann 2 Personen. Dabei haben andere Patienten im selben Zimmer manchmal 3 oder 4 Besucher gleichzeitig. Was lernen wir daraus? Es gibt keine feste Regelung und man muss sich halt überraschen lassen.

e_P1050184Unsere Verabredung zum Abendessen muss natürlich abgesagt, der Krantermin verschoben, die Familie benachrichtigt werden, und, und, und. Natürlich meckern auch die Miezen, als ich erst gegen halb 10 nachts zurückkomme. Doch ihr Hunger relativiert sich, sie merken sofort, etwas stimmt nicht. Aber Fressen muss nun mal eben sein, ebenso eine Schmusestunde. Das machen sie mir schnell klar, obwohl ich selbst durch den Wind geschossen bin. Mit so einer Überraschung hatten wir beide nicht gerechnet, alles ändert sich sprichwörtlich schlagartig. Wie soll man das beschreiben?

Am Montag wird Lisa auf ein normales Zimmer verlegt, fühlt sich aber schon bald immer schlechter. Die Matratze ist durchgelegen und nicht mehr so bequem, besonders mit den ganzen Verkabelungen für die Messgeräte zur Überwachung. Immer wieder bekommt sie Atemnot, der mit Oxygen abgeholfen wird. Sie wird wieder auf die Intensiv verlegt, für 2 Tage, und die festgestellte Entzündung im Lungensystem sowie das dort angesammelte Wasser behandelt. Danach geht es endlich bergauf, das Atmen fällt leichter, die Herztätigkeit wird immer besser und sie fühlt sich wohler, wenn auch recht erschöpft.

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In der Werft erkundigen sich viele Segler und Arbeiter regelmäßig nach Lisa’s Befinden und überbringen Besserungswünsche. Einmal kommen Martina und Jörg mit, einmal Des und Janette. Letztere leihen mir auch ihr Auto, als sie es nicht selbst brauchen, damit ich nicht den ganzen Tag im Zug verbringen muss. Auch Eduardo von OndaNautica leiht mir sein Firmenfahrzeug mal wieder. Aber solche Angebote, auch wenn sie von Herzen kommen, versuchen wir nicht auszunutzen. Und mit Sprit und Autobahngebühren kommt es auch nicht billiger. Dafür ist es aber manchmal sehr hilfreich, wenn am selben Tag noch Besorgungen oder Arbeiten anstehen und die Zeit zu knapp wird für den Zug, der außerhalb der Stoßzeiten (mit stündlichem Verkehr) nur selten fährt.

Meist nehme ich daher den Zug und den Fußweg in Kauf, die Tage vergehen, weitere Arbeiten bleiben liegen oder dauern sehr lange, der ganze Bordalltag hat sich entsprechend geändert. Erst muss Lisa wieder gesund werden, alles andere wird sich danach richten und finden. Ich selbst bin ja auch etwas lädiert, vor allem das rechte Bein fühlt sich an wie bei einem andauernden heftigen Muskelkrampf. Aber das resultiert wahrscheinlich aus meinen kaputten Bandscheiben, die inzwischen verknöchert sind und immer häufiger die Rückenwirbel verhaken lässt. Dabei werden wohl einige Nerven gequetscht und in Folge entzünden sich auch die Nervenknoten der rechten Seite. Manchmal wird das ganze Bein taub, der Schmerz reicht über die Hüfte auch in den Arm, die Finger der rechten Hand sind meistens taub und das Greifen funktioniert nicht mehr so. Etliche Handgriffe werden eben auf „Links“ gewechselt und manchmal mutet das Halten von Besteck oder anderen Sachen an wie bei einem Behinderten, aber es funktioniert wenigstens, auch wenn die Kraft in den Fingern fehlt. „Wandern“ geht halt langsamer und oft mit Hinken, um das rechte Bein zu entlasten, aber es geht. Noch bin ich nicht invalide und trau mir alles zu. Schließlich spürt ein Indianer ja keinen Schmerz (wegen der fehlenden Enzyme, laut Bully Herbig) und umbringen wird es mich auch nicht. Lisa hingegen wird nicht mehr weiter segeln können, das Risiko ist einfach zu groß, dass unterwegs doch mal schnelle ärztliche Hilfe benötigt wird. Soweit ist es klar, dass sie unsere Reise mit dem Flieger beenden wird und ich nach ihrer Heimreise alleine die letzte Etappe bewältigen werde. Vielleicht findet sich noch jemand, der mich begleitet, aber die Chancen stehen schlecht. Schließlich soll es ja möglichst auch keiner sein, den wir nicht kennen oder zumindest eine Referenz von Freunden haben. Jörg würde liebend gern mitsegeln, aber wie es aussieht, wird er sich nicht von der Arbeit frei machen können. Wir werden sehen, noch ist nicht aller Tage Abend.

Fr – Fr, 24. Juli- 31.Jul 2015 (Portimão, Portugal)

Birgit und Bernd chauffieren uns zum Dinghy Anleger, Lisa besucht den Supermarkt und ich die Volvo Penta Vertretung. Evtl. am Nachmittag oder morgen am Samstag soll ein Mechaniker an Bord kommen, um den Motor zum Laufen zu bekommen. Danach heißt es zur Marina dampfen, Dieseltank leer pumpen und säubern und mit sauberem Diesel befüllen, wenn wir die Maschine zum laufen bringen. Abends sind wir auf der Rebell zu Gast, wegen unseres nicht funktionierenden Außenborders fährt uns Bernd hin und her.

Samstag kommt der Mechaniker und versucht sein Glück. Alle Filter werden nochmal gewechselt, alle Leitungen durchgepustet mit einem Kompressor, ebenso die Leitungen der Einspritzpumpe. Der Diesel ist mit wenigstens einem Drittel Wasser durchsetzt – kein Wunder, dass der Motor da nicht anspringt. Wir holen extra noch für €20 frischen Diesel an der Tankstelle und benutzen einen Kanister als Tank, aber trotzdem hilft alles nichts. Der Mechaniker vermutet, dass zu viel Wasser in die Zylinder gelaufen ist und zu Korrosionen an den Ventilen oder den Kolben gesorgt hat, oder dass die Kompression nicht ausreichend ist. Dabei ist es spät geworden für den Mechaniker und weitere Versuche auf den Montag verschoben.

Den Rest des Wochenendes wird aufgeräumt, um ggf. mit Besegelung startbereit zu sein, falls der Anker slippt oder ein anderer Ankerlieger zu nahe kommt, während dort keiner an Bord ist. Natürlich stehen auch wieder PC-Zeiten an, um unseren Blog zu bearbeiten und Emails zu erledigen. Schließlich müssen wir unsere Versprechen einlösen und all unsere Freunde auf der Welt und zuhause über unsere wohlbehaltene Ankunft in Portugal informieren.

Am Montag, den 27.7. kommt der nächste Mechaniker. Der versucht auch alles Mögliche, schraubt die Einspritzleitungen ab, inspiziert die Glühkerzen und versucht es mit Benzineinspritzung in die Verbrennungskammern. Wie gehabt, kein positives Ergebnis, nicht der Hauch eines Zündens. „Keine Kompression“ ist sein Urteil, dazu sind auch die Glühkerzen hinüber und heizen nicht mehr. Nach einer Beratung mit dem Chef Eduardo folgt die Hiobsbotschaft: Bomika muss an Land, also Abschleppen durch die Marina und Kranen auf den Werftplatz, evtl. muss auch eine Inspektion durch die Behörden vor dem Schleppen, evtl. auch nach den Reparaturen oder in beiden Fällen erfolgen. Das hängt von den Behörden ab, die für die Seetüchtigkeit und Sicherheit der Boote zuständig sind. Der Motor muss auf jeden Fall ausgebaut werden für eine Generalüberholung an Ventilen, Kolben/Kolbenringen und Einspritzpumpe. Das wird nicht nur eine riesen Arbeit, sondern auch teuer werden, und das Geld dafür haben wir gar nicht. Wir bereiten uns seelisch schon mal darauf vor, dass wir die restlichen 2.000sm nach Kroatien auch ohne Motor auskommen müssen. Morgen sollen wir eine erste Preisidee bekommen.

Ein Blick in die Versicherungspolice zeigt: Motorschäden sind mit abgedeckt, so dass wir „nur“ den Selbstbehalt berappen müssten. Oder ist es evtl. sogar ein Folgeschaden der Strandung? Auf alle Fälle benachrichtigen wir die Versicherung per Email und werden sehen, wie diese das einschätzt.

Am Dienstag probieren wir das Wassertaxi aus. Wir haben es schon öfters herum kurven gesehen, vor allem mit Gästen der neben uns ankernden Ketsch „Papagei“ von Alex aus Berlin. Bei einem Dinghy Ausflug unter Segeln bekomme ich von ihm auch die Visitenkarte des Taxis mit Nummern und Routen. Es ist eine Art Sammeltaxi, das verschiedene Standpunkte westlich und östlich des Flusses anfährt. Die Plattform auf drei schnittigen Rümpfen ist recht komfortabel, trocken und bequem. Wir nutzen es für größere Einkäufe und Besorgungen, denn unter Segeln kann unser Dinghy doch etwas nass werden und bietet auch nicht viel Platz. Durch Motorboote, Fischtrawler, Ausflugsboote usw. gibt es öfters Wellen, auch die Strömung hat ihre Tücken. Der meist leichte Wind bleibt auch mal aus oder fällt in Böen mit über 20Kn ein. Als ich mit dem Dinghy unter Segeln zum Werftgelände beim Fischereihafen segle, geht es erst flott dahin, dann gar nicht mehr und die Ruder müssen ran. Jedes Lüftchen wird natürlich ausgenutzt, bis zu viel Zeit vergangen ist und die Tide kentert. Gegen die Strömung braucht es schon guten Wind oder ich muss mich tüchtig in die Riemen legen, um überhaupt voran zu kommen. Nach 1 ½ Std. ist es geschafft, ein netter Anleger am Dinghy-Steg unter Segeln. Mit einem guten Außenborder legt man die Strecke in höchstens 10 Min. zurück. Zurück. Auf dem Rückweg geht es einfacher, der Strom schiebt und der Wind bläst mit guten 20Kn von achtern. Nach weniger als 30Min. bin ich zurück an unserer Bomika. Aber es wurde unterwegs durchaus nass im Schiffchen und Ausweichmanöver zeigen ihre Tücken. Verliert das Bötchen zu viel Fahrt, wird die Strömung stärker und dreht unser Dinghy in eine andere Richtung. Mit etwas Übung aber kein Problem.

Bei einer unserer Rückfahrten mit dem Wassertaxi sehen wir „Flirtie“ vorbei fahren und neben uns ankern. Das letzte Mal sind wir Richard und Judith vor 6 Jahren, auch hier in Portimão, begegnet. Wir winken fleißig und segeln später mit dem Dinghy kurz vorbei. Allerdings keine Spur von dem älteren englischen Ehepaar. Dafür lernen wir die neuen Eigner – Bruce und Caroline, ebenfalls englisch, kennen und laden sie zu uns an Bord ein auf ein paar Drinks am Abend. Sie haben „Flirtie“ vor 2 Jahren erworben und stehen noch in Kontakt mit den Voreignern, die sich wegen Parkinson bei Judith von ihrem schwimmenden Heim getrennt haben und derzeit mit einem Camper in Portugal unterwegs sind. Vielleicht treffen wir sie ja noch während unseres Aufenthalts in Portimão?

Sa – Do, 13. Juni- 23. Jul 2015 (unterwegs von Bahamas bis Portimao, Portugal)

Nach dem Morgenkaffee bäckt Lisa noch frisches Brot für unterwegs, Kabel und Deckenverkleidung werden unter- und angebracht, die Windfahnen-Steuerung wieder fertig montiert und auch die Fernbedienung der Ankerwinsch zerlegt und gesäubert. Die Segel werden vorbereitet zum Setzen und der letzte e_P1050036Wetterbericht abgerufen, dann kann es losgehen. Schiwa ist noch nicht so weit und lässt sich Zeit, aber kurz nach 14:00h brechen beide Schiffe auf, holen den Anker hoch und setzen Segel. Unser kleiner Vorsprung baut sich schnell aus, obwohl wir vor dem Wind kreuzen, um Schiwa die Möglichkeit zu geben, aufzuholen. Schließlich drehen wir bei und warten auf Gudrun und Manfred, die sich langsam nähern. Nach einer gegenseitigen Foto-Session sind wir wieder auf Kurs und bereits kurze Zeit später fällt Schiwa immer weiter zurück, bis sie am Horizont verschwindet.

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1.Tag: Der Wind wird innerhalb einer Stunde nach der Abfahrt eher mau, mit viel Dümpelei. Nur die regelmäßig vorbei ziehenden Squalls bringen guten Wind und sorgen für Fahrt im Schiff.

e_P10500512.Tag: Wir sind Beide müde von den Nachtwachen, dem Wind geht es anscheinend auch nicht besser und er wird immer weniger, während er immer weiter auf Süd dreht. 4-7Kn bleiben gerade mal über, aber unser Blister, den wir gegen die Genua getauscht haben, zieht uns noch voran. Dazu schiebt auch die Strömung, wenn auch nicht so kräftig, wie wir gehofft hatten. Aber 1,5 bis 2Kn sind ja auch nicht schlecht. Am Nachmittag verringert sich die Strömung, ebenso wie der Wind, der nur noch mit 1-2Kn säuselt.

 

3.Tag: Noch in der Nacht haben wir den Blister geborgen. Bei so leichten Winden fällt er auch nur immer wieder zusammen, reibt sich an Wanten und Stagen. Das ist für so dünnes Tuch auch nicht gut. Später probieren wir es nochmal mit ihm, bis der Wind am Abend genug aufgefrischt hat, um die Genua verwenden zu können. In der Nacht und auch am nächsten Tag geht es zwar nicht ganz gemütlich, aber doch mit guten Etmalen voran. Wir versuchen, den Golfstrom zu finden, den wir eigentlich westlich vermutet hätten, der sich aber östlich von uns befindet. Kurzzeitig werden wir fündig, verlieren ihn aber auch nach einigen Stunden wieder. Naja, wir sind auch ohne Schiebestrom mit unserem Vorankommen zufrieden.

17.6., fünfter Tag. In den ersten Stunden des Tages bläst uns einer der Meeres- und Windgötter mit 5-6 Bft. ins Genick. Als der Wind am Nachmittag nachlässt, fängt er auch an, sich rund um die Uhr zu drehen. Halsen, Wenden, und dann doch zu wenig Wind, um genug Fahrt aufzunehmen. Wir nutzen die Gelegenheit und füllen Diesel aus den Kanistern in den Tank nach. Den Diesel aus Panama filtern wir vorsichtshalber vorher, denn die Farbe schwankt zwischen Kaffeesatz und Milchkaffee. So wird unser Tank wieder halbvoll, ein Kanister mit Diesel aus Chile bleibt in Reserve, ebenso einer mit noch ungefiltertem Diesel aus Panama. Als es Mitternacht wird, treiben wir nur noch. Wir wollen den Motor anwerfen, denn ein bisschen Frischwasser-Produktion würde auch nicht schaden, doch der fängt schon bald zu stottern an und geht schließlich ganz aus. So lassen wir uns eben durch die Nacht treiben und überlegen schon mal, was wir bzgl. Motor morgen alles in Angriff nehmen wollen.

18.6. Nach dem Morgenkaffee geht es an die Arbeit. Die Dieselfilter werden alle ausgewechselt, am schlimmsten sieht der erste Filter beim Wasserabscheider aus. Am kleinen Vorfilter an der Dieselpumpe findet sich nichts, der letzte kurz vor der Einspritzpumpe ist so lala. Auch das Ansaugrohr im Tank wird inspiziert, weist aber keine nennenswerte Menge an Schlamm auf. Als nächstes gilt es, den Diesel aus dem Tank in leere Kanister abzupumpen und dabei zu filtern. Eine spezielle 12V Pumpe für Diesel haben wir, auch diverse Schläuche und Anschlussstücke. Doch da beginnt schon das erste Problem: Alles hat einen anderen Durchmesser: die Dieselpumpe ist für dicke Schläuche, der große Vorfilter, mit dem wir sonst Wasser aus öffentlichen Stellen gefiltert haben, hat etwas kleinere, und die Dieselleitung hat einen noch kleineren Durchmesser, aber dafür einen dickeren Schlauchmantel. Als wir das alles auf die Reihe bekommen haben, geht es los mit Filtern. Mit dem 5my-Stofffilter klappt es ganz gut, das Ergebnis gleicht farblich zwar dünnem Milchkaffee, sieht aber viel besser aus als vorher. Nach den ersten 30ltr fängt die Pumpe jedoch erkennbar an zu streiken bzw. der Fluss kommt ins Stocken. Der Filter ist komplett zugekleistert. Also Pause mit dem Filtern des Tankinhalts. Einer der Kanister Deckel wird präpariert, um die Zuführung der Dieselleitung aufzunehmen, damit ein Kanister als Ersatztank herhalten kann, solange der Tank noch dreckiges Diesel enthält. Nun gilt es noch, die Dieselleitung zu entlüften. Eine Ewigkeitsarbeit mit dem Mini-Pumpenschwengel der Dieselpumpe am Motor. Nach über 2.000(!!) Pumpenhüben kommt immer noch kein Tröpfchen aus der Entlüftungsschraube. Stimmt da noch was anderes nicht? Für heute ist es genug, vor allem nach der Zwangsunterbrechung zwischendurch. Denn auf einmal bekam ich fürchterliche Schmerzen in der Bauchgegend bzw. an der linken Niere. Sitzen oder Liegen ist zu schmerzhaft, zum Stehen auf einmal zu schwach. Ich bekomme keine Luft mehr und denke an Fernsehsendungen oder Filme, bei denen eine Geburt bzw. die Wehen-Phase gezeigt wurde. Das kurze, heftige Ein- und Ausatmen während der letzten Wehen ist genau das Richtige für mich und hilft. Die Blase hatte am Morgen schon angefangen, sich alle paar Minuten zu melden, nur um ein paar Tröpfchen unter brennendem Gefühl loszuwerden. Habe ich eine Blasenentzündung erwischt? Oder Nierensteine, die abgehen wollen? Nach einer guten Stunde geht’s wieder, nur die Blase drückt und brennt, möchte weiterhin alle paar Minuten von ein paar Tröpfchen befreit werden. Aber die großen Schmerzen sind wenigstens weg. Der Rest braucht noch ein paar Tage, um Abzuklingen.

Nachts trifft eine Querläufer-Welle genau die Seitenscheibe unseres Cockpits, das darauf in tausend kleine Splitter zerbricht, aber bis auf wenige Splitter noch in der Halterung hängt. Die Scheibe daneben sowie auch die Seite des Cockpitzelts bleiben verschont und bekommen nur kleine Spritzer ab. Das war wirklich ein gezielter (An)Schlag! Tita lag auf dieser Seite im Cockpit, um mir bei der Nachtwache Gesellschaft zu leisten und ist natürlich fürchterlich erschrocken. Danach schaut sie sich das Ganze erst mal vom Niedergang aus an, dann reckt sie sich vom Cockpitboden über die Sitzbank, überlegt hin und her und entscheidet, „das ist zu gefährlich und nicht geheuer!“ Springt in den Salon und macht es sich lieber dort gemütlich. Aber dass die Welle wirklich NUR die Seitenscheibe getroffen haben soll? Okay, auch das Lauf Deck war klitschnass, aber trotzdem. Vielleicht war es ein größeres Exemplar der Gattung fliegender Fisch, der uns dagegen geknallt ist und sich gleich wieder über die Reling davon katapultiert hat? Eine Möglichkeit wäre das schon. Nur gab es auch nirgendwo Schuppen oder Fischhaut-Fetzen zu sehen, wie das sonst üblich ist – noch dazu bei solcher Wucht. Also, nix Genaues weiß man nicht! Das Fenster ist jedenfalls hin.

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19.6., 7.Tag auf See. Die Scheibe, durch deren tausende kleine Scherben die Sonne blinzelt, wird innen und außen mit breitem Tape verklebt, nur zur Sicherheit, dass wir nicht auf einmal alle kleinen Scherben im Cockpit verteilt bekommen. Lisa holt sich dafür Verbrennungen am Oberschenkel, Bauch und Schulter, weil sie ihren großen Thermobecher mit frischem Kaffee auf sich schüttet anstatt in den Mund zu kanalisieren. Gleichzeitig Kaffee trinken und Zigarette aus der Schachtel fischen ist bei Wellengang und Geigerei eben nicht die richtige Kombination. So kommt eins zum anderen. Die Motor-Arie verschieben wir deshalb um einen weiteren Tag.

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20.6. Der Wind ist heute meist schwach, die Wellen weniger. Zwischendurch treiben wir und drehen uns im Kreis, gerade wie es dem bisschen Wind gefällt, der ebenfalls Karussell spielt. Das nutzen wir trotz Schaukelei aus, um weiter Diesel zu filtern. Mit einem neuen Vorfilter wird alles vorbereitet. Doch die externe Pumpe hat keine Lust und macht keinen Muckser. Sicher nur die Sicherung! Aber nein, die ist okay und auch ein Auswechseln hilft nichts. Also nix mit Filtern des Tankinhalts, Teil 2. Als nächstes wieder Entlüften. Um es uns einfacher zu machen, schließe ich an die Dieselleitung zur Einspritzpumpe einen anderen Schlauch an und verbinde den mit dem Blasebalg, natürlich am Lufteinlass. Es scheint zu funktionieren, doch dann bemerken wir, er zieht nur Luft, denn die Schlauchanschlüsse sind nicht 100% dicht zu kriegen. Also doch wieder mit dem kleinen Pumpenschwengel aus Hobbits Garten. Und tatsächlich, nach weiteren 500 Hüben kommt endlich Sprit aus der Entlüftungsschraube! Auch die Einspritzpumpe wird noch entlüftet, dann sollte es funktionieren. Pustekuchen! Der Motor will einfach nicht mehr anspringen. Alle Anschlüsse und Verbindungen der Dieselleitungen und Filter werden nachgezogen, damit er sicher keine Luft zieht. Ist die Batterie vielleicht zu leer? Aber auch zusammen mit den Verbraucherbatterien reicht es nicht – mit dem Motor ist es Ebbe. Bis Portugal haben wir ja noch genug Zeit, uns weiteres einfallen zu lassen oder zu versuchen.

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21.06., 9. Tag auf See. Heute haben wir Sonntags-Segeln: blauer Himmel, blaues Meer, weiße Gipfel und weiße Schaumteppiche. Wir binden schon mal vorsichtshalber das dritte Reff ins Groß und rollen auch die Genua ein Stück ein. Unserer Geschwindigkeit tut das keinen Abbruch, wir segeln sogar etwas schneller und dafür auch etwas (nein, nicht allzu viel) ruhiger. Wir sind gespannt, wie schlimm es am Nachmittag oder in der Nacht wird, wenn der Tief-Trog über uns hinweg zieht.

Seit Miami haben wir von der US-Küste nichts zu Gesicht bekommen, die war einfach zu weit von unserer Route entfernt. Seit den Bahamas gab es nur „Nimmersatt“, immer nur Meer, Meer, Meer. Dafür aber auch ein paar sehr schöne, gold-orange-rot leuchtende Sonnenuntergänge.

Montag, der Wind nimmt zunächst alle 2-3 Stunden ein paar Knoten zu. Aus 10-12 werden 13-15, dann 17-19, 20-23Kn. Am Abend und in der Nacht sollen es noch mehr werden. Die Wellen sind erstaunlich kurz für den Atlantik, fast wie im Mittelmeer bei Bora oder Schirokko. Nur dort ist es nach ein paar Stunden meist vorbei, wir werden das mindestens 3-4 Tage durchstehen müssen. Die Wetterkarten zeigen, dass einige Kerngebiete des Tiefs knapp über uns durchziehen und bis 50Kn Wind erreichen sollen. Da sind wir froh, wenn es bei uns „nur“ 30Kn werden.

Was machen eigentlich unsere Bordtiger? Die liegen den ganzen Tag im Bett, nachts meistens auch und zwischendurch gehen sie in den Salon zum Futtern. Tagein, tagaus. Das muss bestimmt langweilig sein. Feivel ist ja von Haus aus eher der träge Garfield-Typ, aber Tita sprüht normalerweise vor Schwung und Abenteuerlust. Prompt folgt auch eine Trotzreaktion von Tita. In der Morgendämmerung jagt sie plötzlich übers Deck und will luftigere Höhen entern – wie z.B. den Baum, bricht dann aber wegen der Schaukelei ab und ist frustriert. Sie braucht Bewegung und Aufmerksamkeit, wir brauchen Schlaf und Ruhe. So wird dann eben aus lauter Protest nicht ins, sondern vor das Katzenklo gepinkelt, die Flüssigkeit versickert natürlich in der entsprechenden Bilge bei den Dosen und sorgt für Extra-Arbeit beim Saubermachen.

Die Tage gehen dahin im Einerlei, Bomika geigt und schwankt in den schräg achterlichen Wellen, vor allem, wenn alle paar Minuten ein paar Querläufer daher kommen und versuchen, uns aus dem Kurs zu drücken. Die Windfahne wird damit gut fertig, aber zum Diesel umfüllen und Filter nochmals inspizieren und ggf. wechseln oder reinigen, animieren die manchmal doch recht ruppigen Schiffsbewegungen nicht unbedingt.

Mittwoch, 24.06., 12. Tag auf See seit Old Bahama Island, 24 Segeltage seit Portobelo/Panama. In den frühen Morgenstunden haben wir unser Bergfest, die halbe Distanz zwischen Panama und Portugal ist geschafft. Bis zu den Azoren sind es noch 1.600sm, weitere 1.000sm bis zur Algarve. Zur Feier des Tages schießen auch noch graue Torpedos knapp unter der Wasseroberfläche heran, holen uns ein und zeigen uns ihre Sprünge, während sie neben uns verweilen, vorauseilen und sich dann in großem Bogen wieder von hinten nähern. Die Delphine sind ein gutes Zeichen für uns, dass wir uns auf dem richtigen Kurs befinden und nichts zu befürchten haben.

Ein Tag reiht sich an den anderen, weder Wetter noch See bringen viel Abwechslung. Die Windfahnensteuerung versieht brav ihren Dienst auf dem Vorwindkurs, das dritte Reff lassen wir im Großsegel eingebunden. So passiert nicht viel, wenn eine heftige Böe einfällt, und andererseits würde beim Ausreffen nur die Genua mehr abgedeckt werden und entsprechend weniger ziehen. Der Horizont bleibt immer gleich, das Wellenbild konfus. Eine Hauptrichtung der Wellen ist meist nicht zu erkennen, Wellen aus West, Südwest und Süd mischen sich, stapeln sich aufeinander oder eliminieren sich beim gegenseitigen Aufprall und schaffen eine seltsame Lücke im Gesamtbild des Wasserteppichs. Jeden zweiten oder dritten Tag zieht ein anderes Schiff am Horizont vorbei, einmal ein Segler, ein andermal ein Kreuzfahrer, ansonsten Frachter. Im Übrigen bleiben wir meist allein und unter uns auf dem großen Ozean.

Die Stimmung an Bord wechselt zwischendurch. Ob es an den Riesen-Strecken liegt, die wir seit letzten Dezember zurücklegen, an mangelnden Pausen und Erholungen zwischen den Langstrecken, oder am Näherrücken des letzten Ziels, der Endstation unseres Segelns? Vielleicht ein bisschen von Allem. Vielleicht auch die Angst vor einem Neuanfang in einem Land, das uns in den letzten 7 Jahren fremd geworden ist. Natürlich freuen sich unsere Familien auf unsere Rückkehr und wir uns ja auch auf das Wiedersehen. Aber letztlich hat ja jeder sein eigenes Leben zu meistern und uns erwartet dort nichts außer unseren Familien. Wie in jedem anderen Land müssen wir auch in Deutschland bei Null anfangen mit neuer Arbeit, neuer Bleibe, Integration in die Gesellschaft und das Behördenwesen. Da stellt sich doch ab und an die Frage: „was soll ich da eigentlich?“ Aber wenn man zusammen so viele Jahre auf einem kleinen Schiff verbracht, so viele Abenteuer und Widrigkeiten gemeistert hat, dann werden wir auch diesen Neuanfang gemeinsam schaffen.

28.06., mal wieder ein Sonntag. Morgens um 04:00h wird es bereits hell und wir schiften das Großsegel, segeln nun Schmetterling mit Wind genau von achtern. Schaukeln tut es genauso wie vorher, die Wellen kommen ja nicht alle von achtern, sondern meist schräg. Aber wir wollen auch nicht zu weit nach Süden abschweifen, um dann vor Portugal mühsam wieder nordwärts aufkreuzen zu müssen.

Gegen zehn gibt es ein noch ungewohntes Geräusch, das wir zuerst nicht lokalisieren können. Bis wir die Angelrute sehen, deren Haken wir seit einigen Tagen nachschleppen und die sich doch recht stark nach unten biegt. Schon bald sehen wir auch die große Goldmakrele, die am Ende der Leine hängt und wild zappelt. Kaum haben wir sie eingeholt und von ihrem Leiden erlöst, bricht der Angelhaken ab. Da haben wir richtig Glück gehabt, dass er noch so lange gehalten hat, bis wir das farbig schillernde Tier an Bord hatten. Lisa fängt gleich an den Fisch zu zerlegen und zu filetieren. Am Abend gibt es gegrillte Steaks und jetzt zum Brunch Sashimi – rohen Fisch in Balsamico-Soja Soße mit Wasabi, Zwiebeln und ein paar anderen Gewürzen. Auch Feivel langt herzhaft zu beim frischen Fisch, nur Tita ziert sich. Kurz geschnuppert und dann Kehrtwende – „no me gusto!“ (nicht mein Geschmack) – ob sie mehr auf gebraten steht? Gewürzt, oder in Aspik? Oder ob einfach die Blechdose außen rum fehlt? Wie das eben bei beleidigten Mädels so ist, die Aussprache leidet dabei und undeutlich genuschelte Widerworte bleiben unverständlich.

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Als wir die Vorratsbilgen durchsehen, entdecken wir Bratensaft und ahnen Schlimmes. Eine der eingemachten Fleischkonserven ist undicht geworden, der Schraubdeckel muss sich beim Schaukeln, Stampfen und Geigen gelockert haben. Natürlich wieder ein Glas mit Hühnchen in Currysoße. Das heißt, in den nächsten 2 Tagen gibt es üppige Mahlzeiten – roher Fisch, gebratene Fisch-Steaks und Hühnchen-Curry, das wahrscheinlich auch für 2x langt.

Bis zum 29.06. hatten wir meist gute Etmale von 150sm und sogar darüber. Doch damit ist dann Schluss. Am Nachmittag braust zwar der Wind nochmal auf, aber es ist das letzte Luftholen vor einer langen Flaute. Unsere Fahrt hat nicht gereicht, um wieder weit genug nach Norden zu kommen und so dümpeln wir bereits in der Nacht zum 30. Juni auf dem Atlantik herum. Die wechselnde Strömung schiebt uns mal hierhin, mal dorthin und weil es so schön ist auch im Kreis herum. So zeigt die Logge nach 24 Stunden 20sm Strecke an, doch tatsächlich haben wir unsere Distanz zu Portugal nur um 3sm verringert. So geht es auch die nächste Nacht und den nächsten Tag weiter, eine Änderung ist nicht in Sicht, frühestens am Wochenende. Bis dahin kreiselt die Mitte des Hochdruckfeldes über und um uns herum und lässt uns warten. Natürlich wird jedes Lüftchen ausgenutzt, auch wenn es nur 4Kn. sind, die uns dann mit 1-2Kn vorwärts schieben. Dafür sind wir fleißig mit Segelmanövern beschäftigt – Genua schiften, Bullenstander lösen und Großsegel schiften, dann alles wieder zurück, weil das laue Lüftchen sich dreht, usw. Natürlich muss auch manuell gesteuert werden. Bei den umlaufenden und dermaßen leichten Winden hilft weder die elektrische, noch die Windfahnen-Steuerung.

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Sonnenaufgang, Mondaufgang, Sonnenuntergang. Dazu Flaute, viel mehr gibt es nicht zu sehen – tagein, tagaus.

 

Am Nachmittag des 1. Juli hält das Lüftchen sogar mal länger an als nur eine Stunde oder 30 Minuten. Die langsame Fahrt von anfangs 1,5Kn steigert sich sogar zeitweise bis 3 Knoten. Doch sobald wir zu euphorisch werden, lassen der Wind und damit auch die Fahrt wieder nach. Hoffentlich können wir so wenigstens weit genug nach Norden kommen, um dem Flauten-Kern zu entfliehen.

Zwischenzeitlich beschäftigt uns weiterhin unser Maschinchen, das nach wie vor nicht starten will. Immer wieder Entlüften, alle Filter nochmal ausbauen, Dichtringe prüfen und gut festziehen, wieder Entlüften bis hin zur Einspritzpumpe, den Dieselkanister, der als Tagestank herhält, gut auffüllen. Aber alles hilft nix, der Anlasser funktioniert, der Motor dreht sich und orgelt, bekommt aber anscheinend nach wie vor keinen Sprit – oder liegt es an mangelnder Kompression? Haben wir irgendetwas übersehen? Z.B. Lufteinlass beim Kanister-Tank, oder sollte die Dieselrückführungsleitung auch in den Kanister gehen anstatt in den Tank? Wir sind ratlos und können trotzdem nicht aufhören, uns Gedanken dazu zu machen. Auch in den nächsten Tagen wird deshalb weiterhin probiert: Filter und Verbindungen der Dieselleitung auf- und zuschrauben und auf Dichtheit und Sauberkeit prüfen, entlüften an der Pumpe, am letzten Dieselfilter, an der Einspritzpumpe. Doch die Startversuche schlagen fehl, auch wenn es zwischendurch fast so klingt, als würde es diesmal klappen. Zu viele Startversuche können wir natürlich nicht machen, denn die Starterbatterie geht sonst schnell in den Keller und das Kurzschließen mit den Verbraucherbatterien ist auch nicht so optimal.

Inzwischen ist es schon Samstag, der 4.Juli. Amerika feiert die Unabhängigkeit von England und wir die Wiedervereinigung, denn endlich hat uns eine nette Brise gefunden. Es geht wieder voran, zunächst noch sachte mit 3 Knoten, dann werden 4Kn daraus. Mit etwas Glück sind wir dem Flauten-Hoch endlich entwischt und können wieder Strecke machen in Richtung Azoren und Portugal. Am Abend biedert sich der Wind richtig an und kriecht uns von hinten … in die Segel. Wir schiften die Genua und baumen aus für die Fahrt unter Schmetterlings-Besegelung, denn wir wollen nicht unbedingt weiter südwärts, sondern eher NE bis ENE.

Der Wind bleibt sachte zwischen 3 und 4 Bft. und am Sonntag haben wir das erste Mal seit der Flauten-Woche wieder ein dreistelliges Etmal – nur knapp, aber immerhin! Der Wind nimmt sehr langsam, aber stetig zu und wir kommen gut voran. Der einzige Nachteil bei Schmetterling-Segeln ist das ewige Gieren und Rollen – von links nach rechts und von rechts nach links, keine Welle wird ausgelassen und Bomika legt sich auf jeder Seite ziemlich weit über, als würde sich jemand mit dem ganzen Oberkörper weit über das Balkongeländer lehnen, um einen Blick auf den Balkon darunter zu erhaschen. Als der Wind zwei Tage später am Abend die 20Kn. überschreitet und zudem mehr südlich kommt, beschließen wir: 48Std. Schmetterling und Rollerei sind genug. Der Spi-Baum wird von der Genua abgeschlagen und das Segel geschiftet, der Kurs entsprechend angepasst. Die vorhergesagten 25Kn treffen in der Nacht auch ein und lassen Bomika dahin rauschen, die Logge schwankt zwischen 7 und 8 Knoten, geht zwischendurch sogar auf 9Kn. rauf. Dementsprechend gut fällt am nächsten Tag unser Etmal aus: 171sm in 24 Stunden! Und das ganz ohne Schiebestrom. Nur noch 1.500sm trennen uns von Portugal, die Azoren sind noch 500sm entfernt. Wir werden schon euphorisch und träumen von einer baldigen Ankunft, wollen aber auch nicht den Tag vor dem Abend loben. Wir wissen nur zu gut, dass bis zur Ankunft noch viel passieren kann und uns bestimmt noch ein paar Flauten bevor stehen, die unsere verbleibende Reisezeit ganz schnell auch verdoppeln können.

Lange brauchen wir auch nicht zu warten. Der Wind dreht in den nächsten Tagen von West auf Süd, dann auf Nord und schließlich auf Ost, brav auf die Nase. Die Windstärke schwankt dabei zwischen Fast-Flaute und Starkwind, wie es ihm gerade gefällt. Wir bemühen uns nach allen Kräften, wieder weiter nach Norden und Ostwärts zu kommen. Unsere „Track-Linie“ gerät zum Zick-Zack-Kurs mit Schnörkeln und Schleifen, wo wir in den Flauten zurück oder im Kreis getrieben sind. Die letzten 4 Tage hatten wir kaum Sonne, meist war der Himmel bedeckt von Wolkentürmen und –schlieren in allen Grau-Schattierungen. Wenn auch zwischendurch langsam, so kommen wir doch voran.

Heute ist bereits der 10. Juli, der Wind dreht langsam von Ost über Südost auf Süd. Bis zur Algarve sind es noch knapp 1.300sm, Horta ist noch 300sm entfernt. Mehr oder weniger gemütlich geht es unserem Ziel und den Azoren Inseln entgegen. Der Wind pendelt sich zuletzt bei Südwest ein und wir baumen die Genua aus, damit sie nicht zu sehr flattert und zusammenfällt, wenn der Wind etwas schralt und das Großsegel zu viel Windabdeckung bietet. Nebenbei beschäftigen wir uns weiterhin mit der Fehlersuche am Motor, genauso weiterhin erfolglos.

Am späten Nachmittag des 12. Juli kommt die Insel Faial in Sicht, allerdings ist im Dunst am Horizont noch nicht viel zu erkennen und die Umrisse der Insel könnten leicht auch Wolkengebilde sein. Aber ab und zu erkennt man doch den Unterschied. In der Nacht passieren wir die Inseln Faial und Madalena im Süden, lassen das Lichterband der Städte, Ortschaften und Straßenbeleuchtungen an uns vorüber gleiten. Es sieht aus wie zum Greifen nah, Entfernungen sind in der Nacht eben sehr schwer zu schätzen. Denn laut GPS und Kartenplotter sind wir tatsächlich 10 bis 15sm entfernt.

Horta anzulaufen kommt somit gar nicht in Frage. Bei Nacht in einen unbekannten Hafen, in dem womöglich Bojen und Leinen herumschwimmen, die man bei Dunkelheit nicht leicht erkennt, dazu ankern dort evtl. andere, unbeleuchtete Boote, und das alles ohne Motor und nur unter Segeln, ohne zu wissen, wie viel Raum man hat zum Manövrieren? Nein Danke, das muss wirklich nicht sein.

Als in der Nacht der südöstliche Wind nachlässt und unsere Fahrt sich verringert, wird der nördliche Stromversatz zu groß und wir müssen vorsichtshalber wenden und südwärts segeln, um in der Nacht nicht der Küste zu nah zu kommen. Aber schon nach ein paar Stunden dreht der Wind doch wieder auf Südwest zurück und wir können unseren vorherigen Kurs wieder anlegen. Als der Morgen herauf dämmert und die Lichter erlöschen, ist von den Azoren Inseln nichts mehr zu erkennen. Die östlichste Insel Sao Miguel werden wir voraussichtlich ebenfalls bei Nacht passieren, aber etwa 50sm nördlich. Also werden wir von dieser Insel auch nichts zu sehen bekommen. Wenn wir die portugiesische Festlandküste ansteuern, werden wir laut Wettervorhersage in den letzten 3-4 Tagen Starkwind mit 35-40Kn aus Nord zu erwarten haben. Deshalb werden wir versuchen, uns möglichst nördlich zu halten, um kurz vor dem Ziel nicht noch nach Norden gegen den stürmischen Wind segeln zu müssen. Aber es kann natürlich auch sein, dass sich bis dahin der Wetterbericht wieder ändert.

Dienstag, 14.Juli, 32ster Tag auf See seit den Bahamas, 44 Tage auf See seit dem Verlassen von Panama. Die Azoren lassen wir heute endgültig hinter uns, bis nach Portimao in der Algarve sind es noch knapp 800sm. Unsere Gedanken schweifen zurück in die Vergangenheit, zu den Ländern, die wir besucht haben, unsere erlebten Abenteuer und die Menschen, die wir unterwegs getroffen haben. Aber auch in die Zukunft, was uns wohl erwartet, wie unser Neustart in Bayern klappen wird, was uns auf der restlichen Strecke noch erwarten wird. Seit unserer Abreise in Raiatea, franz. Polynesien im Dezember 2014 haben wir in den vergangenen 8 Monaten bereits über 14.000sm hinter uns gebracht, rund 2.800sm liegen noch vor uns bis Kroatien. Für so eine große Strecke würde man unter normalen Umständen mindestens 3 Jahre veranschlagen. Nochmal würden wir uns sicher nicht so abhetzen, auch wenn die Finanzen mehr als knapp sind.

Obwohl es nachts und öfters auch mal tagsüber recht bedeckt ist, merken wir den Sommer. Es ist zwar nachts inzwischen empfindlich kühl und vor allem sehr feucht, aber tagsüber können wir immer noch an Bekleidung sparen. So warm wie im Karibischen Meer oder auf Old Bahamas ist es jedoch längst nicht mehr. Seit Mitte Juni ist die Durchschnittstemperatur von 33°C auf 22-26°C gesunken, die Wassertemperatur hat sich auch entsprechend um fast 10°C reduziert. Wie wir wohl unseren ersten Winter in Bayern nach 8 Jahren empfinden werden?

In der nächsten Woche geht es etwas wechselhaft dahin. Der Wind dreht von SW auf West, dann über NW auf Nord. Außer in Flauten-Zeiten, in denen er rund um die Kompassrose dreht. Die Windstärke wechselt ebenfalls zwischen starkem Wind, moderatem Wind und leichtem Wind, der Himmel ist meist recht bedeckt und die Sonne blinzelt nur stundenweise. Die Reff-Leine des zweiten Reffs bricht in dieser Zeit, der Schaden ist aber schnell wieder behoben und das Großsegel steht wieder richtig. Ansonsten war die Woche recht ereignislos. Auch die weiteren Versuche, den Motor in Gang zu bringen, sind fehlgeschlagen, somit auch an dieser Front nix Neues.

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e_P1050125Kurz vor dem Ziel am vorletzten Tag wird der Wind ganz schön wechselhaft. Mal weht er mit 15Kn, mal stürmt er mit 30-35Kn, in Spitzen sogar bis 40Kn. Mal rauschen wir mit über 8Kn Fahrt dahin, mal dümpeln wir mit 2Kn vorwärts. Im Großsegel sind 3 Reffs eingebunden, die Genua durch die Kutterfock ersetzt. Da es jeden Moment wieder kacheln kann, lassen wir diese magere Besegelung auch bei weniger Wind stehen. Zu schnell und zu häufig passieren die Veränderungen der Windstärke. Ob wir es noch in der Dämmerung bis Portimao schaffen oder erst mitten in der Nacht ankommen werden, steht deshalb bis zuletzt in den Sternen. Aber natürlich wird es Mitternacht. Der zunehmende Mond bietet nicht genug Licht, um die Küste und den Übergang von Land zu Wasser klar zu erkennen. Deshalb wollen wir etwas aufkreuzen, um dann bei Morgendämmerung vor der Hafeneinfahrt zu stehen. Doch auch daraus wird nix. Der Wind lässt immer weiter nach, kaum dass wir an Portimao 2sm vorbei sind. Wir treiben erst ostwärts, dann südwärts. Selbst bei Tagesanbruch und den überwiegenden Teil des Vormittag verfolgt uns Flaute. Nur für kurze Zeit zwischendurch findet uns ein Lüftchen mit 5-6Kn Wind, jede Minute davon wird ausgenützt, um wieder näher an Portimao heran zu kommen. Am Nachmittag geht das dann flotter – der Wind steigert sich wieder und klettert auf 16Kn, 20Kn und 25Kn. Die Richtung schwankt dabei erst noch in weitem Bogen, mal Süd, dann Nord, dann West. Wir kommen kaum nach, die Segelstellung und die Windfahne entsprechend anzupassen. Aber letztlich entscheidet sich Äolus für Nordwest und wir nähern uns der Mole zur Flusseinfahrt. Der Anker wird noch vorbereitet und aus der Halterung gelöst, damit beim Manöver auch alles klappt und schnell geht. Und dann geht es wirklich schnell – schon sind wir an der Mole vorbei und schwenken in den Ankerplatz ein, auf dem schon etliche Schiffe ankern. Einen Platz ausgucken und die Entfernungen zu den anderen Booten und deren Anker schnell abschätzen, ein Auf-Schießer in den Wind und „lass fallen Anker“ ….ups – „ Nein, noch nicht!“, wirr stoppen zu früh auf, dann reicht der Platz nicht nach hinten. Abfallen, die Segel wieder mit Wind füllen und dabei an einer anderen deutschen Yacht entlang kurven, ein neuer Anlauf. Beim zweiten Mal klappt es, der Anker rauscht aus, wir treiben achteraus und straffen die Ankerkette, diesmal passt alles. Segel bergen, Kette auf die richtige Länge stecken und mit Ruckfender versehen, ein letzter Logbucheintrag. 53 Segeltage waren wir seit Portobelo in Panama unterwegs, 5.900sm haben wir dabei zurückgelegt. Wir sind angekommen, liegen vor Anker in Portimao. Irgendwie können wir das noch gar nicht glauben. Unsere Nachbarn Bernd und Birgit von der „Rebell“, auch eine Bavaria Ocean, nur etwas kürzer und älter, kommen kurz zur Begrüßung vorbei: „Wir kennen Euch, aber ihr uns noch nicht“, doch dem wird schnell abgeholfen. Schon die ganzen Jahre verfolgen die Beiden unsere Webseite, haben sich vor wenigen Jahren das Schiff gekauft und in liebevoller Kleinarbeit komplett überholt, bevor sie auf ihren „großen Törn“ gestartet sind. Sie haben sich schon gewundert, warum wir uns beim Ankermanöver mit den Segeln quälen anstatt die Maschine zu benutzen. Dafür werden sie uns am nächsten Tag zur Werft fahren, damit wir gleich einen Termin mit dem Mechaniker vereinbaren können. Aber erst wird es Zeit, noch das Schiff etwas aufzuklaren (aufräumen an Deck und in der Kajüte) und bald schlafen zu gehen – endlich mal wieder ohne Nachtwachen.

Mi – Fr, 20.- 12. Jun 2015 (Panama, Portobelo und unterwegs bis Bahamas)

Noch bevor wir für die Abreise fertig hergerichtet sind, nimmt das Unglück bzw. besser gesagt „Murphy’s Law“ (ein Unglück kommt immer zu dritt) seinen Lauf und überredet uns zu ein paar Tagen Verlängerung. Als erstes geht der Außenborder kaputt. Er röhrt beim Zurückfahren wie ein Elch, rattert und kracht als würden gleich alle Zahnrädchen (die er gar nicht hat) davonspringen. Der kleine 13 Jahre alte Tohatsu 3.5 bringt uns aber gerade noch gut zur Bomika. Am nächsten Tag ist dann aber Essig und er startet erst gar nicht. Vermutlich ist die Antriebsachse, die das Starterseil bzw. die Startfeder mit dem Motor verbindet, gebrochen. Kein Beinbruch, denken wir, bis wir ihn wieder gebrauchen können sind wir in Portugal und Ersatzteile leicht zu bekommen. Nichts, was sofort erledigt werden muss. Ansonsten lässt sich unser Feststoff-Dinghy ja hervorragend rudern, wie es in Patagoniens Kanälen bewiesen hat.

Pünktlich am Donnerstag ist unser Blister fertig, Rainer hat ganze Arbeit geleistet. Jetzt haben wir wenigstens für Unterwegs auch ein Leichtwindsegel, denn Genua, Fock und Großsegel sind aus recht festem und dickem Tuch, damit es auch einiges aushält. Letzte Einkäufe werden noch erledigt, frische Kartoffeln, Gemüse und Eier müssen noch her. An unserem vermeintlich letztem Tag in Portobelo weint auch der Himmel: Regen und noch mehr Regen. Am Abend nach dem Verabschieden schleppen uns Rainer und Birgit mit unserem Schlaucherl zurück und ersparen uns das Rudern.

Auch die ganze Nacht bleibt uns der heftige Regen erhalten. Die Mücken scheinen das zu lieben, wenn alles feucht, klamm oder pritschnass ist und sind nach wie vor fleißig am Stechen und Saugen, während wir die Amme für sie spielen. Bei der üblichen, folgenden Juckorgie fühlen wir uns wie in einem Ameisenhaufen begraben. Schlechte Voraussetzungen für einen guten Schlaf, der uns seit Tagen wegen der Plagegeister abgeht.

Der Regen scheint auch am nächsten Tag nicht enden zu wollen, aber dann klart es am späten Freitagvormittag doch noch auf und sogar die Sonne lässt sich kurz blicken, bevor der Regen dann doch wieder einsetzt. Wir sind wegen der Abreise noch etwas unentschlossen, studieren Wetterberichte, die sich jeden Tag ändern, Wind- und Stromkarten. Aber auch am Samstag versprechen die Wetterfrösche in ihren Grib-Files nichts Gutes: kräftigen Wind aus Nord und Wellen bis zu 4,5m, nicht unbedingt das Richtige, um gegen an zu segeln. Wir entschließen uns, noch einen oder zwei Tage zu warten, bis das Schlimmste vorbei ist und sich wenigstens das Karibische Meer etwas beruhigt hat.

Was haben Segler an einem Pfingstsonntag zu tun? Nun, wir wechseln vorsichtshalber noch den Keilriemen am Motor. Der alte Riemen fängt an zu pfeifen, bis er warm gelaufen ist. Dabei wird auch gleich der große Vorfilter für die Seewasserkühlung gesäubert. Beim anschließenden Probelauf läuft es wunderbar, doch auf einmal kommt kein Kühlwasser mehr durch den Seewasser Kühlkreislauf und der Motor überhitzt. Ein Kühlschlauch beim Eintritt in die Wasserpumpe ist gebrochen. Kein großes Problem und bald behoben. Neuer Testlauf, aber das Ergebnis bleibt das Gleiche. Der Impeller wird überprüft, ist aber in Ordnung und zeigt keine Abnutzungserscheinungen. Weitere Versuche machen uns ratlos. Vorsichtshalber wird der Impeller trotzdem gewechselt. Durch den Kühlwasserzulauf kommt auch ordentlich Wasser rein, sobald das Ventil geöffnet wird. Also wo liegt das Problem? Nochmal in Ruhe alles durchdenken, alles auf weitere Leckagen prüfen, nichts. Schließlich wird nach reiflichem Überlegen der Wasserfilter nochmal geöffnet und die Gummilippe abgezogen und neu befestigt. Das Seewasser-System noch mit Wasser vor-befüllen und siehe da: es funktioniert alles wieder wie es soll. Also hatte die Gummilippe am Wasserfilter wohl nicht richtig dicht gemacht und die Entstehung eines Vakuums zum permanenten Ansaugen verhindert.

Nachdem das Problem behoben ist, bleibt sogar noch Zeit, unsere Bilder von Panama ins Internet hochzuladen, zum Losfahren ist es schon etwas zu spät geworden und wir von der schweißtreibenden Arbeit geschafft. Allerdings muss die Arbeit nicht unbedingt schwer sein, um hier in heftigstes Schwitzen auszubrechen und Sturzbäche am ganzen Körper auszulösen. Das kommt von der Hitze ganz von selbst und wird bei Arbeiten in der entsprechend dampfigen Kajüte eben noch gefördert. Rainer und Birgit holen uns am Abend noch mit dem Dinghy ab und bringen uns an Land – in den Kreis der Segler in der Casa Vela. Auch Akim kommt noch vorbei, mit dem wir uns prächtig verstehen und unterhalten. Kurzfristig springt er für ein anderes Schiff bei einer Charterfahrt ein, die sonst wegen Motorschaden abgesagt werden müsste. Dafür muss er noch vieles Vorbereiten und gegen Mitternacht auslaufen, um am Morgen in den San Blas Inseln die Chartergäste abzuholen. So bleibt wenig Zeit, unseren gemütlichen und interessanten Plausch zu vertiefen.

In der Nacht zieht noch ein heftiges Gewitter direkt über das Ankerfeld, begleitet von sintflutartigem Regen. Die Luken sind alle geschlossen, keine frische Luft kommt ins Schiff, doch auf einmal ergießt sich bei jeder Schaukelbewegung im Schwell ein Schwall Wasser über uns aus. Ist die Decke undicht, gar aufgerissen? Mit Nichten, aber die Dorade-Lüfter sammeln in ihren Hutzen wohl so viel Wasser, dass es nicht mehr abläuft sondern nach innen plätschert. Das wissen wir aber erst, nachdem die Deckenverkleidung abgeschraubt ist und die Isolationsmatten entfernt sind, denn das Wasser sucht sich ja bekanntlich seine eigenen Wege. So ist die Ursache schon mal gefunden und wir benutzen einen alten Duschvorhang, um die Lüfter Hutzen von außen abzudecken. Ein wenig Wasser kommt noch durch, da der Duschvorhang etwas zu klein ist für beide Lüfter, aber nicht mehr schlimm. Polster, Bettzeug und herbeigeholte Badetücher sind derweil voll Wasser gesogen und müssen getrocknet werden. An Schlaf ist in dieser Nacht nicht zu denken.

e_P1040926Auch am nächsten Morgen, Pfingstmontag, regnet es weiter. Das Wasser in der Bucht ist braun und voll mit Baumstämmen, Ästen und anderem Unrat, der langsam aus der Bucht treibt. Mit Abfahren wird es heute somit wieder nichts, denn das Problem der Dorade Lüfter muss erst noch beseitigt werden. Kein leichtes Unterfangen bei so viel Regen. Die Mücken hat das Wasser von oben auch nicht abgeschreckt – oder haben sich alle in unserer Kajüte eingenistet? – jedenfalls sind wir wie jeden Tag hier fürchterlich zerstochen und gebissen. So langsam gehen wir als Streuselkuchen durch und der Schlafmangel macht sich bemerkbar. Wir werden leicht gereizt und mürrisch, was natürlich auch an den neuen Arbeiten liegt, die sich uns in den letzten Tagen frisch präsentiert haben.

Dienstag, der 26. Mai. Sollen wir heute losfahren oder doch erst am Donnerstag? Wir sind hin- und hergerissen. Einerseits drängt die Zeit und wir wollen Strecke machen, andererseits werden die nächsten 2 Tage noch recht kräftige Winde gegenan erwartet und die Wellenhöhe beruhigt sich auch noch nicht. Dazu wird die nasse Wäsche und die Polster in der Kajüte nicht trocken und miefen fürchterlich. Am besten wäre nochmal waschen, noch besser mit Trockner. Letztere sind hier zwar Mangelware, aber einen gibt es doch: bei Captain Jack, der oben am Hügel eine Bar/Restaurant mit Hostal und Wäscheservice betreibt. Wenigstens einen Tag zum Entspannen und Erholen wäre auch nicht schlecht. Schließlich entscheiden wir uns, wir bleiben noch! Auf die 2 Tage kommt es auch nicht an, was uns unterwegs für Wetter erwischt, steht sowieso in den Sternen, trotz heutiger 10-Tage Vorhersagen.

Alvaro soll gegen Mittag wieder in Portobelo ankommen, so machen wir unser GFK-Dinghi klar und rudern zur Casa Vela. Von Alvaro keine Spur, aber auf dem Tagesmenü steht was von Schweinshaxe mit Sauerkraut und Stampfkartoffeln. Die können wir uns schwer entgehen lassen, auch wenn die Portionen (bzw. die Schweinefüßchen) recht klein sind. Wir bringen die Wäsche zu „Jacks“ oben am Dorf Hang, um nicht nur seine Waschmaschine, sondern auch den einzigen funktionierenden Trockner im Ort zu benutzen, damit die Wäsche auch trotz zu erwartenden Regen rechtzeitig trocken wird. Alvaro taucht auch bis zum Abend nicht auf und wir wundern uns, was wohl passiert ist – Flieger verspätet, Flug annulliert, Verkehrschaos in Panama City, Probleme mit dem Zoll? Oder vielleicht Dienstag und Donnerstag verwechselt bei der englischen Übersetzung? Na, er wird sich schon noch melden. Das tut er auch, aber erst nach seiner Rückkehr nach Santiago. In Panama hatte weder Mobiltelefon noch Internet seines panamaischen Anbieters funktioniert. Sowas kommt eben vor, wie wir aus eigener Erfahrung wissen.

Die kleinen Kätzchen in der Casa Vela gewöhnen sich schon an Festfutter aus der Dose, aber die Mami-Milli schmeckt halt doch noch am Besten, auch als Nachtisch.e_P1040928e_P1040931

An unserem geplanten „Ruhetag“ vor der Abreise wachen wir Zerbissen wie bisher auf. Immerhin hat aber die frische Aloe Vera von Birgit etwas geholfen, das Jucken zu lindern. So konnten wir zwar nicht durchschlafen, aber doch in längeren Etappen. Nachdem die letzten Tage keine Sonne die Solarzellen beglückte, wollen wir den Motor für 2 Stunden laufen lassen, um die Batterien aufzuladen. Alles prima, denken wir noch, doch dann riecht es irgendwie komisch. Entweder hat „Murphy“ das Zählen verlernt oder berücksichtigt den Außenborder nicht, da wir ihn nicht gleich repariert haben. Jedenfalls gibt es heute noch Arbeit. Der Laderegler im Motorraum sowie seine Kabelsicherungen zu den Batterien sind durchgeschmurgelt. Der Regler, fest in dickes Plastik eingeschweißt, hat ein kleines schwarzes Loch, die 50A Sicherungen sind schön verschmolzen. Nur gut, dass ich den ursprünglichen Regler zur Verteilung des Ladestroms auf Batteriebank und Starterbatterie noch habe. Natürlich sind die Anschlüsse zu ändern und neue Kabel mit den passenden Endstücken zu versehen. Auch die andersartige Installation der Kabel will gut überdacht sein. Doch innerhalb eines halben Tages ist es vollbracht und funktioniert wieder prachtvoll. Wir sind froh, dass uns das nicht alles unterwegs passiert ist. Zumindest gibt uns das ein besseres Gefühl, gerüstet zu sein. Was uns unterwegs dann doch noch an solchen Sächelchen heimsucht, wissen wir ja noch nicht.

Donnerstag, 28. Mai. Heute ist es endlich soweit! Die letzten kleinen Vorbereitungen, eine Tasse Kaffee und ein kleines Frühstück, dann holen wir um 09:30h langsam die Ankerkette hoch. Nebenbei wird mit dem Schrubber der gröbste Dreck an Schlamm abgebürstet und mit Eimern Seewasser geduscht, damit sich nicht alles im Ankerkasten sammelt und dort vor sich hin modert. Das Großsegel haben wir noch am Anker gesetzt, vorsichtshalber mit 2 Reffs. Nachdem die Bucht von Portobelo hinter uns liegt, setzen wir auch noch die Genua und schalten die Maschine aus. So kreuzen wir brav auf gegen den Nordwind. Zwischendurch ziehen Squalls durch, die uns mit Wasser von oben überschütten und den Wind fast verdoppeln. Zwischendurch darf auch der „eiserne Gustav“ von Volvo nochmal als Zugpferd herhalten, wenn der Wind zu sehr abflaut und sich dabei im Kreis dreht: aus Nord, aus Ost, aus Süd, dann wieder aus Nord. An Segeln oder gar Aufkreuzen ist da nicht zu denken. Aber jedes Mal meldet sich der Wind auch wieder anständig zurück und die Maschine kann nach wenigen Stunden wieder schweigen.

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Samstag bläst der Wind mit satten 20Kn und am Abend binden wir vorsichtshalber das dritte Reff ein, denn nachts müssen wir mit mehr Wind rechnen. Dafür werden wir am Morgen mit einem guten Etmal (zurückgelegte Distanz in 24Std) belohnt: 155sm haben wir geschafft! Das war zuletzt unsere Spitzenleistung auf der Überfahrt von Chile zu den Gambier Inseln.

Den Sonntag feiern wir – der Wind und die Crew der Bomika – getrennt und auf unterschiedliche Weise. Der Wind pfeift sich eins und stimmt mit 25-30 Knoten eine Arie an, wir lassen den Wassermacher laufen für Frischwasserproduktion und werden nach 2 ½ Std. mit überschwemmten Bilgen und der darin gelagerten Lebensmittel belohnt. Eine Schraubverbindung der Leitung bei der Hauptpumpe hat sich gelöst und alles Wasser brav über die Salonkoje in die Bilgen gepumpt, bis die Membrane Alarm schlug, weil kein Wasser zum Entsalzen bei ihr ankam. Und das bei diesem Wind von vorn und entsprechender Schräglage, von den Bootsbewegungen mal ganz zu schweigen. e_P1040938Die Säuberungsaktion von Bilgen und Lebensmitteln hat zwei Tage in Anspruch genommen. An diesen Tagen sind auch besonders viele Squalls durchgezogen, die den Wind noch auf 30-35Kn hochgepuscht haben. Das hätte ja nicht wirklich sein müssen! Durch den starken Wind haben wir allerdings auch mit enormen Geschwindigkeiten „belohnt“: unsere Fahrt durchs Wasser erreicht 7-8Kn plus nochmal 2Kn Schiebestrom. So rauschen wir mit bis zu 10Kn Fahrt dahin. So schnell waren wir sonst nur im Kanal Chacao, Chile, bei der starken Strömung mit 5-8Kn. Selbst nach dem Bergen des Großsegels machen wir noch 8-9Kn Fahrt. Normal ist das ja nicht. Aber seit wann läuft bei unserer Reise irgendwas normal?

Nachdem wir später das Cap von Nicaragua und Honduras hinter uns gebracht haben, lässt der Wind etwas nach. Doch noch in der Nacht heult er wieder mit knapp 30Kn, gefolgt von einem heftigen Squall, der noch etliche Knoten Wind dazu gibt und als i-Tüpfelchen auch noch einen sintflutartigen Regenschauer mit Gewitter, der gar nicht mehr aufhören will. Immerhin, die Dorade-Lüfter sind dicht geblieben! Auf See hätten wir das Dilemma aus Portobelo nicht gebrauchen können. Es regnet fast den ganzen Tag, der Wind schwächt mal ab, dreht sich und kommt kräftiger zurück. Reffen und Ausreffen wechseln sich ab.

e_P1040944Seit unserer Abfahrt haben wir die Sonne kaum gesehen, der Windgenerator schaltet sich zu oft ab wegen zu hoher Windgeschwindigkeiten und so wird der Strom nach 6 Tagen doch etwas knapp. Wir wollen den Motor zum Aufladen benutzen, aber es kommt kein Saft bei den Batterien an. Was ist denn diesmal los? Ganz klar, die Kabel vom Laderegler zu den Batterien stammen vom vorigen Super-Modell und beinhalteten eine 50A-Sicherung, die beide durchgeschmort sind. Außerdem funktioniert die Rückmeldung von den Batterien zur Lichtmaschine nicht richtig, der originale Temperaturfühler ist nicht mehr vorhanden und durch eine andere Kabelverbindung ersetzt worden. Was ist zu tun, was können wir tun, was war die Ursache? Erst gründlich überlegen, dann probieren, heißt die Devise. Solche Sicherungen haben wir keine an Bord. Nur am Landstrom-Ladegerät werden noch solche verwendet. Da wir den aber lange nicht brauchen werden, könnten wir diese ersatzweise verwenden. Doch macht das Sinn? Wenn die Lichtmaschine 60A liefert, sind 50A sowieso zu wenig und ein Durchbrennen vorprogrammiert. Das „Rückmeldekabel“ von der Starterbatterie zur Lichtmaschine sollte eigentlich an die Batteriebank. Der vorige Laderegler hat ja immer zuerst die Starterbatterie geladen und erst den „Überschuss“ in die Batteriebank geladen. Das macht für uns aber nicht so großen Sinn und führt zu Ärgernissen, wenn die Starterbatterie schon älter ist, der Saft aber dringend bei den Verbraucher Batterien benötigt wird. Also neue Kabel zubereiten, das Rückmeldekabel auf die Batteriebank wechseln und die Anschlüsse am Regler zwecks vorrangiger Batterieladung ändern. Die Sicherungen bleiben dabei draußen. Bei der doch recht wilden Schaukelei kein leichtes Unterfangen, aber irgendwann ist es doch geschafft und kann getestet werden unter genauer Beobachtung von Batterie-Spannung, Ladestrom und einer evtl. möglichen Erwärmung der Batterien durch Überladung. Aber alles klappt wunderbar wie es soll, ein richtiges Erfolgserlebnis – denn wir sind als Laien von ganz allein darauf gekommen!

Auch der Wassermacher kommt noch dran – was getan ist, ist getan. Wir hatten das gleiche Problem schon einmal und haben zur Abhilfe von undichten Schraubverbindungen Teflon Band verwendet. Aber genau das ist bei Schraubverbindungen aus Plastik verkehrt, denn es macht die Rillen zu und lässt nicht genug Gewindestärke übrig, um langfristig bei Druck zu halten. Sicherheitshalber wird der kurze Leitungsabschnitt, der 3 Schraubverbindungen enthält, mit Kabelbindern gegen das herausrutschen gesichert. So kann man auch seine Tage verbringen – schwitzend, tropfnass in einer dampfigen Kabine, sich dabei Rücken, Arme und Hände verrenkend, um diverse Problemchen zu beheben. Ist ungefähr wie „von hinten durch die Brust ins Auge“, na viel Glück bei der Trefferquote.

Auch die Säuberung der Bilgen dauert seine Zeit, denn immer wieder läuft etwas dreckiges, salziges Wasser zusammen, das sich über die Stringer, in denen auch die Kabel verlaufen, auf nahezu alle Bilgen-Abteile verteilt.

Am 03.06. lässt sich wenigstens die Sonne für 2 Stunden am Wolken bedeckten Himmel blicken. Feivel liegt im Cockpit und räkelt sich. Wahrscheinlich träumt er von besseren Zeiten, als die Fische noch freiwillig an Bord hüpften um gefressen zu werden, wie wir es bei unserer Atlantiküberquerung 2010 hatten. Dummerweise hatten die Fische schon damals vergessen, sich vorher einzudosen, damit es auch einem verwöhnten Kater schmeckt. So sind damals viele der Kamikaze-Leichen unberührt wieder zurück ins Meer befördert worden. In der Sonne getrockneter Fisch war eben genauso wie frischer auch nicht das Richtige. Derweil geht es mit rund 4Kn gemütlich dahin, dem Yukatan Kanal entgegen, der die mexikanische Halbinsel gleichen Namens von Cuba trennt.

Natürlich treibt auch der Wind – wie üblich – seine Spielchen mit uns. Wenn er viel kräftiger bläst als von den weltweiten Wetterfröschen vorhergesagt, ist das ja ganz normal. Wir Segler sind ja daran gewöhnt und kalkulieren das möglichst mit ein. Wenn er aber ganz abrupt in Richtung und Stärke schwankt, als wüsste er nicht, was oder wohin er will, wird es schon schwieriger. Denn unter Umständen wird dabei der Wendewinkel beim Aufkreuzen zu groß und man segelt quasi „rückwärts“, da man keinen Fortschritt in der vorausliegenden Distanz erzielen kann. Wir versuchen unser Bestes und kreuzen brav im Yukatan Kanal, um endlich diese Hürde zu schaffen. So geht es ein langes Stück nach West-Nord-Westen, dann zurück ostwärts. Strom und Wind versetzen uns dabei jeweils um ca. 30° in jeder Richtung. Am Abend des 04.06. queren wir das Verkehrstrennungsgebiet für die „Biggies“ vor Cubas Westküste. Über Cuba zieht ein heftiges Gewitter, bei uns lässt der Wind kräftig nach. Mit 1,5Kn Fahrt kommen wir gegen die Strömung nicht an, die uns entsprechend versetzt. Also müssen wir für wenige Stunden den Motor hinzuziehen, um die restlichen Meilen nordwärts zu kommen zwischen Küste bzw. Riff und den Verkehrswegen für die Großen. Auch gilt es noch, zwischen dem Außenriff von Cuba und dem Flach San Antonio hindurch zu kommen. Danach haben wir wieder mehr See Raum zur Verfügung zum Aufkreuzen inkl. Abdrift, Stromversatz und Windschwankungen.

Noch in der Nacht geht der Wind soweit zurück, dass nicht mehr an Segeln zu denken ist. Erst am Freitag gegen Mittag ändert sich das, als ein sehr heftiger Squall uns für etwa 2 Stunden beglückt mit 30Kn Wind. Danach dauert es noch eine ganze Weile, bis sich auch die kurzen, steilen Wellen wieder einigermaßen beruhigt haben, der Wind verabschiedet sich schon eher in den Feierabend. Wir versuchen, weiter zu segeln, bis wir unseren Kurs nicht mehr halten können und auch Aufkreuzen wegen dem großen Stromversatz nicht mehr funktioniert. In der folgenden Nacht geraten wir in einen Gewittersturm, der sich gewaschen hat. Der Windmesser klettert bis auf 40Kn, rings um uns blitzt es gewaltig und erhellt die ansonsten pechschwarze Nacht. Auch diesmal dauert es gute 2 Stunden, bis sich der Wind einigermaßen ausgetobt hat und von seinem Geschwindigkeitsrausch ablässt.

Den 06.06. streichen wir in unserem Kalender rot an: endlich lässt sich die Sonne wieder richtig blicken! Auch wenn es gleich stickig heiß wird, tut es doch gut, den stechenden Planeten zu sehen anstatt nur Wolkenbänke grau in grau oder mit unheilvollem Schwarz durchzogen. Über den Vormittag schläft sich der Wind noch aus, doch dann pustet er wieder, diesmal recht moderat mit 10-14Kn. Inzwischen ist auch der Strom am kentern, anstatt gegen uns zu drücken, schiebt er immer mit. Also gute Bedingungen zum Aufkreuzen! Einen kleinen Haken gibt es dabei aber doch. Irgendjemand will es uns nicht zu leicht machen, voran zu kommen. Kaum ist unser Schiffchen auf Kurs, dreht der Wind um 30-40° und kommt zu weit von vorne. Die Segel killen, wir verlieren rapide Fahrt und die Windfahnensteuerung kommt nicht so schnell mit. Der Kurs wird angepasst, wir nehmen wieder Fahrt auf und auch der Wind dreht zurück. Prima!, denken wir und freuen uns, wieder auf den alten, für uns besseren Kurs gehen zu können. Kaum getan, überlegt es sich der Wind wieder anders und dreht zurück. Das ganze Spiel beginnt von vorn und der Wind wird wohl nie müde, es mit uns zu spielen. Wenigstens ist es mal wieder ein sonniger Tag, schon der Zweite auf unserer Reise. Sonnige Tage sind eben in der Karibik auch nicht so häufig, wie man sich das von den schönen Bildern und Farbfotos so vorstellt. Aber das kann auch an der Jahreszeit liegen, Juni/Juli sind ja die Regenmonate in der westlichen Karibik und Mittelamerika.

Nur irgendwie scheint unsere Bomika weniger Fahrt zu machen als üblich. Das Messrädchen im Bug wird ausgebaut, sieht aber sauber aus. Trotzdem, nun, wo es schon mal heraus ist, schadet auch ein Spülgang nicht. Wieder eingebaut zeigt sich keine Änderung. Ansonsten läuft es ja auch prima. Vielleicht muss die Anzeige neu kalibriert werden?

Wir bekommen die eher dürftige Skyline von Havanna zu sehen, allerdings nur aus ein paar Meilen Entfernung. Nachdem der Wind etwas dreht und uns immer näher an die Küste Cubas trägt, biegen wir ab, sprich wenden, und halten auf die Florida Keys zu. Dabei gilt es möglichst das militärische Übungsgebiet der Marine nicht zu durchfahren. Der nördliche Wind hilft uns dabei, Strecke nach Ost gutzumachen, bis wir doch weiter Aufkreuzen müssen. Der erste Schlag geht weiter nach Norden bis knapp vor die 100m Tiefenlinie vor Marathon, eine der vielen Inseln der Florida Keys. Danach südöstlich Richtung Cuba. Mittags ist gerade vorbei, da läuft Bomika immer wieder aus dem Ruder, lässt sich nicht mehr richtig steuern bzw. hat Probleme, den Ruderbefehlen auch Folge zu leisten. Auch die Windfahnensteuerung wird es zu viel, obwohl sie sich redlich abmüht. Unsere Fahrt reduziert sich auf die Hälfte als hätte Bomika zähklebrigen Teer an ihren Fußsohlen. Da stimmt doch was nicht, das kann nicht sein! Aber was ist die Ursache? Irgendwas muss an unserem Rumpf hängen. Wir probieren es mit Wenden und Halsen unter Segeln und ein erstes Büschel Gestrüpp und Algen löst sich. Das Ruder ist etwas leichtgängiger, aber das Schiffsverhalten bleibt bockig. Also bergen wir die Genua und werfen unser Motörchen an, um weitere Manöver zu fahren – Kreise nach links und rechts, volle Pulle rückwärts gegen die Wellen und mit den Wellen. Schließlich hat es doch etwas geholfen, wirr gehen auf Kurs zurück, entrollen unsere Genua und stellen den Windpiloten wieder ein. Schon füllen sich die Segel mit Wind und wir rauschen dahin mit über einem Knoten mehr als in den letzten Tagen. Da müssen wir unterwegs ganz schön was an Kraut, Algen und sonst was eingesammelt haben, aber das Übel scheint beseitigt und Bomika tanzt freudig auf den Wellen des Passatwinds wie eine Ballerina auf ihrem Debüt. Unser Kreuzschlag nach Südosten in Richtung der Water Cays und Muerto Cays – brrhhh, was für ein Name, aber immerhin sind es ja doch gefährliche Untiefen, zieht sich hin bis 23:00h. Aber bevor wir denen zu nahe kommen, gehen wir wieder auf nördlichen Kurs.

Wie in den meisten Nächten bekommen wir auch diese Nacht wieder eine kostenlose Light- and Effect Show geboten. Irgendjemand muss da kräftig im Disco-Fieber sein. Rings um uns herum blitzt es alle Daumen lang und erhellt die dunkle Nacht, der Mond lässt auf sich warten, bevor er über dem Horizont erscheint. Vielleicht war ihm die Beleuchtung zu hell oder er fürchtet sich bei Gewitter? Wir beobachten das Schauspiel mit gemischten Gefühlen. Wie leicht kann ein Blitz bei uns einschlagen, wenn unser Mast der einzige weit und breit auf See ist? Aber die Blitze sind ja doch auch eine ganze Strecke weg von uns, auch wenn das manchmal schwer abzuschätzen ist so ganz ohne Donner.

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Die Skyline von Miami

 

Auf dem Schlag nach Norden machen wir ordentlich Fahrt. Hat uns südwärts die Strömung gebremst, schiebt sie uns jetzt kräftig an und wird immer stärker. Trotz unseres Reffs rauschen wir mit 9Kn dahin, viel zu schnell unserem Ziel entgegen. Auch als der Wind nachlässt und anstatt mit 20Kn nur noch mit 10Kn bläst, sind wir noch mit rund 7Kn unterwegs. Damit wird klar, wir werden Settlement Point auf Great Bahamas Island auf jeden Fall in der Nacht erreichen. Solange der Wind noch aus E bis NE weht, müssen wir auch das Großsegel noch stehen lassen, da wir unter Genua alleine nicht so hoch an den Wind kommen und damit an Floridas Küste landen würden. Mit etwas Glück wird sich Äolus gegen Mittag etwas umdrehen, damit wir einen östlicheren Kurs zu den Bahamas anlegen können und dabei aus dem stärksten Strom von 3-4Kn heraus kommen. Ggf. werden wir eben in der Nacht südlich von Settlement Point aufkreuzen bis zur Dämmerung. Laut unserer Logge haben wir seit Portobelo 1.390sm über Grund zurückgelegt und dabei 1.180sm Distanz geschafft. Die Differenz von 210sm ergibt sich aus den notwendigen „Umwegen“ beim Aufkreuzen gegen den Wind.

Die letzten Tage hatten wir über Funk täglichen Email-Verkehr mit „Schiwa“, die zur Zeit auf den nördlichen Bahamas unterwegs sind. Wir kennen die beiden Segler noch aus Gomera, Barbados und Grenada und freuen uns natürlich auf ein Wiedersehen. Das ist eine einmalige Gelegenheit für ein kurzes Treffen auf den Bahamas. Ein Stopp dort war zwar nicht vorgesehen, liegt aber direkt auf dem Weg und eine kleine Verschnaufpause schadet uns auch nicht. Dazu kann ich dort in Ruhe nach dem UKW-Radio sehen, das durch irgendeine Stromleitung gestört wird, sowie die Verbindung für GPS-Daten, die aus unerfindlichen Gründen nicht mehr funktioniert. Bereits unterwegs haben wir versucht, die Fehler zu finden, aber ohne Erfolg. Ohne Schaukeln klappt es vielleicht besser.

Gegen Mittag des 08. Juni hat der Wind zwar noch nicht viel gedreht, kommt aber mehr aus Ost als Nordost. So wenden wir und legen unseren Kurs auf 160°-170°, hart am Wind. In diese Richtung zeigt auch unser Bug, aber durch den Stromversatz segeln wir tatsächlich nach Osten, direkt gegen den Wind! Eine ganz neue Erfahrung, denn normalerweise (ohne so starken Stromversatz) ist das gar nicht möglich. Allerdings wird auch unsere Fahrt kräftig um 3,5-4Kn. verringert. So geht es hart am Wind mit 1,5-2Kn dahin bei der Überquerung der Straits of Florida, Richtung nördliche Bahamas. Einen Nachteil hat das Ganze, vor allem Nachts: durch den Unterschied zwischen Bugrichtung und Kurs wird es schwierig, die anderen Schiffe zu verfolgen und festzustellen, auf welchem Kurs diese unterwegs sind. Denen geht es ja auch nicht anders und ihre Positionslichter zeigen eine andere Richtung an, als sie tatsächlich fahren. So ist auch schwer zu erkennen, ob wir uns auf Kollisionskurs befinden oder nicht. AIS ist da eine feine Sache, aber unseres fällt leider immer wieder aus oder zeigt nur die Hälfte der Frachter und Kreuzfahrer um uns an. So wird es eine aufregende Nacht, gegen 22:00h folgt die nächste Wende mit Kurs nach Nordnordost auf unser Ziel zu. Später schläft dafür der Wind ein und wird zu einem sanften Säuseln mit 1-3Kn. Da hilft auch der Blister nichts und der Motor muss für die letzten paar Meilen herhalten. Immerhin ist unserer Taktik aufgegangen und wir werden am Vormittag zwischen 09:00 und 10:00h Settlement Point auf Great Bahama Island erreichen.

Um 10:00h fällt unser Anker an der Süd-Westseite von Grand Bahama Island und brav, richtig Deutsch, zuverlässig und pflichtbewusst, melden wir uns über Funk bei den Behörden. Wir erklären, dass wir nur für eine Nacht ankern wollen, um unser elektrisches Problem mit Funk und Navigation zu lösen, alles kein Problem, aber wir sollen doch einen Besuch abstatten. Wenn nicht mit dem Schiff, dann eben mit dem Dinghy. So rudere ich an der Küste entlang bis zur Hafeneinfahrt und melde mich bei Customs und Immigration. Ein paar Formulare sind auszufüllen, die Pässe werden gestempelt und zum Schluss kommt die große Überraschung: die Rechnung über $300. Wir diskutieren und reden, aber es hilft alles nichts. Dass auf den Bahamas eine solche Gebühr beim Anlaufen fällig wird, sei doch schließlich allgemein bekannt. Und wir liegen ja nun mal im Hoheitsgebiet der Bahamas vor Anker, also ist die Gebühr auch fällig. Ob wir einen Tag oder mehr hier verbringen, ist egal. Dass wir direkt von Panama kommen, erstaunt die Beamten sehr, erst recht, dass wir seit 7 Jahren mit dem Schiff in den verschiedenen Ozeanen unterwegs waren. Üblicherweise kommen hier eben nur Motorbootfahrer und ein paar Segler an, die mal eben aus Palm Beach oder Miami herüber kommen, um Urlaub zu machen. Da wir nicht so viele Dollars übrig haben, soll doch die Kreditkarte herhalten. Allerdings muss ich dafür in der Marina oder dem Hotelresort fragen, ob sie bereit wären, mir einen entsprechenden Vorschuss auf Kreditkartenbelastung auszubezahlen. In der Lobby des Resorts wäre man grundsätzlich wohl bereit, aber die Chefbuchhalterin ist gerade in der Stadt unterwegs und wird erst am Nachmittag zurück sein. Ich muss eben wieder kommen. Wenigstens ruft die Empfangsdame auch noch beim Zoll an und erklärt das gleich. So werden unsere Pässe erst mal einbehalten, bis die Schuld beglichen ist und ich kann zurück rudern.

Etwas später laufen auch Gudrun und Manfred von der „Schiwa“ ein und ankern neben uns. Das Wiedersehen nach 5 Jahren ist herzlich und freudig, die beiden werden mich später mit ihrem motorisierten Dinghy mit an Land nehmen. Aber erst gibt es natürlich viel zu erzählen.

Am Nachmittag klappt es mit dem Visa-Vorschuss, allerdings werden dafür auch gleich 10% aufgeschlagen. Gudrun lässt mich wissen, dass dies auf den Bahamas der übliche Satz ist, wenn man nicht an einen Geldautomaten gerät. Damit ist auch Zoll und Immigration zufrieden, ich bekomme unsere Pässe und wir können jederzeit weiter ziehen. Für den nächsten Tag verabreden wir uns mit „Schiwa“ zu einem Landausflug, wenn auch nur in das nächste Dorf, in dem es einen kleinen Supermarkt gibt. Doch bereits in der Nacht wird das Wetter schlecht, wir dümpeln fürchterlich im Schwell, der Wind dreht sich im Kreis und weht mit unterschiedlichen Stärken zwischen 0 und 25Kn.

Nachdem auch am nächsten Tag keine Wetterbesserung eintritt, verschieben wir den Landausflug und treffen uns nur an Bord für gemeinsamen Plausch, Kaffee, Kekse usw. und lernen ein neues Spiel kennen: „Mexican Train“. Es ist eine Art Dominospiel mit besonderen Regeln und wir konnten uns vorher nicht viel darunter vorstellen. Doch nach den ersten Runden und sobald wir die Regeln soweit begriffen haben, macht es richtig süchtig und wir sind angesteckt.

Der Landausflug wird am Donnerstag nachgeholt und wir bekommen ein „privates Taxi“, das uns nach 1 ½ Std. warten doch noch ins nächste Dorf fährt. Natürlich hätten wir in dieser Zeit auch zu Fuß gehen können, 1,5 Meilen sind ja nicht so weit, aber in der brütenden Hitze stellt sich das ganz anders dar. Ein Auto mit Klimaanlage ist da doch etwas anderes.

e_P1050019e_P1050024Während der Wartezeit entdecken wir eine kleine Eidechse, die uns anbalzt und ihren Kehlsack immer wieder aufbläht. Wir erledigen ein paar Einkäufe und müssen feststellen, dass die Verwendung von Kreditkarten gar nicht so einfach ist. Üblicherweise wird der Führerschein akzeptiert, da nur eine Identifikation mit Bild gefordert ist. Doch der Deutsche Führerschein hat kein Ablaufdatum, und genau das ist in den Computer einzugeben. Ohne Ablaufdatum keine Kreditkartenzahlung. Die Pässe sind an Bord und eine andere ID mit Bild haben wir nicht. Manfred hilft netterweise aus mit seiner eigenen Karte und wir bezahlen ihn dafür mit Euro. So ist allen geholfen und die Problemchen gelöst. Nach dem Verstauen der Einkäufe treffen wir uns auf Bomika wieder für die übrigen Runden „Mexican Train“, die wir letzten Abend abgebrochen hatten.

Freitag ist ein weiterer Basteltag. Die Fehlersuche beim UKW-Funk geht weiter und schließlich werde ich sogar fündig! Die Schraub-Verbindung und auch das Antennenkabel sind ziemlich korrodiert, also wird das Kabel ein Stück gekürzt, alles gesäubert und Dank Manni sogar mit einem neuen Stecker versehen. Denn die Stecker sind innen auch etwas verschmort und rostig. Wie es dann wohl im Mast Top mit der Radio-Antenne? Hat uns da evtl. ein Blitz erwischt? Die Enden werden so gut wie möglich gesäubert und gelötet, bis alles wieder tipp-top ist und nach dem ersten Versuch: keine Störgeräusche mehr! Also hat es doch geklappt, auch wenn der Tag dafür längst vorbei und die Dunkelheit herein gebrochen ist. Wir sitzen noch bei einer Flasche guten chilenischen Rotweins beisammen, bis wir uns alle für die Nachtruhe verabschieden. Am nächsten Tag werden wir gemeinsam aufbrechen nach Norden, nachdem die letzten Arbeiten und Vorbereitungen erledigt sind.

Fr – Di, 01.- 19. Mai 2015 (Panama; Balboa, Colon, Portobelo)

Den Feiertag verbringen wir an Bord, abgesehen von einem kurzen Landausflug, um einen bestimmten Laden zu finden (auch wenn er geschlossen ist) und für Internet. Ansonsten wird fertig verstaut, Listen erstellt was wir haben und was noch fehlt, die nächste Shopping Tour geplant und Emails beantwortet. Unsere langen Leinen werden ausgemessen um zu sehen, ob sie den Anforderungen für den Transit genügen, teilweise gekürzt oder aufgeteilt, die Enden betakelt.

Ein neues Abenteuer erwartet uns am Samstag. Denn es wird Zeit, unseren Diesel aufzufüllen. Die Tankpier in Playita bleibt bis Di oder Mi geschlossen, denn es wird ab Samstag mit viel Schwell, Sogwirkungen und Brandung gerechnet, die Marina verbietet daher eine Einfahrt und rät den Ankerliegern, ihre Schiffe an den Ankerplatz Las Brisas zu verlegen. Allerdings gibt es dort nur einen kaputten und gefährlichen Dinghy-Anleger, an dem sich bisher jedes Jahr etliche Segler ein paar Knochen wie Beine, Hüfte oder Rippen gebrochen haben. Die Ursache für die ganze Aufregung ist ein Jahrhundertsturm, der im Südpazifik in den hohen Breiten zwischen Neuseeland und der Spitze Südamerikas tobt. Dieser Sturm sorgt für ordentliche Wellen, die sich bis an die Küste von Mexiko und somit auch auf die Bucht von Panama auswirken. Allerdings gibt der Wetterguru der Funkrunde dazu Entwarnung, so schlimm wie von der Marina befürchtet wird es sicher nicht. Es gab wohl vor einem Jahr eine ähnliche Situation, aber damals wohl mit weit schwerwiegenderen Auswirkungen als diesmal. Der Schwell in der Bucht wird zwar um ca. 1m höher, ist aber auch langgezogen. Rund 20 Schiffe bleiben deshalb am Ankerplatz Playita und es kommen noch neue hinzu. Es schaukelt zwar ziemlich und die Brandung bei der nahen Untiefe entwickelt sich zu einem Surfer-Traum, ist aber – bisher – nicht gefährlich. Wir werden abwarten und können ja im Fall des Falles immer noch den Ankerplatz wechseln, sollte es zu schlimm werden.

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Wir melden uns über Funk bei der Tank-Pier von Flamenco Island an, werden auf eine Stunde vertröstet und merken danach, dass wir erst mal zur Marina Flamenco hinüber fahren und dann vor der Einfahrt und der Mole auf Abruf warten müssen. Nach einer weiteren Wartezeit sind wir an der Reihe, wir dürfen in die Nobel-Marina zum Tanken. Von den 3 Zapfsäulen ist nur eine in Betrieb, allerdings mit einer großen Zapfpistole, die nicht in unseren Stutzen passt. Wir befüllen erstmal einige unserer Kanister mit einem Trichter, dann den Dieseltank, ebenfalls mit Trichter. Den Hebel der schweren Zapfpistole darf man aber nur leicht drücken, sonst strömt es schneller als es durch den Trichter rinnen kann. So dauert es fast eine Stunde, in der die Arme immer länger werden und die Handgelenke schmerzen, die die Pistole in der richtigen Haltung halten müssen und gaaaanz vooorsichtig auf den Hebel drücken. Auch am Tank-Pier macht sich Schwell und Sog bemerkbar, die Schiffe und auch Bomika werden nach vorne und zurück gerissen, die Springleinen knarzen und ächzen dabei laut.

Einer der Neuankömmlinge aus dem Panama Kanal ist Andreas, der den Kat „Mathilda“ für einen Freund überführt. Er ankert gleich neben uns und überlässt uns die Reifenfender, in sauberes Plastik gehüllt und mit Leine versehen. Somit brauchen wir die eigenen Fender nicht verwenden und können die Reifen-Fender auf der anderen Seite dem nächsten Segler übergeben.

Am Sonntag sollte der Schwell am schlimmsten sein. Wir legen deshalb einen Bord-Tag ein und versuchen, etwas auszuruhen, Wetter und Wellen beobachten, und uns ansonsten durchschaukeln zu lassen. Doch der Schwell klingt bereits ab, auch der Wind beruhigt sich und es wird gemütlicher als am Samstag. Wenn man sowas immer etwas früher wüsste! Lisa hätte sich einiges an Aufregung gespart.

Eine neue Woche beginnt und der Vorbereitungsstress geht weiter. Am Montag steht die zweite Besorgungstour mit Luis an und es soll für uns ein langer Tag werden – zur Wäscherei, zum Balboa Yachtclub wegen Linehandler, zur Frigo-Firma für einen passenden Kühlregler, Ferreteria, Modemstick für Internet, Supermarkt, und nochmals zur Wäscherei. Allerdings entpuppt sich die Weiss-Wäsche als nicht mit Warmwasser gewaschen, auch die Buntwäsche muffelt noch genauso wie vor der Wäsche, Flecken und Schweißränder sind nach wie vor unverändert und kein Düftchen von Waschmittel ist erriechbar. Die Wäscherei war somit ein Griff ins Klo. Nach fast 13 Stunden ist die Shopping-Tour und die Fahrt quer durch Panama City beendet und wir geschafft und leicht genervt.

Am nächsten Tag geht es zu Fuß zum Marine-Warehouse in Las Brisis wegen der Filter für den Wassermacher, die wenigstens alle vorrätig sind. Eine letzte Absprache mit Roy wegen 2 zusätzlicher Linehandler muss auch noch sein. Auf den Hinweis, dass wir die Leute gut bewirten und mit ausreichend Getränken versorgen müssen, erzähle ich ihm von den Essensplänen an Bord von Bomika: Rührei mit Schinken, Curryhuhn mit Reis, evtl Pizza usw. Da läuft Roy das Wasser im Mund zusammen und er räumt uns kurzerhand einen Rabatt von US$60 ein. Die letzten Dieselkanister werden in Playita mit dem Dinghy gefüllt, das Fleisch für die Versorgung von Advisor/Pilot und Linehandlers eingelegt und mariniert. Morgen ist es soweit, der Kanal Transit steht an. Wir sind schon ziemlich aufgeregt, hoffen gut schlafen zu können und am nächsten Morgen rechtzeitig aus den Federn zu fallen.

Am Mittwoch, den 6.Mai heißt es früh aufstehen – für uns kein Problem, denn die Bordtiger werden in der frühen Dämmerung munter. Um 07:00h e_P1040567bin ich mit dem Dinghy in der Marina, wo Roy mit seinen 3 Linehandlern schon wartet. Zurück an Bord wird der Kaufhauskläffer (2T-Außenborder) und das Dinghy verstaut, dann gibt es Frühstück und danach wird der Anker gelichtet. Zwischen den Markierungsbojen Nr. 4 und 6 des Fahrwassers warten wir auf den Advisor, der von einem Lotsenboot gegen 08:00h an Bord gebracht wird.e_P1040568 Guillermo, so heißt unser Lotse, bekommt auch erstmal Frühstück serviert, danach geht es die letzten Seemeilen in Richtung Miraflores-Schleusen, vorbei an dem Kunstmuseum, das sich recht bunt und verschachtelt präsentiert, dem Balboa Yachtclub und unter der Brücke „Puente de dos Americas“ (Brücke der zwei Amerikas) hindurch. Vor der ersten Schleuse bilden wir ein Päckchen: der Katamaran „Wavelength“ in der Mitte, an dessen Steuerbordseite wir und an der Backbordseite das australische Schiff „Supertramp 3“ mit dem knapp 80-jährigen Einhandsegler aus Sydney.

Sobald wir grünes Licht bekommen, laufen wir in die erste der Miraflores-Schleusen ein. Die Schleusenarbeiter werfen ihre dünnen Leinen mit einer Affenfaust am Ende zu uns an Bord, an denen unsere Leinen zum hinauf ziehen festgemacht werden. Am vorderen Ende der Schleuse werden unsere Leinen an Pollern befestigt und von Bord aus von den Linehandlern auf Zug gespannt. Hinter uns wird nur noch ein kleiner Schubverband mitgeschleust, der an der hohen Schleusenwand eher verloren aussieht. Kaum sind die Schleusentore hinter uns geschlossen, fließt das Wasser mit hohem Druck in die Kammer und der Wasserspiegel steigt in rapidem Tempo. Schon bald öffnet sich das vordere Tor und wir fahren in die zweite Kammer ein. Die Schleusenarbeiter ziehen dabei unsere Leinen an Land mit und haben ein paar Höhenmeter zu überbrücken, wie auch an dem Zahnradband für die Loks zu sehen ist. Bei uns bleiben die Loks arbeitslos, die werden nur für die großen Pötte verwendet. Über den Schleusen steht ein mehrstöckiges Gebäude, ein Museum über den Kanal, auf dessen Balkonen die Besucher auf die Schiffe herunterschauen und winken. Nach der zweiten Kammer geht es den Kanal entlang zur Pedro Miguel Schleuse. Jede Schleuse hebt uns etwa 10m in die Höhe und ist 1.000ft lang, also ca. 300m. Nicht genug für die heutigen Ozeanriesen. Deshalb werden neue Schleusen gebaut, die 1.400ft (ca. 420m) lang sind und auch entsprechend breiter. Nach der letzten Schleuse geht es den Kanal entlang zum Gattun See.

 

Die Deutsche Yacht „Spica“ kommt uns entgegen, von der uns Reta schon erzählt hat. Wir erwischen ein nettes Foto von Spica, die gerade vor einem großen Autotransporter zur Schleuse fährt. Das Wasser verfärbt sich braun vom Uferschlamm, was auch durch die Bauarbeiten bedingt ist. Erst kurz vor dem Gattun See wird das Wasser wieder klar. Das Ufer ist üppig grün von tropischem Regenwald. Im Gattun See schauen Baumstümpfe und Baumspitzen aus dem Wasser. Nach Fertigstellung der Schleusen wurde der Wasserspiegel um etwa 20m angehoben, um für ausreichende Wassertiefe zu sorgen. Nach Fertigstellung der neuen Schleusen in 2017 soll ein weiterer Anstieg des Wasserspiegels um ca. 10m erfolgen. Am Abend erreichen wir das nördliche Ufer des Gattun Sees und somit auch die San Christobal Schleusen. In etwa 1sm Entfernung machen wir an einer großen Plastiktonne fest, der Advisor wird nach dem Abendessen abgeholt und am nächsten Nachmittag sollen wir die letzten Schleusen passieren, die uns auf das Niveau des Atlantiks zurück bringen.

Am zweiten Tag des Transits warten wir bis Mittag auf den Advisor und sind gespannt, wer es wohl sein wird. Guillermo hat es geschafft, seinen Wünschen Nachdruck zu verleihen und wieder zu uns an Bord zu kommen anstatt auf ein anderes Schiff versetzt zu werden. Nach dem Mittagessen, diesmal Hähnchencurry mit Kartoffeln, da gestern soviel Fleisch übrig geblieben ist, legen wir ab und fahren zu den Schleusen. Wir binden die drei Schiffe wieder zum altbewährten Päckchen zusammen. Diesmal begleitet uns das mexikainische Segelschulschiff „Cuauhtemoc“ in die Schleuse. Auf den Rahen stehen Matrosen, auch im unteren Teil der Wanten hängen noch Kadetten und Musik spielt auf. Durch 3 Schleusenkammern geht es wieder ca. 30m bergab. Über den Bug können wir problemlos in die nächste Schleusenkammer herab schauen, bevor der Wasserspiegel zu sinken beginnt. Ein kurzes Stück hinter den Schleusen treffen wir das Lotsenboot, das unseren Advisor aufsammelt. Danach fahren wir weiter zur Shelterbay Marina, in der wir schon einen Platz reserviert haben und unsere Linehandler absetzen. Roy kommt kurz vorbei, lernt endlich auch Lisa kennen und sammelt unsere Pässe nochmal ein, um uns für morgen gleich auszuklarieren und eine Zarpe zu besorgen.

In der Marina treffen wir auch altbekannte Freunde: Es gibt ein Wiedersehen mit Selinda und Paul von der „Mupfel“, die wir in Gomera kennen gelernt und zuletzt in Grenada getroffen hatten, sowie mit Reta und Gerd von der „Allegra“, die wir noch aus Madeira kennen. Die Marina ist angenehm und halbwegs luxuriös, doch für kurzzeit-Lieger auch recht teuer. $60 pro Tag werden uns abgeknöpft. Dabei liegt die Marina ziemlich „ab vom Schuss“, spendiert aber einen kostenlosen Busservice nach Quatro Altos, einer Shopping Mall in Colon. Wie lange die Fahrt dauert, hängt dabei von den Schleusen ab, die auf der Fahrt überquert werden müssen. Sind diese gerade für die Schifffahrt geöffnet, kann die Fahrt gut und gerne eine ¾ Stunde länger dauern wegen der Wartezeit.

Gleich am nächsten Tag, den 8.5., probieren wir das auf einem Ausflug mit dem Marina-Bus nach Colon aus. Ich steige im Einkaufszentrum aus, um die „Casa del Batterias“ zu besuchen und neue Verbraucher-Batterien zu besorgen. So große wie wir hatten (150AH) gibt es nur als Starterbatterien. Da heißt es rechnen mit den Maßen, wie viele passen in die Batteriebänke, was kostet das alles und wie viel Rabatt gibt es bei Rückgabe der „Alten“? Lisa fährt mit Reta und Gerd noch etwas weiter in die Stadt zum Frühstücken und später zum Einkaufsbummel. Bereits mittags sind sie auf der Rückfahrt. Ich selbst fahre vom Batterie-Haus weiter mit Taxi nach Colon Zentrum zur Zahnärztin Ida. Seit 2 Jahren versuche ich einen entzündeten Zahn behandeln zu lassen, der von einer 3er-Brücke überkront ist. Eigentlich sollte die ganze Überkronung erneuert und erweitert werden, aber das würde dauern und ganz schön ins Geld gehen. Stattdessen bekomme ich erst mal eine Wurzelbehandlung und eine Vorwarnung auf noch weitere anstehende Arbeiten im dentalen Bereich. Der behandelte Zahn ist nicht mehr fest mit dem Kiefer verbunden und hält daher auch die Brücke nicht mehr richtig, die obendrein brüchig geworden ist im Lauf der Zeit und heute nur notdürftig gekittet wurde. Ich entscheide mich, lieber etwas länger zu warten und dann ein neues Gebiss in Auftrag zu geben, damit es sich auch rentiert. Schließlich habe ich noch mehr Kronen, Brücken und Zahnlücken, die in die Jahre gekommen sind und wohl bald auch auf Erneuerung hoffen. Die fast 3-stündige Behandlung war sehr gut aber mit $540 auch recht teuer für meinen Geschmack.

Am Samstag erfolgt die Lieferung der neuen Batterien und die Rücknahme der Alten. Danach erfolgt gleich die Installation und der Anschluss der Batterien. Doch trotz unserer neuen SIM-Karten haben wir hier kein Internet und kein Telefon. Die Marina liegt zu abgeschieden und unser Anbieter Claro ist in dieser Ecke nicht vertreten. Die Marina bietet zwar Internet über WiFi an, aber nur für $10 extra. Für die 1-2 Tage rentiert sich das nicht für uns. Unser Großsegel wird abgeschlagen und am Steg fein säuberlich zusammengelegt. Dafür wird das neue Segel eingeschoren und aufgetucht. Fehlen nur noch die Latten zum Einschieben. Zu dumm, dass bei den Aktionen die 2te Reffleine im Baum verschwindet. Vom Leinenende ist nichts zu sehen. Den Baum können wir nur am hinteren Ende öffnen, das vordere ist fest aufgenietet. Um das Malheur zu beseitigen, bekommen wir Hilfe durch Allegra mit einem langen festen Draht. Eine offene Öse ins Ende gebogen, können wir das lose Leinenende herausfischen. Allerdings läuft dieses nicht mehr durch die Umlenkrolle auf dem Schlitten im Baum. Also auch gleich nach dem Schlitten im Baum angeln. Er wird soweit möglich nach achtern gezogen und mit einem Arm im Baum komme ich gerade mit den Fingerspitzen an die Umlenkrolle und kann mit viel Fummelei die Leine einfädeln und zurück holen. Beim Segelsetzen stellt sich dann heraus, die vordere Reffleine, die im Baum an den Schlitten gebunden ist, ist zu kurz – etwa 15cm fehlen. Beim Ordern des neuen Segels haben wir nicht daran gedacht und die zweite Reff-Reihe etwas höher ansetzen lassen. Jetzt haben wir den Salat. Zum Ausreffen müssen wir eben die vordere Reffleine am Segel abschlagen oder die Leine durch eine etwas längere ersetzen.

Sonntag, es ist bereits der 10.5. und die Zeit rennt uns davon. Trotzdem gönnen wir uns etwas Besonderes: einen Miefquirl in der Achterkabine, um zum Schlafen etwas Erleichterung zu haben und hoffentlich nicht mehr im eigenen Saft zu schmoren. Für den elektrischen Anschluss wollen wir ein Kabel zwischen der Außen- und Innenwand zum Dach führen und an den Stromkreis der Beleuchtung anschließen. Doch das erweist sich wegen der Biegungen zwischen Wand, Laufdeck und Kabinenaufbau als unmöglich. Mit Plan B klappt es besser. Das Kabel zur Backskiste führen und dort mit einem anderen Lampenkabel verbinden. Dazu wird noch eine LED-Beleuchtung für den ansonsten tiefen und immer dunklen Kleiderschrank an steuerbord gebastelt. Der Kleiderschrank, der sonst immer so dunkel war, dass man selbst bei Tageslicht kaum den Schrankinhalt genau sehen konnte, kann nun hell beleuchtet werden. Unsere Lötstation ist für die Arbeiten unauffindbar, seit wir sie vor langer Zeit einmal verliehen haben. Gerd hilft und bringt uns sein Lötwerkzeug vorbei. Bis alles fertig ist, geht der Sonntag zur Neige. Wie üblich, gehen solche Arbeiten an Bord nie leicht und zügig, immer wieder tauchen kleine Problemchen auf, die es zu lösen oder zu umgehen gilt und damit viel mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Am Montag melden wir uns in der Marina ab und begleichen die offene Rechnung, es folgen die letzten kleinen Vorbereitungen und Mittags werfen wir die Leinen los. Ab nach Portobelo, etwa 20sm nordöstlich von Colon, bei Gegenwind und Schaukelei unter Motor. Der Himmel ist mal wieder vollständig bedeckt, Wind 15 bis 20Kn auf die Nase und ruppige See – zumindest bis es mit 30m etwas tiefer wird und die Wellen sich ein klein wenig beruhigen. Nach passieren der Einfahrt mit der langen Mole fahren wir durch das weite Ankerfeld der großen Frachter und halten auf die Küste zu, damit wir keinem bei einem Manöver in die Quere kommen. Kurz nach 16:00h erreichen wir die Bucht von Portobelo und loten am Ende der Bucht die Tiefe aus. Weit über 50 Schiffe liegen hier vor Anker, darunter auch ein paar Wracks, die vor sich hingammeln. Es wird schnell flach und wir kehren wieder ein Stück um, werfen unseren Anker weiter hinten an der Südküste. Rainer von der „Elsa“ düst mit dem Dinghy hinter uns her – die Wiedersehensfreude ist groß! Aber er empfiehlt uns auch, uns am nächsten Tag weiter nach vorne oder auf die andere Seite umzulegen, da es an unserem derzeitigen Ankerplatz etwas gefährlich sei mit Diebstählen.

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Gleich in der Früh des nächsten Tages verlegen wir uns weiter nach vorne und liegen nun neben „Elsa“. e_P1040919Beim Landgang mit dem Dinghy legen wir direkt am Restaurant/Bar „Casa Vela“ an und begrüßen auch Birgit. Natürlich gibt es viel zu erzählen, nachdem wir uns das letzte Mal vor 5 Jahren getroffen haben. Rainer betreibt eine Segelreparaturwerkstatt und versteht sein Handwerk. Birgit betreibt die Bar und serviert jeden Tag ein Mittagsgericht, das bei den Seglern großen Anklang findet. Wir bringen Rainer unseren zerfetzten Blister vorbei und er will sehen, was sich noch machen lässt. Von Birgit erfahren wir auch alles Wichtige: wo, wie und was man etwas bekommt oder in die Stadt fährt. Ansonsten wollen wir unbedingt noch nach Puerto Lindo, um unseren Chilenischen Freund Alvaro samt Tochter Marie-Jose zu treffen, bevor er am nächsten Tag wieder abfliegt. Der Bus soll gegen 11:00h abfahren und so warten wir an der Haltestelle. Als der Bus in Richtung Costa Abierto nach über 1 ½ Stunden tatsächlich kommt, frage ich nochmal nach und uns wird gesagt, wir müssen auf einen anderen warten. Dieser fährt wohl nicht nach Puerto Lindo, sondern biegt vorher ab. Dabei soll ein Bus nach dort nur 2 oder 3 Mal täglich fahren. Schließlich suchen wir uns ein Taxi, handeln einen Fahrtpreis aus und stehen eine halbe Stunde später auf der Baustelle der Marina. Eine weite Ebene aus Sand und gelblich-brauner Erde mit ein paar Baucontainern ist alles, an den Schwimmstegen liegen einige Yachten. Strom und Wasseranschlüsse sind noch nicht verfügbar. Dass diese Marina in einigen Monaten fertig sein soll, können wir trotz der Betriebsamkeit der Arbeiter nicht glauben. Das wird sicher noch viel länger dauern. Wir finden Alvaros neues Schiff gleich durch die chilenische Flagge und den Yachtclub-Stander von Valparaiso, aber es ist niemand an Bord. Wir erkundigen uns auf einem der e_P1040837Nachbarschiffe, werden aber nicht schlauer. So hinterlassen wir eine Nachricht und machen uns auf den Rückweg. Kaum haben wir den Steg verlassen, kommt ein kleines Auto angerauscht. Die Wiedersehens-freude auf beiden Seiten ist riesig! Wir verbringen eine Zeit mit Alvaro auf seinem Schiff, einer Tayana 37 in recht gutem Zustand, während Marie-Jose schwimmen geht. Zu viert fahren wir nach Portobelo zurück, denn Alvaro muss auch noch die Voreigner dort treffen und möchte uns unbedingt bekannt machen. Nachdem Alvaro noch viel zu Basteln hat bevor er morgen zurück fliegt, gehen wir mit Bill und Sarah einen Happen essen und erzählen unsere Geschichte, die sie so interessiert. Die beiden Amerikaner sind hier hängen geblieben und haben deshalb ihr Schiff verkauft.

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Vor seinem Abflug aus Panama kommt Alvaro gegen Mittag des nächsten Tages mit seiner Tochter nochmal vorbei. Wir genehmigen uns jeder einen Hamburger alá Birgit in der Casa Vela, bevor wir uns mit dem Dinghy auf die Bomika verlegen. Schließlich hat Alvaro auch in Quintero, Chile, unser Schiff noch nicht betreten, sondern nur seine Töchter. Also höchste Zeit dafür. Zu mehr als einem Kaffee an Bord reich es sowieso nicht, denn die Zeit drängt und die Fahrt zum Flughafen ist noch weit.

Am Donnerstag steht noch eine kleine Ortsbesichtigung an. Zum einen wollen wir sehen, was in den Supermärkten und Ferreterias und zu welchen Preisen angeboten wird, zum anderen ist die Kunst-Galerie „Casa del Kongo“ heute geöffnet, die uns von Sarah nahegelegt wurde. Und das durchaus zu recht. Was wir dort an lokalen Kunstwerken zu sehen bekommen, erstaunt uns sehr und wir können uns kaum satt sehen. Zu viele Details, zu große Vielfalt an unterschiedlichen Werken und Stilen. Wir plauschen noch mit Birgit, bevor wir zurück an Bord fahren und dort umräumen, die Klamotten lüften und Schimmelbeseitigung im Schiff betreiben. Auch eine Installation von Programmen für Unterwegs wie Wetterfax und Airmail steht noch an, um für die Weiterfahrt gerüstet zu sein.

Bei Birgit steht eine Einkaufstour an, auf die wir sie begleiten, um unsere eigenen Bestände aufzufüllen. Für die Fahrt nach Colon erwischen wir einen weißen Bus, der eigentlich für Schüler und Arbeiter gedacht ist. Trotzdem hält er für uns und nimmt uns mit. Der ganze Bus ist leer, wir die einzigen Fahrgäste. Das bleibt auch so, er hält an keiner weiteren Haltestelle und so geht es recht flott in einer halben Stunde nach Colon, wo er uns direkt am Super99 absetzt. Als wir bezahlen wollen, nimmt er kein Geld! Wo gibt’s denn sowas? Nach dem Einkauf im Frucht- und Gemüsemarkt sowie im Supermarkt geht es mit dem Taxi weiter nach 4Altos, einer kleinen Shoppingmall. Die Haushaltswarenabteilung eines kleinen Kaufhauses ist gefragt, danach zum Supermarkt „Rey“. Unser Taxi bringt uns zurück und hält unterwegs an einer Hähnchengrillstation. Dort gibt es die besten Grillhendl, saftig, knusprig und gut gewürzt. Schwer bepackt kommen wir in Portobelo an, genießen schon mal eine Hendl-Hälfte und verladen unseren Einkauf ins Dinghy.

In der Nacht gibt es immer wieder Regen, die Luken, Skylights und Fenster müssen ganz geschlossen werden, als es immer heftiger von oben rinnt. Dazu gesellen sich zuckende Blitze und Donnergrollen. Am Ufer brüllen die Affen in einem schaurigen Chor. Als wir gerade wieder versuchen, in den Schlaf hinüber zu dämmern, verirrt sich eine kleine Seeschwalbe an Bord. Fatalerweise sucht sie auch noch Schutz in der Kajüte und mobilisiert damit unser Rollkommando. Feivel voran mit Tita im Gefolge jagen den kleinen Vogel und haben auch Erfolg dabei, gerade als Lisa dazwischen geht und den jungen gefiederten Freund aus Feivels Klauen errettet. Sie hält ihn schützend in den Händen, bis er sich von seinem Schrecken ausreichend erholt hat und in die Nacht hinaus fliegt.

Auch am Samstag regnet es weiter und hört nicht mehr auf. Das sonst klare Wasser ist schlammig braun gefärbt. Nichts für den Wassermacher, den wir heute zur Tank-Befüllung laufen lassen wollten. Auch für die Solarstrom-Produktion ist der dunkel bewölkte Himmel nichts. Wir bringen ein paar Sachen von Bord, die wir nicht mehr benötigen, aber Birgit gut gebrauchen kann, kaufen frisches (Giabatta-)Brot beim Italienischen Bäcker und werden danach von Birgit zum Lunch eingeladen: Thuna-Steaks mit Kartoffeln. Als wir uns nachmittags an Bord wieder an die Arbeit machen wollen, kommt der Australier Allen von der Supertramp3 vorbei. Er ist mit uns durch den Kanal gegangen und vor einer Woche in Shelterbay aufgebrochen. Allerdings musste er wegen widriger Winde und Strömung umkehren und wartet nun mit uns auf besseres Wetter. Er ist ein puritanischer Einhandsegler, GPS, Plotter, PC oder ähnliches sucht man bei ihm an Bord vergebens, ebenso einen Außenborder für das Beiboot. Mit seinen gut 70 Jahren ist er schon über 30 Jahre auf den Ozeanen der Welt unterwegs. Es wird ein längeres und anregendes Gespräch, unsere Arbeit bleibt liegen. Als Allen zurück rudert, fallen fliegende Ameisen über uns her, dazu gesellen sich die Mücken. Nach dem vielen Regen ist es besonders schlimm und die Juckerei ist zum Verrückt werden. Wie soll man da noch schlafen? Der heftige Juckreiz bleibt auch die nächsten Tage erhalten, mindestens 3 Tage hält er an, aber bis dahin gibt es ja genug neue „Anstiche“ und alles beginnt von vorn. Fußsohlen, Knöchel, Waden Kniekehlen, Hintern, Brust, Schultern und Arme – nichts bleibt verschont.

Am Sonntag wird unsere Windfahnensteuerung aufgemöbelt und erhält neue Zug-Kabel, neue Laufbuchsen und einen neuen Feststeller. Allerdings foppt uns die Drehachse der Windfahne. Die Führungsbuchsen der Windfahne sehen noch ganz okay aus, werden aber trotzdem ausgewechselt. Der Knackpunkt ist aber die Durchführung in der Haltestange: dort sind die Löcher etwas ausgeschlagen von der Abnutzung. Also werden die Löcher aufgebohrt von 11mm auf 19mm, damit auch dort Führungsbuchsen hineinpassen. So läuft das Ganze schon viel besser. Bis alles installiert und getestet ist, geht der Tag auch schon zu Ende und wir tropfen vor Schweiß. Eine kühle Dusche hilft aber nur kurzfristig, es ist einfach zu dampfig. Dass wir nachts immer wieder die Luken schließen müssen, weil es auch noch zwischendurch regnet, verschlimmert die Situation nur. An Schlaf ist nur sehr eingeschränkt zu denken, während wir in Bächen von Schweiß vor uns hin garen.

Für die Reparatur unseres Blisters wird noch Klebetape und Faden benötigt, den man nur in Panama City bekommt. Doch die für den Montag geplante Fahrt in die Stadt fällt ins Wasser. Nicht weil es regnet, sondern weil eine Straßensperre den ganzen Landstrich von Colon abtrennt. Eine Demonstration ist im Gange, die das Gesundheitswesen und die uneingeschränkte Nutzung des Zentralkrankenhauses nicht nur für Colon Stadt, sondern auch für die Region Colon fordert. Zunächst weiß niemand, wie lange die Sperre dauern wird. Weder Busse noch Taxis oder auch nur ein Handkarren kommt durch. Ich versuche es auf dem Fußweg in der Hoffnung, hinter der Sperre ein Taxi zu finden oder wenigstens den Platz, an dem die Busse umkehren und zurück nach Colon fahren. Mitfahrgelegenheiten gibt es keine – niemand will mich mitnehmen. Anscheinend mache ich den Eindruck eines zweifelhaften Subjekts oder die Leute hier sind nicht so hilfsbereit und freundlich wie in Polynesien. Nach etwa 5km frage ich einen jungen Mann, der mir begegnet. Die Busse drehen in „Maria Pequenia“ um, bis dort wären es noch mindestens weitere 5km. Die Demonstration und die Sperre werden aber mittags zwischen 12 und 13h aufgehoben werden. So mache ich mich eben auf den Rückweg. Nochmal 5km laufen in der Hitze – nein Danke! Nachmittags sitzen wir mit anderen Seglern in der Casa Vela zusammen, Lisa findet in Markus aus Wien einen guten Erzähler und Zuhörer, vor allem, wenn es um Formel 1 geht. Hauptthema ist der Film „Rush“ über Nicki Lauda und den Rennzirkus in der Zeit der 70er Jahre.

Dienstag, der 19. Mai. Heute klappt es mit der Fahrt nach Panama City, keine Demo stört die freie Fahrt. Der bunte Überlandbus hat allerdings eine halbe Stunde Verspätung, wird deshalb bald darauf vom nächsten Bus überholt und hält alle paar 100m, um weitere Fahrgäste einzusammeln. Nach über einer Stunde ist in Sabanita umsteigen angesagt in den Expressbus nach Panama City. Diesmal ist es ein normaler Reisebus mit Klimaanlage, der mich nach über einer Stunde bei der Universität absetzt. Von dort geht es im Taxi zum eigentlichen Ziel im Zentrum: El Tapiz in der Calle H. Dort in der Nähe finde ich auch eine Bank mit Automaten, die funktionieren. In Portobelo gibt es nur einen Automaten, der aber nur mit viel Glück Geld ausspuckt. Entweder ist er leer und wird erst nach Tagen aufgefüllt, oder eben einfach defekt und erkennt keine Fremd-Karten mehr. Wieder mit dem Taxi geht es zur Albrook Mall, an der sich auch der Bus Terminal befindet. Der Express Bus zurück ist bereits proppenvoll und bald gefüllt wie eine Sardinenbüchse. Stehend geht es in einer guten Stunde zurück nach Sabanita. Auch der nächste Land-Bus nach Portobelo ist gut gefüllt. Das Aussteigen an den vielen Haltestellen dauert entsprechend, bis sich Leute von ganz hinten nach vorne durchgequetscht haben. Als sich der Bus endlich soweit leert, dass es ausreichend Sitzplätze gibt, entert eine Schulklasse den Bus und alles ist beim Alten. Erstaunlich ist nur, dass frei werdende Sitze sofort von den ganz Jungen (Schulkinder um ca. 10J. alt) eingeheimst werden, sich freie Plätze gegenseitig zuschanzen und dazu offenbar auch von älteren Semestern ab und an dazu aufgemuntert werden, sich doch den freien Sitzplatz zu nehmen. Ist das die Liebe zu Kindern oder mangelnde Erziehung? Naja, nach rund 6 ½ Stunden bin ich zurück in Portbelo, schaue noch nach unserer Gasflasche, treffe aber niemanden an und düse gemächlich mit dem Schlaucherl zurück zur Bomika.

Für weitere Arbeiten bleibt trotzdem keine Zeit. Allen kommt noch vorbei und wir sehen uns die Wetterprognose für die nächsten 10 Tage an. Allen wird sich morgen auf den Weg Richtung Florida machen. Für uns wäre das evtl. auch das günstigste, aber unser Blister wird frühestens Mittwoch fertig werden. Kalkuliert man unseren Segelfortschritt mit ein, wird es für uns wettermäßig am besten sein, Freitagnachmittag oder Samstagvormittag die Segel zu setzen, um auch nach dem Runden von Cuba einigermaßen günstigen Wind zu haben, bevor wir den Golfstrom erreichen.

Mi – Do, 18.- 30. Apr 2015 (unterwegs nach Panama, Isla Contadora, La Playita)

Die ersten Tage im April bringen nicht viel Abwechslung. Der Wind bläst aus südöstlicher Richtung und schwankt zwischen 8 und 20Kn, ab und zu eine Bö mit 25Kn. Die Sonne macht sich rar wie eh und je und jeden zweiten Tag muss die Maschine herhalten, um die Batterien auf ein Mindestmaß zu laden. Am 03.April auf Position 08°30’S und 083°39‘W sichten wir bei Sonnenuntergang am westlichen Horizont ein paar Gebilde, die wir nicht richtig zuordnen können. Schiffe sind es nicht, sie bleiben stationär und verändern auch weder Form noch Aussehen. Ein paar Inseln? In keiner Karte sind welche verzeichnet, die Galapagos sind noch viel zu weit entfernt und sonst dürfte hier rein gar nichts sein! In einem Seglerbuch von den Klees werden wir fündig: das Ehepaar Klee hat auf etwa der gleichen Position ebenfalls diese „Inseln“ gesichtet, kamen aber zu dem Schluss, dass es sich um eine optische Täuschung gehandelt haben muss, die bei bestimmten Bedingungen von Wetter, Luftdruck und Sonnenuntergang hervorgerufen wird.

Am Ostersonntag fangen wir uns in den frühen Morgenstunden ein paar Leinen einer Schleppangel ein, es geht weder vor noch zurück. Wir kappen die Leinen, holen so viel wie möglich aus dem Wasser und kommen wieder frei, um uns einige Stunden später die nächste einzufangen. Dabei sind wir über 300sm weit von der Küste entfernt. Kurz darauf kommt ein offenes Fischerboot auf uns zu. Wollen die bei uns abkassieren für die zerschnittene Leine? Aber nein. Die Beiden müssen schon eine ganze Weile unterwegs sein, um sich so weit von der Küste zu entfernen, haben weder Wasser noch was zu essen an Bord und noch keinen Fang gemacht. Sie fragen uns nach etwas Essbarem und was zu Trinken. Unsere Vorräte sind nicht sehr üppig, vor allem, da ja auch unser Kühlschrank meist ausgeschaltet ist und auch die Bilgen wegen der warmen Wassertemperatur zu warm sind, um Wurst und Käse lange zu bewahren. Immerhin können wir frisch gebackenes Brot und ein paar Dosen Bier anbieten. Die beiden sind glücklich, bieten uns noch einen ihrer kleinen Köderfische an, die wir dankend ablehnen, und fahren weiter. Nach diesen Intermezzi ist der Wind wieder weg, Flaute soweit die Geduld reicht und darüber hinaus. Das laue Lüftchen dreht sich im Kreis, Wir ändern laufend die Segelstellung und lassen uns schließlich treiben. Die Sonne glänzt durch Abwesenheit, der Stromhaushalt wird immer dürftiger. Eine der 4 Batterien hat den Geist aufgegeben und lädt sich nicht mehr, wird deshalb abgeklemmt. Mit leichtem Wind, kaum Sonne und mal mehr, mal weniger bedecktem Himmel geht es in dunstiger Sicht dem Äquator entgegen.

Am 08. April fällt unsere Satelliten Kommunikation aus. Keine Emails, keine Wetterberichte mehr. Der Grund ist ganz einfach, dass das Ladegerät für das Telefon den Geist aufgegeben hat und nicht mehr lädt. Der alternative 12V Anschluss hat einen Wackelkontakt und schaufelt nur sporadisch ein bisschen Saft in die Batterie des Telefons, zu wenig und zu kurz, um es zu laden. Nach verschiedenen nutzlosen Versuchen und Tests werden einfach die Kabel abgeknipst und die Buchse des Ladegeräts mit dem 12V-Stecker verbunden. Das Experiment gelingt, der Wackelkontakt ist beseitigt und die Ladung funktioniert wieder.

Am späten Abend kurz nach 22:00h überqueren wir den Äquator. Nach über 4 Jahren sind wir wieder zurück auf der Nordhalbkugel. Irgendwie ein seltsames Gefühl, hatten wir doch auf der südlichen Hälfte trotz aller Widrigkeiten so viele schöne Erlebnisse, Begegnungen und glückliche Zeiten verbracht.

Nach einem Flaute-Tag mit wechselnden Winden ist es zunächst Schluss mit Rückenwind, Äolus kommt uns aus nordöstlicher Richtung besuchen. Dadurch stellt sich uns die Frage: sollen wir nach SE oder nach NW segeln? Näher an die Küste Ecuadors und eher zurück oder weiter von der Küste weg und dafür nordwärts? Keine Frage, natürlich nach NW. Nach weiteren Fischerleinen steht uns nicht der Sinn und Columbias Küste soll ja auch nicht die sicherste sein. In e_P1040495der Nacht wird es nochmal interessant, denn wir bekommen Besuch an Bord. Ein Tölpel Pärchen mit blauen Schnäbeln, roten Füssen und dem Teddybär Gesicht lässt sich auf den Davits nieder. Da kennt Tita kein Halten mehr. Mit schnellen Sprüngen jagt sie übers Deck und springt ins Beiboot, um sich von dort vorsichtig anzuschleichen. Die Tölpel lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und beäugen das Fellgeschöpf neugierig. Als Tita zu nahe kommt, wird mit den Flügeln gedroht und schon mal Richtung Fremdling gepickt, ohne aber wirklich zu treffen. Damit die Begegnung der verschiedenen Arten sich nicht zu Schlimmerem ausweitet, greifen wir ein und verscheuchen die gefiederten Gesellen. Nicht dass unsere Tita im Eifer des Gefechts ihre Vorsicht ganz fahren lässt und nachts über Bord geht.e_P1040493e_P1040497

Am nächsten Tag dreht der Wind auf Ost, bevor er nach Südost zurück dreht und wird immer schwächer. Ein weiterer Tölpel besucht uns und versucht erst am Mast, dann am Achterliek der Segel zu landen. Schließlich landet er auf dem Großbaum und hakt seine Flügel in die Lazyjacks ein. Als wir versuchen, ihn aus der misslichen Lage zu befreien und bevor er unser Großsegel mit seinen Hinterlassenschaften ziert, gelingt ihm die Entwirrung aus den Leinen der Lazyjacks auch ohne unsere Hilfe und er macht sich wieder auf den Weg. 600sm trennen uns noch von Panama und wir sind (noch) guter Dinge, bis Mitte April dort anzukommen.

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Auch die nächsten Tage bringen uns viel Flaute, unterbrochen von heftigen Böen von 30Kn, während der Wind sich ansonsten durch alle Himmelsrichtungen dreht. Strömender Regen begleiten die Sturmböen, die sich ebenso schnell verziehen, wie sie gekommen sind. Dafür setzt nun die Strömung südwärts und treibt uns bei Flaute oder wenig Wind zurück. Unser Reisefortschritt verlangsamt sich dramatisch und wir sind froh, wenigstens 20-30sm pro Tag zu schaffen.

Ein weiterer heftiger Squall, der Wind klettert von 10 auf 25Kn, dazu heftiger Regen. Die Sicht ist gleich Null, gerade der Bug ist och erkennbar. Dann dreht sich der Wind um uns herum von Süd auf Ost auf Nord auf Süd und Nordwest und wieder zurück, pendelt sich auf Nord ein und verschwindet. Nur ein laues Lüftchen bleibt, dazu der Regenguss und Gewitter und natürlich die Wellen, die sich gar nicht mehr beruhigen wollen. Dann kommt der Wind zurück, aber wie lange und aus welcher Richtung? Das ganze widerholt sich mehrere Male, wir treiben mehr als wir segeln, leider auch in die falsche Richtung.

Die Gewitter entladen sich ständig um uns herum, aus Wetterleuchten werden richtige Blitze, die auf das Meer herunter fahren. Nur gut, dass wir keine Ostfriesen sind – vorausgesetzt, es stimmt dass Ostfriesen bei Gewitter immer lächeln, weil sie meinen der liebe Gott fotografiert gerade. Bei dem vielen Blitzlicht würden sich unsere Gesichtsmuskeln ganz schön verkrampfen bei so viel in die imaginäre Kamera lächeln.

Der Wind dreht immer mehr, bläst uns aus NE auf die Nase, dann aus Nord, gleich darauf aus Süd usw., verschwindet dann fast ganz in einer Flaute und lässt uns in der Dünung schaukelnd und treibend zurück. So werfen wir ab und an die Maschine an, um wenigstens etwas voran zu kommen. Die Entfernung zu Panama verringert sich nur sehr langsam, ein voraussichtlicher Ankunftstag lässt sich nicht einmal schätzen. Ansonsten werden wir von Segelmanövern auf Trab gehalten uns Schwitzen in der dampfigen Atmosphäre. Genua ausbaumen an BBd, Genua einrollen, ausrollen und ausbaumen an StB, Großsegel hoch, Großsegel bergen, Genua bergen, dann wieder setzen usw., ein fortwährender Kreislauf. Wir fühlen uns wie Syssifuss.

Die heftigen Regengüsse bringen dabei auch keine Abkühlung. Es wird nur nass, feucht und dampfig wie in einer Sauna. Zwei Versäumnisse werden uns deutlich: in Quintero haben wir keinen Diesel mehr aufgefüllt. Ca. 100L hätten wir damals sicher noch im Tank untergebracht, wollten aber Geld sparen und haben nicht mir sooo vielen und ausdauernden Flauten gerechnet. Auch nicht mit so wenig Sonnenschein, dass die Batterieladung über die Solarpaneele entsprechend dürftig und unzureichend wird.

Das zweite Versäumnis: ich hätte den Stand der „prepaid airtime“ auf dem Iridium Telefon prüfen und ggf. nachladen sollen. Durch die Emails – vor allem Wetterabfragen und Schriftverkehr zu Bestellungen von Segel und Ersatzteilen nach Panama – haben doch mehr der Einheiten in Anspruch genommen als geplant, noch dazu bei der länger währenden Reise. Hinterher ist man eben immer schlauer!

Die Flauten nehmen kein Ende mehr. Nur für ein paar Stunden am Tag bekommen wir leichten, segelbaren Wind. Die Strömung geht meist mit 2-2,5Kn süd-westwärts, zwischendurch auch mal mit 1Kn nord-westwärts. Der Himmel bleibt Tag und Nacht bedeckt, die Sonne entzieht sich dauerhaft unserem Blick. Nur langsam geht es voran. Ob es wohl auch mal wieder besser wird? Wie viele Wochen werden wir noch dümpelnd und treibend auf dem Ozean verbringen? Da gähnen auch unsere Miezen.

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e_P1040514Am Morgen des 17.04. zieht ein Frachter nur knapp (etwa 1/4sm~450m) hinter uns vorbei. Endlich brist es auch auf und wir können wieder segeln. Nach 4 Tagen sogar mehr als nur eine halbe Stunde oder Stunde, der Wind hält bis mittags durch. Leider kommt er nicht unbedingt aus einer angenehmen Richtung, sondern genau auf die Schnauze. So ist Kreuzen angesagt, die Strömung steht dabei ebenfalls gegen uns. Danach setzt wieder Flaute ein, also doch nur ein kurzes Intermezzo des Windes.

Der Wind bleibt flatterhaft und bläst mal mit 20 Knoten, zwitschert dann mit nur 2-6Kn dahin aus unterschiedlicher Richtung, und variiert zwischen beiden Extremen. Das Patagonien Funknetz können wir auch diesmal nicht verstehen, nur die Stimme von Johann von der „Alea“ erkennen wir am Ende. Dafür meldet sich aber Jürgen von der „Caledonia“, der gerade unterwegs von Costa Rica nach Hawaii ist. Es tut gut, mal wieder eine bekannte Stimme zu hören.

Delphine begleiten uns, nachts von Glühwürmchen hell erleuchtet mit Glitzerschweif und tagsüber in den üblichen grau-weißen Farben. Die Gegenströmung erreicht bis 2,5 und sogar bis zu 3,9Kn, viel kräftiger als unsere Fahrt. So segeln wir bei achterlichem Wind rückwärts, ein merkwürdiges Gefühl.

Als wir in einer Flauten-Phase mal wieder den Motor laufen lassen, um auch die Batterien wenigstens zu 50% zu laden, geht der Diesel zur Neige und wir schalten sofort die Maschine ab. Die letzten 20L Reserve werden in den Tank gefüllt, um in einem Notfall bereit zu sein mit Maschine zu manövrieren. Als wir später einen Testlauf machen, ob die Leitungen noch entlüftet werden müssen, blockiert die Schraube. Da sich gerade auch der Wind wieder meldet, segeln wir langsam weiter, es wird sowieso bereits langsam dunkel. Am nächsten Morgen heftige Regengüsse und Gewitter. Die nächste Flaute kommt bestimmt und wir nutzen sie, um nach dem Propeller zu sehen. Nach etlichen Versuchen, selbigen von einem Haufen Unrat zu befreien, fördern wir Teile eines Bambus Floßes zu Tage, dessen letzte Teile mit einer festen Angelschnur zusammen gehalten werden. Der Bambus hatte sich zwischen Propeller und Rumpf eingeklemmt, die Leine um den Propeller gewickelt. Schließlich bekommen wir alles frei, die etwa 8cm dicken Bambusstücke von 50cm bis 150cm Länge treiben langsam achteraus. Auch unsere Logge scheint durch etwas leicht blockiert zu werden, wir können aber nichts finden.

Inzwischen sind wir nördlich des siebten Breitengrades, unser Ziel ist nahe gerückt und doch noch so fern. Nachts haben wir meist kräftigen Wind mit 20-25Kn auf die Nase, dazu Gewitter und Wetterleuchten. Winddrehungen um 50° und starke Strömung sorgen für einen übermäßigen Versatz beim Aufkreuzen und entsprechend wenig Fortschritt. Tagsüber flaut der Wind meist ab und wir treiben wieder zurück. Mit etwas Glück schaffen wir auf diese Art bestenfalls Etmale von 10sm, manchmal sogar weniger.

Als wir am 24. April nur noch 8sm bis zur Insel Contadora im Norden der Las Perlas trennen, sind wir sicher, diese in der Nacht spielend zu schaffen und befürchten eher, mitten in der Nacht bei Dunkelheit anzukommen. Ohne Detailkarten und bei den vielen Untiefen nahe der verschiedenen Las Perlas Inseln ein Unterfangen, dass eher ein mulmiges Gefühl aufkommen lässt. Aber natürlich kommt alles anders als gedacht. Das Aufkreuzen in der Nacht entpuppt sich als schwieriger als gedacht, Wind und Strom drücken uns immer wieder zurück zum Ausgangspunkt. Nach knapp 20 Stunden Segeln und über 70 gesegelten Seemeilen sind wir am nächsten Tag immer noch 4sm vom Ankerplatz auf Isla Contadora entfernt. Aber diesmal ist uns der Wettergott gnädig, bei 10-15Kn Wind schaffen wir diese letzte Distanz mit wenigen Kreuzschlägen innerhalb einer Stunde, dann werden die Segel geborgen und der Anker unter Maschine eingefahren. Bis zur Dämmerung dauert es nicht mehr lange und wir können in die Koje zum Ausschlafen. Allerdings werden wir gewohnheitsmäßig immer wieder wach – der Wach-Rhythmus steckt einfach zu tief drin und die sanften Bewegungen des Bootes sind ungewohnt nach so langer Zeit auf See.

Als wir am Morgen frisch aus der Wäsche schauen, ziehen Pelikane dicht über dem Wasser in Gänsemarsch-Formation dahin, Fregattvögel kreisen am Himmel und erinnern an Batman mit ihrer abgewinkelten Flügelstellung – oder war da Bacardi? Das Babystag wird versetzt, um Platz an Deck zu schaffen, die Abdeckung der Furlex-Rolle gleich richtig befestigt und abgeschmiert, dann das Schlaucherl ausgepackt, aufgeblasen und betriebsbereit gemacht. Auch wenn – oder auch gerade weil? – heute Sonntag ist, steht ein Landausflug an, um evtl. etwas Frischware in einem Minimarket zu ergattern und vielleicht irgendwo etwas Diesel zu bekommen. Das Anlanden bei leichter Brandung ist eigentlich kein Problem, nur beim Aussteigen werden Lisa gleich einmal die Füße weggerissen und eine erfrischende Dusche am Strand beschert. Wir wenden uns der Straße zu und gehen Richtung Flughafen immer an der Küste entlang. Über uns gleiten viele Condors dahin, überall zwitschert, pfeift und trällert es aus den Bäumen, ein endloses Geplapper der verschiedenen Vögel. Kolibris umschwirren uns auf dem Fußweg zur und entlang der Rollbahn.

Wir umrunden die Rollbahn im Südosten und gehen auf der anderen Seite den Schotterweg entlang. Dort soll sich in der nächsten Bucht eine deutsche Hotelanlage befinden, die aber einen verlassenen und verfallenen Eindruck macht. Kurz darauf sehen wir schon das obere Ende der Rollbahn mit dem Miniflugplatz. Am Strand treffen wir ein paar deutsche Touristen und als wir ins Gespräch kommen, stellt sich heraus, dass die Frau die zweite Frau des in Seglerkreisen bekannten „Contadora-Günthers“ ist. Günther ist vor einiger Zeit gestorben, lebte aber auf dieser Insel und hatte ein Funknetz für die Segler unterhalten, die im Raum Panama, Mittelamerika und Südsee unterwegs waren. So erfahren wir auch, dass es im kleinen Ort an der Nordwest Seite der Insel ein paar kleine Supermärkte gibt, zwei davon verkaufen auch Diesel und fungieren als Tankstelle. Zapfsäulen gibt es zwar keine, dafür aber einen Dieselcontainer im Hinterhof, aus dem per Schlauch in Kanister gezapft wird. Wir kaufen ein paar Sachen ein wie Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Gurken und Paprika, Käse und Wurst, dazu ein paar Dosenbier und machen uns voll bepackt samt gefülltem Kanister wieder auf den Rückweg. Eigentlich wollten wir uns den Ort noch etwas genauer ansehen, aber der Minimarkt schließt bald und mit der ganzen Last in der Hitze – da kommen wir lieber nochmal her für den Rundgang. Auf halber Strecke zurück zu unserer Ankerbucht nimmt uns ein Mini-Jeep mit, das vereinfacht den Rückweg immens.

Auf dem Flugplatz herrscht inzwischen reger Flugverkehr mit einer zweimotorigen kleinen Transportmaschine der Navy, zwei kleinen privaten Maschinen und einem Hubschrauber. Hauptsächlich werden für die Touristen Übungsflüge zum Fallschirmspringen gemacht, die zu viert, fünft und sechst über der Insel aus den Fliegern geschüttelt werden.

Anstatt in die Luft geht es bei uns ins Wasser. Am Bootsrumpf hat sich eine riesige Kolonie Entenmuscheln angesiedelt, die nicht nur die Fahrt stark bremsen, sondern auf Dauer auch den Bootsrumpf beschädigen können. Deshalb wird zumindest der obere Teil des Rumpfes mühselig abgeschabt. Die Biester hängen ziemlich fest mit ihrem gummiartigen Stil. Man muss schon mehrfach abschaben, um sie endlich vom Rumpf zu lösen. Während der Skipper noch im Wasser planscht, wird er von seinen vierbeinigen Mädels beäugt, bevor die nächste Schmusestunde angesagt ist. So hat eben jeder seine Aufgabe.

In unserer Nähe ankert auch eine Yacht mit Südkoreanischer Flagge. Das macht uns natürlich neugierig und so fahren wir einfach kurz rüber, um „Hallo“ zu sagen. Dabei verabreden wir uns auch gleich für den nächsten Nachmittag e_P4274069an Bord der Bomika. Joon, der junge Skipper und Eigner, sowie sein französisches Crewmitglied Manon freuen sich riesig und es wird ein gemütlicher Ratsch unter Seglern. Joon hat seine „Andromeda“ erst vor kurzem in der Karibik erstanden und freut sich schon auf die längere Passage zu den Marquesas und nach Amerikanisch Samoa. Manon hat dagegen vor, in Polynesien auszusteigen und mit einer anderen Yacht nach Australien weiter zu reisen.

An unserem letzten Tag auf Contadora und damit den Las Perlas – die ja noch viele weitere Inseln zu bieten haben – machen wir nochmal einen Landausflug. Diesmal nehmen wir einen kleinen Teil unseres Mülls mit und fragen am Hotel nach, ob wir ihn in die hoteleigenen Abfallbehälter werfen können. „No problem“ tönt es nur, und schon sind wir einen Teil der in den letzten 6 Wochen gesammelten Werke los. Wir marschieren ins Dorf, diesmal nicht an der Rollbahn entlang, sondern auf kürzerer Strecke. Das dauert wirklich nicht lange – aber wir haben ja auch nichts zum Tragen dabei. Obwohl die Wiesen braun gebrannt und vertrocknet, die Bäume meist kahl und entlaubt sind, hört man überall die Vögel krakeelen. Nur fotografieren lassen sie sich nicht und entschwinden spätestens in dem Moment, wenn sich der Focus justiert und man auf den Auslöser drückt.

Am Spätnachmittag des 28. April holen wir den Anker auf, setzen Segel und gehen das letzte Stück nach Panama an. Es sind zwar nur 41sm, aber die vergangenen Wochen haben uns gezeigt, wie lange auch so eine kurze Distanz sein kann – ein paar Stunden oder auch 4 Tage Fahrt. Die erste Stunde geht noch mit Segeln bei moderatem Wind, dann schiebt sich eine Flauten Phase ein. Wir motoren ein bisschen mit langsamer Fahrt, um nicht zurück zu treiben und nutzen die Gelegenheit, sobald sich der Wind, diesmal aus Ost, wieder zurück meldet. Für 4 Stunden geht es unter Segeln gemütlich dahin, der Schiffsverkehr nimmt dabei immer weiter zu. Wir sehen ringsum viele helle Lichter, die gehören aber nicht zu Balboa, sondern zu den vielen Frachtern, die auf Reede liegen und auf ihren Transit durch den Kanal warten. Kurz vor Mitternacht ist endgültig Schluss mit Wind, aber wir haben auch nur noch 24sm vor uns. Dafür reicht unser Diesel noch locker, selbst bei Gegenstrom. Einen großen Pott vor Anker umfahren wir knapp, beim nächsten müssen wir ausweichen, denn er holt seinen Anker hoch und nimmt Fahrt auf. Das geht ganz schön schnell, viel schneller als wir ihn passieren können. Schon erschallt ein tiefes Tuten von einem weiteren Frachter, der mit guter Fahrt auf uns zukommt und dem wir ausweichen müssen. Und das alles in stockfinsterer Nacht. Mit Trödeln ist bei dem Verkehr nicht, aber die Dämmerung sollte auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Wir erreichen unseren Ankerplatz neben dem Fahrwasser in Playita bei der Insel Flamenco gegen 07:00h, der Anker greift gut und wir klaren erstmal das Schiff auf und melden uns per email bei unserem Agenten Roy. Der ist von der schnellen Truppe und organisiert im Handumdrehen die Vermessung unseres Schiffes für den Transit durch die Kanalbehörde. Zwischen 09:00h und 13:00h werden sie vorbei kommen, also bitte an Bord bleiben! Nichts mit Schlafen oder Ausruhen nach der durchwachten Nacht. Mittags ist dann die Vermessung erledigt, wir haben unsere Registrierungsnr. und machen unser Dinghy schon mal fertig. Schließlich sollten wir uns ja auch im Marina Office melden, unseren Obolus für die Nutzung des Dinghydocks entrichten und unseren Müll der letzten 6 Wochen entsorgen. Am Nachmittag steht ein Treffen mit Roy an, doch wir warten vergebens. Als ich zurück zur Bomika fahre, um Lisa und auch meine Brille zu holen, trifft inzwischen Roy ein und ist wieder weg, kurz bevor wir wieder in der Marina sind. Er wurde aufgehalten bei einem anderen Klienten und den Behörden, und so verabreden wir uns für den nächsten Morgen.

Das Treffen mit Roy klappt diesmal am letzten Tag des April. Ich spreche mit ihm die Details durch für unsere Anmeldung bei den Behörden und den Kanal Transit und bekomme sogar noch unser neues Großsegel geliefert. Danach hole ich Lisa ab und wir rufen Luis an, den Taxifahrer für Segler. Zu einem Spezialtarif fährt er uns im Taxi durch die Gegend, weiß, wo was ist, und im Supermarkt schiebt er den Einkaufswagen, holt neue sobald einer voll ist, nimmt uns möglichst viel ab. Das einzig Dumme ist nur, es ist Donnerstagnachmittag und obendrein Zahltag, morgen ist Feiertag, dann Wochenende. So ist alles mit dem Auto unterwegs, verstopft Straßen und Einkaufspassagen. Immerhin schaffen wir es zur Wäscherei, zu Pakya, wo wir unsere Ersatzteile bei Marty abholen, zur Shopping Mall von Allbrook, um SIM Karten für ein lokales Handy und Datentransfer zu erstehen und zu einem Yachtausrüster, nicht zu vergessen den Supermarkt Rey am Schluss. Vollgepackt geht es zurück zur Marina, alles Ausladen und an den Dinghy Pier bringen. Inzwischen ist es ziemlich dunkel, aber wir treffen dort Allen vom Katamaran „Nauti-Nauti“, der uns anbietet, eine Fuhre in seinem Dinghy mitzunehmen. Lisa bleibt mit der letzten Fuhre zurück, während ich mit Allen die ersten beiden Ladungen an Bord der Bomika bringe. Zurück in der Marina nehme ich noch das Dinghy von „Wavelength“ in Schlepp, deren Außenborder ausgefallen ist. Mit dem Schleppverband an den Pier, den Rest des Einkaufs und Lisa einladen, schon geht es zurück an Bord. Unterwegs liefern wir unsere Schlepp-Last ab und sind noch einige Stunden beschäftigt, unsere Einkäufe von Deck in die Kabine zu befördern und den ersten Teil schon mal zu verstauen und aufzuräumen. Wir sind froh um den kurzen Aufenthalt auf der Insel Contadora, denn die Hektik und Menge an Besorgungen schlaucht ganz schön und richtig erholt von der langen Passage sind wir ja auch nicht. Wir hoffen, dafür etwas Zeit zu finden wenn wir durch den Kanal sind und während wir auf das passende Wetter warten für die Weiterfahrt. Man wird sehen, wie üblich.

Unsere Heimatflagge hat auf der Überfahrt ganz schön gelitten. Handgenäht aus festem Stoff, hat sie gerade 4 Monate überstanden.

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Mi – Di, 18.- 31. Mrz 2015 (unterwegs nach Panama)

Mittwochnachmittag, mit etwas Verspätung kommen die Vertreter von Capitania und PDI (Immigration) vorbei, der Papierkram wird an Bord erledigt. Nur der Zoll hat es nicht geschafft. Wir fahren mit der Lancha zurück zum Club, Maria-Lena fährt die Offiziere in ihre Behörden und begleitet mich zum Zoll. Alles ist schnell erledigt und ich im Yachtclub zurück. Ein letztes Verabschieden, dann zurück an Bord für die letzten Handgriffe. Christobal kommt nochmal vorbei und übergibt uns einen Club Stander zur Erinnerung, unsere Bayernfahne wird im Gegenzug künftig den Segel-Club schmücken.

Um 17:30h ist es endlich soweit, die Leinen sind los und wir motoren bei wenig Wind aus der Bucht von Quintero. Bei der Capitania (Hafenbüro) melden wir uns ein letztes Mal über Funk, dann bleibt die Küste immer weiter hinter uns zurück. Die Genua ist gesetzt, aber der Motor läuft noch mit, da der Wind noch zu schwach ist und wir Freiraum vor der Küste gewinnen wollen. Auch soll es außerhalb des Küstenschelfs etwas mehr Wind geben. Aber der stellt sich erst am Abend des nächsten Tages ein. Dafür nimmt er dann brav zu bis auf 20Kn und mehr und wir können gute Fahrt machen. Der Wind aus südlicher Richtung schwankt zwischen 10 und 20 Knoten und schiebt uns brav voran. Der Himmel ist bewölkt, die Sonne lässt sich nicht blicken. Das heißt auch: keine gute Ausbeute der Solarpaneele, und bei 10Kn Wind abzüglich Fahrtwind bleibt auch für den Windgenerator nicht viel übrig.

Die nächsten Tage bescheren uns viel Flaute, Wind unter 5Kn, also zu wenig zum Segeln, selbst der Blister kommt an seine Grenzen und fällt immer wieder zusammen. Wir dümpeln und schaukeln in der trotz Flaute noch aufgewühlten See, auch wenn die Wellen nicht hoch gehen. Richtiges „Waschmaschinen-Feeling“. Zwischendurch lassen wir die Maschine in der ärgsten Flaute immer wieder für ein paar Stunden laufen, um auch die Batterien wieder nachzuladen oder den Wassermacher laufen zu lassen. Obwohl wir besonders in der Nacht alle Strom-Verbraucher bis auf die Navigation ausschalten, werden die Batterien immer öfters tief entladen, bis am nächsten Morgen gegen 10:00h die Sonne hoch genug steht für die Solarpaneele, auch wenn sie von einer dicken Wolkendecke verhüllt ist.

23.3., fünfter Tag auf See. Am Abend kurz vor Sonnenuntergang lässt sich das erste Mal der gelbe Planet sehen! Seit unserer Abfahrt war der Himmel immer grau in grau, das Tageslicht meist nur eine Dämmerung, die nur für wenige Stunden etwas aufhellte und ein helleres Grau präsentierte. Nachts kommt uns ein Frachter entgegen und passiert uns in weniger als einer 1/2sm Abstand auf seinem Weg nach Süden. Am Horizont leuchten helle Lichter wie die entfernten Lichter einer großen Stadt, doch dafür sind wir viel zu weit von der Küste weg. Üblicherweise ist der Horizont bei so diesiger Sicht etwa 10sm entfernt, bei guter Sicht vielleicht 40-50sm. Wirr segeln aber in einer Entfernung von ca. 400sm von der Küste entfernt. Also ist das schlichtweg unmöglich. Wahrscheinlicher ist, dass es sich um eine Fischereiflotte handelt, die mit Halogenstrahlern die Fische anlockt und sich außerhalb der 200-Meilen Zone befindet.

Inzwischen ist es auch wärmer geworden, wir müssen uns für die Nachtwachen nicht mehr dick einmummeln. T-Shirt-Zeiten sind wieder angebrochen. Ansonsten geht es mühsam und langsam voran, von einer Flaute in die nächste. Immerhin hat inzwischen auch die Dünung soweit nachgelassen, dass die Schaukelei nicht mehr Wind produziert als tatsächlich weht und damit Windmesser, Windfahne und Segel durcheinander bringt.

Am nächsten Tag nimmt die dunkle Bewölkung wieder zu und ab 02:00h morgens ist es schon viel Wind, wenn die Anzeige über 3Kn Wind klettert. Irgendwie schmeckt auch unser Wasser aus dem hinteren Tank etwas seltsam. Eine Tankinspektion zeigt Braunalgen, die sich im Tank tummeln, also sind wir während der Flaute schon mal gut beschäftigt, den Tank zu leeren und zu reinigen. Bei Frischwasser vom Wassermacher fügen wir keine Chemie, Chlor oder gar Silber-Ionen zu und hatten nie Probleme damit. Aber in Chile hatten wir den hinteren Tank am Steg befüllt, der jetzt trotz Filtereinsatz beim Betanken dieses Ergebnis zeitigt. Nach der Säuberungsaktion ist natürlich der Wassermacher gefragt und somit darf auch die Maschine laufen, um den Strombedarf zu decken und uns hoffentlich schneller aus dem Flauten-gebiet zu bringen. Vorsichtshalber geben wir noch etwas Micropur in den Tank, dann sollte das Problem vorbei sein. Nur zum Spülen des Wassermachers dürfen wir das Wasser nicht mehr hernehmen. Die Silber-Ionen aus dem Micropur sind Gift für die Membrane. Wir dürfen eben nicht vergessen, rechtzeitig vorher auf den vorderen Wassertank umzuschalten. Der Wind dreht rund um die Uhr und 3Kn sind definitiv zu wenig zum Segeln. Immerhin wird der Pazifik mal richtig flach, wie wir ihn bisher kaum erlebt haben.

25.3., eine Woche unterwegs. Der Wind frischt endlich auf, weht aber aus NW bis West, also ziemlich aus der Richtung, wo wir hin wollen. Schnell baut sich auch wieder Welle auf, der Pazifik ist gar nicht mehr so pazifisch und zeigt wieder sein normales Gesicht an der Meeresoberfläche. Doch am Abend ist es damit schon wieder vorbei, der Wind dreht zurück auf SW bis SE, wird flautenhaft und böig. Wir wechseln zwischen ausgebaumter Genua und Blister, Treiben vor Top und Takel und langsamer Fahrt. Zwischendurch nutzen wir die Ruhe, um unsere Dieselkanister in den Tank zu füllen, der sich langsam geleert hat. Die ersten Paradiesvögel mit ihrer langen Schwanzfeder umkreisen unser Schiff, Tita gerät ganz aus dem Häuschen und bekommt große Augen. Aber keiner macht Anstalten, vor ihrem keckernden Mäulchen zu landen, welch eine Enttäuschung!

Die Sonnenstunden bleiben rar, unsere Batterien halten den Strom immer weniger, werden daher nachts immer öfter tief-entladen. Wetter und Wind bleiben wie gehabt und ändern sich erst am 28. März. Noch unter Blister segelnd, steigert sich der Wind auf angenehme 15Kn aus südlicher Richtung. Am frühen Nachmittag fällt dann die erste Böe ein mit fast 25Kn, zu viel für unseren Blister, der sich nach dem Zusammenfallen in einer Welle genau in der Böe mit einem Knall wieder bläht und prompt zerreißt. Sofort bergen wir das kaputte Segel, dessen Fetzen im Wasser hängen, und setzen stattdessen die Genua. Wir machen zum ersten Mal auf dieser Etappe gute Fahrt und kommen sogar zwischendurch ins Surfen, rollen die Genua zur Hälfte ein als der Wind weiter zulegt auf 25 bis 30Kn. Erst am nächsten Tag lässt der Wind etwas nach, bleibt aber kräftig. Die ausgebaumte und wieder volle Genua zieht uns fleißig voran, Winddrehungen von SE auf S und umgekehrt sorgen für eine Beschäftigungstherapie, wenn Genua und Baum geschiftet (auf die andere Seite genommen) werden müssen. Zum Monatsende haben wir 18 Breitengrade durchsegelt, 23 Breitengrade bzw. etwa 1.700sm liegen noch vor uns.

Unser Feivel, der jeden zweiten Tag auf Diät gesetzt wird, damit er nicht zu viel Speck ansetzt, hat sich anscheinend überwunden und überrascht uns: obwohl unsere Bordtiger seit der Atlantiküberquerung Frischfisch verschmäht haben, holt er sich jetzt einen an Bord gespülten Tintenfisch ins Cockpit und kaut darauf herum. Ganz und gar nicht lustig finden wir, dass dabei die bräunlich-schwarze Tinte in das Polster der Cockpitbank sickert und einen durchdringenden Geruch nach totem Fisch verbreitet.

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